Wo einst Panzer parkten, ist nun das Zuhause von Wiesenpieper und Islandpferd

Nach dem vollständigen Rückbau der ehemaligen belgischen Großkaserne „Camp Altenrath“ und der Renaturierung des Geländes wurde eine Fläche von rund 40 ha in das landesweit bekannte Naturschutzgebiet „Wahner Heide“ integriert.
Ziel war die Entwicklung eines weiträumigen Offenlands mit einzelnen belebenden Strukturelementen wie Gehölzen, Rohböden, Feuchtbereichen und Böschungen.
Hier entstanden neue, attraktive Lebensräume für seltene und spezialisierte Arten sowie wertvolle Biotopstrukturen, die bereits nach kurzer Zeit von diversen bedrohten Arten angenommen wurden.
Der nun wieder hergestellte offene Charakter der Renaturierungsfläche mit Gras- und Staudenbewuchs sowie sich ausdehnenden Heideflächen, wird durch ein bedarfsgerechtes Beweidungskonzept langfristig sichergestellt - ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Die ehemalige belgische Panzerkaserne Camp Altenrath entstand 1951 im Zentrum der Wahner Heide. Fast 50 Jahre wurde sie durch die belgischen Streitkräfte militärisch genutzt. Die letzten belgischen Soldaten zogen 2002 ab und ließen auf dem rund 40 ha großen Gelände unter anderem 121 massive Gebäude und ca. 18 ha vollversiegelte Flächen zurück. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat als Eigentümerin entschieden, die Gebäude abzureißen und das Gelände in Gänze der Natur zurückzugeben.
Das gut verständliche und einfache Motto lautete: „zurück zur Natur“.
Die Abriss und Renaturierungsarbeiten dauerten insgesamt vier Jahre. Die renaturierten Flächen des ehemaligen Kasernengeländes sind nun mit den Flächen des landesweit bedeutsamen FFH- und Vogelschutzgebiets „Wahner Heide“ vernetzt. Mit seinen Offenlandbiotopen und mehr als 700 Rote Liste Arten, rund 100 Brutvogelarten und über 2500 Käferarten, gilt es als das artenreichste Naturschutzgebiet Nordrhein-Westfalens.
Die enge Verzahnung des ehemaligen „Camp Altenrath“ mit dem artenreichen Naturschutzgebiet „Wahner Heide“ und den vielfältigen Wechseln der Bodenverhältnisse, machen das Areal zur einer Fläche von höchster Biodiversität. So findet man auf den rund 40 ha Renaturierungsfläche, neben einem großen Spektrum an Vogelarten, wie Heidelerche, Schwarzkehlchen und verschiedenen Pieper-Arten, auch eine Vielzahl an Pflanzenarten mit unterschiedlichen Ansprüchen. Sowohl die Heidenelke, die auf trockenen Sandböden wächst, als auch das Geflecktes Knabenkraut und die Zweiblättrige Waldhyazinthe, die feuchtere Lehmböden bevorzugen, kommen in der Fläche vor.
Damit dieses einzigartige Naturjuwel auch für viele Jahre erhalten bleibt und sich weiter positiv entwickelt, hat der Bundesforstbetrieb Rhein-Weser gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises ein „Beweidungsprojekt“ konzipiert.
Die Beweidung sorgt dafür, dass in den wertvollen Offenlandbiotopen der natürlich aufkommende Busch- und Waldbewuchs aus Kiefern, Birken und der nicht heimischen Spätblühenden Traubenkirsche zurückgedrängt wird und der Offenlandcharakter erhalten bleibt.
Die Tiere hemmen mit ihrem Verbiss nicht nur den ungewünschten Gehölzaufwuchs, sondern sorgen auch dafür, dass die Heidevegetation vital bleibt, denn der stetige Verbiss fördert ihre Verjüngung.
Seit 2015 weiden während der Sommerzeit unterschiedliche Haustierrassen einträchtig auf der Fläche: 15 Islandpferde zusammen mit jeweils rund 20 Bentheimer Landschafen und Thüringer Waldziegen. Bedarfsabhängig erfolgen im Spätherbst maschinelle Nachpflegearbeiten.
Das Beweidungskonzept mit den drei unterschiedlichen Weidetierrassen sorgt für eine ausgewogene Beweidung der Fläche, denn jede Art hat Ihre Vorlieben für bestimmte Pflanzen.
Von allen Weidetieren sind Pferde am stärksten auf Gräser spezialisiert, sie fressen auch Arten, die bei anderen Tieren unbeliebt sind, wie Pfeifengras oder Land-Reitgras. Durch die Vorliebe der Pferde für das Wälzen im Sand werden vermehrt Bodenflächen offen gehalten. Von dieser Weidewirkung profitiert z.B. der Wendehals. Diese Vogelart ernährt sich und seine Jungvögel vor allem von Ameisen und auch anderen Insekten, die er am Boden sucht. Ein weiterer positiver Effekt ist der Pferdedung: so ernähren sich einige Vögel wie der Neuntöter hauptsächlich von Großinsekten wie z.B. Mistkäfern, die reichlich von dem Pferdedung angelockt werden.
Die Bentheimer Landschafe sind mit ihrem breiten Nahrungsspektrum aus Heidekraut, Gräsern, krautigen Pflanzen und jungen Laubgehölzen quasi die Allrounder.
Ziegen - die Kletterkünstler unter den Weidetieren - erklimmen auch steile Böschungen, die von den anderen Tieren nicht beweidet werden. Sie können sich zur Nahrungssuche auf die Hinterbeine stellen und sind dadurch prädestinierte Gehölzfresser. Die Thüringer Waldziegen fressen den Aufwuchs von Spätblühender Traubenkirsche, Kiefer und Birke, die von den anderen Weidetieren eher gemieden werden.
Die Koppelhaltung der Weidetiere bewirkt zudem eine Lenkung der erholungssuchenden Bevölkerung. Somit können Bodenbrüter wie Ziegenmelker, Heidelerche, Feldschwirl und andere empfindliche Arten im Gebiet erfolgreich brüten. Über den Parkplatz bzw. den durch das Gelände verlaufenden Wanderweg, können die Besucher einen schönen Einblick in das Gelände bekommen. Dabei ist das Gebiet ein Anlaufpunkt für viele Familien um Schafe, Ziegen und Pferde einmal hautnah in der weiten Landschaft zu erleben. Eine Informationstafel am vielbesuchten Wanderparkplatz klärt jeden über das Renaturierungsprojektes auf. Zusätzlich führt Bundesforst bundesweite, interne Schulungen zum Thema Artenschutz/Renaturierung am Beispiel des "Camp Altenrath" durch. Ziel ist es, die hier gesammelten Erfahrungen bei der Renaturierung von ehemals militärisch genutzten Liegenschaften als Vorbild weiterzugeben, damit weitere Projekte erfolgreich umgesetzt werden und somit ein Beitrag zum Erhalt der Biodiversität geleistet werden kann.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch die Kombination aus Renaturierung und Offenlandpflege durch Beweidung konnten wertvolle Habitatstrukturen und Lebensräume geschaffen werden.
Trotz der Nähe zum Ballungsraum Köln/Bonn und der unmittelbaren Randlage zum Flughafen Köln-Bonn weist das ehemalige „Camp Altenrath“ bereits jetzt durch das Vorkommen und die gezielte Förderung diverser besonders geschützter Arten einen großen Artenreichtum auf. Damit leistet das einstige Kasernengelände für den Naturschutz in der „Wahner Heide“ und zum Erhalt der biologischen Vielfalt nicht nur einen wichtigen Beitrag in der Region, sondern aufgrund des Vorbildcharakters, der durch die Schulungen von Bundesforst bundesweit Nachahmer finden kann, sogar darüber hinaus!


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Dokumente

Informationstafel zum Rückbau der Kaserne Camp Altenrath

Zeitungsartikel Camp Altenrath

 

Besuchen Sie uns

Ehemalige Kaserne "Camp Altenrath"

Alte Kölner Str.
53842 Troisdorf

Öffnungszeiten: Täglich, ein freigegebene Wanderweg führt durch das Gelände. Es besteht Anschluss an das Wanderwegenetz der Wahnerheide

Herr Achim Urmes
bf-rhw@bundesimmobilien.de
https://www.bundesimmobilien.de/

 

Weitere Infos

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bundesforstbetrieb Rhein-Weser
Troisdorf

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