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Menschen für biologische Vielfalt

Faszinieren, inspirieren, motivieren – das will der Blog „Menschen für biologische Vielfalt“. Hier stellen wir Ihnen Menschen vor, die sich auf vielfältige Weise für die Biodiversität stark machen. Sie sprechen über ihr Engagement, ihre Verbindung zur biologischen Vielfalt und zeigen, was man für die biologische Vielfalt tun kann.

Viktoria Schmidt,

Hobby-Imkerin und Ideengeberin der Online-Plattform nearBees

In meinen Erinnerungen sind die Sommer meiner Kindheit voll von saftig roten Kirschen – und den stechlustigen Bienen meines Großvaters. Dass Ertrag und Qualität bei Obst und Gemüse maßgeblich von der Bestäubung durch Bienen abhängt, wurde mir erst bewusst, als mein Großvater aus Altersgründen mit der Imkerei aufhörte. Nicht nur das emsige Summen fehlte plötzlich. Die Pflanzen im Obstgarten meiner Großeltern trugen urplötzlich keine Früchte mehr.

Angesichts dieses unmittelbaren Zusammenhangs zwischen Bienen, Ertrag und Artenvielfalt in der Natur wollte ich mich ausgiebiger mit diesen faszinierenden Insekten beschäftigen und besuchte einen Imkerkurs. Als Hobby-Imkerin betrachtete ich 2012 in meiner Masterarbeit ausführlich das „Zusammenleben von Mensch und Biene“: nearBees entstand als Ergebnis dieser Arbeit.

 

Im Hinblick auf invasive Schädlinge, Klimawandel und immer stärkere Pestizide sind Honigbienen ohne die Fürsorge und Pflege eines Imkers nicht überlebensfähig. Mit dem digitalem Marktplatz nearBees wollen wir der kommenden Imker-Generation eine einfache Möglichkeit bieten, Honig online und zu fairen Preisen zu vermarkten. Unser langfristiges Ziel ist es, wieder für mehr Bienen und den Erhalt einer artenreichen Natur zu sorgen.

 

Mehr über die Vermarktungsplattform und das Thema „lokaler Konsum“ lesen Sie im Interview mit Viktoria Schmidt.

Prof. Dr. Rainer Drös,

Lehrer und Projektleiter an der „Stützpunktschule für Evolution und Biodiversität“

Von Jugend auf habe ich mich für die Artenvielfalt sowohl vor unserer Haustür als auch in anderen Regionen der Erde interessiert. Stand zunächst das Interesse an exotischen Wirbeltieren im Vordergrund, kamen im Laufe der Schulzeit und während meines Biologiestudiums die einheimische Kleintierwelt und die Pflanzen Mitteleuropas als weitere Themen hinzu. In den letzten Jahren wurde die heimische Vogelwelt zu meinem Hauptinteressengebiet.

Als Lehrer an der „Stützpunktschule für Evolution und Biodiversität“, aber auch in meiner örtlichen Naturschutzgruppe, ist mir das Vermitteln von Kenntnissen zu einheimischen Ökosystemen und Organismenarten ein großes Anliegen. Denn dieses Wissen halte ich für unverzichtbar, wenn es um den nachhaltigen Schutz, die Erhaltung und die Pflege unserer Ökosysteme geht.

Mehr über Rainer Drös’ Tätigkeit in der „Stützpunktschule für Evolution und Biodiversität“ lesen Sie im Interview mit ihm.

 

Foto: Prof. Dr. Rainer Drös. Das Vermitteln von Kenntnissen zu einheimischen Ökosystemen und Organismenarten ist ihm ein großes Anliegen. Foto: Bernhard Budig/NABU-Ortsgruppe Mauer

Hans von Hagenow

Demeter-Landwirt und einer der Leiter von Haus Bollheim: Biologisch-dynamischer Landbau

Ende der 1970er stand ich vor der Frage, was ich aus meinem Leben machen will. Sensibilisiert für Umweltfragen war ich schon durch die Berührung mit der Anti-AKW-Bewegung und die Bücher von Rachel Carson „Der stumme Frühling“ und Herbert Gruhl „Ein Planet wird geplündert“. Über Umwege habe ich schließlich die biologisch-dynamische Landwirtschaft entdeckt und das hat mich zu Haus Bollheim geführt.

Die Auseinandersetzung mit der Landwirtschaft, das Arbeiten im und mit dem Lebendigen, öffnete mir die Perspektive, etwas Handfestes zu tun. Einen landwirtschaftlichen Betrieb als einen Organismus, gar als betriebliches Individuum zu erleben, ist für mich eine wunderbare Erfahrung. Das Einzigartige erlebe ich hier zum einen vielleicht im faustischen Sinne mit der Frage nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ und zum anderen im Miterleben des Jahreslaufes und in all dem, was sich in der Natur zeigt.

Biodiversität hat einen festen Platz bei unserer Arbeit auf Haus Bollheim. Für mich war es in den ersten Jahren die konkrete Arbeit auf dem Acker und im Stall – beides inspiriert und fasziniert mich heute noch. Jetzt erfüllt mich die Arbeit am „Ganzen“, in der Vermarktung und der Organisation. Dazu gehört auch die Begegnung und Erfahrung mit unseren Kunden. Von ihrer Seite schlägt uns immer wieder Begeisterung entgegen – für die Qualität unserer Produkte, aber auch für die Art und Weise, wie wir arbeiten und wie wir unsere Arbeit darstellen.

Lisa Schäfer

Gärtnerin, Landwirtin, Naturpädagogin und Phytotherapeutin auf dem Erlebnisfeld Bauernhof

Durch meine unterschiedlichen Berufe habe ich zu meiner Berufung gefunden: die Lebenspflege. Das Leben ist bunt – je bunter, desto besser. Als Gärtnerin weiß ich die Vielfalt von standort- und witterungsangepassten Gemüsesorten zu schätzen, als Bäuerin das Potenzial robuster, genügsamer Tierrassen.

Im Moment versuche ich besonders, mehr Vielfalt auf den Acker zu bringen – mit vielfältigen Kulturen, kleinflächigem Anbau, Unter- und Zwischensaaten und der Duldung von Beikräutern. Dazu lege ich Wildobsthecken an, die verschiedenen Tieren Nahrung und auch Lebensraum bieten. Um die Vielfalt zu erhalten, bauen wir samenfeste Sorten an und Saatgut selbst nach: von verschiedenen Bohnensorten über Kürbis und Pastinaken bis hin zu Zuckererbsen. Darüber hinaus halten wir beispielsweise Skudden. Das ist eine alte Hausschafrasse, die vom Aussterben bedroht ist.

Nähere Infos über den „drunter & drüber“ Erlebnisfeld Bauernhof: http://www.drunterunddrueber.eu

Foto: Manin Schäfer

Claudia Günther

Jugendbildungsreferentin der Naturschutzjugend (NAJU) in Brandenburg

Vor 20 Jahren bin ich zur Naturschutzjugend gekommen. Hier begriff ich die Komplexität der Ökosysteme und unseren Einfluss darauf: Alles ist irgendwie von allem abhängig und wenn wir Lebewesen ausrotten, fällt das letztlich auf uns zurück. Seitdem bemühe ich mich, Kindern und Jugendlichen die Natur nahezubringen und ihnen aufzuzeigen, wie wichtig es ist, sie zu schützen – vor allem vor uns selbst. Wie Kinder reagieren, wenn man mit ihnen die Natur erforscht und überlegt, wie Arten zu schützen sind, ihre Neugier und ihr Wissensdurst, ihre Liebe zum Detail: Das macht mich glücklich und stimmt mich zuversichtlich.

Froh bin ich auch, dass das Entdecken der Natur überhaupt noch ein Thema ist, mit dem man sich beschäftigt, denn eigentlich überwiegt doch die Sorge um den Artenerhalt und Schutz. Es gibt erschreckende Zahlen zum Rückgang der Insektenvielfalt. Viele werden es an ihren Autoscheiben im letzten Jahr gemerkt haben – das freut zwar Autofahrer und Autofahrerinnen, ist aber ein Alarmsignal. Wenn die Insektenzahl und Masse zurückgeht, hat das direkten Einfluss z.B. auf die Vogel- und Amphibienwelt.

Die Natur ist ein einziges großes Wunder. Keiner kann von sich behaupten, es vollständig zu erfassen und zu begreifen. Wenn ich mich damit beschäftige, wie eins vom anderen lebt und abhängt, dann komme ich immer wieder ins Staunen über die Genialität der Schöpfung. Mich faszinieren oft die kleinen Dinge, z. B. die Entwicklungsstufen der Schmetterlinge, der Stieglitz beim Samenpicken an einem so dünnen Halm oder die Arbeitsteilung im Ameisenstaat. Aber auch die Blumengärten rund um die Bäume mitten in der Großstadt oder der blühende Löwenzahn in der Bordsteinrinne erfreuen mein Herz.

2017 stehen unsere Seminare übrigens unter dem Motto „Vielfalt erhalten, Zukunft gestalten!“; auch der Wettbewerb “Erlebter Frühling“ und unsere Umweltbildungsstätte im Unteren Spreewald gehören dazu. Ich möchte einfach gerne aufklären und Lust zum Mitmachen erzeugen! Denn wenn aus Vielfalt Einfalt wird, wird aus bunt grau.

 

Foto: Marie Baumann

Gesa Maschkowski

Wissenschaftsredakteurin und Gründungsmitglied von „Bonn im Wandel“

Mich fasziniert die Idee, dass ich dazu beitragen kann, die biologische Vielfalt zu regenerieren und vielleicht sogar zu verbessern. Ich erlebe das in unserem Garten. Meine Tochter hat ihn nach Permakulturprinzipien gestaltet: Das heißt, dort gibt es viel Futter für Insekten, Vögel und auch für uns. Wenn dann eine blaue Holzbiene im Garten herumschwirrt, ein Specht auf dem altem Holzstamm herumhackt oder ein Schwarm Distelfinken in den Sonnenblumen pickt, dann macht mich das glücklich. Mich fasziniert auch das Bodenleben: die Vorstellung, dass gut ein Drittel aller Arten unter der Erdoberfläche lebt. Und dass es unsere Verantwortung ist, gut für diese Lebewesen zu sorgen, die letztendlich die Erde fruchtbar machen.

Wir beziehen unser Gemüse und Getreide aus der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) in Bonn. Dieses Projekt hat „Bonn im Wandel“ angestoßen. Wir haben die SoLaWi vor fünf Jahren ins Leben gerufen, damit es in Bonn eine größere Auswahl an vielfältigen und fairen Biolebensmittelerzeugern gibt. Was auf den Feldern der SoLaWi nicht wächst, das kaufen wir im Regio-Bioladen ein. Ein bisschen ernten wir auch in unserem Gemeinschaftsgarten. Ganz besonders lieben wir unsere eigenen, samenfesten Tomatensorten aus dem Garten.

Lesen Sie mehr zum Thema im UN-Dekade-Interview mit Gesa Maschkowski.

Mehr über „Bonn im Wandel“ erfahren Sie auf der Website der Initiative: www.bonnimwandel.de

Holger Kleinjung

Metzger in der 3. Generation und Gründungsmitglied der Regionalmarke „Bergisch pur“

Wir wollen erhalten, was wir haben. Noch ist Vielfalt da, aber die geht uns flöten, z. B. durch Monokulturen. Unser Fleisch stammt häufig von alten Nutztierrassen. Und unsere Wurst, die braucht keine Zusatzstoffe. Wir schützen die Vielfalt, indem wir sie essen. Und tun dabei was gegen die gezielte Gleichschaltung des Geschmacks.

Mein Großvater und Vater haben es schon so gemacht: Wir schlachten selbst und verwerten das ganze Tier. Ich kenne jedes Tier persönlich, sehe es aufwachsen auf der Weide und weiß, dass es ein gutes, würdevolles Leben hat. Das ist schon was ganz anderes als Massentierhaltung. In unserer Metzgerei gibt es eine große Wertschätzung für das ganze Tier.

Foto: von www.metzgerei-kleinjung.de

Prof. Dr. Wilhelm Barthlott,

forscht u.a. auf den Gebieten Biodiversität, Taxonomie und Bionik

Die Natur ist seit Jahrmillionen in der Testphase. Die fertigen Resultate liegen da. Wir müssen nur hinschauen! Die Biodiversität ist ein Ideengeber, eine Grundlage für Bionik. Geht sie verloren, verschwinden mit ihr fantastische Lösungen für unser Leben. Aber nicht nur deshalb müssen wir sie schützen: Diese Vielfalt ist etwas, das es nur einmal gibt, hier bei uns auf der Erde. Was ausstirbt, ist unwiderruflich verloren.

Ich bin der tiefen Auffassung: Wir müssen die biologische Vielfalt erhalten. Z. B., indem wir den Konsum reduzieren, ganz generell. Und beim Einkaufen extrem darauf achten, was wir kaufen. Aber das ist alles sehr schwierig: Man könnte immer noch mehr machen, aber man will sich ja auch selbst nicht total reduzieren. Ich habe auch keine Lösung. Außer: Das Bewusstsein zu ändern.

Sabine Röser

Architektin und Möbelgestalterin bei StadtwaldHolz

Im Kölner Stadtwald gibt es 15 bis 20 Baumarten. Warum Holz aus der Ferne nehmen, wenn’s vor der Haustür eine solche Vielfalt gibt?

Es macht einfach Spaß damit zu arbeiten: Jedes Holz riecht anders, fühlt sich anders an. Das vermitteln wir auch in unserem Umweltbildungs-Projekt Out of School: Die Kinder kommen zu uns in die Werkstatt und erleben, wie vielfältig der Wald ist.

Ohne biologische Vielfalt können wir alle nicht überleben. Jedes noch so kleine Element ist wichtig. Und wir haben insgesamt noch zu wenig Wissen über die Kreisläufe, darum ist es besonders wichtig, alles zu erhalten.

Die Ursprungsidee für StadtwaldHolz hatten mein Mann und ich nach dem Orkan Wiebke 1990. Wir haben eigentlich schon immer nachhaltig gedacht. Bei den ganzen umgeknickten Bäume kam uns die Frage: Was passiert eigentlich sonst mit dem Holz aus dem Stadtwald? Die Mengen, die dort geschlagen werden, sind nicht lukrativ für Sägewerke. Für unsere Schreinerei ist es aber genau richtig. Statt Brennholz daraus zu machen, ist eine Kaskadennutzung doch besser. Wenn der Tisch dann in 200 Jahren durch ist, kann man ihn immer noch verbrennen. Wir verwerten auch Holzabschnitte und machen daraus Brettchen, Stiftehalter usw. Denn jedes Stück Holz ist ein CO2-Tresor.

Die Entwürfe für die Möbel kommen von mir – oft nach der Vorstellung der Kunden. Mein Mann setzt sie dann in der Werkstatt um. Die Vorliebe für ein Holz ist den Leuten meistens schon anzusehen. Dann ist schon in den ersten 2 Minuten des Gesprächs klar, ob jemand eher die elegante Kirsche oder rustikale Eiche wählt, Ulme oder Mammutbaum.

Im Stadtwald sind auch viele Bäume mit „Migrationshintergrund“. Sie werden in dem Naherholungsgebiet auch nach ästhetischen Gesichtspunkten gesetzt: Da haben Sie dann eine Zaubernuss, die im Winter blüht oder den Lebkuchenbaum, dessen Laub im Herbst nach Lebkuchen duftet. Mein persönlicher Liebling ist die Roteiche, ein Baum aus Nordamerika. Die hat einen sehr warmen Rotton, einen starken Ausdruck und ist trotzdem beruhigend. 

Erich Gussen

Landwirt in der Jülicher Börde, Teilnehmer des UN-Dekade-Projekts „Summendes Rheinland“

Durch die Arbeit in der Natur in Feld und Flur erlebt man die Vielfalt unserer Region in besonderer Weise – und erkennt auch Veränderungen durch den Einfluss der modernen Gesellschaft. Gerade die von Jahreszeiten und Witterung bedingten Entwicklungen in der Natur, die Einflüsse auf Pflanzen- und Tierwelt faszinieren mich. Aber durch die heutigen Arbeits- und Lebensbedingungen entfernt sich die Bevölkerung immer mehr vom Verständnis für Natur und deren Abläufe. Das ständige reichhaltige Angebot an Lebensmitteln bewirkt, dass sogar das Wissen über einfachste Zusammenhänge verloren geht.

Bürger, die einen eigenen Nutzgarten haben und pflegen, haben dieses Wissen noch und erleben die Natur. Viele Menschen meinen aber eigentlich die Kulturlandschaft, wenn sie über Biodiversität sprechen; sie wissen nicht, dass diese nur durch unser Handeln entstanden ist. Beim Projekt „Summendes Rheinland“ mache ich auch deswegen mit, weil durch einfache und kleine, aber effektive Maßnahmen wie Blühstreifen und Insektenhotels (Gabionen) viel erreicht und vor allem der Bevölkerung vermittelt werden kann.

Auf der einen Seite fordern die Leute, in der Landwirtschaft soll alles wieder back to the roots gehen: weniger Maschinen, mehr Handarbeit. So könnten wir aber die Ernährung nicht sichern. Auf der anderen Seite fahren sie mit ihren SUVs in den Wintersport, der ohne Schneekanonen oft gar nicht möglich ist und wollen im Februar schon Erdbeeren haben. Wenn also back to the roots, dann müssten eigentlich alle zurück, denn es hängt alles zusammen. Für einfache Lösungen ist die Welt heute mit ihren unzähligen Verknüpfungen einfach zu komplex. Das muss man im Hinterkopf behalten.

Auch im Alltag behalte ich die biologische Vielfalt im Blick, z. B. bei der Pflege unseres Nutz- und Ziergartens sowie der Außenanlagen und Randbereiche des Hofes. Auf unserem Hof pflanzen wir selbst gezogene Eichen und Buchen sowie verschiedene Obstbaumarten  wie Äpfel, Kirschen, Zwetschgen und Mirabellen. Darüber hinaus haben wir einen Nistkasten für den gefährdeten Steinkauz aufgehängt, der sich hier in der Jülicher Börde besonders wohlfühlt.

Foto: Martina Goyert

Natalie Kirchbaumer,

Geschäftsführerin von „meine ernte“

 

Biologische Vielfalt bedeutet für mich vor allem, die Natur in ihrer ganzen Pracht zu entdecken, zu erhalten und etwas zurückzugeben. Gleichzeitig ist es mir sehr wichtig, meine Familie gesund und abwechslungsreich zu ernähren. Mit der Gründung von „meine ernte“ gelingt es, diese beiden Herzensangelegenheiten zu vereinen.

Während des Studiums haben meine heutige Geschäftspartnerin Wanda und ich uns noch oft von Fertiggerichten ernährt. Später kam die Einsicht: Eigenanbau wäre das Beste – was jedoch in der Großstadt schwierig umsetzbar ist. Wir haben dann mit einem Landwirt darüber gesprochen, bepflanzte Äcker anzubieten. „meine ernte“ war geboren.

 

In den Gemüsegärten kann jeder einen Teil zur Biodiversität beitragen und diese erhalten. Durch die breitgefächerte Auswahl an Gemüsesorten bieten wir eine gute Grundlage, um Artenvielfalt zu fördern. Darüber hinaus verbinden wir die Menschen wieder mit der Natur und versuchen, sie für dieses anfällige Ökosystem zu sensibilisieren. Gleichzeitig spüren sie, wie befreiend sich das Gärtnern auf ihr Seelenleben auswirkt.

 

Lesen Sie mehr über „meine ernte“ im UN-Dekade-Interview mit Natalie Kirchbaumer.

Prof. Dr. Josef Settele. Foto: Patrick_Mascart

Prof. Dr. Josef Settele

UFZ und iDiv-Insektenforscher und Co-Vorsitzender des Globalen Assessments im Weltbiodiversitätsrat IPBES

Biologische Vielfalt ist für mich mit einem Wort: Lebensqualität. Das ist zunächst eine Empfindung der Schönheit der Vielfalt in der Natur.

Insekten zum Beispiel faszinieren mich seit meinen frühen "Expeditionen" in die nähere Dorfumgebung (ausgestattet mit Netz und Tagesproviant). Und ich bin ihnen bis heute treu geblieben. Dabei wurden Schmetterlinge schnell zentral.

Biodiversität als Lebensqualität ist aber auch wörtlich zu verstehen: als Garantie für die Bereitstellung dessen, was der Mensch braucht. Mich fasziniert die Vielfalt der Lebensformen, die Schönheit und die Rolle, die die Biodiversität für das Funktionieren von Ökosystemen spielt – nicht zuletzt für die Ernährung der Menschheit:

Wir müssen die Ernährung quantitativ (Kohlehydrate etc.), aber auch qualitativ (Vitamine etc.) sichern und dabei darauf achten, die anderen natürlichen Ressourcen nicht im Übermaß zu beanspruchen. Letztlich bedingen sich Landnutzung und Biodiversität in unserer heutigen Welt gegenseitig und müssen in Einklang gehalten bzw. gebracht werden.

Darum beschäftige ich mich seit über 30 Jahren mit Landnutzung – insbesondere mit der Integration von Landwirtschaft und dem Schutz der Artenvielfalt. Das Vermitteln des Wissens um Sachverhalte nimmt (neben Forschung und Koordination) einen großen Teil meiner Zeit ein.

Peter Wohlleben

Autor und Vertreter der nachhaltigen Forstwirtschaft

Biodiversität an sich ist kein Wert. Global gesehen vielleicht, aber lokal sagt das gar nichts. Die höchste Biodiversität bezogen auf Säugetiere haben Sie im Zoo. Ist das deswegen Natur? Nein.

Beim Wald wird ja ganz häufig gesagt: „Der ist so dunkel und wenn wir den auflockern, erhöhen wir die Artenvielfalt.“ Und das stimmt nicht. Sie reduzieren sie, verschieben sie aber in ein Spektrum, das wir sehen können. Gleichzeitig verlieren Sie im Boden irre viele Arten, die an bestimmte Bedingungen angepasst sind – Käfer, Spinnen, Hornmilben, Springschwänze, von denen eigentlich noch kein Mensch weiß: Was machen die eigentlich? Ein ganzer Teil davon ist nichtmals entdeckt. Da gibt es in Deutschland ganz viele weiße Flecken. Dafür ist einfach kein Forschungsgeld da.

Und wenn dann jemand davon redet, dass man die Artenvielfalt erhöht ihm Wald, kann man eigentlich nur sagen: Setzen, Sechs! Denn dafür müsste ich erst mal wissen: Welche Arten habe ich, welche bekomme ich und wie verschiebt sich das ursprüngliche Spektrum? Bei Biodiversität muss man daher ganz vorsichtig sein: Das Einzige, was man machen kann, um die ursprünglich heimischen Arten – und um die geht’s ja – zu erhalten, ist eigentlich nur eins, nämlich: nichts.

Wer selbst etwas für Bäume tun will, sollte die im eigenen Garten aus Samen aufziehen. Denn Bäume aus Pflanzungen haben ein beschädigtes Wurzelsystem. Und wer allgemein etwas für die Wälder tun möchte, kann eine Bürgerinitiative gründen, die sich um ihren lokalen Wald kümmert. Da reichen schon fünf oder zehn Leute, die können schon unheimlich viel bewirken. Es braucht seine Zeit, keine Frage, aber es ist möglich.

Prof. Dr. Jörg Junhold

Direktor des Zoo Leipzig, der seit 20 Jahren zum Zoo der Zukunft umgebaut wird

Als Sohn eines Veterinärmediziners war mein Weg vorgezeichnet und ich konnte mich der Faszination der Tierwelt nie entziehen. Im Herbst 2017 bin ich seit 20 Jahren Direktor des Zoo Leipzig und habe in diesen zwei Jahrzehnten eine ganz besondere Verbindung zum Thema Biodiversität entwickelt.

Jeden Tag setzen wir uns als Team des Zoos dafür ein, unseren Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu leisten. Einerseits nehmen wir an mehr als 60 Erhaltungszuchtprogrammen für Nachwuchs bei den bedrohten Arten teil und unterstützen gleichermaßen Freilandprojekte in den natürlichen Lebensräumen. Andererseits ist es mir eine besondere Herzensangelegenheit, die Möglichkeiten des Zoos als größte außerschulische Bildungseinrichtung für und im Sinne des Artenschutzes auszuschöpfen. Nur wer Tiere kennt, wird Tiere lieben und sie schützen. Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es daher, die breite Öffentlichkeit für die Tier- und Pflanzenwelt zu begeistern, sie emotional zu berühren und ihnen die Bedeutung, Faszination und Bedrohung der Biodiversität gleichermaßen bewusst zu machen.

Die internationale Zoogemeinschaft und Institutionen wie der WWF und die Weltnaturschutzunion IUCN agieren zunehmend geschlossen, um gemeinsam für den Erhalt der Biodiversität zu kämpfen. Wenn es uns mit immer neuen Zuchterfolgen gelingt, bedrohte Arten zu erhalten und die Begeisterung der verschiedenen Generationen beim Beobachten der Tierwelt zu erleben, stimmt es mich zuversichtlich, dass sich unser steter Einsatz für den Erhalt und Schutz der Biodiversität lohnt. 

Foto: © Zoo Leipzig

Markus Wolff

Gründer und Vorstandsvorsitzender von Wald 2.0 – Waldgenossenschaft Remscheid eG

Biologische Vielfalt und deren Erhalt gehört für mich als naturgemäßer Förster zur DNA wie selbstverständlich dazu. Da geht es um Verantwortung für Natur, Tiere, Pflanzen und deren Lebensgemeinschaften. Es hat viel mit einem umfassenden und gelebten Verständnis von Nachhaltigkeit zu tun.

Auch die Bewahrung der Schöpfung spielt da sicher eine Rolle, für unsere Kinder, Enkel und deren nachfolgende Generationen. Im Moment beschäftige ich mich mit der Frage, wie wir durch ein ökologisch ausgerichtetes Wald- und Grünpflegemanagement die biologische Vielfalt dauerhaft erhalten und entwickeln können.

Betina Küchenhoff,

Diplom-Biologin/Umwelt- und Verbraucherschutzamt Köln

Schon von klein auf habe ich mich für Natur interessiert. Spätestens seit dem Film „Serengeti darf nicht sterben“ stand fest, dass ich mich für deren Erhalt einsetzen wollte. Wann immer ich als Jugendliche fernab der Zivilisation unterwegs war, hatte das Zwitschern der Vögel und das Summen der Insekten eine beruhigende Wirkung auf mich.

Aber auch die bei genauerem Beobachten sichtbaren speziellen Anpassungen und das perfekte, über Jahrmillionen entstandene Zusammenspiel von Umweltbedingungen und Lebensweisen faszinieren mich bis heute. Stundenlang kann ich allein mit der Naturbeobachtung zubringen! Besonders schön ist es, zu sehen, dass an der einen oder anderen Stelle neues, naturnahes Grün entsteht, das von Tieren besiedelt wird. 

Über verschiedene Artenschutzprojekte wie „Ganz Köln im Spatzenfieber“ versuche ich, auch andere Menschen für den Naturschutz zu motivieren. Zurzeit widme ich mich dem Erhalt von Wildbienen. Dafür planen wir, an verschiedenen Stellen im Kölner Stadtgebiet wildbienengerechte Beete anzulegen und durch Nisthilfen zu ergänzen. Zusätzlich soll ein Wildbienenlehrpfad entstehen. Damit schaffen wir nicht nur neuen Lebensraum für die Insekten, sondern verbessern auch wieder die Beziehung der Menschen zur Natur – gemäß dem Motto „Nur was man kennt, schütz man auch.“

Bernd Burchhardt

Bio-Fleischermeister und Gründer der Burchhardt’s Bio-Initiative

Eigentlich habe ich Regenerative Energien studiert. Die Faszination für die Unerschöpflichkeit von Sonne, Wind und Gezeiten haben meinen Blick auf die Welt geöffnet – und für die Vielfalt und Kostbarkeit unserer Mitgeschöpfe. Ich bin als organisches Wesen in den Kreislauf des Lebens eingebunden und wünsche mir, dass auch all die Tiere und Pflanzen, in deren Welt ich eingebettet bin, ein gutes Leben haben.

Darum setze ich mich für die Bio-Weidehaltung von Schweinen ein und für den Erhalt alter Schweinerassen wie dem Angler-Sattelschwein und den Bunten Bentheimern. Sie sind in Vergessenheit geraten, weil sie den Erfordernissen der Massentierhaltung nicht entsprechen oder vielen Kunden zu fett sind. Aber wenn wir alle nur noch den schnellen Discount-Einheits-Braten kennen, verkommt unser Dasein auch schnell zum Discount-Einheits-Leben. Da setze ich gerne einen alternativen Akzent – im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Mehr zu Burchardt's Bio-Initiative: www.bio-fleischerei-burchhardt.de/burchhardts-bio-initiative/

Cord Treseler

Biowinzer und Mitglied im Anbauverband ECOVIN

Bei dem Konfliktpotential zwischen Landnutzung und biologischer Vielfalt braucht es Anwälte für die Natur und gute Vermittler – seien es Landwirte, Politiker, Unternehmer, Naturschützer oder engagierte Bürger. Wir leisten gerne unseren Beitrag dazu. Bei unseren Weinbergs-Wanderungen und Weinproben ist es immer wieder schön zu sehen, wenn der Funke für die biologische Vielfalt überspringt.

Zum Beispiel bringen Steillagen auf kleinem Raum ganz verschiedene Lebensräume und Mikroklimate zusammen. Was wir hier zu sehen, hören und riechen bekommen, lässt uns oft selbst staunend innenhalten. Da muss die Rebpflege manchmal kurz warten. Im Steilhang Wein zu machen ist ein spannendes, anspruchsvolles Vorhaben, dass sich übrigens auch geschmacklich auszahlt!

„Effizient und zweckmäßig“ sind Schlagworte, die wir immer wieder hören, so soll es bitte gemacht werden (sei es in der Industrie, der Schule, … im Leben). Leider wird es dadurch oft eintönig, langweilig und steril! Bezogen auf den Weinbau heißt es das: Monokultur, Überdüngung, extreme Ertragsschwankungen, Schädlingsbefall, Gefahrenabwehr durch Einsatz von Pflanzen- und Insektengiften … Unser Ansatz ist hier kurz gesagt genau andersherum: Wir wollen MIT der Natur arbeiten, nicht gegen die Natur!

Daraus ergibt sich für uns logischerweise der ökologische Weinbau als Produktionsmethode und die Hoffnung, dass noch möglichst viele Kollegen ebenfalls diesen Weg gehen (leider sind es noch viel zu wenige). Durch Weinbergs-Begrünung fördern wir die Vorkommen nützlicher Insekten und stärken das Bodenleben, damit das „Ökosystem Weinberg“ insgesamt in ein gesundes Gleichgewicht kommt.

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Meine Eltern haben immer versucht, mit den natürlichen Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen. Das hat mich auf jeden Fall sehr geprägt. Meinen Zivildienst habe ich im Umweltzentrum Hagen geleistet. Dort hat sich mein Entschluss bestätig, ein Agrarstudium im Zweig Naturschutz und Landschaftsökologie in Bonn aufzunehmen. Während dieser Zeit hatte ich auch zum ersten Mal Kontakt mit Bio-Winzern – ohne dass ich damals daran dachte, dass ich selbst einmal einer werde. Mit meiner Frau habe ich mich zugleich mit dem Weinbau „verheiratet“. Die Möglichkeit durch etwas Produktives, den Öko-Weinbau, auch etwas für den Erhalt der Artenvielfalt zu tun, treibt uns beide an.

Mehr Infos finden Sie unter: www.weingutdrfrey.de

Susanne Maurer,

Landschafsmalerin aus Berlin

Zwischen Fahrrädern, Autos und Mülltonnen habe ich in unserem Berliner Hinterhof einen Hausgarten angelegt, der sich jedes Jahr weiter ausbreitet. Es tummeln sich Bienen um meine Blumen und oft stellen Nachbarn noch einen neuen Topf dazu. Es ist wie ein Urban Gardening-Projekt: Wir trinken gemeinsam Kaffee und ernten unser eigenes Obst. Vor allem wächst viel Flieder, Wein, Brombeeren und Knöterich – im Prinzip alles, was ich Essbares und Blühendes aus dem Garten von Freunden im Berliner Vorland ausbuddeln kann.

Mittlerweile hat sich eine Ameisenkolonie angesiedelt und im Winter finden die Meisen auch noch etwas zum Picken in den Töpfen. Immer, wenn jemand über den Hof geht und die Pflanzen sieht, breitet sich ein Lächeln über das Gesicht. Das ist für mich auch ein Erfolg der biologischen Vielfalt.

 
Malerische Vielfalt durch biologische Vielfalt

Als Mensch bin ich auf die Natur angewiesen. Als Malerin bin ich besonders abhängig von der biologischen Vielfalt. Ohne die Vielfältigkeit von landschaftlichen Strukturen und Räumen würden alle meine Bilder gleich aussehen.

In der Vielfalt liegt für mich die größte visuelle und ästhetische Bereicherung. Als Malerin sammle ich landschaftliche Strukturen – und damit Unterschiedlichkeiten, die ich in meinen Bildern wieder zu einem Ganzen zusammenfüge. Ich fokussiere, zoome und bewege mich dann wieder vom Bild weg. Ich trete also aus der Landschaft heraus, um sie zu zeigen.

Schwerpunkt meiner Arbeit ist die abstrakte Landschaftsmalerei: Die Orte, die ich male, gibt es nicht. Vielmehr sind meine Bilder Archetypen von Landschaften. In der Regel verknappe ich in meinen Arbeiten die biologische Vielfalt auf die Flora. Darin steckt malerisch bereits soviel Variation, dass mir dieser Inhalt völlig ausreicht. Allerdings bin ich als Malerin darauf angewiesen, dass die Vielfältigkeit in der Natur auch mindestens so bleibt wie sie jetzt ist!

Wenn ein Betrachter sich in einem meiner Bilder wiederfindet, darin versinkt, Kontemplation erfährt oder mit mir darüber diskutiert, wo genau sich diese gemalte Landschaft befinden kann, ist das für mich einer der spannendsten Momente. Im Betrachter erwecken meine Landschaften eine Stimmung, die ihn an etwas erinnert, beispielsweise an eine bestimmte Region. Indem der Betrachter und ich auf einerseits unterschiedliche und dann wieder gleiche Strukturen und Bilder von Landschaften zurückgreifen, entsteht ein viertes Bild, das es aber gar nicht gibt.

Mehr Infos über die Malerin bekommen Sie auf der Website: http://susanne-maurer.de/

Gerd Schneider

Forstdirektor im Fürstlich Wiedischen Forstamt

Vielfalt ist das Grundelement unserer Betriebsphilosophie: Wir arbeiten eng mit der Natur zusammen, planmäßig seit 1680. Graf Friedrich III. zu Wied verfügte in diesem Jahr in einer ersten Forstordnung, „dass nur so viel Holz geschlagen werden durfte wie nachwuchs, dass verschiedene Baumarten auf derselben Fläche wachsen sollten und die Standortbedingungen dabei besonders berücksichtigt werden sollten“. Wir sind quasi ein Gemischtwarenladen.

In unserem Wald wachsen alle Baumarten, die es in unseren Breitengraden gibt. Empfindliche Tierarten wie Schwarzstorch und Schwarzspecht fühlen sich hier wohl. Wir arbeiten, soweit möglich, mit dem, was die Natur uns durch Samen schenkt, belassen Totholz als Brutstätten und betreiben Erhaltungspflege an alten Bäumen.

Daneben pflegen wir Offenlandbereiche und fördern speziell Streuobstwiesen. Das natürliche Erbe gilt es zu sichern, bevor man Neues künstlich schafft. Als Forstbetriebsleiter ist es meine Aufgabe, das land- und forstwirtschaftliche Erbe zu wahren und zu mehren.

Foto: Markus Bullik

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