Grenzüberschreitende Förderung der Streuobstwiesen und ihrer Artenvielfalt

Natur kennt keine Grenzen - das ist uns bewusst. Deshalb hat der NABU Südbaden mit seiner französischen Partnerorganisation LPO Alsace und dem Schweizer Vogelschutz (SVS) seit mehr als 10 Jahren eine enge Zusammenarbeit zum Schutz der Streuobstwiesen und ihrer Artenvielfalt im Dreiländereck der Schweiz, Deutschlands und Frankreichs. In ihrer Vielfalt der Anbauformen sind Streuobstbestände prägender Bestandteil der mitteleuropäischen Kulturlandschaften.

Für die mitteleuropäische Biodiversität spielen Streuobstbestände mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie über 3.000 Obstsorten eine herausragende Rolle. Aufgrund des mangelnden gesetzlichen Schutzes bedürfen Streuobstwiesen und ihrer Artenvielfalt des besonderen Engagements des ehrenamtlichen Naturschutzes.
Die zentralen Anliegen und Arbeitsbereiche unseres trinationalen Projektes sind die Pflege und Aufwertung des Lebensraums Streuobstwiese und die Förderung des Steinkauzes und anderer Vogelarten der Streuobstwiesen wie Wendehals, Wiedehopf und Gartenrotschwanz durch die Verbesserung des Nahrungs- und Nistplatzangebotes. Durch Exkursionen, Pressemitteilungen und Ausstellungen wird die Öffentlichkeit über diesen Lebensraum und seine Artenvielfalt informiert und für deren Schutz sensibilisiert. Darüber hinaus entwickeln und vermarkten die Projektpartner Streuobstprodukte wie Säfte, Trockenfrüchte und Marmelade. Diese Produkte tragen dazu bei, Streuobstwiesen zu erhalten, zu optimieren oder neue zu schaffen, indem Produzentinnen und Produzenten motiviert werden, ihre Streuobstwiesen zu pflegen und zu nutzen. Dies kommt den Tier- und Pflanzenarten der Streuobstwiesen zugute.
Nistkästen für Vögel und Fledermäuse werden auf unseren Streuobstwiesen aufgehängt, andere Tierarten werden durch die Anlage von Steinriegeln und Totholzhaufen gefördert. Damit die Streuobstwiesen ein reiches Insektenleben beherbergt, werden die Wiesen zwischen den Bäumen zu blütenreichen Wildwiesen umgestaltet. Dies hilft Bienen, Schmetterlingen und Käfern. Auf diese Weise sind in den drei Partnerregionen schon zahlreiche wertvolle Streuobstwiesen erhalten bzw. neu geschaffen worden.
Ein gemeinsamer Pflegetrupp aus ehrenamtlichen Mitarbeitern der drei Naturschutzorganisationen kümmert sich um den Schnitt der Bäume, die Wiesenmahd und um die vielen Nistkästen, die für bedrohte Tierarten aufgehängt wurden. Der Erfolg hat sich inzwischen in allen drei Partnerregionen eingestellt: Im Elsass und in Südbaden hat sich die Population des Wiedehopfs von weniger als 20 Brutpaaren auf deutlich über 100 Brutpaare erhöht. Die meisten davon profitieren unmittelbar von den Artenschutmaßnahmen unseres Projektes. Beim Steinkauz gibt es eine ähnlich erfolgreiche Entwicklung: von knapp 50 Brutpaaren in den drei Regionen stieg der Bestand innerhalb von 10 Jahren auf inzwischen 170 Brutpaare. Doch wir stehen erst am Anfang und haben die nächsten Jahre noch viel vor!
Was vor mehr als 10 Jahren mit einzelnen persönlichen Kontakten zum Schutz des Steinkauzes über die Landesgrenzen hinaus begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einer tragfähigen, grenzüberschreitenden Partnerschaft der drei regionalen Umweltverbände entwickelt. Zweimal jährlich treffen sich die Projektverantwortlichen aus den drei Ländern und stimmen ihre Arbeits- und Finanzplanung ab. Dadurch können Synergien genutzt und grenzüberschreitende Artenschutzmaßnahmen koordiniert werden. Wir sind der festen Überzeugung, dass diese Form des grenzüberschreitenden Arten- und Biotopschutzes ein zukunftsweisendes Modell zur Bewahrung der europäischen Biodiversität ist.



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Weitere Infos

NABU Bezirksverband Südbaden LPO Alsace SVS - BirdLife Switzerland

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