Natur trifft Wirtschaft - auch kleine Flächen fördern die Vielfalt gefährdeter Arten

2. Weiterentwicklung:

Wie bereits bei der Wiederbewerbung 2015 erwähnt wurde der NABU mit einer Bestandsaufnahme der Fläche beauftragt. Diese Bestandserfassung zu Wildbienen (Hymenoptera, Apidae) und Laufkäfern (Coleoptera, Carabidae) vom 22. Mai bis zum 14. September 2015 hat den Nachweis von 64 Wildbienenarten und 13 Laufkäferarten erbracht. Bei den Laufkäfern wurden vier wertgebende Arten der Roten Liste für Baden-Württemberg ermittelt. Bei den Wildbienen konnten 21 wertgebende Arten gefunden werden, von denen eine Art nur in Deutschland in der Vorwarnliste (Kategorie V) geführt wird. Die übrigen 20 Arten finden sich in Baden-Württemberg auf die folgenden Gefährdungsstufen verteilt: 3 Arten in der Kategorie 2 („stark gefährdet“), 7 Arten in der Kategorie 3 („gefährdet“), 10 Arten in der Kategorie V (Vorwarnliste). Damit ist die Untersuchungsfläche hinsichtlich ihrer Bedeutung für Wildbienen als überregional bedeutsam einzustufen. Diese Bestandsaufnahme soll 2019 wiederholt werden. In den zurückliegenden Jahren wurde die Fläche regelmäßig vom internen Pflegeteam unterhalten, jeweils einmal im Frühjahr und im Spätsommer. Das Totholz wird zusehends vom Specht auf Nahrungssuche zerhackt und es ist zunehmend wichtig die Sandflächen frei zu halten. Im Jahr 2016 fand ein Praxisseminar des Naturgarten e.V. zum Thema "Naturnahes Öffentliches Grün - Regionaltage 2016" in unserem Werk statt. Es konnten ca. 30 Fachleute auf der Fläche begrüßt werden.

Weiterentwicklung:

Nachdem unser Projekt im Mai 2013 ausgezeichnet wurde hat es sich in der Zwischenzeit sehr gut entwickelt. Im Juni 2013 hatten wir einen Kindergarten zu Gast und die Kinder hatten Gelegenheit mit einem Mitarbeiter des NABU-Kreisverband Rastatt selbst gefangene Insekten zu bestimmen. Diese Aktion soll in den nächsten Jahren wiederholt werden. Neben den Kindern wurde die Fläche von weiteren Gruppen besucht - Bürgerverein aus dem Elsaß, Mitglieder des IHK AK Umwelt des Kammerbezirkes Karlsruhe, Umweltschutzleiter der weltweiten Daimler Truck-Werke, etc.. Die Fläche wurde im August 2013 und im April 2014 jeweils an einem Tag von unserem Pflegeteam aus freiwilligen Mitarbeitern gepflegt. Mit dem Planer und dem NABU wird die Entwicklung unterjährig begutachtet. Die Pflege für 2015 ist im April geplant. Es kommen wieder eigene Mitarbeiter zum Einsatz. Vom NABU werden wir dieses Jahr eine Bestandsaufnahme der Entwicklung der Arten durchführen lassen. Es wurden zahlreiche geschützte Wildbienen nachgeweisen. Auch die Zauneidechse und die Ödlandschrecke haben sich angesiedelt und es zeigt sich die angestrebte biologische Vilefalt. Die Erfolge dieses Projektes haben uns veranlasst weitere Flächen, vorrangig Rasenflächen, naturnah umzugestalten. So konnten wir in den letzten beiden Jahren weitere 4.000 m2 umgestalten. Die Maßnahmen setzen sich auch 2015 fort, denn wir haben seit etwa zwei Jahren die naturnahe Gestaltung relevanter Firmenareale in unsere Umweltpolitik aufgenommen.

Ursprüngliche Bewerbung:

Zur Behandlung industrieller Abwässer, die im Rahmen der metallverarbeitenden Fertigung anfallen, wurde bis ins Jahr 2004 eine chemsich-physikalische Kläranlage betrieben. Nach strukturellen Änderungen im Werk wurde diese Anlage nicht mehr benötigt und noch im Jahr 2004 ausser Betrieb genommen. Die installierte Anlagentechnik wurde entfernt und das Gebäude für die nächsten Jahre als Lager für Baumaterial verwendet. Das Gelände der Kläranlage liegt ausserhalb des eigentlichen Werksgeländes, direkt am Riedkanal, einem zwischenzeitlich begradigten Altrheinarm und FFH-Schutzgebiet.

Das Areal war mit Ausnahme einer kleinen Grünfläche und einer Schotterfläche auf 80 % vollständig versiegelt. Lediglich der Efeu-Bestand an der Riedkanal-Böschung erreichte eine mittlere naturschutzfachliche Bedeutung. Das Gebäude zerfiel zusehends, so dass zwischen einem Abriss oder einer Sanierung und weiteren Nutzung als Lagergebäude entschieden werden musste.
Schnell wurde der Entschluss gefasst, die Fläche von 1.530 m² zu renaturieren und so auf dem ehemaligen Industriegelände ein Biotop entstehen zu lassen. Die Kläranlage wurde vom September 2011 bis Januar 2012 rückgebaut. Die Entwicklung und Umsetzung der Maßnahme wurde vom Naturschutzbund, kurz NABU, Kreisverband Rastatt und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, kurz LUBW, in Karlsruhe maßgeblich unterstützt. Nach einer mehrmonatigen Planungsphase im Jahr 2011 begann im März 2012 die Modellierung des Geländes. Gemäß der Planung von Dr. Reinhard Witt vom Fachbetrieb naturnahes Grün und Kerstin Gruber vom Büro für naturnahe Grünplanung wurden Sand und Kies aus einem nahegelegenen Kieswerk sowie Steine und Felsen aus einem Steinbruch im Murgtal aufgeschüttet und Totholz aus dem Stadtforst Rastatt platziert. Das Projekt verfolgt das Ziel, heimische Pflanzen und Tiere aus dem 111-Artenkorb des Aktionsplans Biologische Vielfalt des Landes Baden-Württemberg zu unterstützen. Im Einzelnen handelt es sich dabei um verschiedene Wildbienenarten (Sandbienen, Bunthummel, Natternkopf-Mauerbiene), die Zauneidechse, die Blauflügelige Ödlandschrecke, den Distelfink und den Eisvogel. Für den Eisvogel wurde eigens eine Brutwand gebaut. Aber auch viele weitere in ihrem Bestand gefährdete Tierarten finden hier einen neuen Lebensraum. Dafür wurden während der Flächengestaltung über 2.700 heimische Wildstauden und Sträucher gepflanzt.
Zum Abschluss der Renaturierungsmaßnahme pflanzten in einer mehrstündigen Aktion zahlreiche Führungskräfte und Auszubildende die letzten 400 Büsche. Durch diesen Einsatz sollte die Verbundenheit der Mitarbeiter zu dem Projekt deutlich gemacht werden. Im Rahmen der ersten Pflegemaßnahme wurden weitere 1.000 Stauden gepflanzt.
Das Projekt wurde als Erstes seiner Art in Deutschland durch „Naturgarten – Empfohlen von Bioland“ zertifiziert. Diese Zertifizierung des Areals umfasste folgende Bereiche: Pflanzenverwendung, Baumaterialien, Dünger, Bodenverbesserungsmittel und Pflanzenbehandlungsmittel, Nisthilfen für Tiere, Fachliche Qualifikation des Planers und Gestalters sowie Bezugsquellen und Herkunftsnachweise.
Um zu zeigen, dass auch kleine Flächen, die einer jahrzehntelangen industriellen Nutzung ausgesetzt waren, der Natur durchaus wieder von Nutzen sein können, steht die Projektfläche allen interessierten Personen und Gruppen wie z.B. Kindergärten oder Schulklassen zur Besichtigung offen. Weiterhin wird die regelmäßige Pflege des Biotops unter fachmännischer Anleitung von eigenen Mitarbeitern vorgenommen, die sich freiwillig melden konnten. Durch das gemeinschaftliche Engagement der Mitarbeiter und des Unternehmens soll die gesellschaftliche Verantwortung für das Thema Biodiversität am Standort Gaggenau verdeutlicht und positiv beeinflusst werden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch unsere Maßnahme konnten sich nachweislich geschützte Tierarten wie verschiedene Wildbienenarten, Eidechsen u.a. Arten ansiedeln. Die Fläche darf sich selbst entwickeln und es wird nur eingegriffen um sich ausbreitende unerwünschte Pflanzen wie z.B. Brombeere, Gehölze aus der Umgebung, etc. zu entfernen.
Als maßgebliches 1. Naturschutzprojekt an unserem Standort hat dessen Erfolg den Weg für viele weitere Projekte im Werk geebnet. So konnten wir in den letzten 5 Jahren mehr als 10.000 m² Rasenflächen naturnah gestalten.


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Dokumente

Abschlussbericht NABU zur Flächenbewertung 2015

Sonderdruck in der GaLaBau 2016

 

Besuchen Sie uns

Ehemalige Kläranlage Bau 101

Wilhelm-Busch-Str. 45
76437 Rastatt

Öffnungszeiten: Besuchsmöglichkeit innerhalb der Arbeitszeit und nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung bzw. per mail.

Herr Ralf Gensicke
Tel.:07225/615149
ralf.gensicke@daimler.com

 

Weitere Infos

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Rastatt

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