Sonderwettbewerb Soziale Natur

Naturgestützte Suchttherapie

Im Fachkrankenhaus Vielbach werden sozial benachteiligte Abhängigkeitskranke behandelt. Die nur 58 Therapieplätze ermöglichen eine familiäre Behandlungsatmosphäre. Die Klinik ist frei von kommerziellen Interessen.
Der hier praktizierte naturgestützt-salutogenetische Therapieansatz sorgt seit vielen Jahren für außergewöhnlich gute und nachhaltige Ergebnisse der Rehabilitation. Wichtiger Leitsatz für die Behandler ist die alte griechische Erkenntnis: „Der Arzt behandelt, die Natur heilt.“
Die Suchtklinik mit dem Slogan „… viel mehr als Therapie“ ist eingebettet in eine Landschaft, die Natur in ihrer ganzen Vielfalt zeigt. Umgeben von einem alten Eichenwald steht das 100 Jahre alte Haupthaus, erbaut mit Steinen aus dem nahe gelegenen Steinbruch.
In Vielbach wurde früh erkannt, wie wertvoll der Einbezug der Natur in die Heilungsprozesse ist. Die Natur mit ihren sinnlich-körperlichen, emotionalen, kognitiven und sozialen Dimensionen bietet hier ideale Möglichkeiten der Behandlung von Suchterkrankungen und anderen psychischen und psychosozialen Störungen und Problemen der Rehabilitanden.
Der naturbasiert orientierten Klinik ist es ein großes Anliegen, den Menschen, die Vielbach als Ort für ihre Heilung und Gesundung aufgesucht haben, individuell geeignete Zugänge zum heilsamen Erfahrungsraum Natur zu erschließen. Denn die Auseinandersetzung mit Natur ist immer auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst, schließlich lebt der Mensch nicht nur in der Natur - er ist Natur.

Der Klinikstandort im Westerwald ist für eine naturgestützte Therapie ideal gewählt. Am Rand eines alten Eichenwaldes, nahe eines kleinen Waldsees, umgeben von Feldern und Wiesen, liegt das 20 Hektar große Klinikareal mit seinem historischen Hauptgebäude und weiteren Häusern, mit kleinen Gärten, einem großen Gewächshaus, Unterkünften für Hunde von Patienten, Pferde-, Esel- und Ziegenställen, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühnern, Gänsen, Bienenkästen und naturbelassenen Teichen.
Die unterstützende Wirkung der Natur in der Behandlung Suchtkranker zieht sich in Vielbach wie ein roter Faden durch alle Therapiebereiche. Schon bei seiner Ankunft erhält jeder Patient ein Willkommenspflänzchen von seinem Bezugstherapeuten, eine sinnbildliche Ermutigung für die Wachstumskräfte, die in jedem stecken und bei guter Pflege gut gedeihen.
Natur erleben, Tiere versorgen, im Garten arbeiten – all das übt eine heilsame Wirkung auf Menschen aus, zumal auf sozial benachteiligte Suchtkranke, die entwurzelt und auf der Suche nach ‚Erdung‘ sind. Wie die Natur als Medium zielgerichtet und wirksam in die medizinische und soziale Rehabilitation von Abhängigkeitskranken integriert werden kann, zeigt sich im Fachkrankenhaus Vielbach.
Individuell geplante Naturerfahrungen in Wald und Flur sowie Arbeiten im Garten und auf den Weiden machen den Kopf frei für neues Denken und bewussteres Fühlen. Und fördern die Gesundung erkrankter Seelen.
Die Arbeit mit Erde und Pflanzen hat den Menschen in seiner gesamten Evolution begleitet. In Vielbach erleben die Patienten, wie der Umgang mit Pflanzen und die Bewegung sie in Kontakt mit Wachstum und Veränderung bringen. Sie können wieder Boden unter den Füßen spüren, sich erden und beim Arbeiten mit und in der Natur aufblühen. Entwurzelte Patienten können ihre Wurzeln wiederbeleben, verschüttete Fähigkeiten und Potenziale entdecken. Ihre gesunden und kreativen Anteile werden angesprochen während die Erkrankung in den Hintergrund tritt.
Eine wichtige Aufgabe kommt der für diesen Arbeitstherapiebereich verantwortlichen Diplom-Biologin zu. Sie veranstaltet regelmäßig naturkundliche „Expeditionen“ durch Garten und Grünanlagen der Klinik sowie durch Wald und Wiesen und zu Bächen und Teichen in unmittelbarer Nachbarschaft. Dabei weckt sie bei Patienten Freude an Umweltthemen und vermittelt Kenntnisse über ökologische Zusammenhänge unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Wichtig ist ihr, dass die Patienten die Bedeutung von Biodiversität und den dafür erforderlichen Schutz von Lebensprozessen und Lebensräumen zum Erhalt der regenerativen Potentiale unserer Lebensgrundlagen erleben und die Natur in ihrer Vielfalt, Schönheit und Lebendigkeit als notwendige Basis für die eigene Gesundheit erfahren und begreifen.
Auf dem Klinikgelände wachsen vor allem heimische Pflanzen, die die Tierwelt einladen und ihnen Nahrung, Verstecke und Nistplätze bieten. Im Frühjahr spenden heimische Frühblüher den Hummeln erste Nahrung. Später bereichert frühsommerliche Blütenpracht der Obstbäume und Stauden den Garten und lockt Falter und andere Insekten an. Wildblumenwiesen bieten den zahlreichen Bienenarten Nektar im Überfluss. Heimische beerentragende Gehölze und Samen von Gräsern und Stauden sowie viele Insekten bieten Vögeln ein schmackhaftes Nahrungsangebot im Sommer und Herbst. Im Winter erleichtern abgeblühte Samenstände den überwinternden Vögeln die Nahrungssuche. Beeren und Früchte sind in dieser entbehrungsreichen Zeit wichtige Futterquellen.
Nicht nur Vögel und Insekten fühlen sich rund um die Klinik wohl. Auch Igel, Eidechsen, Ringelnattern, Blindschleichen, Frösche und Kröten sowie eine Vielzahl anderer Kleintiere leben hier gerne. Trockenmauern, Teiche, Totholz, Kompost-, Reisig- und Steinhaufen bieten ihnen Verstecke und Nahrung. Besonders in den Randbereichen des Klinikgeländes gibt es viele „wilde Ecken“ mit Disteln, Brennnesseln und anderen Wildkräutern sowie Gräsern, die den Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und dem Distelfalter reichlich Nahrung bieten.
An die Klinik grenzen eine renaturierte Tongrube, zwei kleine Bäche und Feuchtgebiete. Ideale Refugien für eine große biologische Vielfalt.
Alle Therapiebereiche des Fachkrankenhauses nutzen die Natur als Medium in der Behandlung. Die Schreinerei unterstützt die verschiedenen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität: ein Dutzend Insektenhotels schaffen Lebensräume für eine Vielzahl von Insekten, Bienenkästen bieten mehreren Bienenvölkern ein Zuhause, mobile Gärten begrünen eine versiegelte Hof-Fläche, eine Vielzahl von Nistkästen bieten vielen Vogelpaaren sichere Brutplätze. Die Sporttherapie organisiert regelmäßig eine „Natur-Olympiade“ im Grünen. Attraktive natursportliche Herausforderungen ermöglichen den Patienten intensive und elementare Erfahrungen in und mit der Natur. Und die Kreativtherapie arbeitet drinnen wie draußen bevorzugt mit Naturmaterialien.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

In Vielbach existieren im Garten und im Park ganz unterschiedliche Lebensräume, die mit einer breiten Palette einheimischen Sträuchern, Wildpflanzen, Kräutern und Blütenstauden ausgestattet sind. Bei den verwendeten Pflanzen wird auch die genetische Vielfalt berücksichtigt; beim Gemüse beispielsweise tragen vor allem die älteren, meist samenfesten Sorten dazu bei.
Die Gärten sind bunt und naturnah gestaltet und werden extensiv ohne Einsatz chemischer Pflanzenschutzmitteln gepflegt. Die Magerwiesen werden nicht gedüngt und weisen eine hohe Artenvielfalt auf. So bieten sie einen passenden Lebensraum mit entsprechendem Nahrungsangebot für Nützlinge.
Die zahlreichen tierischen „Co-Therapeuten“, die in der Klinik gehalten werden verleihen der Klinik in weiten Teilen den Charakter eines Bio-Bauernhofs. In der Scheune lagern Heu, Stroh und viele verschiedene Futtermittel. Hier bedienen sich auch viele der Tiere, die sich in Vielbach zuhause fühlen oder gerne zu Besuch kommen.
Biologische Vielfalt prägt die Natur, die das Vielbacher Fachkrankenhaus umgibt ganz natürlich. Biodiversität auch für das Grün des Klinikanwesen sicherzustellen, ist für die Verantwortlichen der Suchtklinik mit dem naturgestützten Behandlungskonzept ein Herzensanliegen und somit eine ganz natürliche Verpflichtung.


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Fachkrankenhaus Vielbach

Nordhofener Str. 1
56244 Vielbach

Öffnungszeiten: werktags

Herr Joachim J. Jösch
Tel.:02626/9783-0
info@fachkrankenhaus-vielbach.de
http://www.fachkrankenhaus-vielbach.de

 

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