Günztal Weiderind

2. Weiterentwicklung:

Das Projekt Günztal Weiderind wurde in den Jahren 2016 und 2017 erfolgreich weiterentwickelt. „Original Braunvieh“ wurde für das Jahr 2016 von der „Gesellschaft zum Erhalt alter Haustierrassen“ (GEH) als Rinderasse des Jahres ausgewählt. Im Rahmen des Projektes wurden dazu mehrere Veranstaltungen durchgeführt: Bei einem Viehschautag wurde auf einem Milchhof und einem Weidehof die wertvollen Eigenschaften der Rasse für extensive Haltungsformen präsentiert, um insbesondere Tierhalter für das Projekt zu gewinnen. Eine weitere Veranstaltung war der „Günztaler Weidetag“ auf dem Verbraucher über die naturschutzfachliche Beweidung und die Erzeugung hochwertigen Weiderindfleisches informiert wurden. Im Jahr 2017 stiegen zwei weitere Betriebe neu in das Projekt und die Weidehaltung ein. Damit wurden neue Extensiv-Weideflächen gewonnen, die mit vom Landratsamt Unterallgäu für das Projekt finanzierten Zaunmaterial eingerichtet wurden. Die Vermarktung des Günztal Weiderind-Fleisches wurde neu um verarbeitete Produkte, wie Weiderind-Schinken und Weidrind-Salami, ergänzt. Diese und weiter Produkte sollen zukünftig auch über einen neuen Hofladen einer der Betriebe vermarktet werden. Die Weiterbildung der Weiderindbetriebe zum artgerechten Umgang mit Tieren und der naturschutzfachlichen Beweidung konnte ebenfalls ausgebaut werden und damit auch der Austausch mit anderen Projekten. Am Projekt beteiligt sind aktuell 7 landwirtschaftliche Betriebe mit insgesamt 80 Original Braunvieh-Tieren.

Weiterentwicklung:

In den letzten zwei Jahren wurde das Projekt Günztal Weiderind erfolgreich weiterentwickelt. Die wichtigsten Weidekomplexe wurden räumlich erweitert und durch Maßnahmen (z.B. Gehölzpflanzungen), als auch durch fortlaufende Optimierung des Beweidungskonzeptes strukturell angereichert. Ein Monitoring konnte auch im Jahr 2015 den positiven Effekt der Beweidung auf die Biodiversität quantifizieren. Zwei weitere öffentlichkeitswirksame Weidekulissen konnten in den Jahren 2014 und 2015 installiert werden und dienen als Schaufenster für das Projekt. Auch konnten zwei neue Weiderindbetriebe zur Mitarbeit gewonnen und bei vier weiteren Betrieben aktuell ein starkes Interesse geweckt werden. Beeinflusst durch die mediale Präsenz des Projektes, z.B. im Allgäuer Bauernblatt, beim Bayerischen Rundfunk und durch die Auszeichnung als UN-Dekade Projekt, wird das „Original Braunvieh“ im Jahr 2016 als Rinderasse des Jahres von der „Gesellschaft zum Erhalt alter Haustierrassen“ weiter in den Fokus gerückt. Gleichzeitig soll in den nächsten zwei Jahren die Aufmerksamkeit noch stärker auf die Vorzüge dieser Rinderrasse gelenkt werden: die standortangepasste Milchproduktion, die Erzeugung hochwertigen Weiderindfleisches und Landschaftspflege durch Beweidung. Die aktuell schwierige Lage der Milchbetriebe, wie auch der gestiegene Druck auf naturschutzfachlich relevante Flächen durch Flächenknappheit, unterstreicht die Bedeutung des Projektes aus landwirtschaftlicher und naturschutzfachlicher Sicht.

Ursprüngliche Bewerbung:

Zwischen Obergünzburg im Allgäu und Günzburg im Donautal erstreckt sich das Günztal, eine der landesweit bedeutsamen Biotopverbundachsen in Bayern. Seit 1994 gibt es hier Umsetzungsprojekte des Bayerischen Arten- und Biotopschutzprogramms unter dem Dach verschiedener Träger wie Behörden, Verbände und Kommunen.

Seit dem Jahr 2000 verfügt das Günztal über eine eigene Naturschutzstiftung, die „Stiftung Kulturlandschaft Günztal“, mit Sitz in Ottobeuren. Die Stiftung hat sich das Ziel gesetzt, die naturräumtypische Biodiversität im Wassereinzugsgebiet der Günz zu erhalten und zu fördern. Dazu soll ein Biotopverbund von den Quellen bis zur Mündung der Günz entwickelt werden. Die Stiftung ist sowohl als Träger eigener Naturschutzprojekte aktiv (Flächenankauf, Biotopgestaltung, Projekt-Kampagnen), als auch als Berater und Dienstleister für Behörden, Gemeinden, Verbände und Private tätig.

Seit 2008 verfolgt die Stiftung mit dem Projekt „Günztal Weiderind“ das Ziel, die im Günztal „ausgestorbene“ Beweidung als ursprünglichste und naturnahe Grünlandnutzungsform für den Auen-Naturschutz zu erproben und wieder zu etablieren. Neben der Förderung der standorttypischen grünlandgebundenen Biodiversität erfolgt dabei auch der Brückenschlag zur Agro-Biodiversität: Durch den Einsatz der stark gefährdeten regionalen Nutztierrasse „Original Braunvieh“ soll diese gefördert und in eine wirtschaftlich tragfähige Wertschöpfungskette eingegliedert werden. Darüber hinaus engagiert sich das Projekt in der Bewusstseinsbildung bei Verbrauchern, um die Zusammenhänge zwischen extensiver Landwirtschaft, gesunder Lebensmittelproduktion und Biodiversität bekannt zu machen.

Aktuell arbeitet die Stiftung mit vier landwirtschaftlichen Weidebetrieben zusammen, die insgesamt 90 „Original Braune“-Weidetieren im Einsatz haben. Die landwirtschaftlichen Betriebe verfügen jeweils über eigene Hofstellen, Flächen und Tierbestände. Über das Projekt erhalten die Weidebetriebe in den Kerngebieten des Biotopverbundes weitere Weideflächen zur Verfügung gestellt, die nach Naturschutzvorgaben beweidet werden. Flächeneigentümer der Naturschutzweiden sind z.B. die Wasserwirtschaftsverwaltung, Gemeinden, Naturschutzverbände oder die Stiftung KulturLandschaft Günztal.

Im Rahmen der Projektentwicklung wird sowohl die naturschutzfachliche als auch die landwirtschaftliche Seite des Projektes gleichrangig vorangetrieben.

Besonderheit des naturschutzfachlichen Projektteils ist, dass die Region Günztal durch eine intensive Landwirtschaft geprägt ist. Alle in das Beweidungsprojekt einbezogenen Grünlandflächen – im Projektjahr 2013: 22 ha - waren früher intensiv genutzt und befinden sich heute wieder auf dem Weg der Extensivierung. Die Beweidung dient somit als Renaturierungsinstrument, um Strukturvielfalt zu fördern.
Unter fachlicher Beratung von Prof. Dr. Eckard Jedicke wurde ein Zielkonzept für die naturschutzorientierte Beweidung im Günztal erstellt, das 2012 in die Umsetzungsphase ging. Erste Monitoringergebnisse zeigen, wie positiv sich die extensive Beweidung auf die Renaturierung von Auengrünland auswirkt.

Der landwirtschaftliche Projektteil will die extensive Weidewirtschaft auf Naturschutzflächen als Neben- und Zuerwerbsstruktur in der Region Günztal fördern und attraktiver machen. Als weitere Besonderheit arbeiten alle Weidebetriebe mit dem „Original Braunvieh“. Mit Hilfe eines landwirtschaftlichen Fachberaters wurde gemeinsam mit den Landwirten ein extensives Produktionssystems für die Erzeugung von Weiderindfleisch aus Weideochsenaufzucht und Mutterkuhhaltung entwickelt. Die Weidebetriebe vermarkten unter der gemeinsamen Marke „Günztal Weiderind“. In Jahr 2013 wurden insgesamt 25 Weideochsen und Jungrinder über handwerkliche Metzgereibetriebe in der Region oder direkt ab Hof vermarktet. Im Rahmen von Aktionstagen („Günztaler Weidetage“) und Verbrauchermessen wurden das Projekt und seine Produkte vorgestellt. Durch die Initiative „Günztal Weiderind“ ist es gelungen, dass das „Original Braunvieh“ in die "Arche des Geschmacks" der Verbraucherorganisation Slow Food Deutschland aufgenommen wurde.

Projektaufgaben für die nächsten drei Jahre sind:
• Die bestehenden Weideflächen sollen zu zusammenhängenden Weidekomplexen vergrößert werden. Dies soll durch Kompensationsflächen und Nutzungstausch erfolgen.
• Die Weideführung soll nach naturschutzfachlichen und landwirtschaftlichen Gesichtspunkten weiter optimiert werden.
• Das naturschutzfachliche Monitoring soll fortgesetzt werden.
• Es sollen mindestens zwei zusätzliche Weidebetriebe in weiteren Kerngebieten des Biotopverundes im Günztal aufgebaut werden.
• Das Produktionssystem, Kontrollsystem und Marketing soll weiter umgesetzt und optimiert werden, um die Wertschöpfung der Weidebetriebe zu verbessern.
• Die Vorzüge der Rasse „Original Braunvieh“ für die extensive Weidehaltung sollen bekannter werden, um neue Tierhalter zu gewinnen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Besonderheit des naturschutzfachlichen Projektteils ist, dass die Region Günztal durch eine intensive Landwirtschaft geprägt ist. Alle in das Beweidungsprojekt einbezogenen Grünlandflächen – im Projektjahr 2013: 22 ha - waren früher intensiv genutzt und befinden sich heute wieder auf dem Weg der Extensivierung. Die Beweidung dient somit als Renaturierungsinstrument, um Strukturvielfalt zu fördern.
Unter fachlicher Beratung von Prof. Dr. Eckard Jedicke wurde ein Zielkonzept für die naturschutzorientierte Beweidung im Günztal erstellt, das 2012 in die Umsetzungsphase ging. Erste Monitoringergebnisse zeigen, wie positiv sich die extensive Beweidung auf die Renaturierung von Auengrünland auswirkt.


Bild 1
Bild 2

Bild 3

Dokumente

Projekt-Flyer ´Günztal Weiderind´

Slow Food Arche-Flyer ´Original Braunvieh im Allgäu´

 

Besuchen Sie uns

Weidekoppeln im Günztal

Bahnhofstraße
87724 Ottobeuren

Öffnungszeiten: Während der Weideperiode Mai bis Oktober frei zugängig

Herr Peter Guggenberger-Waibel
Tel.:08332 790538
info@guenztal.de

 

Weitere Infos

Stiftung KulturLandschaft Günztal
Ottobeuren

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