Lern- und Erlebnisort Baggerkuhle in Lenzen

Weiterentwicklung:

Seit der Anerkennung als „UN-Dekade Projekt Biologische Vielfalt“ 2013, hat sich der Lern- und Erlebnisort Baggerkuhle in Lenzen zu einer festen Bildungseinrichtung für biologische Vielfalt entwickelt. Für die „kleinen Frösche“ der Ganztagsschul-AG der Grundschule Lenzen steht daher fest, jeden Dienstagnachmittag geht es an die Baggerkuhle, um zu sehen wie sich „ihre“ Lebensräume entwickelt haben und welches neue Puzzleteil es im Netz der biologischen Vielfalt zu entdecken gibt. Sie sind allerdings nicht mehr allein auf großer Entdeckungstour. Ob Schulklassen aus Brandenburg Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, Kitas aus Lenzen und Umgebung oder Teilnehmer der Ferienspiele, die Baggerkuhle wird ihrem Namen als Lern- und Erlebnisort der biologischen Vielfalt mehr als gerecht. Bildungsmultiplikatoren aus verschiedenen Nationalen Naturlandschaften Brandenburgs, Niedersachsens und sogar aus Biosphärenreservaten des asiatischen Myanmars, holen sich Anregungen für ihre Bildungsarbeit zu Themen der biologischen Vielfalt. Insgesamt ist der Projektort inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Bildungsarbeit im Bereich der biologischen Vielfalt für Kinder im Alter von 4-12 Jahren, in Lenzen und Umgebung geworden. Zurzeit besteht der Antrag auf Übernahme der Flächen durch die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg, um so die Lebensräume und den Lern- und Erlebnisort langfristig zu sichern.

Ursprüngliche Bewerbung:

Das kleine Lenzen ist ein beschaulicher Ort. Eingebettet in die herrliche Auenlandschaft eines Biosphärenreservates, zieht es Besucher zahlreich an. Doch fernab allen Trubels, am Rande des örtlichen Gewerbegebietes, befindet sich versteckt und unentdeckt, ein kleines Refugium. Wo einst geschäftiges Treiben herrschte, findet sich heute eine große Brachfläche mit viel Entdeckerpotenzial.

Herzstück ist eine stillgelegte Baggerkuhle. Umgeben von blütenreichen Trockenrasen, deren vielfältige Flora unzählige Insekten anzieht. Eingestreute Kiefern- und Birkenbestände wachsen bis an den Hang. Die Ränder der Kuhle fallen steil ab. Auf ihrem Grund befindet sich ein Tümpel mit sandig-lehmigen Ufern. An den steilen Böschungen legten früher Uferschwalben ihre Nisthöhlen an. Ein Fuchs hat seinen Bau in den Sand gegraben. Auf den Lesesteinen sonnen sich Eidechsen.

Die Arbeitsgemeinschaft "Kleine Frösche" der Grundschule Lenzen wird von der Naturwacht im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe betreut, die in ihrer Bildungsarbeit dem Konzept „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE)“ folgt. Ein Exkursionstag zum Thema „Wasserlebewesen“ führte die Kinder an die Baggerkuhle. Hier mussten sie leider feststellen, dass das Gewässer und die Uferbereiche nicht nur stark vermüllt, sondern auch fast zugewachsen waren. Es entstand der Wunsch, das kleine Biotop wieder zu beleben, es zu erhalten, zu erforschen und zu beschützen.

Seit dem Sommer 2011 wird diese Idee in die Tat umgesetzt. Unterstützt durch eine Bürgerarbeitsstelle beplanen, betreuen, entwickeln und beobachten die Kinder das Umfeld der Baggerkuhle. Zuerst erkundeten sie die vielfältigen Lebensräume und erfassten ihren Zustand. Der Vergleich mit früheren Untersuchungen der Naturwacht zeigte, dass sich sowohl der Tümpel, als auch die Steilwand in einem sehr schlechten Zustand befanden. Arten wie der Teichmolch, Wasserfrösche und Uferschwalben gingen verloren. Ein Plan zur Renaturierung musste her und der wurde unverzüglich umgesetzt.

Während der wöchentlichen AG-Treffen reduzierten die Kinder den Schilfbestand im Tümpel, entnahmen Gehölze im Uferbereich und stellten eine Steilwand wieder her - alles in mühevoller Handarbeit. So verbesserte sich der Lichteinfall im Gewässer, Laichplätze wurden geschaffen, der Wasserstand stieg. Um die Veränderungen zu protokollieren, erfolgen regelmäßige Beobachtungen der Wasserbewohner und Untersuchungen zur Wasserqualität.

Lernen durch Erleben ist hier das Motto und so geschehen unzählige Entdeckungen auch am Rande. Ein Fuchsbau am Hang, das Mäusenest daneben, ein Schwarzkehlchen auf der Baumspitze, Heuschrecken im Pflanzendschungel darunter. Ein vielseitiges Beziehungsgeflecht, das sich bedingt und Kindern unschätzbare Erfahrungen bringt. Insektenhotels und Vogel-Nistkästen aus Eigenbau bereichern den Lebensraum und erweitern das Artenspektrum. Die Erforschung des Biotops wird inzwischen auf den Trockenrasen ausgedehnt. Hunderte Schachbrettfalter flattern in den Sommermonaten von Blüte zu Blüte. Heidelibellen die über Wiesen schwirren, finden sich in unzähligen Exemplaren im Tümpel wieder. Als Larven werden die kleinen "Monster" gern gekeschert und am Tag der offenen Schultür staunen Eltern nicht schlecht, wenn ihre Kinder den Lebenszyklus der Libellen wie selbstverständlich erklären.

Die Gesamtheit der Lebensräume bietet die Möglichkeit, Zusammenhänge und Umwelteinflüsse anschaulich zu vermitteln und ihre Auswirkungen unmittelbar zu erkennen. Dazu gehören auch das Abrutschen der Steilwand nach starkem Regen und der Eintrag von Nährstoffen in den Tümpel aus den höher gelegenen Flächen. Aus diesen Erfahrungen lernen die Kinder und prüfen, welche Maßnahmen geeignet sind, um solche schädigenden Einflüsse zu minimieren. Die Baggerkuhle und ihre Brachfläche sind Lernort, Erlebnisraum und Rückzugsmöglichkeit zugleich. Sie schulen die Gestaltungskompetenzen der Kinder, hier planen sie im Team, entdecken ihre persönlichen Stärken und Schwächen, testen ihre Ideen und Pläne auf Umsetzbarkeit.

Selbst ein kleiner, aber intakter Lebensraum innerhalb eintöniger Gewerbeflächen kann einen großen Wert für den Erhalt der biologischen Vielfalt haben. Das erfahren sie hier allwöchentlich. Neben den Aktivitäten vor Ort, stellen die Kinder der Arbeitsgemeinschaft ihre Ergebnisse jedes Jahr auf dem Tag der offenen Schultür vor, präsentieren es Eltern und Mitschülern. Auf der Internetseite der Naturwacht Brandenburg wird das Projekt als BNE-Projekt vorgestellt.

Mittlerweile ist die Baggerkuhle kein Geheimtipp mehr. Regelmäßig wird sie von anderen Schulklassen, Arbeitsgemeinschaften und Kitas genutzt, da die eingerichteten Beobachtungsplätze und Erlebnisräume eine optimale Lern- und Erfahrungswelt bieten. Und so ist es nicht mehr ganz so still, erfüllen neben Blätterrauschen, Froschquaken und Vogelgezwitscher immer häufiger muntere Kinderstimmen den mosaikreichen Lebensraum mit Leben.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

-


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

 

Besuchen Sie uns

Naturwacht Station im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Seestraße 18
19309 Lenzen

Öffnungszeiten: Nach Absprache

Frau Ricarda Rath
Tel.:038792/1701
ricarda.rath@naturwacht.de
http://www.naturwacht.de/index.php?id=1251

 

Weitere Infos

Naturwacht im Biosphärenreservat Flusslandschaft ElbeGrundschule Lenzen
Lenzen

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld