Ackerwildkrautprojekt: Unkraut vergeht nicht - stimmt nicht!

2. Weiterentwicklung:

Das naturraumspezifische Konzept „Sammeln – Vermehren – Sichern“ zur Förderung seltener Ackerwildkräuter, das im rheinischen Modellprojekt seit 2010 erprobt wurde, konnte von 2015 bis 2019 auf vier weitere Regionen übertragen werden. Koordiniert wurde dies von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, die Umsetzung vor Ort übernahmen fachkundige regionale Partner. Partner sind in Bayern die Bayerische KulturLandStiftung, in Rheinland-Pfalz Dr. Sven Wehke (WEHKE – Naturschutz und Landwirtschaft), in Sachsen-Anhalt die Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt und in Brandenburg der Biohof Kepos in Altglobsow mit fachlicher Unterstützung des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land. Parallel zu dieser Übertragung führte die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft das Projekt im Rheinland weiter. Der Fokus lag dabei auf der Wiederansiedlung, die in Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden stattfand. Auf diese Weise konnte das Projekt in fünf Bundesländern bisher zum Erhalt von mehr als 100 seltenen Arten und Unterarten beitragen. Ein 2019 veröffentlichter Praxisbericht beschreibt das Projektkonzept im Detail, um dessen eigenständige Übertragung auf weitere Regionen auch anderen Naturschutzinitiativen zu ermöglichen (Muchow, Fortmann: Konzepte zur Erhaltung gefährdeter Ackerwildkräuter auf Naturraumebene. Erfahrungen des Modellprojekts „Unkraut vergeht nicht – stimmt nicht!“ Natur u. Landschaft 5/19: 202-210). Die Bayer AG unterstützt auch das bundesweite Ackerwildkrautprojekt.

Weiterentwicklung:

Das Ackerwildkrautprojekt der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, das bisher den Schutz der Ackerwildkräuter im Rheinland zum Ziel hatte, wird bundesweit übertragen. Die Stiftung koordiniert zukünftig die Ausweitung des Projektkonzeptes auf weitere Bundesländer. Maßgeblicher Förderer und Unterstützer des Projektes ist die Bayer CropScience Deutschland GmbH mit Sitz in Langenfeld. Für das Unternehmen ist das Ackerwildkrautprojekt bereits seit mehreren Jahren fester Bestandteil seines Nachhaltigkeitsengagements zur Förderung der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft. Die Ausweitung leistet einen direkten Beitrag zum Schutz bedrohter Ackerwildkräuter. Als Zielarten der Bundesländer werden solche Ackerwildkräuter gewählt, die dort typisch und besonders bedroht sind. Die Anzahl der Gesamtzielarten wird deutlich erhöht. Die bundesweite Übertragung erfolgt nach dem Vorbild des rheinischen Projektes, wodurch eine Multiplikation des erprobten Ansatzes erreicht wird. Kooperationen bestehen u.a. mit Universitäten, Landwirten, Naturschutz-Verbänden und -Behörden, Freilichtmuseen, Botanischen Gärten, ehrenamtlichen Kartierern sowie dem DBU-Projekt „100 Äcker für die Vielfalt“.Zukünftig soll die Wiederansiedlung auch auf langfristig gesicherten Flächen Dritter, z.B. von NABU und NRW-Stiftung, erfolgen. Es werden zudem On-Farm-Untersuchungen zur Wiederansiedlung durchgeführt, um daraus Handlungsempfehlungen für Akteure des Ackerwildkrautschutzes ableiten zu können (Wissenstransfer).

Ursprüngliche Bewerbung:

Im Mittelpunkt des Projektes „Unkraut vergeht nicht - stimmt nicht!“ der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft steht die Bewahrung der biologischen Vielfalt seltener heimischer Ackerwildkräuter. Denn auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten Deutschlands finden sich derzeit mehr als 90 Pflanzenarten der Äcker, allein im Rheinland gelten mehr als 75 Ackerwildkrautarten als gefährdet. Bei diesen Wildpflanzen handelt es sich oft um kleinwüchsige, bunt blühende Arten, die in ihrer Lebensweise an traditionelle Ackerbauformen angepasst sind. Anders als ertragsmindernde „Problemunkräuter“ stellen sie i.d.R. keine Konkurrenz für Ackerbaukulturen dar, können jedoch Agrarökosysteme in vielerlei Hinsicht bereichern. So tragen vielfältige Ackerwildkrautgesellschaften u.a. zum Schutz vor Erosion und zur Fixierung von Stickstoff bei, reduzieren die Dominanz konkurrenzstarker Beikräuter und können die Anfälligkeit von Kulturpflanzen für Schaderreger vermindern. Zugleich profitiert die Fauna der Offenlandschaften von einem großen Ackerwildkrautspektrum, das als Nahrungs-, Brut- und Rückzugshabitat für zahlreiche, oft ebenfalls selten gewordene Tierarten dient. Hierzu gehören Insekten, Spinnen und Feldvögel, die ihrerseits vielfältige Ökosystemfunktionen wie die Regulation von Schaderregern und die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen erfüllen. Nicht zuletzt bereichern farbenfrohe Ackerwildkräuter das Landschaftsbild und steigern somit die Erholungsfunktion der Agrarlandschaften.

Das Projekt „Unkraut vergeht nicht – stimmt nicht!“ der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft zum Erhalt seltener Ackerwildkräuter geht in drei Schritten vor:

1. Naturverträgliche Sammlung der Samen ausgewählter Ackerwildkräuter
2. Vermehrung der Arten in Handarbeit in Beeten
3. Verwendung des so gewonnenen Saatguts zur erneuten Aussaat („Wiederansiedlung“) auf extensiv bewirtschafteten Äckern (In-situ-Erhaltung) und zur langfristigen Einlagerung (Ex-situ-Erhaltung).

Das Projekt verfolgt einen naturraumspezifischen Ansatz, um eine Florenverfälschung (negative Beeinflussung der regional angepassten Pflanzenwelt durch Einsaaten nicht gebietsheimischer Pflanzen) zu vermeiden und somit die naturräumliche biologische Vielfalt von Ackerlebensgemeinschaften zu erhalten. Hierzu werden die Samen der seltenen Ackerwildkräuter getrennt nach Naturräumen gesammelt, vermehrt und wieder eingesät. Im Rheinland, in dem das Projekt 2010 seinen Anfang nahm, lassen sich die vier Naturräume Niederrheinisches Tiefland, Niederrheinische Bucht, Eifel mit Siebengebirge und Bergisches Land unterscheiden. Die zugehörigen Vermehrungsbeete befinden sich in Kleve, Wesseling, Kommern und Lindlar. Im Rheinland konnten seit dem Projektbeginn im Jahr 2010 68 der 79 definierten Zielarten gesammelt werden; eine Vermehrung gelang bisher bei 63 Arten.

Für die Wiederansiedlung der gefährdeten Arten werden in enger Abstimmung mit den Unteren Naturschutzbehörden Äcker ausgewählt, die in Folge langjähriger intensiver Bewirtschaftung nur noch über geringe Samenvorräte im Boden verfügen und deren ackerwildkrautfreundliche Bewirtschaftung dauerhaft gesichert ist. Dies gilt etwa für Ackerflächen, die im Rahmen von produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen (PIK) langfristig extensiv bewirtschaftet werden. Für den Erhalt seltener Ackerwildkräuter stellen PIK-Maßnahmen eine große Chance dar, da über diese Projekte extensive Bewirtschaftungsformen großflächig ermöglicht und deren ordnungsgemäße Betreuung und Umsetzung durch die Zusammenarbeit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft mit Landwirten dauerhaft finanziert werden.

Die Stiftung verfügt selbst über Flächen, die sich für Wiederansiedlungen gefährdeter Ackerwildkräuter eignen, und arbeitet darüber hinaus bei Wiederansiedlungen mit weiteren Partnern wie Freilichtmuseen, Naturschutzinitiativen und Biologischen Stationen zusammen. Die Stiftung stellt das im Rheinland vermehrte Saatgut auf Anfrage gerne kostenlos zur naturraumspezifischen Wiederansiedlung auf dauerhaft extensiv bewirtschafteten Ackerflächen oder zum Aufbau weiterer Erhaltungskulturen zur Verfügung.

Die Bayer AG konnte für die Finanzierung des Naturschutzprojektes „Unkraut vergeht nicht - stimmt nicht!“ gewonnen werden. Das Engagement des Unternehmens im Projekt der gemeinnützigen, privaten Stiftung Rheinische Kulturlandschaft zeigt, wie fruchtbar es sein kann, wenn Naturschutz und Unternehmen einen Brückenschlag zwischen auf den ersten Blick gegensätzlichen Interessen wagen.

Zur Vorstellung des Projektes nutzt die Stiftung ihre Internetpräsenz sowie Flyer, Roll up-Displays und Broschüren, informiert in Newslettermeldungen und in Pressegesprächen, auf Tagungen, Feldtagen, Messen, Märkten und Exkursionen über das Projekt. Die Schönheit seltener heimischer Ackerwildkräuter können Besucher der LVR-Freilichtmuseen Lindlar, Kommern und Grefrath und des Hauses Riswick in Kleve zudem auch ganz konkret erfahren: Die dort eingerichteten Vermehrungsbeete und Wiederansiedlungsflächen sind frei zugänglich und mit Informationstafeln und botanischen Schildern ausgestattet.

Kooperationen und ein enger fachlicher Austausch bestehen mit Universitäten und Botanikern wie Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher, mit Landwirten, Freilichtmuseen, Botanischen Gärten, Unteren Naturschutzbehörden, ehrenamtlichen Naturschützern, Biologischen Stationen, floristischen Kartierern, Planungsbüros und interessierten Privatpersonen sowie mit den Akteuren des Projektes „100 Äcker für die Vielfalt“.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt „Unkraut vergeht nicht – stimmt nicht!“ erhält die naturräumliche Vielfalt seltener Ackerwildkräuter und mit ihnen assoziierter Tierarten und sensibilisiert verschiedene gesellschaftliche Gruppen für die Notwendigkeit dieses Vorhabens. Somit verbindet es mehrere Ziele der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt miteinander: Es leistet einen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt der Agrarlandschaften (Visionen B 1.1.1, B 1.1.2, B 1.1.4, B 2.4, B 4.2) sowie - durch die Extensivierung von Äckern - zur Biotopvernetzung (Vision B 1.1.3) und zur Erhaltung regionaltypischer, vielfältiger und optisch ansprechender Kulturlandschaften (Vision B 1.3.2), die zugleich der Erholung der Menschen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen dienen (Vision B 2.9) und ein gesellschaftliches Bewusstsein für ihren Wert schaffen (Vision B 5).


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Dokumente

Flyer zum bundesweiten Ackerwildkrautprojekt

 

Besuchen Sie uns

Ackerwildkrautbeete im LVR-Freilichtmuseum Kommern

Eickser Straße
53894 Mechernich

Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober: 9-19 Uhr 1. November bis 31. März: 10-17 Uhr 24. und 31. Dezember: 10-14 Uhr 25. / 26. Dezember und 1. Januar: 11-17 Uhr

Frau
Tel.:0244399800
kommern@lvr.de
http://kommern.lvr.de

 

Weitere Infos

Stiftung Rheinische Kulturlandschaft www.rheinische-kulturlandschaft.de
Mechernich

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