Artenschutz und Schule (Orchideen, Amphibien, Reptilien, Urzeitkrebse)

Auf unserem rund 10 ha großen Schulgelände kommen mindestens 32 „Rote-Listen-Arten“ vor. Einige dieser bedrohten Arten (wie z.B. Laubfrosch, Gelbbauchunke, Östlicher Blaupfeil) konnten sich erst durch entsprechende Schutzmaßnahmen dauerhaft hier ansiedeln:

1. 2005 Gründung einer Naturschutz-AG (bestehend aus SchülerInnen der Realschule u. des Gymnasiums), die den Biotop- und Artenbestand aufnimmt, Zielarten definiert, Biotopverbesserungen vorschlägt und zusammen mit dem Hausmeister unserer Schule durchführt und deren Erfolg kontrolliert.
2. Neuanlage von 13 temporären u. perennierenden Stillgewässern unterschiedlicher Größe und Tiefe.
3. Anlage von Trockenbiotopen wie z.B. eines Sand- u. Kiesrückens (ca. 20 m lang, 3 m breit, 0,5 m hoch), 6 Bruchsteinhaufen, 5 Totholzhaufen und 4 Reisig- u. Laubhaufen.
4. Um den 9 heimischen Orchideenarten auf unseren Schulwiesen einen dauerhaften Lebensraum bieten zu können, werden alljährlich Mähpläne, die auf die Blüh- u. Fruchttermine der jeweiligen Orchideen abgestimmt sind, erstellt. Die Wiesenpflege übernimmt unser Hausmeister zusammen mit der Naturschutz-AG.
5. Seit 2009 werden einige Schulwiesen mit Schafen beweidet. Das erhöht die Struktur- und somit Artenvielfalt auf unserem Schulgelände.

Um die Artenvielfalt im schulnahen Umfeld zu erhalten, geht unsere Schule seit 2007 auch auf Kommunen und Landratsämter zu:
1. So planten Schüler der Klassenstufe 11 2007/08 einen Biotopverbund für Amphibien im Raum Ettenheim. Hierbei wurden sie von regionalen Naturschutzverbänden, der Stadtverwaltung und dem Landratsamt Emmendingen unterstützt. Die Umsetzung der ersten Maßnahmen in einem Nachbarort, die seit Jan. 2012 laufen, wurde nur möglich, weil das Landratsamt Offenburg den Großteil der Kosten übernimmt. Bislang wurden dort folgende Arbeiten durchgeführt: Schilfverjüngungsschnitt (Feb. 2012); Rücknahme von Gehölzen, die die Amphibiengewässer zu stark beschatten (Feb. 2012 u. Okt. 2012); Restaurierung von 3 verlandeten Amphibienlaichgewässern (Feb. und Dez. 2012); Neuanlage von 2 Stillgewässern (Feb. und Dez. 2012).
2. Im Jan. 2012 empfahl unsere Naturschutz-AG der Gemeinde Kappel-Grafenhausen ein stark verlandetes Kammmolchlaichgewässer in einen frühen Sukzessionszustand zurückzuführen. Die Umsetzung (Ausbaggerung u. Gehölzrücknahme) erfolgte im Feb. 2012. Unsere AG übernimmt die Erfolgskontrolle (seit März 2012).
3. Seit Jan. 2012 ist unsere Naturschutz-AG auch Teil eines Arbeitskreises zur Umsetzung einer Ausgleichsmaßnahme für Amphibien. Wir beraten hierbei das Landratsamt Offenburg hinsichtlich der Gestaltung von Amphibienlaichgewässern und übernehmen auch hier die Erfolgskontrollen. Hier wurden im Laufe des Jahres 2012 3 Stillgewässer neu angelegt, bis März 2013 sollen 5-7 weitere hinzu kommen.

Der Urzeitkrebs Triops cancriformis ist eine bedrohte Tierart, die bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt ist. Wir wollen die Popularität dieser Tierart nutzen, um auf die Bedrohung von temporären Stillgewässern aufmerksam zu machen und gleichzeitig den Artenschutz wieder mehr ins Zentrum der Umweltdiskussion zu rücken. Deshalb bauten wir an unserer Schule seit 2009 - analog den Samenbanken bei Pflanzen - eine Dauereierbank für diesen Urzeitkrebs auf. Unterstützt wurden wir hierbei durch das Museum für Naturkunde Chemnitz (lieferte Dauereier u. Fachinformationen), das RP Karlsruhe (lieferte Karten zur aktuellen Verbreitung) und das Staatl. Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (stellte Aufzucht- u. Untersuchungsmaterial zur Verfügung). Seit Frühling 2012 haben wir von den Elbe-Populationen ausreichend Triops-Eier, um diese interessierten Bildungseinrichtungen wie Kindergärten, Grund- und weiterführenden Schulen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wir hoffen - und erste Rückmeldungen bestätigen dies - dass die Kinder und Jugendlichen durch den Umgang mit diesen Tieren zum Reflektieren hinsichtlich der Umweltansprüche und somit der Bedrohungsursachen für Urzeitkrebse animiert werden. Dies sind die ersten Schritte hin zu einem künftig verbesserten Schutz von Temporärgewässern, deren Lebensgemeinschaften von der Öffentlichkeit bislang kaum beachtet werden.

Öffentlichkeitsarbeit:
Von 2007 bis 2009 wurde ein Film zur Artenvielfalt auf unserem Schulgelände gedreht. Ausstellungen zum schulischen Biodiversitätsschutz erfolgten 2007, 2009, 2012 und im Jan. 2013. Eine im Juni 2011 an unserer Schule zu selbigem Thema durchgeführte Lehrerfortbildung bewirkte, dass 2 weitere Schulen ihr Außengelände naturnäher gestalten werden.

Am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg werden Referendare zu Gymnasiallehrern und Sonderschullehrern ausgebildet. Durch die Verankerung des Themas „Biodiversitätsschutz im Siedlungsbereich“ in deren Ausbildung, werden sie – so hoffen wir – zu Multiplikatoren, die die Erhaltung der biologischen Vielfalt (nicht nur) im Siedlungsbereich weiter vorantreiben. Daran ist der Seminarleitung sehr gelegen.


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Dokumente

ausführliche Beschreibung der Projekte (mit Fotos)

 

Weitere Infos

Heimschule St. Landolin in Ettenheim Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasien und Sonderschulen) Freiburg

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