Natur Natur sein lassen! - Goitzsche-Wildnis

Die "Goitzsche-Wildnis" ist Teil eines ehemaligen Tagebaugebiets unweit von Bitterfeld. Heute prägen ausgedehnte Seen, Trockenrasen und lichte Birkenwälder das Bild. Dieses artenreiche Kleinod der biologischen Vielfalt war so nicht geplant. Es konnte entstehen, weil der Mensch nichts getan hat. Nichts, außer dafür zu sorgen, dass die natürlichen Prozesse sich ungestört entfalten dürfen.

In der Goitzsche wurde über 100 Jahre Braunkohle abgebaut, bis 1992. Nach der Wiedervereinigung lohnte sich der Abbau nicht mehr. „Mondlandschaften“ – ausgekohlte Braunkohletagebaue waren die Hinterlassenschaft. Das größte Gebiet – die Goitzsche – erstreckte sich über 60 Quadratkilometer. Sofort nach dem Kohleabbau hatte in DDR-Zeiten die Volksarmee die Flächen in Besitz genommen. So unterblieb damals vielerorts die Sanierung.
Schon in den Neunzehnhundertneunzigern war klar, dass viele Tagebauflächen für den Naturschutz von Interesse sein würden, denn auf den nicht sanierten Flächen hatten sich wertvolle Sukzessionsbiotope mit einer reichen Artenvielfalt entwickelt.

Der BUND entschloss sich im Jahr 2000 die naturschutzfachlich wertvollen Flächen in der Goitzsche zu sichern und setzte damit in der ehemals schmutzigsten Region Deutschlands ein Zeichen. Hier sollten die menschlichen Einflüsse minimiert werden. Die Natur sollte ihre Selbstheilungskräfte entwickeln können, ohne dass der Mensch lenkt oder Entwicklungen stoppt. Parallel zu den Flächenkäufen begann ab 2001 in der Goitzsche auch das Angebot von Naturerfahrungsaktivitäten für Kinder und Erwachsene.
Bis 2004 konnten 1300 Hektar erworben werden.
Ziel des auf Dauer angelegten Projekts ist die Integration von Prozessschutzflächen in die umliegende Kulturlandschaft, die mittlerweile intensiv touristisch genutzt wird. Der Prozessschutz kann zwar in dem tiefgreifend veränderten Gelände nicht das wieder herstellen, was dort einmal war. Dennoch - die Goitzsche hat sich inzwischen zu einem "Hotspot" der biologischen Vielfalt entwickelt.


Um die Entwicklung der Wildnisflächen möglichst konfliktarm zu anderen Nutzungen zu ermöglichen, initiierte der BUND ab 2002 ein dreijähriges Projekt mit finanzieller Unterstützung der DBU. Dabei wurde eine intensive Zusammenarbeit mit allen Nutzungsinteressierten aufgebaut. Im Projekt wurde insbesondere mit Vertretern der Jagd, der Fischerei und der Erholungsnutzung, aber auch des Naturschutzes verhandelt. So gelang es, im Einvernehmen mit Jägern und Jagdbehörden auf 1000 Hektar der BUND- Flächen die Jagd dauerhaft auszusetzen. In Absprache mit den Anglerverbänden und den Fischereibehörden wurden die BUND eigenen Gewässerflächen nicht zur fischereilichen Nutzung freigegeben. Mit den Kommunen wurde eine Einigung erzielt, die zur Goitzsche-Wildnis gehörenden Wasserflächen nicht für den Wassersport freizugeben. Eine vier Kilometer lange Tonnenkette trennt die gesperrten Bereiche des Bernsteinsees von dem Teil, der mittlerweile von Seglern, Paddlern und zwei Fahrgastschiffen genutzt wird. Auch die Planung und Realisierung attraktiver Wegeführungen am Rande der Wildnisflächen wurde so abgestimmt, dass sensible Bereiche nicht nachhaltig gestört werden. Rast- und Aussichtspunkte für Wanderer und Radfahrer entstanden am Rande der Goitzsche-Wildnis.
Ab 2005 wurde ein Konzept für ein Monitoring zur Erfassung der Artenvielfalt sowie Naturerfahrungsangebote für alle Altersgruppen durch Freiwillige erarbeitetet und seither umgesetzt (mit DBU-Förderung).

Seit 2007 befinden sich die gekauften Flächen in Obhut der BUNDstiftung, die nun drei halbe Projektstellen aus dem Legat finanzieren kann. Trotz der halben Stellen im Hauptamt, ist das Projekt auf die ehrenamtliche Arbeit von vielen vor Ort angewiesen.
Mittlerweile ist eine Freiwilligenstruktur um das Projekt aufgebaut worden, in der sich über 40 Ehrenamtliche fachlich und organisatorisch engagieren. Seit nunmehr elf Jahren wird das Monitoring mit Freiwilligen durchgeführt.
Jährlich werden über 80 Veranstaltungen durchgeführt, die von mehreren Tausend Interessierten besucht werden. Das Spektrum reicht von mehrtägigen Camps über verschiedenste Projekttage für Kindergärten und Schulen, Thementage für Ferienkinder bis hin zu geführten Exkursionen für Studenten und Fachgruppen (Botaniker/Zoologen), geführten Radwanderungen für Erwachsene und Rundfahrten für Senioren.
Besonderes Anliegen sind ihr dabei die mehrtägigen Eltern-Kind- und Kindercamps. Hier sieht die BUNDstiftung die Chance, dass sich Erwachsene und Kinder auf die Natur einlassen, Wildnis sinnlich und hautnah erfahren und sich auf ihre Fähigkeiten besinnen.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Junior Ranger AG ist ein Angebot , welches für Grundschulkinder der 1. bis 4. Klasse konzipiert ist. Die Junior Ranger treffen sich alle 14 Tage donnerstags von 15:00 bis 17:30 Uhr und verbringen die Zeit meist im Freien. Hierbei steht die Biologische Vielfalt und das Interesse an Pflanzen, Tieren und Natur im Vordergrund.
Das Junior Ranger Konzept richtet sich nach den Jahreszeiten. Spielerisch vermitteln unsere Freiwilligen den Kindern mit Umweltbildungsspielen den Jahreszyklus und die faszinierenden Naturphänomene. Jedes Frühjahr erwacht die Natur und der Kreislauf des Lebens startet von Neuem. Hier lernen unsere Junior Ranger Früh-blüher kennen, Bärlauch von Maiglöckchen zu unterscheiden, wie die Bestäubung zwischen Blüten und Bienen funktioniert und welche wichtige Rolle die verschiedenen Wildbienenarten hierbei übernehmen.
Im Sommer erforschen wir gemeinsam Heuschrecken, Schmetterlinge, Ameisen und Libellen, legen eine Bienenwiese an und bauen Insektenhotels. Im Herbst und Winter bauen wir neue Nistkästen und Futterglocken für Vögel
Es liegt uns sehr am Herzen, schon bei ganz jungen Menschen, ein spielerisches Bewusstsein für Biologische Vielfalt zu entwickeln.
Das Angebot für die Kinder ist gratis.
Zusätzlich wird das Freiwilligen- Monitoring der Entomologen durch uns begleitet und wir veranstalten regelmäßig gemeinsame Tage der Artenvielfalt.


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Dokumente

Ein Sonderdruck aus der Zeitschrift ´Nationalpark´ über die Goitzsche-Wildnis

Die Goitzsche-Natour ist eine kostenlose Zeitung, die jährlich über das Projekt und die Angebote informiert

 

Besuchen Sie uns

Projektbüro der BUNDstiftung und BUND-Kreisgruppe Anhalt-Bitterfeld

Rathaustr.1
06808 Bitterfeld-Wolfen

Öffnungszeiten: Mo- Fr ab 10:00 Uhr

Herr Ralf Meyer
Tel.:03493 9679802
kontakt@goitzsche-wildnis.info
http://www.goitzsche-wildnis.de

 

Weitere Infos

BUNDstiftung mit Unterstützung der BUND-Kreisgruppe Bitterfeld
Bitterfeld-Wolfen

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