Erhaltung artenreicher Wiesen im Landkreis Bayreuth

Artenreiche, extensiv bewirtschaftete Wiesen beherbergen bis zu 100 verschiedene Pflanzenarten, modernes Hochleistungsgrünland nicht mehr als fünf! Die fortschreitende Grünlandintensivierung fordert unter den zahlreichen wiesenabhängigen Tierarten ebenfalls enorme Verluste. Wiesen, auf denen man noch Blumensträuße pflücken kann, sind aber auch ein wesentlicher Bestandteil der erlebenswerten Kulturlandschaft und Heimat. Der Erhaltung artenreicher, bunter und extensiv bewirtschafteter Wiesen - des europaweit gefährdetsten Lebensraumtyps - widmet der Landkreis Bayreuth sein 2011 gestartetes Schwerpunktprojekt seiner Naturschutzarbeit.

Das vom Bayer. Naturschutzfonds und der Oberfrankenstiftung geförderte, landesweit bedeutsame und modellhafte Biodiversitätsprojekt will dem Verschwinden der so selten gewordenen Wiesen-Lebensraumtypen entgegenwirken, die wertvollsten, landschaftsbildprägenden Grünlandökosysteme im Landkreis mit ihrer biologischen Vielfalt nachhaltig sichern, die Bestände entwickeln und vernetzen und so einen wertvollen Beitrag zum Erhalt von Arten, Lebensräumen, Erholungslandschaft und Heimat leisten.

Durch Kartierungen wird zunächst Lage, Umfang und Zustand der Restbestände ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden ermittelt. Im nächsten Schritt machen wir dann die Bewirtschafter auf den Reichtum ihrer Flächen aufmerksam. Geringachtung ertragsschwachen Grünlands soll dem Stolz für die bisherige Erhaltungsleistung zahlreicher Pflanzen- und Tierarten und die Bewahrung von Kulturlandschaft und Heimat weichen. Die Information und intensive Beratung erfolgt durch einen praktizierenden Agraringenieur. Auf naturschutzfachlicher und fördertechnischer Basis werden dabei gemeinsam Wege zur betriebsangepassten und ökologisch nachhaltigen Bewirtschaftung der Flächen gefunden. Ziel ist es auch, in Zeiten knapper Kassen den Zugriff auf staatliche Fördermittel der Agrarumweltprogramme zu erleichtern und zu gewährleisten, um damit Mindererträge und Mehraufwand extensiver Bewirtschaftung ausgleichen zu können. Durch den erlangten „BayerNetzNatur-Status“ der Projektgebiete ist der Zugriff auf diese Fördermittel von Staat und EU deutlich erleichtert.
Methodisch innovativ und bestens akzeptiert ist die Idee, dass Vertreter des Projekts und der Naturschutzbehörde nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit konstruktiven Ideen auf die Landwirte zugehen.
Das Projekt erfüllt in besonderem Maß den Rahmen der Biodiversitätsstrategien und -programme. In den Projektgebieten sind bislang 62 Pflanzen- und Tierarten des Status 1 oder 2 der Roten Listen Oberfrankens, Bayerns oder Deutschlands und / oder FFH-Anhangsarten beschrieben bzw. jüngst nachgewiesen, die direkt oder indirekt mit Grünland in Verbindung stehen und von extensiv bewirtschafteten, wenig gedüngten Wiesen profitieren. Beispiele für bedeutsame Pflanzen- und Tierarten in den Projektgebieten, die mit der Artenliste für den „Förderschwerpunkt Verantwortungsarten“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt übereinstimmen sind Breitblättriges Knabenkraut, Arnika, Mopsfledermaus, Sumpfspitzmaus, Kiebitz, Rotmilan und Feuersalamander.
Bereits im ersten Projektjahr konnte in einem der Schwerpunktgebiete der Bestand an Vereinbarungen zur extensiven Weiterbewirtschaftung bunter Wiesen nahezu verdoppelt werden. Diese Bewirtschaftungsverträge haben sich in der Vergangenheit als sehr gutes Instrument zur langfristigen Sicherung und Erhaltung von Arten und Lebensräumen erwiesen. Es stehen aber auch Mittel für den Ankauf besonders hochwertiger und gefährdeter Wiesen zur Verfügung.

Nicht nur den Eigentümern und Bewirtschaftern der artenreichen Wiesen soll durch Gespräche, Faltblätter und Broschüren Wert und Nutzen im Hinblick auf biologische Vielfalt und die dringende Schutzbedürftigkeit nähergebracht werden. Durch Ausstellungen, Internetauftritt, Informationsveranstaltungen, intensive Medienarbeit und das Angebot von Exkursionen und Fortbildungen sensibilisieren wir Bürger, Touristen, Politiker und Multiplikatoren, wie Gebietsranger, Wanderführer und Kräuterpädagogen, und leisten somit Aufklärungsarbeit in Sachen biologische Vielfalt.

Wichtigste Partner sind natürlich die bewirtschaftenden Landwirte; aber mit im kooperativen Projekt-Boot, dem regelmäßig stattfindenden Runden Tisch, sitzen alle betroffenen Akteure (Bauernverband, Gemeinden, Landkreis-Gremien, Behördenvertreter, Lokalpolitiker, Naturschutz- und Tourismusverbände). Besonders intensiver Gedanken- und Argumentationsaustausch findet mit Vertretern des Bauernverbands und der Landwirtschaftsverwaltung statt. In gesonderten Gesprächen werden die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden auf die Wertigkeit artenreichen Grünlands in puncto Biodiversität, Landschaftsbild, Naherholung und auch Fremdenverkehr aufmerksam gemacht.


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Dokumente

Ausstellungsposter

Pressespiegel - März 2013

Info-Flyer

Flyer - Pflege artenreicher Wiesen

 

Weitere Infos

Projekt-Träger : Landkreis Bayreuth - vertreten durch Herrn Landrat Hermann Hübner - Projektleitung : Dipl. Biol. Nikolaus Lange (Nikolaus.Lange@lra-bt.bayern.de) Projekt-Management : Silke Stahlmann, Philipp Minier Web : https://www.landkreis-bay

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