Sonderwettbewerb Soziale Natur

Samen oder Wurzel

Der Interkulturelle Garten Lahr ist ein Ort der Begegnung mit allen Sinnen, offen für alle, die bereit sind, aufeinander zuzugehen, Neues zuerlernen.
Auf diesem Naturbereich zwischen Hochhaus und Moschee wachsen wilde, einheimische, bekannte und unbekannte Pflanzen nebeneinander. Es ist ein integratives Projekt geworden mit und für LahrerInnen.

Mit 48 Tausend Einwohner ist die Stadt Lahr eine Heimat für über 120 Nationen. Als sie den Zuschlag bekam, 2018 eine Landesgartenschau auszurichten, entstand der Wunsch des Interkulturellen Beirates, mitzuwirken. Der Beirat, aktiv seit 2009, fungiert mit 33 Beiräten als Vermittler zwischen BürgerInnen und Verwaltung. Das Leitbild ist stets Respekt,Toleranz und Verständigung. Von der Ideensammlung bis hin zu der Realisierung, von der Frage, ob das Projekt ein bleibendes oder ein kurzfristiges Schauobjekt wird, dauerten die Bemühungen von 2013 bis zur Eröffnung. Entstanden ist ein offener Garten von ca. 600m2 und ein Begegnungsort mit einem 90m2 großen Haus. Mit ca. 25 Mitwirkenden, als Einzelperson, als Begleitperson, im Verbund von Vereinen oder Familien wächst der Garten stetig, in diesem Jahr bis über 1200m2. Weitere Gärtner kommen hinzu.
Stärkung der interkulturellen Gemeinschaft:
Dies geschieht ganz automatisch durch gemeinsame festgelegte Aktivitäten, regelmäßige Treffen zur Planung und Besprechung der Themen, sowie das meist zufällige Aufeinandertreffen beim Gärtnern. Wir ernten und kochen zusammen, zeigen und teilen den Ertrag. Kulturelle und traditionelle Feiertage werden integriert immer mit Zutaten aus dem Garten.
Chancengleichheit:
Alle GärtnerInnen haben die gleichen Ausgangsbedingungen. Jede/r TeilnehmerIn erhält eine Parzelle, die sie/er entweder allein oder in einer Gruppe in eigener Verantwortung, nach eigener Vorstellungen, Schwerpunkten und Nutzungszielen bepflanzt. Arbeitsmaterial steht allen zur Verfügung. Die Gärtner organisieren sich selbst, von den Veranstaltungen bis zur Aufgabenverteilung. Die guten Rahmenbedingungen, wie Beratungen durch Obst- und Gartenbauvereine, Unterstützungen vom Interkulturellen Beirat, Finanzbereitstellung von der Stadt Lahr ermöglichen viele Freiheiten in Augenhöhe.
Kulturerhalt:
Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen (Algerien, Argentinien, Brasilien, China, Indien, Sri Lanka, Rumänien, Russland, Syrien, Spätaussiedler, Vietnam und einheimischen LahrerInnen), mit verschiedenen Geschichten (Flucht und Vertreibung, Berufswegen oder Liebeswegen), von verschiedenen Berufsgruppen (Arbeitssuchende, Ärztin, DozentInnen, LehrInnen, RentnerInnen, Kindergartenleiterin, Praktikanten, SchülerInnen usw.) treffen sich als Einzelperson oder als VertreterIn von Vereinen zu verschieden Veranstaltungen (Kulturfest, Suppenfest, Mund-Art, Lesungen, GrünKultur, Vorträge, Tanzabende). Die gegenseitige Neugier und ein Bewusstsein über seine eigene Herkunft verstärkt das Gefühl von Angekommen-Sein, von Verwurzelung.
Erreicht :
Als der Interkulturelle Garten beim Wettbewerb-Stadtgulden unter den Preisträger stand, fühlten wir die Anerkennung. Den Mut aufzubringen, demütig den anderen zu begegnen, fällt nicht jedem leicht. Die Neugier über Samen, Pflanzen und Kulinaritäten weckte automatisch Neugier über andere Menschen, Gebräuche,Tradition und Eigenart. Viele Freundschaften sind geknüpft worden.Viele Auseinandersetzungen wurden ausgetragen. Kulturelle Vielfalt schließt somit die biologische Vielfalt mit ein.
Die Zukunft des Gartens ist nur sicher, wenn die Menschen, die mitarbeiten und Menschen, die sich darüber erfreuen, weiter daran glauben, dass ZUSAMMEN mehr ist als ALLEIN.
Vielleicht wird man später nicht mehr fragen, woher du kommst, sondern wie verwurzelt du bist.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Selbst gezogen finden alle hier Platz: Bittermelonen neben über 1,5m langen Schlangenkürbissen, Maispflanzen aus allen Kontinenten, ein Gemeinschaftsprojekt von SchülerInnen aller 3 Gymnasien neben DRK-Fußpfad mit Naturmaterialien. Im Wildpflanzenbereich mit Heilkräutern und Wildblumen erfreuen sich nicht nur die Bienen. Extra von Algerien mitgebrachten Feigenbäume wurden liebevoll neben gespendeten Kakteen platziert. Vietnamesische Minze und Perilla, Schnittknoblauch, Ingwer und Galgant, Erdnüsse und Süsskartoffeln ergeben zauberhafte gesunde Gerichte. Kardamonpflanzen und Zwergauberginen überraschen jeden. Rhabarber und Kürbisse aller Sorten sind für das Erntedankfest reserviert. Basilikum aus Thailand oder Spanien, verschiedene Thymiansorten, Eisenkraut und Teebaum vervollständigen den Mix. Sonstige Gemüse wie Tomaten in allen Formen, Gurken und Salate sind selbstverständlich.
Für dieses Jahr sind geplant: Pflanzung von Wurzelgemüse, ein Insektenhotel, mehrerer Hochbeete für weitere neue Gärtner.
Die Gärtner erlernen das Kompostieren, den Baumschnitt und die saisonale Pflanzung. Die Zusammenhänge der Natur, die Wertschätzung für den Wachstumsprozess, bestmöglicher Ertrag ohne Chemie übertragen auch auf das Kaufverhalten und die Gesundheit.
Die Freude, dass hier fremde Pflanzen wachsen können, macht uns auch bewusst, dass das Klima sich verändert. Umso mehr gehen wir umsichtig und achtsam mit Nützlingen, Unkraut und biologischer Düngung um.


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Besuchen Sie uns

Interkultureller Garten Lahr

Vogesenstr.12
77933 Lahr

Öffnungszeiten: täglich

Herr Andreas May
Tel.:07821-910-5020
andreas.may@lahr.de
http://lahr.de

 

Weitere Infos

SAMEN ODER WURZEL
Lahr

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