Schaffung von Biodiversitätszentren in der Normallandschaft

Das Projekt hat die Schaffung von Biodiversitätszentren in der Normallandschaft zum Ziel. Dabei handelt es sich um zumeist kleinere Flächen, die nach der Aufgabe ihrer landwirtschaftlichen Bewirtschaftung als Restflächen in der weiträumigen durch intensive landwirtschatliche Nutzung geprägten Landschaft erhalten geblieben sind. Als die Milchvieh- und Schafhaltung an Bedeutung verlor und Streuobstwiesen unrentabel wurden, gaben viele LandwirtInnen diese Nutzungsformen auf.

Grünland, das aufgrund seines Standortes für die Nutzung als Ackerland ungeeignet war, wurde aus der Bewirtschaftung genommen und häufig sich selbst überlassen. Aber gerade derartige Flächen stellen heute aufgrund ihrer wenig beeinträchtigten Ausprägung inmitten der intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft für den Naturschutz besonders wertvolle (Über)Lebensräume für sehr viele Tier- und Pflanzenarten dar. Diese Artenvielfalt bildet eine unermessliche genetische Ressource für die Zukunft. Neben ihrer naturschutzwürdigen Relevanz haben die Flächen eine hohe Bedeutung für den Schutz des Naturgutes Boden und bereichern überdies das Landschaftsbild.

Im Landkreis Northeim im südlichen Niedersachsen sind noch einige der ehemals offenen Nutzflächen sowie Reste alter Streuobstwiesen zu finden, die allerdings ohne Bewirtschaftung schnell zuwachsen. Starker Bewuchs durch Sträucher und Bäume, verbunden mit einer beträchtlichen Beschattung, führt dazu, dass Lebensgemeinschaften, die auf Wärme und Licht angewiesen sind, auf den betreffenden Grundstücken in absehbarer Zeit keine Lebensgrundlage mehr haben. Da vergleichbare intakte Bereiche kaum noch vorhanden sind, bedeutet jedes Verschwinden von an offene und halboffene Lebensräume angepasste Arten auch einen erheblichen Verlust für die Biodiversität der gesamten Kulturlandschaft.

Einbezogen in die Arbeiten werden die vom Institut für Ökologie gebildete ehrenamtliche Arbeitsgemeinschaft Kulturlandschaftspflege sowie Kinder und Jugendliche, die den Internationalen Schulbauernhof Hardegsen besuchen. In den letzten zwei Jahren wurde ein neuer Schwerpunkt auf die Umweltbildung von jungen Menschen gelegt. So wurden verstärkt Aktionen durchgeführt, bei denen die TeilnehmerInnen die Biologische Artenvielfalt intensiv erleben und damit die große Bedeutung des Erhalts dieser Lebensräume für die Biodiversität in der Agrarlandschaft erkennen konnten.

Inzwischen werden von Institut für Ökologie 17 Flächen (von 0,25 ha bis 5 ha Größe) unterhalten und unter Berücksichtigung von Naturschutzaspekten durch Anwendung einer gelenkten Sukzession betreut. Im Mittelpunkt der Tätigkeit stand stets das Ziel, auf den Flächen eine hohe strukturelle Vielfalt zu erzielen und größtmögliche faunistische und floristische Diversität auf kleinem Raum zu entwickeln. Gleichzeitig wurde der Fokus aber auch auf einzelne Pflanzen- und Tierarten gelegt, die durch spezille Eingriffe auf den Flächen wieder Fuß fassen konnten.

Da eine umfassende, regelmäßig stattfindende Pflege mit einem geringen Personal- und Materialaufwand auf den gesamten Flächen nicht durchgeführt werden konnte, hat sich als Pflegeregime die gelenkte Sukzession erwiesen, d.h. eine Kombination aus längeren freien Sukzessionsphasen und lenkenden Eingriffen, die der Erhaltung artenreicher Stadien dienen. Auf diese Weise entstand eine Rhythmik aus Sukzessionsphasen und Maßnahmen, die geeignet sind, die Sukzession zu verlangsamen oder in eine offensichtlich günstigere Richtung zu lenken. Als Kriterium für das Vorgehen galt stets ein nachhaltiger Umgang mit diesen für den Erhalt der Artenvielfalt so wichtigen Landschaftselementen.

Da es sich neben eigenen auch um Flächen handelt, die sich in privatem und kommunalem Besitz befinden, wurden mit den Besitzern (Landwirte, Realgemeinden, Forst- und Feldmarksgenossenschaften) der betreffenden Flurstücke Vereinbarungen über die langfristige Bereitstellung der Areale als Biodiversitätszenten getroffen.

Das Projekt verfügt durch die Umsetzung eines neuartigen Naturschutzkonzepts auf kleinen, auf den ersten Blick wenig spektakulären Flächen der Normallandschaft, die üblicherweise aus den gängigen Naturschutzkonzepten herausfallen, über einen Modellcharakter. Das Pflegemanagement in Form einer gelenkten Sukzession stellt eine auf vergleichbare Flächen anderer Regionen übertragbare Methode dar, Biodiversitätszentren in der Normallandschaft zu schaffen und mit einem vertretbaren Kostenaufwand zu erhalten.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

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Dokumente

Beschreibung von drei Beispielen für vom Institut betreute Flächen

 

Weitere Infos

Das Institut für allg. und angew. Ökologie e.V. engagiert sich seit 1981 als gemeinnütziger Verein im Natur- und Umweltschutz und ist Initiator und Mitgesellschafter der im Jahre 2002 gegründeten gemeinnützigen GmbH Internationaler Schulbauernhof.

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