Allen Unkenrufen zum Trotz

Von "Unkenrufen" spricht man bei pessimistischen Äußerungen. So könnte man auch "unken", dass bei diesem in Bayern stark gefährdeten Tier mit rückläufigen Beständen schon „Hopfen und Malz“ verloren sind. Wir sehen das anders! Durch dieses Projekt möchten wir die Art schützen und den Unkenschutz im Alltag möglichst vieler Menschen integrieren.

Weltweit kommt die Gelbbauchunke nur in Europa vor, und zwar größtenteils hierzulande, daher ist sie eine "Art in besonderer Verantwortung Deutschlands". In Bayern wiederum liegt das Kernareal der Art - aber auch hier sind die Bestände so stark zurückgegangen, dass die Gelbbauchunke auf der bayerischen Roten Liste der bedrohten Arten als "stark gefährdet" eingestuft wurde.

Das Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“ setzt zwei Schwerpunkte:
1. Die Unken: wir erfassen ihre Bestände im Projektgebiet, verbessern ihre Lebensräume und vernetzen diese
2. Menschen, die der Unke helfen: Wir unterstützen und vernetzen Freiwillige, die Lebensräume aktiv gestalten, die die Entwicklung der Unkenvorkommen beobachten, die Wissen weiter geben und die das Anliegen auch nach Projektende weiter tragen.

Das Projekt läuft bis Mitte 2021, insgesamt fünf Jahre lang.

Ziel des Projektes „Allen Unkenrufen zum Trotz“ ist ein übergreifendes, groß angelegtes Schutzprogramm. Eine langfristig überlebensfähige Metapopulation aus miteinander im Austausch stehenden Lokalpopulationen der Gelbbauchunke soll im oberbayerischen Kernareal der Art wiederhergestellt und gesichert werden. Zentrales Element ist dabei die Entwicklung einer langfristigen Strategie "im Alltag".

Den Unken auf die Sprünge helfen
Dafür sollen zum einen geeignete Lebensräume im Projektgebiet verbessert und neu geschaffen werden. Es gilt, den ehemals funktionierenden Habitatverbund wiederherzustellen, damit die Gelbbauchunke noch einmal eine Chance bekommt, sich auszubreiten und isolierte Vorkommen der Art wieder vernetzt werden. Die noch vorhandenen Primärlebensräume, wie dynamische Fluss- und Bachauen und flach überstaute Quellsümpfe, müssen dafür identifiziert und besonders in den Fokus gerückt werden. Daneben sind vor allem Klein- und Kleinstgewässer, wie z.B. Pfützen in Fahrspuren, von großer Bedeutung für die Gelbbauchunke. Mit Hilfe von Nutzungsextensivierung, sowohl im Wald als auch in der Landwirtschaft, kann Lebensraum wiederhergestellt werden. Beweidungskonzepte mit Rindern sollen im Projekt weiterentwickelt werden, denn dadurch werden nicht nur Strukturen wie Trittspuren oder Suhlen geschaffen; auch die Vegetation wird durch das Fressverhalten der Tiere verändert und somit die einheimische Flora gefördert. Außerdem können sich Insekten auf ökologisch gemanagten Viehweiden viel arten- und zahlreicher entwickeln, was wiederum die Nahrungsgrundlage bildet für Amphibien, aber auch für Vögel, Kleinsäuger oder Fledermäuse.
Nach Möglichkeit sollen Flächenankäufe von den Trägern im Projektgebiet realisiert werden, denn nur auf der eigenen Fläche ist die Natur dauerhaft gesichert.

Unkenschutz im Alltag
Zum anderen soll der „Unkenschutz im Alltag“ ankommen. Ziel ist es also, dass die Akteurinnen und Akteure ganz selbstverständlich den Schutz der Gelbbauchunke in ihr Handeln integrieren. Dazu ist es zuerst einmal wichtig, die entsprechenden Landnutzende, Landbesitzende und Amphibienexpertinnen und -Experten untereinander zu vernetzen, um Wissens- und Erfahrungsaustausch zu gewährleisten. Vor allem die Grundstückseigentümenden (z.B. die Bayerischen Staatsforsten und Kiesgrubenbetreibende, aber auch Gemeinden oder Privateigentümende) sollen mit ins Boot geholt werden.
Wir wollen den Grundeigentümenden zeigen, dass Unkenschutz gar nicht so kompliziert ist, und dass jeder etwas tun kann!
Durch den Aufbau eines lokalen Patenschaftssystems soll zusätzlich die Betreuung einzelner Vorkommen nachhaltig gesichert werden.

Wir wollen das öffentliche Bewusstsein verbessern, hinsichtlich der Gefährdung und des Schutzes der Gelbbauchunke und ihrer Lebensräume sowie der Bedeutung eines Biotopverbundes als wesentliche Voraussetzung für die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten – auch Biologische Vielfalt oder Biodiversität genannt. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen im Optimalfall übertragbar sein auf weitere Vorkommensgebiete der Gelbbauchunke.

Das Projektgebiet
Das Projektgebiet erstreckt sich in nordwest-südöstlicher Richtung über sechs oberbayerische Landkreise, von Neuburg-Schrobenhausen über Pfaffenhofen an der Ilm, Freising, Erding und Mühldorf am Inn bis Altötting. Das Projektgebiet zeichnet sich darin aus, dass es noch relativ viele Vorkommen der Gelbbauchunke gibt und dass die Lebensräume in weiten Teilen noch vorhanden sind. Darum sind diese sechs Landkreise idealer Ausgangspunkt, um Schutzbemühungen umzusetzen. Innerhalb des Projektgebietes werden teilweise schon seit Jahren Maßnahmen zum Schutz der Gelbbauchunke durchgeführt. Diese Maßnahmen sind allerdings Einzelaktionen, die noch nicht Teil eines zielgerichteten Gesamtkonzeptes sind. Um hier mehr „Schlagkraft“ zu entwickeln, ist es notwendig, in einer konzertierten Aktion und im Rahmen einer zu entwickelnden Strategie zielgerichtete Maßnahmen umzusetzen, um langfristig eine Existenzgrundlage für die Gelbbauchunke sicherzustellen.

In den einzelnen Landkreisen finden regelmäßig Veranstaltungen statt, um die Bevölkerung über die Gelbbauchunke zu unterrichten: Neben Vorträgen vor allem Aktionen draußen vor Ort, bei denen die interessierte Öffentlichkeit und auch die Presse eingeladen wird teilzunehmen. Dabei werden neue Lebensräume für die Gelbbauchunke geschaffen oder schon bestehende gepflegt bzw. wiederhergestellt.

Das Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz" wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und durch den Bayerischen Naturschutzfonds.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt findet im Bundesprogramm Biologische Vielfalt statt, welches vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) für die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) ins Leben gerufen wurde. „Allen Unkenrufen zum Trotz“ setzt einige der wesentlichen Aktionsfelder der Nationalen Biodiversitätsstrategie um:
• Die Realisierung eines Habitatverbundes ist Teil des landesweiten Biotopverbundsystems.
• Im Fokus steht eine stark gefährdete Art, für die Deutschland eine besondere Verantwortung hat.
• Die Umsetzung der Maßnahmen ist Element einer nachhaltigen Forst- und (mit Einschränkung) Landwirtschaft.
• Rohstoffabbaustellen sind wesentliche Lebensräume der Art. Konzepte zur Entwicklung dieser Habitate sind Teil des Vorhabens.
• Die Zerschneidung des Habitatverbundes durch Straßen und Baugebiete sind ein wesentliches Problem. Im Rahmen des Projekts sollen auch dafür Lösungsansätze gefunden werden.
• Die Art ist aller Wahrscheinlichkeit nach vom Klimawandel betroffen. Die Entwicklung eines Habitatverbundes und die Etablierung von Habitaten mit unterschiedlichem Kleinklima ist die wesentliche Antwort auf dieses Problem.
• Eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit auch im Sinne einer weiteren Verbreitung der Ziele der NBS ist wesentlicher Inhalt des Projekts.


Bild 1

Dokumente

Flyer zum Projekt ´Allen Unkenrufen zum Trotz´

Unkenrufe in echt (Aufnahme Wolfgang Willner Naturfoto & Naturfilm)

 

Besuchen Sie uns

Landratsamt Freising, Naturschutz & Landesplanung

Landshuter Str. 31
85356 Freising

Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

Frau Judith Jabs-Ingenhaag
Tel.:0172/3213054
judith.jabs-ingenhaag@kreis-fs.de
http://www.gelbbauchunke-bayern.de

 

Weitere Infos

Bund Naturschutz in Bayern e. V., Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Landkreis Freising, Landkreis Altötting
Freising

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