„Verbesserung von Lebensräumen für Fledermäuse“

Das Projekt „Verbesserung von Lebensräumen für Fledermäuse" ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Umwelt- und Naturschutz M-V (StUN) mit dem NABU Landesfachausschuss für Fledermausschutz und -forschung M-V (LFA). Das Projektgebiet liegt auf Eigentumsflächen der StUN im Landkreis Vorpommern-Greifswald nahe der Ortschaften Penkun und Grünz. Auf 47 ha verteilt befinden sich inmitten des FFH-Gebietes „Randowtal bei Grünz und Schwarze Berge“ ehemalige Bunkeranlagen aus Zeiten der ehemaligen DDR. Diese werden seit langem durch Fledermäuse als Winterquartier genutzt.

Unter anderem stellen die Bunkeranlagen eins der wenigen in M-V bekannten Winterquartier-Nachweise der FFH-Art Mopsfledermaus dar. Aber auch andere Arten wie die Fransenfledermaus oder das Braune Langohr nutzen die Gebäude als Überwinterungsquartier. Seit 2003 gibt es Aufzeichnungen über die Fledermaus-Quartierkontrollen. Nach einer nicht fachgerechten Verriegelung der Bunker aus Gründen der reinen Verkehrssicherung im Jahre 2009 hat die StUN 2012 in enger Abstimmung mit der Fledermausbeauftragten des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V, Vertretern des LFA sowie den örtlichen ehrenamtlichen Quartierbetreuern eine artgerechte Sicherung und Optimierung der Bunker vornehmen lassen. In acht Bunkern wurden von außen nicht ohne weiteres zu öffnende Türen oder andere Verriegelungen eingebaut, die es Unbefugten nicht gestatten in die Bunker einzudringen, den Fledermäusen jedoch den Einflug in geeignete Winterquartiere ermöglichen. Bei der Auswahl der Verschlusssysteme wurde darauf geachtet, dass sich in den einzelnen Bunkeranlagen verschiedene Mikroklimata ausbilden können, die den unterschiedlichen Artansprüchen der Fledermäuse gerecht werden. So wurden einige Bunker mittels sogenannter Betonplomben verschlossen, in denen eine integrierte Stahltür nur den eingeweihten Betreuern einen Zugang ermöglicht. Für den Einflug der Fledermäuse wurde am oberen Rand der Plombe ein ausreichend großes Loch belassen. Durch den stark verschließenden Eingang kann sich somit die Wärme im Inneren länger halten und der Bunker kühlt nicht zu stark aus. Solch ein „warmes Klima“ kommt vor allem Arten wie Wasserfledermaus und Zwergfledermaus zu Gute. Andere Bunker wurden mit einem in M-V wohl einzigartigem Rohrverschluss versehen. Nachdem der Eingang des Bunkers bis auf eine Öffnung von ca. 0,5 x 0,8 m zugemauert wurde, konnte in die Außenseiten der Öffnung drei Rohre verlegt werden, von denen eins starr und zwei beweglich sind. So kann der wiederum eingeweihte Betreuer die bewegbaren Rohre zur Seite schieben und durch den Eingang hineingelangen. Dadurch, dass jedoch zwischen den Rohren mindestens 12 cm offen sind, dringt viel kalte Luft ins Innere. Dieses „kalte Klima“ kommt anderen Arten wie bspw. der Mopsfledermaus bei ihrem Winterschlaf entgegen. In zwei weiteren Bunkern wurden sogenannte Folientrichter eingerichtet bzw. erneuert. Diese gewährleisten, dass Regenwasser von außen ins Innere gelangen und somit ein „feuchtes Klima“ geschaffen werden kann. Arten wie die Fransenfledermaus und die Wasserfledermaus bevorzugen ein solches „Raumklima“. Im Inneren der acht Bunker wurden zusätzlich Hohlblock- und Spaltensteine dicht unter der Decke angebracht, welche mit den Schlitzen nach untern zeigen. Diese können den Fledermäusen als Rückzugsmöglichkeit dienen. Die Kleinsäuger hängen sich zum Winterschlaf kopfüber in Ritzen u. Spalten. So sind diese künstlichen Quartierangebote bestens geeignet und bieten je nach Größe der Spalten großen und kleineren Tieren ein entsprechendes Angebot. Insgesamt wurde so ein breites Spektrum von Quartierangeboten für die Fledermäuse geschaffen. Überdies spielt im Bereich der Schwarzen Berge auch der Reptilien- u. Amphibienschutz eine bedeutende Rolle, zumal einer der Bunker dicht neben einem ehemaligen, noch Wasser führenden Löschwasserteich steht. So wurden in einigen Bunkern unten neben dem Eingang Einschlupfmöglichkeiten für Amphibien geschaffen, die es diesen ermöglicht ebenfalls frostfrei zu überwintern. Auf Erdarbeiten außen am Bunker wurde in der Zeit des möglichen Rückzugs der Tiere im Spätherbst + Winter verzichtet. Im Bereich der Bunker spielen neben einigen Molcharten wie Kamm- und Teichmolch auch Erd- und Wechselkröte sowie diverse Eidechsen eine Rolle. Seit 2003 wurden pro Jahr mindestens 1 Individuum der Mopsfledermaus, des Braunen Langohres und meist auch der Zwergfledermaus nachgewiesen, 2008 zusätzlich eine Fransenfledermaus. Nach der Quartieroptimierung erfolgte 2013 der Nachweis von 3 Mopsfledermäusen, 5 Zwergfledermäusen und 6 Fransenfledermäusen sowie 13 Braunen Langohren. Zukünftig hoffen wir, dass noch weitere Individuen und ggf. auch Arten wie die Wasserfledermaus die Überwinterungsquartiere annehmen – ein Beitrag zur biologischen Vielfalt!


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Dokumente

fertiggestellte Quartiere in den Bunkern, Türen verschlossen, dazwischen Amphibien-/Reptilienwand aus Steinresten angelegt (Fotorechte: Andreas Hagenguth)

 

Besuchen Sie uns

Schwarze Berge bei Grünz

Mecklenburgstraße 7
19053 Schwerin

Öffnungszeiten: nach Absprache

Frau Anne Janßen
Tel.:0385-7609997
info@stun-mv.de
http://www.stiftung-naturschutz-mv.de

 

Weitere Infos

Stiftung Umwelt- und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern in Zusammenarbeit mit dem Landesfachausschuss für Fledermausschutz und -forschung Mecklenburg-Vorpommern
Schwerin

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