Die Bienenroute – heimische biologische Vielfalt anlegen, erfassen und auswerten

Wir treten mit Digitalisierung dem Insektenstreben entgegen! Unser digitales Blühflächeninformationssystem deckt Nahrungslücken für Bestäuberinsekten, wie Honigbienen, Wildbienen und Schmetterlinge auf. Dadurch können wir zielgerichtet die Blühflächen-Situation vor Ort bewerten und verbessern.

Wenn wir Menschen etwas verbessern wollen, müssen wir unsere Blühflächen erfassen, aus Insektensicht bewerten und die bestehende Bepflanzung zielgerichtet aufwerten.
Wir vernetzen in unserem digitalen Blühflächeninformationssystem alle uns bekannten ‚blühenden Trittsteine‘ in Form kleiner Dreiecke. Dadurch wird die kürzeste Flugstrecke zur nächsten Blühfläche sichtbar. Eine überwindbare Entfernung ist ein wichtiger Hinweis, ob sich Überlebenschancen für unsere fliegenden Bestäuberinsekten verbessern.
Jeder kann so erkennen, wo sich eine Nahrungslücke auftut, selbst aktiv werden und seine biodiversitätssteigernde Maßnahme selbst überprüfen.

Jede Blühfläche ist ein sog. blühender Trittstein mit einer ökologisch höherwertigen Bepflanzung. Eng benachbarte Blühflächen bilden eine Bienenroute. Bienen & Co haben dadurch eine höhere Überlebenschance bekommen.

Über 230 aktive Teilnehmer und freiwillige Helfer haben bislang 278 Steckbriefe regionaler Trachtpflanzen erstellt, im Remstal 275 existierende Blühflächen mit ca. 80 Hektar Gesamtfläche erfasst und ca. 9000 Fotos von Blühflächen, Pflanzen, Blüten und Blütenbesuchern gemacht.

Ausgangssituation:
Unsere Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge finden immer weniger Nahrung in unserer Kulturlandschaft - auch in unserer Region. Nach der Obst- und Rapsblüte nimmt das Nektar- und Pollenangebot immer häufiger so stark ab, dass z.B. Bienenvölker mit deutlicher Brutreduktion reagieren, während bei vielen Wildbienenarten bereits eine etwa 2-wöchige Pollenversorgungslücke für ihren Nachwuchs und somit für ihre Art an dieser Stelle tödlich ist. Rückgang der Blütenbestäubung deutlich verminderte Überwinterungschancen und Artensterben sind sichtbare Folgen, wie zahlreiche Studienergebnisse belegen.
Ziele:
Motiviert von der Verantwortung für unsere Tiere, wollen wir Imker mit dafür sorgen, dass es für die Honigbienen auf ihrem Sammelflug während der gesamten Saison (März bis Oktober) zeitlich lückenlos und räumlich in erreichbarem Abstand genügend und artenreiche bienenfreundliche Blühpflanzen als Nahrungsquellen gibt. Überall, wo diese fünf Kriterien für ein sog. Trachtfliessband erfüllt sind, entsteht durch Vernetzung benachbarter Blühflächen etwas Neues: eine Bienenroute. Die Bienen fliegen von Ort zu Ort und die Menschen wandern auf der Bienenroute. Die Honigbiene ist unsere Schirmart, d.h. wenn es ihr besser geht, was wir Imker leicht feststellen können, dann kommt das z.B. auch den Wildbienen und Schmetterlingen zugute.
Wir fördern diese Lebensräume und beobachten deren biologische Vielfalt mit ehrenamtlichen Datensammlern. Wir erfassen welche Wildbienen, welche Schmetterlinge bzw. deren Raupen von unseren heimischen Nahrungspflanzen leben und werten unsere Beobachtungen entsprechend aus.
Wir starten stets bei konkreten lokalen Aufgaben, mit lokalen Akteuren und um lokal messbare Ergebnisse zu erzielen. Jeder Beitrag ist willkommen und soll zur Nachahmung anregen.
Wir entwickeln modulare Softwarelösungen, um die erreichten Verbesserungen zu dokumentieren, zu vergleichen, darzustellen und zu kommunizieren. Das Kernsystem (www.trachtfliessband.de) umfasst:
• den Trachtpflanzenkatalog aller in der Region vorkommenden Pollen- oder Nektarspendern bzw. Raupenfutterpflanzen
• viele Blühflächen als Beispiele für ein artenreiches Nahrungsangebot (=Pollendiversität)
• definierte Analysen zum Aufzeigen von Nahrungslücken, jeweils in Abhängigkeit vom Flugradius der Insekten-Zielarten.
• lokale Projekte, mit Aussagen zu ihren Deckungsbeiträgen zu mehr biologischer Vielfalt
• erprobte Blühmischungen bzw. Pflanzengemeinschaften als Empfehlung für eigenes Engagement und zur Vereinfachung der Dokumentation
Maßnahmen:
Begonnen hat alles mit der Recherche und Online-Erfassung geeigneter Trachtpflanzen für den eigenen Garten im Jahr 2012. Der stärkste Entwicklungsschub erfolgte 2018/2019 als Beitrag der Imker anlässlich der Remstal-Gartenschau. Es gelang ein Netzwerk von Aktiven aufzubauen mit zuletzt ca. 230 Teilnehmern. Diese kamen aus den Imkervereinen des Remstals, dem Landesverband Württembergischer Imker (LVWI), den Landratsämtern/ Landwirtschaftsämtern Rems-Murr und Ostalb, der Remstal Gartenschau GmbH, Obst- und Gartenbauvereinen, dem Landschaftserhaltungsverband (LEV), dem Schwäbischen Albverein e.V. (SAV), sowie den Ansprechpartnern der Gartenschau-Kommunen, vielen Landwirten, Privatleuten und Unternehmen.
Gemeinsam ist es gelungen, am 15.5.2019 die Remstal-Bienenroute, die erste Bienenroute Deutschlands, mit vielen Beteiligten und Repräsentanten aus Kommunen und Landkreis feierlich zu eröffnen.
Zum mobilen Erfassen neuer Blühflächen oder der vorgefundenen Pollendiversität pro Fläche wurde die ‚Bienenrouten-App‘ entwickelt. Eine von Jahr zu Jahr steigende Pollendiversität nachzuweisen, ist unsere citizen science Aufgabe. Die App dient gleichzeitig Wanderern, Natur- oder Fotofreunden auch als Navigationshilfe, um Blühflächen leicht (wieder-) zu finden.
Am 29.11.2019 haben die 16 Remstal-Kommunen einstimmig beschlossen, das Projekt Bienenroute weiter zu unterstützen, die angelegten Blühflächen weiter zu pflegen und im Rahmen der Möglichkeiten auszubauen.

Unser Kooperationsmodell ist gedacht für alle Bürgerinnen und Bürger. Es basiert auf Freiwilligkeit und ehrenamtlichem Engagement. Es sieht für die Akteure 3 Rollen vor:
1. Blütengärtner, Anleger von artenreichen Blühflächen, jeder Quadratmeter zählt
2. Blütenbeobachter, Fotofreund und Beobachter von Blühpflanzen und deren Blütenbesuchern
3. Blütennetzwerker, Helfer zur Selbsthilfe bei Rückfragen von Akteuren, auch per Tel. oder Mail
Zum Sammeln und Ordnen der Fotos der Flowerwatcher und zum Nachweis was blüht wo, wurde eine spezialisierte digitale Komponente eingerichtet (flowerwatching.de), die auf Bildverwaltung und Präsentation optimiert ist.
Wo immer möglich organisieren wir Sponsoren für Saatgut oder Jungpflanzen für geeignete Sträucher und Bäume, um den lokalen Blütengärtnern eine kostenlose Starthilfe zu geben.
Zur langfristigen Betreuung und Weiterentwicklung der Plattform wurde der gemeinnützige Verein bienformatik e.V. gegründet

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt Bienenroute liefert einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt, indem
• regionales Saatgut verwendet wird, mehrjährige Arten bevorzugt werden und langfristige artenreiche Blühflächen geschaffen werden
• durch zusätzliche pollen- und nektarspendende Sträucher und Bäume besonders hochwertige Lebensräume gefördert werden, wie z.B. Streuobstwiesen, Hecken, und Raine
• die Pollendiversität für ausgewählte Flächen beobachtet, gemessen und ausgewertet wird
• die erhöhte Pollendiversität den Pollenspezialisten, speziell Wildbienen, ein erhöhtes Versorgungsangebot liefert und somit deren Überlebenschancen verbessert
• die erhöhte Zahl an Pflanzenarten vielen Schmetterlingsarten ein erhöhtes Angebot an Raupenfutterpflanzen liefert
• ein erhöhtes, lückenloses Blühpflanzenangebot viele Insekten anlockt und in der Folge Vögel, Amphibien usw. profitieren
• eine höhere Blühflächendichte und engmaschigere Blühflächenvernetzung den Insekten mehr Lebensraum und auch Nist- und Überwinterungsplätze bietet
• wir geeignete Mähkonzepte erläutern und Pflegepläne bieten, um den Insekten die Nist- und Überwinterungsplätze nicht achtlos zu zerstören


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Dokumente

Wandern auf der Bienenroute

 

Besuchen Sie uns

Fellbach, Reallabor001 Schmidener Feld

Im Krautgärtle 58
70734 Fellbach

Öffnungszeiten: Die Blühflächen sind immer zugänglich. Führung auf Anfrage

Herr Bernhard Willi

http://www.bienformatik.org

 

Weitere Infos

bienformatik e.V., Fellbach, Remstal, Rems-Murr-Kreis
Fellbach

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