Arnika - Erhalt und Wiedernutzung einer alten Heilpflanze im Bayerischen Vogtland und Fichtelgebirge

Das Arnikaprojekt des Landschaftspflegeverbandes Hof wird im Rahmen des Bundesprogrammes "Biologische Vielfalt" durchgeführt. Dieses dient der Umsetzung der „Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt“ – den Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur „Rio-Konvention“ von 1992. Arnika gehört zu den „Verantwortungsarten“, für deren Erhalt Deutschland besondere Verantwortung trägt und konkrete Maßnahmen finanziert werden.

Das Projektgebiet umfasst den östlichen Teil des Bayerischen Vogtlandes - den Rehauer Forst - und das nördliche Fichtelgebirge. Es ist ca. 250 km² groß. Neben dem Landkreis Hof ist auch der Landkreis Wunsiedel eingebunden. Mit den Gemeinden, den Behörden und dem Naturpark Fichtelgebirge arbeiten wir vertrauensvoll zusammen.

Schützen durch Nützen

Den Rückgang der Biologischen Vielfalt in der traditionellen Kulturlandschaft stoppen und den Schutz mit nachhaltiger Nutzung der Arnika zu verknüpfen sind die Leitgedanken unseres Projektes.
Zur dauerhaften Sicherung der Vorkommen wird die extensive Nutzung ihrer Standorte – Bergwiesen, Borstgrasrasen und Heiden – sichergestellt und die Arnika regional wieder als Heilpflanze verwendet. Dazu arbeiten wir mit unserem Projektpartner, dem Naturhof "Faßmannsreuther Erde" zusammen.
Das Arnikaprojekt soll der streng geschützten Pflanzenart ermöglichen, sich wieder zum normalen Bestandteil unserer Kulturlandschaft zu entwickeln. Es steht dabei im Spannungsfeld von Landnutzung, Naturerleben, Regionaler Vermarktung, Gesundheit und Kultur.

Maßnahmen und Umsetzung

Wie überall sind auch im Projektgebiet die Arnika-Bestände stark rückläufig und drohen flächig zu verschwinden. Diesen Rückgang wollen wir stoppen und eine Trendumkehr einleiten. Dazu werden die verbliebenen Vorkommen revitalisiert, vergrößert und Voraussetzungen für eine eigenständige Vermehrung der Populationen geschaffen. Zusätzlich werden neue Standorte angelegt und die Art an ehemaligen Vorkommen wieder angesiedelt.

Als Folge vielfältiger Veränderungen und Umwelteinflüssen ist die eigenständige Vermehrung der Arnika zum Erliegen gekommen. Ihre Samen keimen nur auf Offenboden, nur in "Schutzstellen" wachsen junge Pflanzen heran. Die Maßnahmen zielen daher auf Schaffung lückiger Vegetationsstrukturen, Beseitigung von Moos- und Grasfilz und regelmäßige mechanische Störung, wie sie in der alten Kulturlandschaft z.B. durch Sensenmahd und extensive Beweidung gang und gäbe war.
Traditionelle Nutzungsformen müssen dabei durch moderne Methoden ersetzt oder ergänzt werden. So arbeiten wir zum Aufbrechen verfilzter Magerrasen mit Sportplatz-Striegel und lassen auf bestimmten Flächen zur Vorbereitung der Wiederansiedlung den Oberboden abfräsen. Da es kaum mehr Schäfereien in Nordost-Oberfranken gibt, wurden 2013 erstmals Flächen mit der Herde des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Hof nachbeweidet. Weiterhin müssen Brachen aufbereitet werden, Mahdtermine und Maschineneinsatz auf die Arnika abgestimmt oder per Hand Offenbodenstellen geschaffen werden. Die speziellen Arbeiten werden über den Maschinering Hochfranken abgewickelt.

Wissenschaftliche Absicherung und Monitoring

Um die Ziele zu erreichen werden wisschenschaftlich abgesicherte Methoden und Maßnahmen der Landschaftspflege eingesetzt. Über ein Monitoring erfolgt die Erfassung populationsökologischer Parameter und des Erfolges bei Wiederansiedlungen (z.B. Vitalität, Anzahl vegetativer und blühender Rosetten, Anzahl Blütenköpfe, Samenpotential, Keimlinge). Zuständig für diese Aufgaben ist das Naturschutzbüro Thomas Blachnik aus Nürnberg.

Arnikatinktur aus Wildsammlung

In 2014 ist es dann soweit. Nach den ersten Erfolgenbei der Vermehrung können wir Arnikablüten im Projektgebiet sammeln und daraus Tinktur oder Arnika-Öl herstellen. Dazu wurde uns die Genehmigung bereits in Aussicht gestellt. Die Sammlung muss nachhaltig geschehen und findet unter strenger behördlicher Aufsicht statt. Sammeln, Trocknen und Herstellung von Tinktur findet mit unserem Projektpartner Faßmannsreuther Erde und einer regionalen Apotheke statt.

Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung, Evaluation

Mit dem Arnikaprojekt suchen wir gezielt die Öffentlichkeit. So wird im Naturhof jährlich ein Arnikatag durchgeführt. Faltblatt, Infotafel und ein umfangreicher Internetauftritt informieren die Menshen in der Region. Begleitende Maßnahmen zur Umweltbildung, Sensibilisierung der Region für Biologische Vielfalt und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit runden das Projekt ab. Es wurde bereits ein Informationsfaltblatt und eine Internetseite erstellt. Unter www.arnikaprojekt-hof.de finden Sie weitere Informationen, im Projekttagebuch berichten wir über unsere Aktivitäten. Das Online-Angebot wird durch ein Video, Fernsehbeitrag und Interview zum Thema Arnika abgerundet. Die Projektseite im Bundesprogramm: www.biologischevielfalt.de/18283.html

Die Evaluation des Projektes erfolgt durch die Universität Bayreuth, Bereich Stadt- und Regionalentwicklung, Herrn Prof. Miosga.

Das Projekt wurde bis 03/2018 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

s.o.

Video:


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Dokumente

Faltblatt

Lage des Projektgebietes

Infotafel

 

Besuchen Sie uns

Naturhof Faßmannsreuther Erde e.V.

Faßmannsreuth 142
95111 Rehau

Öffnungszeiten: 15. Mai bis 30. September: Mittwoch, Donnerstag, Freitag - 14 bis 18 Uhr / Samstag 10 bis 17 Uhr 1. Oktober bis 14. Mai: Donnerstag und Freitag 14 bis 18 Uhr / Januar und Februar geschlossen

Frau Sabine Böhm
Tel.:09294 · 975474
fassmannsreuther-erde@t-online.de
http://www.fassmannsreuther-erde.de

 

Weitere Infos

Projektträger: Landschaftspflegeverband Landkreis und Stadt Hof e.V. Projektmanagement: Frau Dipl.Ing. Regina Saller (LPV Hof) und Herrn Dipl.Biol. Thomas Blachnik (Naturschutzbüro Blachnik, Nürnberg)
Rehau

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