Inklusion im Nationalpark Eifel: Ranger-Touren in gebärdensprachlicher Begleitung

Weiterentwicklung:

In den letzten Jahren konnte die Zusammenarbeit mit dem kooperierenden Gehörlosenheim noch intensiviert werden. So gibt es mittlerweile fast 10 feste Rangertouren mit gebärdensprachlicher Begleitung im Jahr. Zudem konnte eine Gebärden-Dolmetscherin als zertifizierte Führerin für die Ausstellung „Wildnis(t)räume“ des Nationalpark Eifel gewonnen werden. Die über 2.000 Quadratmeter große Ausstellung hat u.a. die biologische Vielfalt zum Thema, wodurch entsprechende Botschaften sehr anschaulich und über mehrere Sinne direkt in der Ausstellung vermittelt werden können. Die Rangertouren in gebärdensprachlicher Begleitung erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit und verzeichnen stabile bis wachsende Teilnehmerzahlen. Die Rückmeldungen zu den Touren sind zudem durchweg positiv. Stets wird die gute Zusammenarbeit von Ranger und Dolmetscher gelobt. Die Informationsvermittlung verläuft immer reibungslos.

Ursprüngliche Bewerbung:

Hitzig brennt die Debatte zwischen den beiden jungen Männern: Ja, es sei ein Rotmilan gewesen, den die beiden vor einigen Wochen gesehen haben. Nein, es müsse ein kleinerer Greifvogel gewesen sein, entgegnet der Andere. Außerdem passe die Beschreibung des Rangers sowieso viel besser auf einen Bussard, argumentiert er weiter. Sein Freund entgegnet zurück, dass ein Vogel dieser Gefiederfärbung gar kein Bussard sein könne…

Ein Streit über die Sichtung eines seltenen Vogels mag unter Naturfreunden nichts ungewöhnliches sein. Doch diese Unterhaltung wird von einigen Anwesenden nur verstanden, weil eine Dolmetscherin die Diskussion übersetzt. Sie übersetzt keine Wörter. Sie übersetzt die Bedeutung schwingender Arme und sich formender Finger. Sie übersetzt Gesichtszüge, die gezielt eingesetzt werden, um Emotionen eindeutig auszudrücken. Diese beiden Naturfreunde unterhalten sich in Gebärdensprache.
Seit der Gründung des Nationalparks Eifel im Jahr 2004 führen Ranger der Nationalparkwacht interessierte Besucherinnen und Besucher durch das Großschutzgebiet. Seit 2007 werden diese Wanderungen auch mit Dolmetschern für Gebärdensprache durchgeführt. So können jedes Jahr fünf bis sechs integrative Führungen für gehörlose, schwerhörige und hörende Menschen angeboten werden. Möglich wird dieses barrierefreie Naturerlebnis durch die Unterstützung des Gehörlosenheims Euskirchen (HPH-Netz Mittelrhein-West). Eine Mitarbeiterin übersetzt die Erklärungen und Geschichten des Rangers in die deutsche Gebärdensprache. Für schwerhörige Menschen hält die Nationalparkverwaltung Hörverstärker bereit, die an Hörgeräte angeschlossen werden können. Alle Touren bedürfen keiner Anmeldung und sind kostenfrei.
Durch enge Kooperationen mit der Louis-Braille-Schule für Blinde in Düren, dem Gehörlosenheim Euskirchen und der Anna-Freud-Schule Köln für Schülerinnen und Schüler mit Körperbehinderung, chronischen sowie psychosomatischer Erkrankung, wurden die Ranger für den Umgang mit Menschen mit Behinderung geschult und sensibilisiert. Beispielsweise erlebten sie eine Wanderung unter der Augenmaske und verbrachten einen Nachmittag mit dem Rollstuhl in der Kölner Innenstadt. Die Ranger haben sich auch mit Gebärdensprache vertraut gemacht. Sie sprechen während der Übersetzungen langsamer, damit die Dolmetscherin genug Zeit zum Abbilden der Worte hat. Sie wissen, dass eine Sache zuerst beendet werden muss, bevor die nächste begonnen werden kann. Beispielsweise reichen sie Bilder und Exponate immer nur nacheinander herum, nie mehrere gleichzeitig.
Für die gehörlosen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist das Naturerlebnis während der Wanderungen eine besondere Erfahrung. Sie lachen viel und Freude strahlt aus ihren Gesichtern. Sie suchen gezielt Kontakt zu den hörenden Besuchern. Der Dolmetscherin sehen sie aufmerksam zu, wenn sie die Geschichten des Rangers übersetzt. So wird die gemeine Brennnessel dann zum spannenden Erfahrungsobjekt.
Für die Nationalparkverwaltung ist es ein wichtiges Anliegen, das Schutzgebiet für Menschen mit und ohne Behinderung erlebbar zu machen. Dieser Grundsatz wurde bereits im „Nationalparkplan Band 1: Leitbild und Ziele“ festgeschrieben. Die gebärdensprachlich begleiteten Wanderungen sind eingebettet in eine breite Palette von barrierefreien Angeboten, wie beispielsweise der Barrierefreie Natur-Erlebnisraum „Wilder Kermeter“. Er bietet auch blinden und mobilitätseingeschränkten Besuchern die Möglichkeit, die naturnahen Buchenmischwälder des Nationalparks ohne fremde Hilfe zu erkunden.
Die Akteure in der Erlebnisregion Nationalpark Eifel arbeiten gemeinsam daran, möglichst die gesamte touristische Servicekette für Gäste mit und ohne Behinderung zu gestalten. Beispielsweise haben sich 14 zertifizierte Nationalpark-Gastgeber ihre Gastronomie- und Übernachtungsbetriebe durch die Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle (NatKo e.V.) auf Barrierefreiheit prüfen und zielgruppengerecht beschreiben lassen. Die Nordeifel Tourismus (NeT) GmbH hat aus den Angeboten ein- und mehrtägige Arrangements für mobilitätseingeschränkte Personen entwickelt.
Die gebärdensprachlich begleiteten Rangertouren sind eines von vielen kostenfreien Umweltbildungsangeboten im Nationalpark Eifel. Sie sensibilisieren für die Belange des Naturschutzes und zeigen auf, wie sich die Natur im Nationalpark Eifel wieder in ihren ursprünglichen Zustand entwickelt. Dadurch wird die biologische Vielfalt selbst zur Aufklärungsarbeit genutzt, um ihren Schutz in der Zukunft zu gewährleisten.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die begleiteten Führungen im Nationalpark Eifel helfen dabei, die Thematik der biologischen Vielfalt immer wieder in das Bewusstsein der Besucherinnen und Besucher zu bringen. Ausgebildete Ranger kennen sich bestens aus und können so die Bezüge zur biologischen Vielfalt problemlos herstellen. Natürlich gehen die Ranger auch speziell auf die biologische Vielfalt ein und vermitteln den Gästen, was diese bedeutet. So wird bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Touren das Bewusstsein geschärft und gleichzeitig eine möglichst hohe Akzeptanz geschaffen. Denn bekanntlich schützt man nur, was man kennt.


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Dokumente

Bei dem Plakat handelt es sich um den Aushang, mit dem z. B. im Gehörlosenheim Euskirchen für die gebärdensprachlich begleiteten Rangertouren geworben wurde. Es stammt aus dem Jahr 2012

Überblick über die Anzahl der Touren und Teilnehmer der letzten Jahre

 

Besuchen Sie uns

Nationalpark Eifel

Urftseestraße 34
53937 Schleiden-Gemünd

Herr Tobias Wiesen
Tel.:02444 / 9510-70
wiesen@nationalpark-eifel.de
http://www.nationalpark-eifel.de

 

Weitere Infos

Nationalparkforstamt Eifel im Landesbetrieb Wald und Holz NRW in Kooperation mit dem Gehörlosenheim Euskirchen (HPH-Netz Mittelrhein-West)
Schleiden-Gemünd

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