Bestandsstärkung der Wechselkröte (Bufo viridis) im Landkreis Greiz / Ostthüringen

Nach NÖLLERT et al. (2003) ist die Wechselkröte „die am meisten bedrohte Amphibienart“ Thüringens. Das Land Thüringen hat für diese Art, deren aktueller Bestandstrend ein Aussterben befürchten lässt, eine ganz besondere Verantwortung.
Aus diesem Grund hat der NABU (Naturschutzbund Deutschland) Kreisverband Gera-Greiz e.V. im Jahr 2012 ein Förderprojekt* zum Erhalt und zur Entwicklung der wenigen Wechselkrötenvorkommen im Landkreis Greiz ins Leben gerufen.

Infolge der Ausräumung unserer Landschaft sind viele, einst selbstverständlich in unserer Region heimischen Tier- und Pflanzenarten verschwunden, da ihr Lebensraum völlig zerstört oder nachhaltig geschädigt wurde. Hiervon besonders betroffen sind die Amphibien, also Frösche, Kröten und Molche, die (relativ) wenig mobil und zugleich sehr anfällig gegenüber Umweltverschmutzungen und –veränderungen sind. Wie viele kleine Gewässer wurden seit Beginn der Meliorations- und Flurbereinigungsmaßnahmen ab etwa 1965 beseitigt? Wer kennt noch die alten, von Hecken gesäumten Feldwege in der Landschaft? Oder die Bachläufe - heute unsichtbar, weil verrohrt -, eingefasst von Kopfweiden? Oder die kleinen Dorfteiche?
Eine früher in unserer Region häufige Art ist die Wechselkröte (Bufo viridis), oft auch als Grüne Kröte bezeichnet. Sie galt bis zum August 2010 im nördlichen Thüringer Landkreis Greiz als ausgestorben, da seit Jahrzehnten keine Nachweise mehr vorlagen. 2010 wurde ein Tier, welches dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen war, aufgefunden. Dieser überraschende Fund stellte in Fachkreisen eine kleine Sensation dar, da thüringenweit nur noch im nordöstlichen Altenburger Land intakte Vorkommen bekannt waren. In der Roten Liste Thüringens wird die Wechselkröte in der Kategorie 1 - „Vom Aussterben bedroht“ - geführt. Doch erfreulicher Weise gelangen 2011 und 2012 weitere Lebendnachweise. Das sehr kleine Vorkommen der Wechselkröte wurde sozusagen nach Jahrzehnten "aus dem Schlaf gehoben".
Ziele des Projektes sind die Ermittlung der Reproduktionsgewässer, der Sommerlebensräume, der Winterquartiere, des lokalen Wanderungsverhaltens, die Klärung der aktuellen Verbreitung im Landkreis Greiz sowie ein Anschub der Öffentlichkeitsarbeit. Ausgehend hiervon sollen Maßnahmen zum Schutz der Vorkommen und zur Optimierung der Lebensräume erarbeitet und umgesetzt werden. Bestehende Gewässer mit Reproduktionseignung sollen aufgewertet werden (z.B. durch Entschlämmung und/oder die Entfernung illegalen Fischbesatzes) bzw. an geeigneten Stellen neu angelegt werden, ergänzt durch Sicherungsmaßnahmen zugunsten der Landlebensräume (Verhinderung von Sukzession) und Ausschaltung weiterer Gefährdungsfaktoren (Abschirmung geeigneter Landlebensräume gegen Gülle-, Dünger- und Pestizideintrag). Die Erfassungsarbeiten wurden projektvorbereitend schon im April 2012 begonnen.

Flächenerwerb und Gewässeranlage:
Um eine Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu gewährleisten, werden die Projektflächen vor Maßnahmendurchführung zum Großteil vom NABU erworben.
Bis zum März 2013 wurden bereits 14 neue Kleingewässer für die Wechselkröte neu errichtet. Zusätzlich wurden an den Gewässern Rohbodenflächen, u.a. mit Kies, geschaffen, Beschattungen durch Fällung nicht standortgerechter Gehölze beseitigt sowie Naturstein- und Totholzhaufen als Sommerverstecke bzw. Winterquartiere angelegt.

Öffentlichkeitsarbeit:
Es erfolgten Veröffentlichungen zahlreicher Artikel zum Projekt in den Gemeindeblättern, im Landkreisjournal, dem Greizer Heimatboten und Fachzeitschriften. Auf der Internetseite des NABU Kreisverbandes wird ständig informiert. Die Resonanz in der Bevölkerung war trotz des "exotischen Themas" recht gut. Vor allem Landwirte konnten im Rahmen der Flächensuche aufgeklärt werden.
Unter dem Titel „Neue Tümpel braucht das Land!“ wurde am 1. Februar 2013 eine überregional beachtete Informationsveranstaltung durchgeführt, um die Akzeptanz für das Projektanliegen und die -maßnahmen zu erhöhen und ggf. weitere Hinweise auf Vorkommen zu erhalten. Hierüber berichtete der NABU auf MDR Radio Thüringen.
Eine siebenteilige Lehrtafelreihe zur Biologie und Ökologie der Wechselkröte befindet sich in der Endredaktion. Die Aufstellung soll entlang der Vorkommensgebiete erfolgen und zgl. zu einer Naturwanderung einladen (Bildungsauftrag).
Die fachliche Betreuung des Projektes erfolgt neben dem NABU durch ein Ingenieurbüro und das Umweltamt des Landratsamtes Greiz.
Projektlaufzeit: 1.5.2012 bis 15.11.2013.
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Dieses Projekt wird über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen, Programm Entwicklung von Natur und Landschaft, gefördert. Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht.
Hier investieren Europa und Thüringen in die ländlichen Gebiete.

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Radiobeitrag Wechselkröte MDR Radio Thüringen

 

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07546 Gera

Öffnungszeiten: ständig

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Tel.:0365/4204317
Info@Gera-Greiz.NABU-Thueringen.de
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Weitere Infos

NABU Kreisverband Gera-Greiz e.V. Johannes-R.-Becher.-Straße 66 07546 Gera Projektleiter: Herr Sebastian Schopplich Ingenieurbüro: BÖSCHA, Frau C. Serfling Behörden: Umweltamt Landratsamt Greiz und Thüringer Landesverwaltungsamt
Gera

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