Brasil09: Fruticultura - Eine Freundschaft, die Früchte trägt!

Brasil09 verbindet interkulturellen Jugendaustausch mit innovativer partnerschaftlicher Entwicklungszusammenarbeit. Oberstufenschüler der Freien Waldorfschule Sorsum und brasilianische Jugendliche aus einer Armutsregion im Nordosten Brasiliens begegnen sich bei wechselseitigen Besuchen. Sie tauschen sich aus über ihre Zukunftschancen und -sorgen und bearbeiten global- und lokalrelevante Themen wie Bildung, Ernährung, Müllverwertung, erneuerbare Energien, umweltschonenden Anbau, Nord-Süd-Beziehungen und soziale Unruhen. Daraus entwickeln sie gemeinsam Projekte, die sie selbst umsetzen, finanzieren und mit dem Ziel der öffentlichen Bewusstseinsbildung bekannt machen. Mit dem aktuellen Großprojekt „Fruticultura“ fördern die jungen Akteure die landwirtschaftliche Ausbildung wirtschaftlich ausgegrenzter Jugendlicher in Porto/Piauí. Über die soziale Integration hinaus liegt der Schwerpunkt der Initiative im Erhalt und der schonenden Nutzung natürlicher Ressourcen.

In der ersten Phase des Projektes bauen die Jugendlichen ein Netzwerk zu Selbstversorger-Familien in Porto auf. Diese können überschüssige Früchte an die Jugendlichen verkaufen. Im örtlichen Kolpinghaus, das derzeit zu einer „Casa das Frutas“ umgebaut wird, verarbeiten die Auszubildenden die Früchte zu Säften oder gefriertrocknen sie. Fruchtkonzentrate und Instantpulver werden im Nordosten Brasiliens für die Zubereitung von Säften, Fruchtmus, Eis und landestypischen Speisen genutzt. Die Auszubildenden verkaufen ihre Produkte in einem angeschlossenen Laden, an die Stadtverwaltung zur Schulernährung und an verschiedene Kleinunternehmer.

In der zweiten Phase des Projektes wird die Obstkooperative um den eigenen Anbau auf einer drei Hektar großen Plantage ergänzt. Die Auszubildenden erlernen den ökologischen Anbau heimischer Früchte. Eine kleine Fläche wird zur Züchtung vieler unterschiedlicher Obstsorten genutzt. Ein weiterer Teil des Geländes soll der Natur überlassen und als Erholungsraum für Mensch und Tier dienen. Für die Anleitung der Jugendlichen konnte das nordost-brasilianische Institut Emater gewonnen werden, das sich für die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Gebietes und der Landwirtschaft einsetzt. Ein weiterer Partner ist der Nationale Dienst für Bildung in ländlichen Regionen, Senar.

Die Plantage und die Casa das Frutas sollen über Photovoltaik mit Energie versorgt werden. Dazu lassen sich die Schüler/innen vom Institut für Solarenergieforschung in Hameln beraten. Mit dem Ertrag einer Schülersolaranlage auf dem Schuldach in Sorsum sollen Wartung und Instandhaltung der brasilianischen Anlagen langfristig finanziert werden. Gleichzeitig können die Schüler den Energiegewinn in Nord und Süd vergleichen.

Für die Anschubfinanzierung sorgen die deutschen Jugendlichen unter anderem mit einem nachhaltigen Obstprojekt. Sie sammeln in den Herbstmonaten Fallobst auf Streuobstwiesen, alten Alleen und Schrebergärten, pressen es zu Saft und verkaufen diesen im Umfeld der Schule. Im Rahmen der Sammelaktion sind die Schüler/innen auch eine Kooperation mit der örtlichen NABU-Gruppe eingegangen.

Die wechselseitigen Besuche nutzen die Jugendlichen, um den Freunden die natürliche Vielfalt in ihrer Heimat zu zeigen und unternehmen Exkursionen zur ökologischen Bewusstseinsbildung. In Brasilien besichtigten sie u.a. extreme Trockengebiete, Kokoswälder und das Delta do Parnaíba. In Deutschland fuhren sie in die Lüneburger Heide, wanderten durch den Mischwald und ließen sich von UN-Dekade Botschafter Justin Müller das Hellweger Moor zeigen. Auch ein Bio-Bauernhof, eine Obstplantage und eine Biogasanlage wurden besichtigt.

Um den Eingriff in die Natur beim Aufbau der Obstplantage und den CO2-Ausstoß ihrer Flugreisen auszugleichen, beteiligen sich die Jugendlichen am WWF-Schutzprogramm für den Mata Atlântica.

Historie:
Bereits 2007 knüpften 17-jährige Schüler/innen der FWS Sorsum aus eigener Initiative Kontakte zu Gleichaltrigen im Nordosten Brasiliens. Das Ziel: die Jugendlichen vor Ort nach ihren Bedürfnissen zu fragen und gemeinsam Selbsthilfe-Projekte umzusetzen. Gemeinsam organisierten die Jugendlichen, die schnell zu Freunden wurden, mit verschiedenen Kursen und Seminaren eine Ergänzung der schulischen Grundbildung und berufsvorbereitende Maßnahmen. Doch die räumlichen Möglichkeiten waren begrenzt. So stemmten die Jugendlichen gemeinsam das Projekt "Centro da Juventude" und errichteten 2009 mit 25 deutschen Schülern und über 60 jungen Brasilianern ein Bildungszentrum in Porto. Die brasilianische Regierung wurde auf das Projekt aufmerksam und förderte zwei Jahre lang kulturelle Aktivitäten in diesem Jugendhaus, darunter Tanz-, Theater- und Computerkurse. Das Haus wird von der Initiative auch zu Aktivitäten der Umweltbildung genutzt.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

 

Besuchen Sie uns

222
64.145-000 Porto/Piauí

 

Weitere Infos

Brasil09 e.V. Comunidade Kolping de Porto
Porto/Piauí

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld