Schaffung von Biodiversitätszentren in der Normallandschaft

2. Weiterentwicklung:

Im Gegensatz zur bisherigen großflächigen Pflege der Flächen wurden zur Verbesserung der Stabilität der Artengemeinschaften in den letzten zwei Jahren verstärkt punktuelle Eingriffe durchgeführt. Diese sollen dazu führen, dass die Lebensbedingungen für möglichst unterschiedliche Arten entstehen. Laut den Ergebnissen einer Studie der Technischen Universitäten München und Darmstadt hängt die Belastbarkeit eines Ökosystems nicht alleine von der biologischen Vielfalt ab, sondern maßgeblich von einer Asynchronie über die Arten hinweg. Je unterschiedlicher sich die Arten entwickeln und agieren, desto weniger anfällig ist das Ökosystem gegenüber Störungen. In diesem Zusammenhang wurde das Pflegemanagement so gestaltet, dass die Flächen möglichst viele Teillebensräume bieten. Dazu wurden in einigen Bereichen auch Pflanzen aus einheimischem Saatgut angesät, die auf den Flächen noch nicht vorkamen, aber für den Standort geeignet waren. Das zukünftige Ziel der Pflege ist, unter Berücksichtigung der geschätzten Zahlen der minimal überlebensfähigen Population, eine langfristig stabile ökosystemare Umgebung für eine optimale Anzahl von Arten zu schaffen. Probeweise wurde dies bereits mit der Untersuchung von Parasitoidenarten untermauert. Im Rahmen der Umweltbildung fanden weiterhin regelmäßig Exkursionen mit Kinder- und Jugendgruppen zu den verschiedenen Flächen statt. Vor Ort konnten die TeilnehmerInnen aktiv bei der Flächenpflege mithelfen und sich mit der Vielfalt an Arten befassen.

Weiterentwicklung:

In den letzten zwei Jahren wurde unser Projekt "Schaffung und Entwicklung von Biodiversitätszentren in der Normallandschaft" weiterentwickelt. Inzwischen werden 17 für den Naturschutz relevante Flächen vom Institut betreut, um sie dauerhaft zu erhalten und eine möglichst hohe Biologische Vielfalt zu gewährleisten. Gleichzeitig wurden zielorientiert Artenschutzmaßnahmen umgesetzt, um spezielle Arten zu begünstigen. Im Fokus standen dabei z.B. die Orchideenarten Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) und das Weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium). So führten die Eingriffe dazu, dass diese Pflanzen auf einigen Flächen nach langer Abwesenheit wieder auftraten, was als großer Erfolg unserer Arbeit anzusehen ist. Das Gleiche gilt für Schmetterlingsarten, wie z.B. den Schwalbenschwanz (Papillio machaon) und zwei Bläulingsarten. Ein neuer Schwerpunkt ist die Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen auf den Flächen. So wurden verstärkt Aktionen durchgeführt, bei denen die TeilnehmerInnen die Artenvielfalt intensiv erleben und damit die große Bedeutung des Erhalts dieser Lebensräume für die Biodiversität in der Agrarlandschaft erkennen konnten. Als Ergänzung zu unseren landschaftspflegenden und naturschutzrelevanten Tätigkeiten werden spezielle Projekte zum Thema Agrobiodiversität umgesetzt. Dabei geht es um alternative Energiepflanzen, nachwachsende Rohstoffpflanzen und alte Getreidearten.

Ursprüngliche Bewerbung:

Ziel des Projekts ist die Schaffung von Biodiversitätszentren in der Normallandschaft. Dabei handelt es sich um zumeist kleinere Flächen, die nach der Aufgabe ihrer landwirtschaftlichen Bewirtschaftung als Restflächen in der weiträumigen, durch intensive landwirtschatliche Nutzung geprägten Landschaft erhalten geblieben sind. Als die Milchvieh- und Schafhaltung an Bedeutung verlor und Streuobstwiesen unrentabel wurden, gaben viele LandwirtInnen diese Nutzungsformen auf.

Grünland, das aufgrund seines Standortes für die Nutzung als Ackerland ungeeignet war, wurde aus der Bewirtschaftung genommen und häufig sich selbst überlassen. Aber gerade derartige Flächen stellen heute aufgrund ihrer wenig beeinträchtigten Ausprägung inmitten der intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft für den Naturschutz besonders wertvolle (Über)Lebensräume für sehr viele Tier- und Pflanzenarten dar. Diese Artenvielfalt bildet eine unermessliche genetische Ressource für die Zukunft. Neben ihrer naturschutzwürdigen Relevanz haben die Flächen eine hohe Bedeutung für den Schutz des Naturgutes Boden und bereichern überdies das Landschaftsbild.

Im Landkreis Northeim im südlichen Niedersachsen sind noch einige der ehemals offenen Nutzflächen sowie Reste alter Streuobstwiesen zu finden, die allerdings ohne Bewirtschaftung schnell zuwachsen. Starker Bewuchs durch Sträucher und Bäume, verbunden mit einer beträchtlichen Beschattung, führt dazu, dass Lebensgemeinschaften, die auf Wärme und Licht angewiesen sind, auf den betreffenden Grundstücken in absehbarer Zeit keine Lebensgrundlage mehr haben. Da vergleichbare intakte Bereiche kaum noch vorhanden sind, bedeutet jedes Verschwinden von an offene und halboffene Lebensräume angepasste Arten auch einen erheblichen Verlust für die Biodiversität der gesamten Kulturlandschaft.

Einbezogen in die Arbeiten werden die vom Institut für Ökologie gebildete ehrenamtliche Arbeitsgemeinschaft Kulturlandschaftspflege sowie Kinder und Jugendliche, die den Internationalen Schulbauernhof Hardegsen besuchen. In den letzten zwei Jahren wurde ein neuer Schwerpunkt auf die Umweltbildung von jungen Menschen gelegt. So wurden verstärkt Aktionen durchgeführt, bei denen die TeilnehmerInnen die Biologische Artenvielfalt intensiv erleben und damit die große Bedeutung des Erhalts dieser Lebensräume für die Biodiversität in der Agrarlandschaft erkennen konnten.

Inzwischen werden von Institut für Ökologie 17 Flächen (von 0,25 ha bis 5 ha Größe) unterhalten und unter Berücksichtigung von Naturschutzaspekten durch Anwendung einer gelenkten Sukzession betreut. Im Mittelpunkt der Tätigkeit stand stets das Ziel, auf den Flächen eine hohe strukturelle Vielfalt zu erzielen und größtmögliche faunistische und floristische Diversität auf kleinem Raum zu entwickeln. Gleichzeitig wurde der Fokus aber auch auf einzelne Pflanzen- und Tierarten gelegt, die durch spezille Eingriffe auf den Flächen wieder Fuß fassen konnten.

Da eine umfassende, regelmäßig stattfindende Pflege mit einem geringen Personal- und Materialaufwand auf den gesamten Flächen nicht durchgeführt werden konnte, hat sich als Pflegeregime die gelenkte Sukzession erwiesen, d.h. eine Kombination aus längeren freien Sukzessionsphasen und lenkenden Eingriffen, die der Erhaltung artenreicher Stadien dienen. Auf diese Weise entstand eine Rhythmik aus Sukzessionsphasen und Maßnahmen, die geeignet sind, die Sukzession zu verlangsamen oder in eine offensichtlich günstigere Richtung zu lenken. Als Kriterium für das Vorgehen galt stets ein nachhaltiger Umgang mit diesen für den Erhalt der Artenvielfalt so wichtigen Landschaftselementen.

Da es sich neben eigenen auch um Flächen handelt, die sich in privatem und kommunalem Besitz befinden, wurden mit den Besitzern (Landwirte, Realgemeinden, Forst- und Feldmarksgenossenschaften) der betreffenden Flurstücke Vereinbarungen über die langfristige Bereitstellung der Areale als Biodiversitätszenten getroffen.

Das Projekt verfügt durch die Umsetzung eines neuartigen Naturschutzkonzepts auf kleinen, auf den ersten Blick wenig spektakulären Flächen der Normallandschaft, die üblicherweise aus den gängigen Naturschutzkonzepten herausfallen, über einen Modellcharakter. Das Pflegemanagement in Form einer gelenkten Sukzession stellt eine auf vergleichbare Flächen anderer Regionen übertragbare Methode dar, Biodiversitätszentren in der Normallandschaft zu schaffen und mit einem vertretbaren Kostenaufwand zu erhalten.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

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Dokumente

Beschreibung von drei Beispielen für vom Institut betreute Flächen

 

Weitere Infos

Das Institut für allg. und angew. Ökologie e.V. engagiert sich seit 1981 als gemeinnütziger Verein im Natur- und Umweltschutz und ist Initiator und Mitgesellschafter der im Jahre 2002 gegründeten gemeinnützigen GmbH Internationaler Schulbauernhof.

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