(M)ein Biotop für heimische Schmetterlinge

2. Weiterentwicklung:

Das Projekt wird kontinuierlich weiterentwickelt. Neben der jährlich anfallenden Arbeit im Biotop liegt ein Fokus auf der Öffentlichkeitsarbeit. Ziel ist es, Interessierte über das Thema Artenvielfalt aufzuklären und einfache Maßnahmen zum Selbermachen aufzuzeigen. Am 13. Juni 2017 wurde das Biotop von der Umweltstiftung NatureLife-International ausgezeichnet und erhielt ein Preisgeld von Edeka Südwest. Nach den Berichten im Reutlinger Generalanzeiger und der Schwäbischen Zeitung meldeten sich viele Interessierte für eine Biotopbegehung. Darunter waren eine sehr interessierte Grundschulklasse und PH-Studentinnen. Weitere Artikel erschienen im BUND-Magazin 3/17, im Edeka-Magazin „Zukunftleben“ und dem Werbeprospekt KW37/17 S. 38/39. Nachfragen zur Falterbestimmung, dem Anlegen und Mähen einer Magerwiese, kamen auch aus anderen Bundesländern. Mein Blog www.albbiotop.wordpress.com, auf dem ich laufend über das Biotop berichte, verzeichnete einen unglaublichen Anstieg der Nutzerzahlen. So kann Wissen über das Biotop, die Artenvielfalt, ihre Gefährdung und und Maßnahmen zum Schutz überregional und auch für Laien verständlich vermittelt werden, worauf ich großen Wert lege. Gut besucht waren auch die Schmetterlingsführungen am Tag der Artenvielfalt im Kräutergarten von Albgold. Seit Juli 2016 bin ich zertifizierter Schmetterlingsguide und tausche mich regelmäßig mit den Schmetterlingsguides des BUND und der AG Schmetterlinge Zollernalb aus.

Weiterentwicklung:

Nach Veröffentlichungen in mehreren Tageszeitungen und auf SWR 4 meldeten sich viele interessierte Naturliebhaber zu einer Führung durch das Biotop. Besonders beeindruckt hat mich die Gruppe der Blinden und Sehbehinderten, die den Pilzbefall auf Blättern tasteten, die Art des Waldes an der Beschaffenheit des Waldbodens erkannten und begeistert durch hüfthohes Gras streiften. Ziel war es, den Besuchern zu vermitteln, wie groß die biologische Vielfalt auf einem recht kleinen Gebiet ist und wie diese geschützt werden kann. Seit 2005 nehme ich am Tagfalter-Monitoring der Universität Leipzig teil, deren Daten Grundlage für „The European Grassland Butterfly Indicator“ sind. Um die biologische Artenvielfalt in meinem Biotop zu dokumentieren, beteilige ich mit seit 2014 an einem Projekt der LUBW. Hierfür kartiere ich Amphibien und Reptilien. Das Biotop wurde ebenfalls weiterentwickelt. Die Blaufichten wurden entfernt, sodass auf gesamter Länge ein vier Meter breiter Streifen entstand, in dem sich Disteln und Rote Heckenkirsche entwickeln, ideal für Perlmutterfalter, Kaisermantel und den gefährdeten Blauschwarzen Eisvogel. Um Schlüsselblumen und den Schlüsselblumenwürfelfalter zu schützen, wurden einige Ahornbäume gefällt. In Abstimmung mit dem LEV wurde das 200 m lange Altheckenbiotop in zwei Abschnitten sachgerecht auf den Stock gesetzt, in vier Jahren wird sie komplett gepflegt sein. Ziel ist es, ein blütenreiches Schmetterlingsbiotop zu erhalten.

Ursprüngliche Bewerbung:

Ein selbst geschaffenes Biotop: Selbst in ländlichen Gebieten werden Hecken häufig "auf den Stock gesetzt" oder komplett entfernt, um landwirtschaftliche Flächen besser nutzen zu können. Dies hat jedoch negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt des Ökosystems. Auf einer Fläche von einem Hektar in der Nähe von Steinhilben auf der Schwäbischen Alb befindet sich deshalb ein von mir seit 1988 selbst angelegtes Biotop. In diesem leben sowohl verschiedene Vogelarten als auch viele Schmetterlingsarten, die Indikatoren für ein hochsensibles Ökosystem sind.

Altes Heckenbiotop
Das 13 Ar umfassende alte Heckenbiotop, etwa 200 m lang und bis zu 12 m breit, besteht vor allem aus Schlehe und Weißdorn, vereinzelt durchsetzt von schwarzem und rotem Holunder und wenigen Heckenrosen. Es bietet nicht nur Rückzugsmöglichkeiten in einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Umgebung, sondern bietet Schutzmöglichkeiten und Nahrungsangebot für viele Tierarten, wie Insekten, Säugetiere und Reptilien, sowie Nistmöglichkeiten für Vögel. In der alten Schlehenhecke zieht der Neuntöter seit Jahren seine Jungen auf.

Entwicklung
Das neben meinem Waldstück „Hinter Bargen" liegende Ackergrundstück wurde bis 2001 landwirtschaftlich genutzt und mir auf Antrag bei der Flurbereinigung zugeteilt. Da diese Fläche im Wasserschutzgebiet liegt, war sie mit der Auflage verbunden, Grünland anzupflanzen. Da die Viehwirtschaft zurückgeht, gab es keine Landwirte, die an einer Pacht interessiert waren.

Wandlung
Im Jahre 2001 genehmigte das Forstamt eine naturnahe Waldanpflanzung. Auf dem ca. 270 m langen Grundstück pflanzte ich im Abstand von 8 m zur alten Hecke in einer Doppelreihe einen neuen Heckengürtel an, bestehend aus Felsenbirnen, Hartriegel, schwarzem Holunder, Faulbäumen, Pfaffenhütchen, Flieder und einigen Zipparten und roten Heckenkirschen. Die dahinter liegenden Abschnitte wurden mit ca. 1.000 Jungbäumen bepflanzt, darunter Feldahorn, Vogelkirsche, Mehlbeere, Rotbuche, Hainbuchen, Lärchen, Stieleichen, Eberesche und Spitzahorn.

Abschluss des Flurbereinigungsverfahrens
Für den 8 m breiten Streifen zwischen dem alten Heckenbiotop und dem neu angepflanzten Heckengürtel gab es eine Pflanzaktion von alten Hochstämmen. Im April 2002 pflanzten wir diese, vor allem alte Sorten, wie Mauzenapfel, Jakob Fischer, Graham, Jubiläumsapfel, Berner Rosenapfel, Geishirtle, Gravensteiner, Mirabelle, Pflaumen und Renekloden, Alexander Lukas und Oldenburg Äpfel, rote Sternreniette und einen Kaiser-Wilhelm-Apfelbaum.

Mit den Steinen aus den Pflanzlöchern wurden Steinmauern aufgeschichtet, an denen Blindschleichen und Eidechsen zu beobachten sind. An den Blättern der Heckenpflanzen fressen Schmetterlingsraupen und an den Blüten tummeln sich Käfer, Wanzen, Hummel- und Wildbienenarten. In der alten Hecke beobachte ich schon seit Jahrzehnten den Neuntöter, was mit ein Grund für den Kauf des alten Heckenbiotopes war. Auch 2012 zieht der Neuntöter hier seine Jungen auf, im alten Kirschbaum brüten Haubenmeisen, auch Schwanzmeisen, Goldammern, -hähnchen und Spechte sind zu beobachten.

In den zurückliegenden Jahren hat sich der Bewuchs des Grundstücks gewandelt. Auf dem Grundstück habe ich über 70 Blütenpflanzen gezählt, u.a. im Frühjahr die Traubenhyazinthe und Schlüsselblumen, im Sommer den Wachtelweizen, verschiedene Glockenblumenarten und Distel, vereinzelt kommen auch Silberdisteln vor, an Orchideen gibt es das weiße Waldvögelein und Waldhyazinthe, auch Nest- und violette Sumpfwurz kommen vor. Zwischen dem Gehölz und dem Gebüschstreifen ist ein Magerrasen entstanden, der einmal pro Jahr gemäht wird, der Schmetterlinge wegen.

Tagfalter -Monitoring
Seit 2005 beteilige ich mich am Projekt „Tagfalter-Monitoring" der Universität Leipzig. Jahr für Jahr erfassen Freiwillige bei wöchentlichen Begehungen entlang festgelegter Transsektanschnitte alle tagaktiven Falter. Die gemeldeten Daten dokumentieren den Bestand, die Entwicklung auf lokaler, regionaler nationaler Ebene und können mit denen aus anderen europäischen Ländern verglichen werden. Dies ist umso wichtiger, da der Lebensraum der Schmetterlinge in den verschiedenen Entwicklungsstadien akut bedroht ist, vor allem durch die Vernichtung ihres Lebensraumes, durch Klimaerwärmung, durch Umweltbelastung und Umweltgifte.

Ziel des Projektes ist es herauszufinden, warum Arten verschwinden oder hinzukommen, um Nutzungsänderungen und den konkreten Einfluss auf die bestehenden Arten besser beurteilen und beeinflussen zu können.

Stark oder sehr gefährdete Arten, die ich seit 2005 dokumentiert habe sind: Der Blauschwarze Eisvogel und der Thymian-Ameisenbläuling (R2), der Mattscheckige- und der Komma-Dickkopffalter, der Ulmenzipfelfalter, der Kleine Schlehen-Zipfelfalter, der Geißklee- und Himmelblaue Bläuling, Schlüsselblumen-Würfelfalter, Magerrasen-, Mittlere, Kleine und Feurige Perlmutterfalter, die Scheckenfalter Melitaea/ aurelia/ athalia, der Kleine Eisvogel, das Rotbraune Wiesenvögelein und der Graubindige Mohrenfalter (R3).

Bezug zur biologischen Vielfalt:

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Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Schmetterlinge, die während der Transektbegehungen 2005-2011 auf dem Transekt BW76211 beobachtet, fotografiert und dokumentiert wurden. Diese Bilder wurden als Belegaufnahmen im Rahmen des Tagfaltermonitorings an die Uni Leipzig übermittelt.

Radiobeitrag in SWR4: ´Herr der Schmetterlinge´

Edekaheft KW 37/2017: Naturschützer fördern: Edeka-Kunden machen´s möglich, S. 38/39

Reutlinger General Anzeiger vom 14. Juni 2017

Albbote vom 3. August 2017 zum Tag der Artenvielfalt

 

Besuchen Sie uns

(M)ein Biotop für heimische Schmetterlinge

Beim Käpelle 3
72818 Steinhilben-Trochtelfingen

Öffnungszeiten: Nach Absprache mit Gerhard Hummel

Herr Gerhard Hummel
Tel.:07124/2350
gcmc.hummel@t-online.de
http://albbiotop.wordpress.com

 

Weitere Infos

Gerhard Hummel
Steinhilben-Trochtelfingen

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