Sonderwettbewerb Soziale Natur

Umweltbildung trifft Inklusion und Naherholung

Die große Vielfalt der Natur auf kleinem Raum sehen und erleben: Dazu lädt der Mitmach- und Erlebnisgarten MEGa am Hartmannshof in Rotenburg (Wümme) ein. Besucher finden auf 2,5 Hektar zahlreiche Lebensräume im Kleinen und Beete, 2400 Büsche aus 34 Arten und alle Bäume des Jahres. Kinder sind begeistert von den Erlebnis- und Spieleinrichtungen auf dem Gelände – etwa vom Spielnistkasten oder dem Summstein. Doch auch die Erwachsenen sind eingeladen, ihre Sinne zu schärfen, indem sie beispielsweise der Windharfe lauschen oder gemeinsam auf der Gruppenwippe körperlich erfahren, wie (ökologisches) Gleichgewicht entsteht und erhalten bleibt. Schulklassen und andere Gruppen sind eingeladen, eigene Beete zu bepflanzen und zu pflegen und bei Führungen über die Vielfalt der Natur ins Staunen zu geraten. Dieses Projekt hat der Nabu Rotenburg in Kooperation mit den Rotenburger Werken, einer diakonischen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, realisiert. Die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung gehört zum Konzept. Direkt neben dem Mitmach- und Erlebnisgarten MEGa liegt der Hartmannshof, ein ehemaliger Aussiedlerhof am Rande von Rotenburg (Wümme). Dort leben und arbeiten zwei Wohngruppen der Rotenburger Werke. Sie betreiben ein Hofcafé und einen kleinen Bioland-Hof mit Legehennen, Mutterkuhhaltung, Apfelwiesen, Kartoffeln und Getreide. Und sie helfen dem NABU Rotenburg bei der Pflege des MEGa. Der Garten ist ganzjährig geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Biologische Vielfalt ist eine der herausragenden Eigenschaften der Natur. Der Mitmach- und Erlebnisgarten MEGa versucht, sie augenfällig zu machen. Dazu tragen verschiedene Lebensräume ebenso bei, wie acht Hochbeete mit allen Gemüsefamilien und ein Gewächshaus, das am Beispiel Tomatensorten die biologische Vielfalt innerhalb einer einzigen Art aufzeigt. Spielerische Elemente zum Entdecken der Sinne runden das Gesamtkonzept ab. Die kleinen Lebensräume thematisieren, wie sich Artenzusammensetzungen ändern, wenn sich die Lebensbedingungen ändern. Außer einem Teich gibt es einen flachen Tümpel und eine Sumpfsenke. Direkt daneben lädt ein "Hochmoor im Kleinen" zum Entdecken seiner Besonderheiten ein. Es gibt eine Heidefläche zu sehen, eine Obstwiese, eine Trockwiese am Hang, mehrere Hügel, eine Benjeshecke und Vogelschutzhecken sowie alle Bäume des Jahres und eine mehrere Hundert Quadratmeter große Fläche mit den unterschiedlichsten Stauden. In der Nähe befindet sich der Schaubienenstand mit vier bis fünf Völkern sowie ein großer Nistkasten für Solitärbienen. Die Besonderheiten der kleinen Lebensräume sind auf ansprechenden Infotafeln erläutert. Kleinerformatige Drehtafeln geben Tipps für das Gärtnern und Naturerleben zu Hause - vom Kompost über alte Sorten und das Sparen von Wasser bis hin zur Funktionsweise eines Fernglases. Zudem sind alle Bäume des Jahres und die 34 Arten aus den Hecken mit eigens entwickelten "Blumentopfschildern" versehen, auf denen Besonderheiten vermekrt sind. Ein als kostenloser App aufs Smartphone herunterladbarer 60-minütiger Audioguide vermitttelt an mehr als 20 gekenzeichneten Stationen Hintergrundwissen, etwa zur Idee der Benjeshecke, zur Arbeitsweise von Pomologen und zu einzelnen Pflanzenarten. Alterntiv zur App werden im Hofcafé Audioguidgeräte zur kostenlosen Ausleihe bereit gehalten. Um erlebnisorientierte Führungen für Gruppen, Schulklassen und KIndergärten anbieten zu können, hat der NABU ehrenamtliche Führer geschult. Sie können über die unter anderem dafür gegründete gGmbH "Bündnis für Naturschutz und Inklusion" günstig gebucht werden. Alternativ stehen über die Homepage kostenfrei Rallyes für verschiedene Altersgruppen zum Download bereit. Seit seiner Einweihung im Mai 2015 ist der NABU bemüht, den MEGa durch attraktive Ergänzungen interessant zu halten und Besucher immer aufs Neue anzuziehen. Zu nennen sind die Ansiedlung eines aderswo nicht geduldeten Volkes der Kahlrückigen Waldameise, der Bau eines Lichtwasserteiches mit zusätzlicher Steganlage und der Wiederaufbau eines im Norden des Landkreises Rotenburg geborgenen denkmalgeschützten Schaftstalls mit Reetdach. Im Schafstall befindet sich eine vom NABU zusammengetragenen und mit Kurzinterviews versehene Ausstellung mit Fotos aus der Geschichte der Landwirtschaft im Landkreis Rotenburg. Sie macht ohne erhobenen Zeigerfinger deutlich, wie das Wirtschaften die Landschaft verändert hat, wodurch die biologische Vielfalt in Feld und Flur zurückgegangen ist. Als diakonische Einrichtung betreuen die Rotenburger Werke in und um Rotenburg mehr als 1000 Behinderte. 36 davon leben auf dem Hartmannshof direkt neben dem MEGa. Zudem dient der MEGa vielen Wohn- und Arbeitsgruppen als lohnendes Ausflugsziel. Dass der Besuch für jedermann kostenlos ist, ist nicht nur für Menschen mit Behinderung wichtig, die oft nur über sehr wenig Taschengeld verfügen. Auch Familien mit mehrern Kindern und Senioren mit ihren Enkeln nutzen das Gelände häufig. Den Besuch im MEGa kann sich jeder leisten, egal, über welches Einkommen er verfügt.
Nur 700 Meter entfernt beginnt das 600 Hektar große Naurschutzgebiet Großes und Weißes Moor mit zahlreichen, gut genutzten Wanderwegen und einem großen Badesee als zusätzliche Attraktion. Direkt von den Toren Rotenburgs gelegen ist diese Region ein gut genutztes Naherholungsgebiet. Durch die Anlage des Mitmach- und Erlebnisgartens ist der Hartmannshof als zusätzlicher starker Anziehungspunkt in unmittelbarer Nähe hinzugekommen. Dadurch wird der Hof - und damit die dort wohnenden Behinderten - Woche für Woche von vielen hundert Menschen besucht. Nicht selten nutzen die Menschen mit Behinderung ihren Heimvorteil und führen Interessierte durch die Anlage und erläutern Stationen: Der MEGa verbindet Umweltbildung mit Inklusion und Naherholng und Inklusion. Menschen mit Behinderung haben ein Projekt vor der Haustür, an dessen Entstehen sie teilhatten und auf das sie stolz sind und das sie gerne zeigen. Außer Umweltbildung und Erholung wird auch die gegenseitige Wahrnehmung und Wertschätzung gesteigert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Als Naturschutzbund war es das wichtigste Anliegen des NABU bei der Planung und Anlage des Mitmach- und Erlebnisgartens, biologische Vielfalt und ihre Bedrohtheit zu thematisieren. Nicht zuletzt aufgrund der Kooperation mit den Rotenburger Werken, die das Grundstück für den Garten zur Verfügung stellen, bot sich die Gelegenheit, die angestrebte Umweltbildung mit Aspekten von Inklusion zu verknüpfen. Im Ergebnis ziegt sich, wie gut beides zusammenpasst. Eine Konsequenz aus der geglückten Zusammenarbeit ist die Gründung der gemeinnützigen GmbH "Bündnis für Naturschutz und Inklusion" 2018. DAbei wird versucht, das Miteinander auf andere Bereiche als den MEGa auszudehnen. Unter anderem hat es bereits mehrere gemeinsame Arbeitseinsätze gegeben, zum Beispiel beim Anlegen einer Obstwiese in Sottrum, in der Landschaftspflege (Beseitigung der Späten Traubenkirsche) im Moor bei Hellwege und im Zuge eines gemeinsamen Beweidungsprojektes bei Rotenburg. Ohne das ermutigende Beispiel und die guten ERfahrungen mit dem MEGa hätte es diese Ausweitung des Miteinanders von Behinderten und NABU-Ehrenamtlich nicht gegeben.


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Dokumente

Die App für unseren Audioguide hat leider 68 MB und ist damit zu groß. Sie ist kostenlos herunterladbar unter https://mega-rotenburg.jimdo.com/audioguide/

 

Besuchen Sie uns

Mitmach- und Erlebnisgarten MEGa auf dem Hartmannshof

Hartmannshof
27356 Rotenburg (Wümme)

Öffnungszeiten: ganzjährig ganztägig, kostenfrei

Herr Roland Meyer
Tel.:04263-911206
r.meyer@nabu-rotenburg.de
http://www.mega-rotenburg.de, www.nabu-rotenburg.de, www.naturschutz-inklusion.de

 

Weitere Infos

NABU Rotenburg e.V., Bündnis für Naturschutz und Inklusion gGmbH
Rotenburg (Wümme)

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