Die Ruhr in Arnsberg für Mensch und Natur lebens- und liebenswert machen

2. Weiterentwicklung:

Die Stadt Arnsberg hat auch in den Jahren 2016 - 2018 weitere Renaturierungsmaßnahmen an der Ruhr umgesetzt, die neben der Förderung der biologischen Vielfalt auch zur weiteren Attaktivitätssteigerung des Landschaftsbildes beigetragen haben. Neben der Schaffung von Steilwänden, in denen Eisvogel und Uferschwalbe ihre Bruthöhlen graben können, lag ein weiterer Schwerpunkt bei der Schaffung von "offiziellen" Zugängen zum Wasser. Insgesamt wurden weitere 1,7 km Gewässerstrecke der Ruhr im Stadtgebiet renaturiert. 2 kleinere Teilabschnitte davon wurdenvon der "Neuen Arbeit Arnsberg" - einer Arbeitsloseninitiative - umgesetzt. Im Ortsteil Oeventrop ist parallel zur Renaturierung ein außerschulischer Lernort zum Thema "Klimawandel und Gewässer" geplant. Ein entsprechender Förderantrag ist bereits bewilligt (LEADER). Das erste Projekt, ein Schwalbenhotel, wurde bereits errichtet. Dieser außerschulische Lernort wird mit verschiedenen Institutionen und Initiativen entwickelt. So sind neben der örtlichen Grundschule, die INO (Initiative für Oeventrop), ein Imkerverein, der örtliche Anglerverein aber auch der Ruhrverband und die NUA (Naturschutz- und Umeltakademie des Landes NRW) in das Projekt eingebunden. Die Gewässerstruktur der Ruhr hat sich inzwischen so positiv entwickelt, dass neben der Quappe auch die Nase im Stadtgebiet wieder angesiedelt worden ist. Erste Nachweise (Biomonitoring durch das Büro NZO) bestätigen den Erfolg der Wiederansiedlungsprojekte.

Weiterentwicklung:

Anlass zur Wiederbewerbung sind die nach 2013 durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen, dies insbesondere in Anbetracht der finanziellen Situation der Stadt Arnsberg (Mitglied im „Stärkungspakt NRW“ )(insgesamt 39 Bauabschnitte in 12 Jahren). Die Anforderungen der EU WRRL sind damit erfüllt. Das begleitende Monitoring belegt den hohen Wert für die Erhaltung und Verbesserung der Artenvielfalt. Aufgrund der guten Strukturmerkmale der Ruhr wurde in 2015 die Quappe eingesetzt und wiedereingebürgert. Darüber hinaus ergeben sich neue Entwicklungen außerhalb des ökologischen Aspekts: Der Masterplan Ruhr bindet die Renaturierungsmaßnahmen in die zukünftige Stadtentwicklung ein. Die Attraktivierung des RuhrTalRadWeges und das Erlebbarmachen des Flusses sind weitere Punkte. Die Schulen im Umfeld der Renaturierungsstrecken haben die Renaturierungsstrecken als außerschulische Lernorte in den Unterricht einbezogen. Die positive Resonanz auf diese Aktivitäten der Stadt und die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung haben eine Beschäftigungsinitiative, Angelvereine und einen Hegering veranlasst, selber Renaturierungen auf von der Stadt zu Verfügung gestellten Flächen um zu setzen. Mit den Renaturierungen beteiligt sich die Stadt an dem Projekt „Wildnis in der Stadt“ der Deutschen Umwelthilfe. Hier geht es um die Schaffung von Akzeptanz für solche "wilden", höchst dynamischen Bereiche im besiedelten Raum und damit auch im Bezug auf die dort vorhandene Artenvielfalt.

Ursprüngliche Bewerbung:

Die Ruhr ist, neben einer Vielzahl mittlerer und kleinerer Bäche, für das Stadtgebiet von Arnsberg das prägende Gewässer. Sie hat hier sehr unterschiedliche und vielfältige Funktionen, die sich heute von denen der vergangenen Jahrhunderte deutlich unterscheiden. Mit steigender Industrialisierung und Heranrücken der angrenzenden Bebauung an die Ufer wandelte sich die Nutzung. Das Ableiten von Abwässern, die Nutzung der Wasserkraft und in sauberen Gewässerabschnitten die Brauch- und Trinkwassergewinnung und regenerative Stromerzeugung rücken in den Vordergrund.

Unter anderem bedingt durch die hohen stofflichen Belastungen in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat auch die Arnsberger Bevölkerung der Ruhr mehr und mehr den Rücken zugekehrt. Sie verschwand nahezu gänzlich aus dem öffentlichen Interesse bzw. wurde zu einem disponiblen Gegenstand. Dies hatte aber auch dazu geführt, dass sich an den Ufern, weitgehend ungestört, eine ökologisch hochwertige Situation aufbauen konnte. Das Gewässer selber wies jedoch aufgrund fehlender Strukturvielfalt erhebliche Defizite auf.

Ziel der durchgeführten Maßnahmen, auch in Erfüllung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, ist es, die Eigendynamik des Gewässers zu fördern, den ökologischen Zustand und die Strukturvielfalt sowie den Hochwasserschutz zu verbessern. Eigendynamik und Strukturvielfalt führen zu einer nachhaltigen Verbesserung und Stabilisierung der biologischen Vielfalt. Gewässer und Uferbereiche werden enger verzahnt. Darüber hinaus soll die Ruhr als identitätgebendes Element ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht und erlebbar gemacht werden.

Die Maßnahmen zur Verbesserung der Strukturgüte beinhalten:
• die weiträumige Aufweitung des Fließquerschnittes durch Abgraben des Vorlandes zur Schaffung einer
abwechslungsreich strukturierten Fließgewässerlandschaft
• die Schaffung von eng verzahnten wassergebundenen, land-wassergebundenen und Land- Lebensräu-
men durch Anheben der Sohle, Anlegen von Stillwasserbereichen und Flutmulden mit variabel geneigten Böschungen,
• das Entfernen von Sohl- und Uferverbauungen in Bereichen ohne einschränkende Infrastruktureinrichtungen und den Ersatz von Betonsicherungen durch naturnah strukturierte Schüttsteinpackungen (schlafende Sicherungen)
• das Entfernen eines Wehres und die Anlage von Fischaufstiegsanlagen

Im Laufe der aufeinanderfolgenden Maßnahmen hat sich aus den Erfahrungen der vorangegangenen eine neue Herangehensweise entwickelt. Wurde bei den ersten Bauabschnitten noch überwiegend mit dem Schaufelbagger „modelliert“, so kam bei den weiteren eine Schürfkübelraupe zum Einsatz, die lediglich ein planes Flussbett schuf, in dem das Gewässer sich selbst seine Abflussrinne suchen konnte. Die Renaturierungen wurden in enger Abstimmung mit den in den einzelnen Abschnitten tätigen Angelsport- und Naturschutzvereinen sowie den Anliegern durchgeführt.

Ergebnis:
Die renaturierten Abschnitte der Ruhr umfassen eine Gesamtfließstrecke von 13 km und haben Kosten in Höhe von 12,5 Mio. € verursacht. Durch Maßnahmen privater Wasserkraftbetreiber (3 Wehre) und der Stadt (3 Wehre) ist die Ruhr im Stadtgebiet von Arnsberg seit 2009 durchgängig.
Die Maßnahmen wurden von der DWA mit dem 2. Platz beim bundesweiten Gewässerentwicklungspreis 2010 ausgezeichnet.
Im Wettbewerb "Klimaaktive Kommune 2016" des difu wurde die Stadt Arnsberg als Preisträger in der Kategorie 2 "Klimaanpassung in der Kommune" für die Anpassung der Ruhr an den Klimawandel ausgezeichnet.Für die Jahre 2019/20 sind noch 2 weitere Maßnahmen mit einer Streckenlänge von ca. 5 km geplant. Die Umsetzung hier erfolgt durch die Bezirksregierung Arnsberg.

Von 2008 bis 2015 wurden zusätzlich 4,6 km Gewässerstrecke an kleineren Bächen mit Kosten in Höhe von 6,2 Mio. € renaturiert und aufgeweitet. Diese Maßnahmen dienen insbesondere der Verbesserung des Hochwasserschutzes bei Starkregenereignissen im Sinne einer Klimaanpassung. Hierfür wurde die Stadt Arnsberg in 2011 mit dem „Blauen KomPass“ in 2011 ausgezeichnet (http://www.tatenbank.anpassung.net).

Im Rahmen eines Bio- und Geschiebemonitorings werden die Renaturierungen durch das NZO Bielefeld begleitet. Ergebnisse der ersten Untersuchungen belegen, dass der Bestand an Fischen und Makroinvertebraten sich in den renaturierten Abschnitten wesentlich verbessert hat. Das Geschiebemonitoring lässt eine hohe Eigendynamik des Gewässers erkennen, wodurch sich die Lebensbedingungen der Gewässerorganismen verbessern. Die Maßnahmen dienen als Vorbild für andere Kommunen und Träger, die im Rahmen der WRRL den „guten ökologischen Zustand“ an ihren Gewässern herstellen müssen.

All dies, in Verbindung mit der deutlich veränderten Flusslandschaft, führte in Arnsberg dazu, dass ein neues positives Bewusstsein für die Ruhr anstand. Ein Großteil der Bürgerschaft identifiziert sich nunmehr mit dem Gewässer. Dies drückt sich auch in künstlerischen Projekten im und am Wasser aus (Kunstsommer Arnsberg).

So wurden neben dem Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität das Stadtbild positiv verbessert, die Zugänglichkeit zum Gewässer verbessert und damit die Möglichkeiten der Naherholung und Tourismus attraktiviert und eine Reihe weiterer Synergieeffekte für die Bevölkerung (behindertengerechter Umbau einer Fußgängerbrücke, Erhöhung eines Lärmschutzwalls u. a.) geschaffen. Am Beispiel der Stadt Arnsberg kann nachvollziehbar dargestellt werden, dass die Renaturierung von Gewässern die kommunale Aufgabe ist, die am meisten positive Effekte unterschiedlichster Art mit sich bringt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch die Schaffung entsprechender Striukturen sind Eisvogel und Uferschwalbe wieder im ganzen Stadtgebiet anzutreffen. Der Gänsesäger (eigntlich nur ein Wintergast in NRW) brütet nachweislich siet 2012 wieder im Bereich der Ruhr. Seit 2015 läuft im Bereich der Stadt Arnsberg ein Wiederansiedlungsprojekt von Nase und Quappe, zwei Fischarten die seit ca. 100 Jahren in der Ruhr ausgestorben sind.
In Verbindung mit den Renaturierungsmaßnahmen wurde einigen Stellen wieder eine Auwaldentwicklung zugelassen.

Video:


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Dokumente

Zusammenfassung der Maßnahmen an der Ruhr

Renaturierungsmaßnahmen zum Hochwasserschutz und zur Klimaanpassung (Starkregenereignisse)

 

Besuchen Sie uns

Renaturierungsabschnitte "Binnerfeld" Neheim, Ruhrschleife AltArnsberg, Renaturierung "In den Oeren" Oeventrop

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Herr Dieter Hammerschmidt
Tel.:02932/2011815
d.hammerschmidt@arnsberg.de
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Weitere Infos

Stadt Arnsberg, FD Umwelt, Dieter Hammerschmidt, Joachim Pütter
Arnsberg

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