Sonderwettbewerb Soziale Natur

Lübecks Muster-Biotop + Interkultureller Treff Moislinger Baum

Im Lübecker Muster-Biotop herrscht biologische Vielfalt an (1) Menschen, (2) Tieren und (3) Pflanzen, nach Professor Eduard W. Kleber aus Wuppertal, der von „Biotop mit Mensch“ spricht. Das Biotop ist Teil der „Essbaren Stadt Lübeck“.
Die Pflanzenvielfalt wurde von der Lübecker Biologin Bettina Faaß mit über 200 Pflanzenarten belegt, darunter wunderschöne wie Baldrian, Blutweiderich und Wilde Karde; auch eher unscheinbare, aber bedrohte Pflanzen: Fuchs-Segge und Kuckucks-Lichtnelke. Die vielen Apfelbäume hat die Biologin nur als eine Pflanzenart gezählt, auch wenn es davon viele Sorten gibt: regionale wie den Moislinger Sämling oder den Lübecker Marzipanapfel, aber auch „Multikulti-Sorten“: Pomme d`Or aus Frankreich, Batullenapfel aus Rumönien, Sämling aus Polen oder Duppelte Zoete Aaagt aus Holland. Dazu ein Maulbeerbaum aus der Türkei und ein Granatapfel aus dem Irak. Eine enorme Obstvielfalt, die dem Pomologen-Verein als Sortenerhaltgarten gemeldet ist.
Menschen, Tiere und Pflanzen hängen miteinander zusammen, was unser Schafprojekt zeigt: Eine Person ist täglich bei den Schafen, Kinder kommen wegen der niedlichen Tiere, Schafe halten den Bewuchs klein, Wildpflanzen können sich ausbreiten, Vielfalt unter blühenden Pflanzen ziehen mehr Schmetterlinge und Wildbienen an, der Schafdung nährt die Obstbäume, er zieht massenhaft Fliegen und andere Insekten an, die der Ernährung etwa von Fledermäusen und Vögeln zugutekommen.

Auf dem großen Naturgelände, zwischen den sozial-schwachen Lübecker Stadtteilen Moisling und Buntekuh, entwickeln wir ein Muster-Biotop. Regelmäßig bieten wir dort Kurse und Workshops an: etwa Obstveredlung und -baumschnitt, Bau von Nisthilfen für Fledermäuse oder Wildbienen, Bienenhaltung, Spinnen und Färben von Schafwolle, Sensenmahd, Weidenflechten usw. Wir begeistern besonders Menschen anderer Herkunft und auch Kinder, die Naturschützer von morgen. Pro Jahr finden 150 Veranstaltungen statt. Bild 1
Das Muster-Biotop bewerben wir als Interkulturellen Treff Moislinger Baum (ITMB), um besonders die Flüchtlingsfamilien zu erreichen. Eigentümer ist ein Landwirt, der das Gelände kostenfrei zur Verfügung stellt. Das innovative Bürger-Behörden-Projekt wird von Ehrenamtlern durchgeführt, mit Unterstützung durch Behörden. So wurde ein mehrsprachiger ITMB-Flyer vom Bereich Umwelt + Natur der Hansestadt Lübeck erstellt und bezahlt (Anlage 1).
Das ITMB-Vorhaben ist ein Drei-Generationen-Projekt, wobei Ältere ihr Wissen und ihre Begeisterung an Jüngere geben. Für Schleswig-Holstein war es ein Pilotprojekt, so dass uns der damalige Umweltminister Robert Habeck einlud. Mit Schülern, darunter das Moislinger Flüchtlingskind Rezan Ürek, pflanzten wir einen Apfelbaum vor das Kieler Ministerium. Bi 2
Den ITMB organisieren und unterstützen folgende Organisationen: Pfadfinder Royal Ranger, Hanse-Obst, Shelter for Children, Brockensammlung Lübeck, Moisling hilft!, Lübecker Jugendring, Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Lübeck sowie städtische Einrichtungen: u.a. Untere Naturschutzbehörde, Lübecker Stadtgrün, Museum für Natur und Umwelt. Mit dem Quartiersmanagement arbeiten wir eng zusammen; Heinz Egleder ist Flüchtlingsvertreter im Moisling-Beirat. Konzeptionell entwickelt wird der ITMB von Bürgern mit oder ohne Migrationshintergrund gemeinsam, auch die praktische Arbeit machen wir zusammen. Bi 3
Beim ITMB wohnen viele Familien mit Migrationshintergrund, etwa aus Syrien, aber auch Neubürger aus der Türkei oder Polen, teilweise in zweiter oder dritter Generation. Der Stadtteil ist schon immer weltoffen gewesen: Hier gibt es den Jüdischen Friedhof und einen großen Anteil von Neubürgern. Diese „bunte Nachbarschaft“, darunter eingesessene Moislinger, helfen bei der Gestaltung: eine seit 1998 verwilderte Obstwiese in Stand setzen, Trampelpfade angelegen, Hütten errichten. Zur Einweihungsfeier 2018 bei den „Lübecker Aktionstagen Artenvielfalt erleben“ kamen 258 Besucher, darunter auch Lokalprominenz, die das Projekt unterstützen, so eine Landtagsabgeordnete und drei Bürgerschaftsabgeordnete und Innen- und Umweltsenator Ludger Hinsen. Bi 4

Unser Projekt startete 2016 mit Naturführungen, jeden letzten Mittwoch im Monat um 15 Uhr. Inzwischen haben wir mehr als 50 Naturexkursionen mit zwei bis 40 Besuchern gemacht; sie erfolgen in Kooperation mit der Lübecker Bürgerakademie und dem Museum für Natur und Umwelt. Seit 2016 machen wir dort auch Ferienpass-Aktionen für Schüler. Bi 5
Vom Areal werden 17500 Quadratmeter ganzjährig nicht betreten. Die andere Hälfte ist ebenfalls Refugium vieler einheimischer Tier- und Pflanzenarten, aber auch für Menschen, Schafe und 100 Obstbäume. Akteure, die die einfache Infrastruktur mit aufgebauten, sind 45 Ehrenamtler, davon 19 mit Migrationshintergrund. Seit 2017 haben wir Verträge mit der Hansestadt zur „Projektarbeit Schulsozialarbeit für das Projekt Obst- und Naturabenteuer“, die dort durchgeführt werden. Über 150 Schulkinder sind so in ihr „Grünes Klassenzimmer“ gekommen. Die Royal Rangers nutzen Teilbereiche, derzeit 35 Kinder + 6 Leiter. Das Gelände ist per Zahlenschloss gesichert, aber diverse Kitas, Schulen und Vereine kennen die Zahlenkombination und kommen selbständig. Wir gehen davon aus, dass bisher Menschen über 3000-mal hier waren, darunter Neubürger, die dort regelmäßig sind. Bi 6 + 7
Am Moislinger Baum ist der Trave-Uferstreifen Fauna-Flora-Habitat, das komplette Gelände Landschaftsschutzgebiet. Während Menschen nur stundenweise das Gelände behutsam betreten, ist es das Zuhause vieler Tiere und Pflanzen; sie spielen die Hauptrolle dort. Hier wohnen Mooreidechsen und Weinbergschnecken. Hier fliegen der buntschillernde Eisvogel und der majestätische Seeadler täglich durch ihr Revier. Ein Ort zum Staunen, auch für Naturkenner. Unter den ITMB-Hauptaktiven befinden sich eine Agrarbiologin und Imkerin, ein Streuobstwiesen-Pädagoge, ein Diplom-Soziologe usw. Wo wir Ehrenamtler nicht weiterkommen, holen wir professionelle Helfer: Unsere Aktiven haben dort über 30 Wildbienenarten dokumentiert, was ein Kieler Bienenspezialist nun wissenschaftlich überprüft.
Die biologische Vielfalt bei Amphibien, Insekten und Vögeln wollen wir als nächstes ermitteln. Seit der Biotop-Pflege durch unsere zutraulichen Rauwolligen Pommerschen Landschafe herrscht dort noch vielfältigeres Leben! Kaum irgendwo in Lübeck summt und brummt, piept und raschelt es wie im Muster-Biotop Moislinger Baum.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Im Muster-Biotop Moislinger Baum ist der schilfbestandene Uferstreifen an der Trave als Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen, das komplette Gelände als Landschaftsschutzgebiet. Während Menschen nur stundenweise das Gelände behutsam betreten, ist es das Zuhause vieler Tiere und Pflanzen; sie spielen die Hauptrolle dort. Deshalb wurde das Biotop der breiten Öffentlichkeit auch bei den Artenvielfalt-Aktionstagen vorgestellt. Unter den ITMB-Hauptaktiven befinden sich ein Vorstandsmitglied der Lübecker Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz, eine Agrarbiologin und Imkerin, eine Dipl.-Ingenieurin Landschaftsplanung, ein Streuobstwiesen-Pädagoge, eine Biologin, eine Hobby-Schäferin, die sich zur Naturpädagogin ausbilden lässt. Was wir als Ehrenamtler nicht leisten können, machen professionelle Helfer: Zwei unserer Projektaktiven haben über 30 Wildbienen am Moislinger Baum dokumentiert, nun lassen wir das von dem Kieler Bienenspezialisten Norbert Vogt wissenschaftlich überprüfen. Mit Schülern haben wir im Muster-Biotop gute Lebensbedingungen für Wildbienen geschaffen: mehrere Nisthilfen gebaut, standortgerechte Futterpflanzen gefördert oder gepflanzt, Feuchtstellen angelegt, offene Sand- und Erdflächen sowie Totholzbereiche geschaffen. Kaum irgendwo in Lübeck summt und brummt es so wie am Moislinger Baum; im Bild unsere größte Nisthilfe.


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Bild 4

Dokumente

ITMB Flyer 2018-05-25_ SfC Moislinger Baum.pdf

 

Besuchen Sie uns

Interkultureller Treff Moislinger Baum

Am Moislinger Baum
23558 Lübeck

Öffnungszeiten: auf Anfrage

Herr Heinz Egleder
Tel.:0176 278 40625

http://nein

 

Weitere Infos

Dipl.-Soziologe Heinz Egleder, Streuobstwiesen-Pädagoge Ulrich Praedel, Lübecks Muster-Biotop + Interkultureller Treff Moislinger Baum
Lübeck

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