Naturparadies Grünhaus - Artenvielfalt in der Bergbaufolgelandschaft

Weiterentwicklung:

Das Projekt „Naturparadies Grünhaus“ wurde von der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe auf allen Ebenen erfolgreich fortgeführt. So wurden z.B. im Rahmen des Biomonitorings im Jahr 2013 29 ehrenamtliche Kartierer, Helfer und beratende Experten aktiv. Damit wurden wie bisher die Artengruppen Pilze, Gefäßpflanzen, Tagfalter, Amphibien, Reptilien und Vögel bearbeitet. Neu hinzu gewonnen wurde ein Kartierer für die Libellen. Außerdem unterstützt das Projekt Grünhaus seit 2013 das Wolfsmonitoring des Landes Brandenburg. Prompt glückte im September 2013 der Nachweis von zwei Wölfen durch Fotofallen. Die Experten gehen davon aus, dass Grünhaus aufgrund der Ruhe und Abgeschiedenheit und des reichen Vorkommens von Beutetieren die Kernzone eines Wolfsterritoriums bildet. Besonders zu erwähnen ist weiterhin eine im Auftrag der NABU-Stiftung 2013 durchgeführte Erfassung der Stechimmen (Wildbienen und Wespen) im Naturparadies Grünhaus. Demzufolge kommen derzeit rund 167 Wildbienen- und 173 Wespenarten vor. Dieser hohe Wert ergibt sich aus dem Vorkommen geeigneter Habitate, wie etwa offener Sandflächen als wichtiger Teillebensraum. Trotz der Einschränkungen aufgrund der Bergbausanierung wurden wieder durchgängig öffentliche Führungen angeboten. So erlebten im Jahr 2012 470 Teilnehmer (auf 36 Führungen) und im Jahr 2013 301 Teilnehmer (auf 27 Führungen) wie in den Jahren zuvor charakteristische Arten wie Segelfalter, Steinschmätzer und Wiedehopf und Kranich.

Ursprüngliche Bewerbung:

Die Niederlausitz im Süden Brandenburgs ist geprägt durch den Braunkohleabbau. Mit den großen Tagebauen ging nicht nur die Heimat der hier lebenden Menschen unwiederbringlich verloren, sondern auch Tiere und Pflanzen verloren ihren Lebensraum. Auf den ersten Blick ist für Laien nicht erkennbar, welchen Beitrag die leergeräumten Mondlandschaften für den Erhalt unserer Artenvielfalt leisten können.

Doch nach dem Ende des Braunkohleabbaus bieten die riesigen Flächen wieder neue Chancen für die heimische Artenvielfalt: Durch ihre Nährstoff- und Schadstoffarmut, Vegetationsarmut, Ungestörtheit und Unzerschnittenheit finden in den ehemaligen Tagebauen viele Arten eine neue Heimat, die in der intensiv genutzten Kulturlandschaft stark bedrängt sind.

Der hohe Wert der stillgelegten Tagebaue für den Erhalt der biologischen Vielfalt ist durch die gesetzlich vorgesehene Tagebausanierung bedroht. Damit die ehemaligen Tagebauflächen wieder land- und forstwirtschaflich genutzt werden können, werden Böden gekalkt und gedüngt, Steilhänge abgeflacht und unregelmäßig geschüttete Flächen eingeebnet. Die hohe Variabilität der Lebensräume, die die Grundlage für die Artenvielfalt bildet, ist damit unwiederbringlich zerstört.

Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe hat daher zwischen 2003 bis 2006 rund 2.000 Hektar in den ehemaligen Tagebauen zwischen Finsterwalde und Lauchhammer erworben. Als Eigentümerin nimmt sie Einfluss auf die Sanierung und sorgt dafür, dass das Tagebaugelände ausschließlich als wertvoller Lebensraum für bedrohte Arten entwickelt wird. Eine Nutzung ist nur dort vorgesehen, wo dies für den Erhalt der Artenvielfalt wichtig ist. So sind die Wiesen an zwei Schäfereien verpachtet. Die Seen, die offenen Sandflächen, jungen Wälder und Sukzessionsbereiche können sich ohne weitere Eingriffe frei entwickeln. Schon heute, rund zwanzig Jahren nach Einstellung des Kohleabbaus, lebt eine beeindruckende Anzahl an zurückgekehrten Arten in Grünhaus. Damit ist das Potenzial aber noch nicht ausgeschöpft – in Zukunft werden weitere Arten Grünhaus als sichere Heimat entdecken.

Damit stehen die Ampel für den Erhalt der Artenvielfalt im Naturparadies Grünhaus auf Grün. Doch das ist nicht genug. Denn der Wert dieser Fläche für die Natur muss messbar erfasst, kommuniziert und erlebbar werden, damit das riesige Naturschutzprojekt Akzeptanz in der Bevölkerung findet. Gleichzeitig kann es bundesweit als Leuchtturmprojekt für den Wert und den Erhalt der Biologischen Vielfalt werben.

Die NABU-Stiftung bietet daher regelmäßige öffentliche Führungen an, bei der Einheimische, aber auch viele zugereiste Interessierte die Artenvielfalt dieses Sonderstandortes erleben können. Die Führungen sind die einzige Möglichkeit, in das bergrechtlich gesperrte Gelände zu gelangen. Durch das Erlebnis der reichen Tier- und Pflanzenwelt werden gerade Einheimische mit dem Wandel ihrer Heimat versöhnt. 2011 zeigten die Gästeführer der NABU-Stiftung bei 35 Führungen 594 Menschen bedrohte und selten erlebbare Arten wie beispielsweise Wiedehopf, Brachpieper, Neuntöter, Kreuzkröte und Sand-Ohrwurm.

Zur Erfassung und Beobachtung der einwandernden Arten rief die NABU-Stiftung 2006 ein ehrenamtliches Monitoring-Programm ins Leben. Jedes Jahr untersuchen Ehrenamtliche aus dem direkten Umfeld mit viel Freude das frühere Tagebaugebiet auf festgelegten Untersuchungseinheiten. Die NABU-Stiftung unterstützt die Ehrenamtlichen durch ein Veranstaltungsprogramm, Schulungen, Material und bei der Zusammenfassung der Kartierungen im jährlich erscheinenden Monitoring-Bericht. Eine ausführliche Internetpräsens informiert über das Monitoring-Programm und wirbt um weitere Mitstreiter.

2011 engagierten sich 30 Kartierer aus dem direkten Umfeld des Naturparadies Grünhaus. Das Beobachtungsprogramm ist damit ein breit akzeptiertes Angebot für Einheimische, sich durch die Arbeit in der Natur mit den Themen Artenvielfalt, Arteneinwanderung in die Tagebaulandschaft, Biotop- und Landschaftswandel auseinanderzusetzen.

Durch die Arbeit der Ehrenamtlichen wissen wir um den derzeitigen Stand der Wiederbesiedelung der ehemaligen Tagebaulandschaft. Die Naturbeobachter entdeckten bisher 413 Gefäßpflanzen , von denen 53 Arten auf der Roten Liste Brandenburgs geführt werden. 120 Vogelarten leben hier, darunter 55 Arten der Roten Listen Brandenburgs, wie beispielsweise Brachpieper, Steinschmätzer, Wendehals, Wiedehopf, Rebhuhn, Raubwürger oder Braunkehlchen.
22 % der höheren Pflanzenwelt Brandenburgs sowie 26 % aller Vogelarten Brandenburgs sind in Grünhaus vertreten. 65 Vogelarten nutzen Grünhaus bereits für ihr Brutgeschäft. 9 Amphibienarten wurden gefunden sowie 30 Tagfalterarten und 88 Großpilzearten.

Mit ihrer Arbeit liefern die einheimischen Naturbeobachter wichtige Daten, um den Wert des Naturparadieses Grünhaus für die Artenvielfalt einzuschätzen und über die Jahre hinweg zu vergleichen.


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Dokumente

Karte des Naturparadieses Grünhaus

Lageskizze Naturparadies Grünhaus

Jahresbericht Ehrenamtsmonitoring 2010

Jahresbericht Ehrenamtsmonitoring 2011

Jahresbericht Ehrenamtsmonitoring 2012

Jahresbericht Biomonitoring 2013

Wanderkalender 2015

 

Besuchen Sie uns

Projektbüro Grünhaus

Finsterwalder Str. 21
03238 Massen - Niederlausitz

Öffnungszeiten: siehe Veranstaltungskalender auf der Webseite des Besuchspunktes

Herr Stefan Röhrscheid
Tel.:0172-5945888
stefan.roehrscheid@NABU.de
http://www.gruenhaus.org

 

Weitere Infos

NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, Projektbüro Grünhaus
Massen - Niederlausitz

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