FraDiv – Bedeutung des Eschentriebsterbens für die Biodiversität von Wäldern

Eschenreiche Laubmischwälder gehören zu den Hot-Spots der biologischen Vielfalt. Seit Anfang der 2000er Jahre sind diese Wälder auch in Schleswig-Holstein vom Eschentriebsterben betroffen, wodurch sich diese Standorte und die assoziierte Biodiversität derzeit in einem starken Wandel befinden. Das Projekt FraDiv erforscht wie sich das Zusammenspiel von Waldkontinuität, Standortsfaktoren und Strukturheterogenität der Systeme sowie der damit eng verknüpften Befallssituation der Esche (Fraxinus excelsior L.) auf die biologische Vielfalt auswirkt. In dem gesamten für den baltischen Moränenraum repräsentativen Gebiet des Landes Schleswig-Holsteins soll erstmalig geklärt werden, welche Effekte das Eschentriebsterben auf gefährdete bodenbewohnende Pilze und charakteristische Pflanzenarten hat. Gemeinsam mit Praxispartnern werden waldbauliche Maßnahmen für langfristige Schutz- und Entwicklungsstrategien zur Biodiversitätserhaltung entwickelt. Die Anlage von Referenz- und Demonstrationsflächen und Versuche zur Restitution und Stabilisierung von Biodiversität und Standortgüte der vom Eschentriebsterben betroffenen Waldstandorte mit geeigneten heimischen und standortgerechten Baumarten-Mischungen stehen im Mittelpunkt der Arbeit der Projektpartner. Für die forstpraktische Anwendung werden Lösungsvorschläge für die Erhaltung des Artenreichtums der Eschenstandorte in der Phase des gegenwärtigen Umbruchs der Bestände erarbeitet.

Eschenreiche Wälder gehören zu den artenreichsten Waldökosystemen Deutschlands. Sie bieten unter anderem Lebensraum für eine Vielzahl von Pilz-Verantwortungs- und Rote-Liste Arten und zeichnen sich somit durch eine hohe biologische Vielfalt aus. Aktuell sind viele dieser Lebensgemeinschaften (Biozönosen) durch das Eschentriebsterben bedroht. Auslöser der Erkrankung der Eschen (Fraxinus excelsior L.) ist das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus). Dieser Vertreter der echten Schlauchpilze wurde in den 90er Jahren erstmalig in Polen an Eschen nachgewiesen und breitet sich seither süd-westwärts aus. Ein Befall durch H. fraxineus führt zunächst zum Absterben einzelner Blätter, im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es jedoch häufig zum Absterben des ganzen Baumes.
Im Vordergrund des Projekts FraDiv (Laufzeit: 2019-2025) steht die Analyse der Effekte des Eschentriebsterbens auf gefährdete bodenbewohnende Pilzarten, für die Deutschland international eine besondere Verantwortung hat. Auch die Auswirkung des Eschentriebsterbens auf die charakteristischen Pflanzenarten der betroffenen, europaweit gefährdeten FFH-Lebensraumtypen, ist ein Untersuchungsschwerpunkt von FraDiv. FraDiv ist ein Multipartner-Projekt: In eschenreichen Wäldern in ganz Schleswig-Holstein wurden/werden ca. 140 Langzeit-Monitoringflächen eingerichtet. Diese sog. Monitoringkulisse bildet die Basis zur Einschätzung der Gefährdungssituation für die biologische Vielfalt eschenreicher Wälder. Widerholungsaufnahmen dienen dazu die dynamischen Entwicklungen der Waldbestände im Zuge des Eschentriebsterbens zu erfassen. Die Etablierung der Monitoringkulisse gründet auf der Entstehung eines Netzwerkes aus bisher über 50 Waldbesitzern (u.a.: Privatpersonen, Verbände, kommunale Wälder), und wird über Kooperationsvereinbarungen mit den großen Waldbesitzern in Schleswig-Holstein ergänzt. Dazu gehören unter anderem die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, die Stiftung Naturschutz SH, die Kurt und Erika Schrobach Stiftung und die Arbeitsgemeinschaft Geobotanik SH & HH e.V.. Darüber hinaus sind mehrere Praxispartner direkt an der Umsetzung von Versuchen zur Erarbeitung waldbaulicher Empfehlungen beteiligt. Auf insgesamt ca. 14 ha (in 12 Waldgebieten) werden Anpflanzungen unterschiedlicher Baumarten und Mischungen hinsichtlich ihrer Eignung als Ersatzbaumarten in der gegenwärtigen Phase des Strukturwandels in eschenreichen Wäldern getestet. Die Umsetzung dieser Versuche wurde durch die Praxispartner der Forstbetriebsgemeinschaft Eckernförder Bucht sowie der Herzoglich Oldenburgischen Verwaltung ermöglicht. Auch in den Wäldern der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten werden dem Projekt Versuchsflächen zur Verfügung gestellt. Hier wurden auf insgesamt ca. 1,2 ha, verteilt auf 10 Waldgebiete, Versuche zu Verjüngungsmechanismen der Esche etabliert. Die mykologische Beurteilung der untersuchten Waldbestände wird durch die Praxispartner des Büros für Angewandte Mykologie und Ökologische Indikation und des Büros für mykologische Gutachten, Illustrationen und Seminare durchgeführt. Zur Sicherstellung des Wissenstransfers finden (ergänzend zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen) jährlich mehrere Veranstaltungen für die interessierte Öffentlichkeit statt. Hierbei dienen Exkursionen in den Projektgebieten sowie Workshops zur Vertiefung von Artenkenntnissen zur Sensibilisierung naturschutzfachlicher und forstpraktischer Akteure.
Ziel des im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ angesiedelten Projektes ist es, über die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis Empfehlungen und Maßnahmen zur Erhaltung der wertgebenden und typischen biologischen Vielfalt eschenreicher Wälder im Zuge des Eschentriebsterbens zu entwickeln und umzusetzen. Im Projekt werden die Auswirkungen des Eschentriebsterbens auf die mykologische und floristische Diversität eschenreicher Wälder dokumentiert, ökologische Fragen zur Befallssituation und Verjüngung der Esche in Bezug auf die Diversität der Bestände untersucht und waldbauliche Empfehlungen für den langfristigen Erhalt der Biodiversität dieser Ökosysteme erarbeitet. Dabei wird der Wissenstransfer zu Waldeigentümern und Forstpraxis sichergestellt. Das Projekt wird durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

FraDiv setzt sich für den Schutz und die Entwicklung der biologischen Vielfalt (v.a. Verantwortungsarten Funga, Gefäßpflanzen) sowie auf die Erhaltung und Entwicklung gefährdeter Lebensräume (FFH-Lebensraumtypen) ein. Darüber hinaus besteht ein Bezug zur Nationalen Biodiversitätsstrategie auch mit dem Ziel das gesellschaftliche Bewusstsein zu erhöhen. Das vom Eschentriebsterben besonders bedrohte Ökosystem der eschenreichen Standorte und seine biologische Vielfalt sollen durch das Projekt weiter erforscht, gesichert und (unter den gegebenen Rahmenbedingungen) stabilisiert werden.


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Besuchen Sie uns

Institut für Ökosystemforschung; Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Olshausenstr. 75
24118 Kiel

Öffnungszeiten: nach Absprache

Frau Dr Katharina Mausolf
kmausolf@ecology.uni-kiel.de
https://www.ecosystems.uni-kiel.de/de/abteilung/fradiv

 

Weitere Infos

Prof. Dr. Alexandra Erfmeier, Prof. Dr. Joachim Schrautzer, Institut für Ökosystemforschung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Kiel

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