Obstbaumsortenkartierungs- und Lokalsortenerhaltungsprojekt Langenhain-Ziegenberg

Weiterentwicklung:

Seit der Auszeichnung ist folgendes geschehen: Bei der Nachkartierung konnten noch weitere seltene Sorten identifiziert werden. Darunter Roter Metternich und Roter Stettiner. Es wurden weitere Hochstammbäume mit seltenen Sorten gesetzt und somit die Pflanzung abgeschlossen. Die Schutz der Pflanzung vor Wühlmausverbiss erwies sich als ungenügend und wird mit verzinktem Sechseckgeflecht im oberen Bereich (ca. 50 cm tief eingegraben, ca. 60 cm im Durchmesser, oben geschlossen und nach unten offen) ergänzt. Werbung für den BUND-Ortsverband und damit für das Projekt, läuft über ein Projekt mit einer Kelterei, bei der die angenommenen Äpfel besser bezahlt werden als sonst üblich (Aufpreisvermarktung). Beteiligt sind insgesamt 7 Naturschutzgruppen. Angeboten wird ein Karton mit 6 verschiedenen Apfelweinen aus 6 Lagen. Davon einer aus der Gemarkung Langenhain-Ziegenberg. Das Faltblatt "6 Richtige Feine Apfelweine von Wetterauer Streuobstwiesen" wurde hochgeladen. Es gab bereits Nachfragen nach Reisern von den gepflanzten Sorten.

Ursprüngliche Bewerbung:

Nur was man kennt kann man auch schützen. Unter diesem Motto hat der BUND-Ortsverband Ober-Mörlen sich vorgenommen sämtliche Obstbäume in der Gemarkung von Langenhain-Ziegenberg (ca. 2.200 Stück) sortenmäßig zu erfassen.
Dazu wurden 2011 mit Hilfe der Pomologen Jan Bade und Steffen Kahl (www.pomologen-verein.de) die Sorten bestimmt, sowie die Position per GPS und der Zustand der Bäume (ungefähres Alter, Vitalität und Besonderheiten, wie etwa Baumhöhlen) erfasst.

Dabei lag das besondere Augenmerk auf Regional- und (seltenen) z.T. namenlosen Lokalsorten. Diese zu erkennen, zu erhalten und zu vermehren, ist die eigentliche Zielsetzung des Projekts. Durch das Erfassen und Pflegen wird dem Schwinden der genetischen Vielfalt vorgebeugt. Durch Abgabe von Edelreisern sollen die Sorten verbreitet und durch Nutzung erhalten werden.

Um das Schwinden der genetischen Vielfalt zu verhindern, sollen die identifizierten, seltenen, zum Teil unbekannten, erhaltenswerten Sorten als Veredelung auf Hochstamm auf eine separate Fläche gepflanzt und langfristig gepflegt werden. Dies geschieht durch Mitglieder des BUND Ortsverbandes.

Die Kartierung erfolgte in zwei Abschnitten:
Im Jahr 2011 wurde das Untersuchungsgebiet erstmals begangen. Durch die bei kaum gepflegten Obstbäumen vorherrschende Alternanz trug nur ein Teil der Bäume Obst. Die Kartierung wurde dann im Jahr 2012 fortgesetzt.

Im Zusammenhang mit dem Projekt soll später auch die historische besondere Bedeutung des Obstanbaus für Langenhain-Ziegenberg erkundet und dokumentiert werden.

Die Finanzierung der Kartierung erfolgte durch den Kreisausschuss des Wetteraukreises (untere Naturschutzbehörde), den BUND-Kreisverband Wetteraukreis und den BUND-Ortsverband Ober-Mörlen.

Im Sommer 2012 wurde eine geeignete Fläche zur Nachpflanzung gefunden. Die Fläche wurde vom Naturschutzfonds Wetterau e.V. gepachtet. Selbst wenn die Fläche wieder an den Naturschutzfonds zurückfallen sollte, ist der langfristige Erhalt der Pflanzung satzungsmäßig gesichert.

Bereits im Winter 2011/2012 wurden Reiser der bei der Kartierung identifizierten Lokalsorten und Raritäten zur Veredelung auf Hochstamm an die Baumschule Rinn in Gießen abgegeben.

Die rechteckigen Pflanzgruben (ca. 1 x 1 x 1 m) wurden im Spätsommer 2012 mit einem Friedhofsbagger ausgehoben. (Die Kosten übernahm der Nuturschutzfonds Wetterau). Anschließend wurden die Innenkanten mit einem Spaten konisch zugespitzt und die glatten Seitenflächen mit einer Grabgabel aufgelockert. Anschließend wurden die Gruben mit dem Aushub wieder verfüllt, damit sich die Erde bis zur Pflanzung setzen konnte. Dabei wurden die zukünftigen Stützpfosten gleich mit eingesetzt.

Über die "Aktion Streuobstwiesen" wird die Anschaffung von hochstämmigen Obstbäumen samt Stützpfosten, Kokosstrick und Drahthose durch Übernahme von 50 % der Kosten durch die Gemeinde Ober-Mörlen gefördert. Ein weiterer Zuschuss erfolgt durch den BUND-Kreisverband Wetteraukreis. Die Kosten für die Auftragsveredelungen werden separat berechnet.

Im November 2012 erfolgte die Pflanzung der ersten 20 Bäume. Weitere werden in den kommenden Jahren folgen.

Bedingt durch den hohen Wühlmausdruck auf der Erhaltungsfläche wurden die Bäume in Drahtkörbe aus unverzinktem Sechseckgeflecht (13 x 0,6 x 1000 mm; Maschenweite x Drahtstärke x Rollenbreite) gepflanzt. Da die Bäume der Auftragsveredelungen im Topf angezogen wurden, ist ein Teil der Wurzeln an der Topfwand entlang im Kreis gewachsen. Um ein späteres sich selber Abwürgen des Baumes durch die eigenen Wurzeln zu verhindern, ist der Wurzelballen vor der Pflanzung aufgebrochen und die Wurzeln locker ins Pflanzloch eingebracht worden. Zur Verbesserung der Startbedingungen wurde ein Präparat mit Mykorrhizen und Bodenbakterien mit ins Pflanzloch gegeben. Der Stamm wird mit einem verzinktem Sechseckgeflecht vor Wildverbiss geschützt.
Bei der Pflanzung erfolgt auch der sogenannte Pflanzschnitt: Abgestorbene Wurzelteile werden bis in das gesunde Gewebe zurückgeschnitten. Die Krone wird auf geeignete Augen stark eingekürzt und ungewünschte Äste entfernt. Der Kronenaufbau erfolgt über 2 Jahre so, dass sich der Ansatz der Leitäste auf 40 bis 50 cm am Mitteltrieb verteilt.
In den kommenden Jahren müssen die Bäume durch jährlichen Schnitt so erzogen werden, dass sich ein für die zukünftige Obstlast tragfähiges Astgerüst bildet. Bei nicht ausreichendem Niederschlag müssen die Bäume in den ersten beiden Jahren gewässert werden. Auch ist eine Baumscheibe von konkurrierendem Bewuchs frei zu halten. Mulchen mit Gründünger fördert das Bodenleben und damit die gesunde Entwicklung der Bäume. Zudem ist auf Rindenschäden, Pilz- Bakterien- Viren- oder Schädlingsbefall zu achten und gegebenenfalls gesundheitsunterstützend einzugreifen.

Durch Veröffentlichungen, Sortenausstellungen, Sortenwanderungen und Nutzen der Früchte (Verkauf als Kelter- oder Tafelobst) soll auf das Projekt aufmerksam gemacht werden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Steigerung und der Erhalt der Vielfalt an Obstsorten und damit des zur Verfügung stehenden Genpools, steigert die Gesundheit des Bestandes, ist eine gute Grundlage für zukünftige Züchtungen und ermöglicht dem Verbraucher eine große Geschmacksvielfalt.


Bild 1
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Dokumente

Faltblatt 6 RichtigeFeine Apfelweine von Wetterauer Streuobstwiesen

Präsentation des Projekts

 

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Weitere Infos

Klaus Spieler BUND-Ortsverband Ober-Mörlen
Ober-Mörlen

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