Osterzgebirge entdecken, Flächen pflegen, Gutes schmecken

Das seit September 2019 bis Ende 2022 laufende Projekt "Osterzgebirge entdecken, Flächen pflegen, Gutes schmecken" dient dazu, naturschutzbedeutsamen Offenlandflächen in dieser Region eine naturfachlich geeignete Nutzung zukommen zu lassen und landwirtschaftlichen Produkte, die auf den Flächen durch die Beweidung oder Mahd entstehen – vorrangig Heu, Milch, Fleisch und deren Verarbeitungsstufen – in der Region adäquat zu vermarkten. Vor allem die Bergwiesen profitieren von einer naturschutzfachgerechten Bewirtschaftung und bieten gerade deshalb neben einer vielfältigen Flora auch zahlreichen Tagfaltern, Wildbienen und Heuschrecken eine Lebensgrundlage.
Das Flächenmanagement übernimmt den Aufbau von Netzwerken zur Erhaltung und Pflege von Grünlandflächen, insbesondere solcher Flächen, die bisher nicht regelmäßig gepflegt oder über die laufenden Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen gefördert werden; das zweite Teilvorhaben beschäftigt sich mit dem Aufbau eines Netzwerkes zur Vermarktung in der Region. Demnächst entsteht z. B. eine Online-Heubörse, auf der AnbieterInnen und KäuferInnen in Kontakt treten, um das Heu nachhaltig in der Region zu vermitteln. Zudem wird ein Regionalsiegel für das Projektgebiet mit Produkten aus naturschutzgerechter Flächenbewirtschaftung entwickelt.
Das Vorhabengebiet erstreckt sich über den Naturraum Osterzgebirge und umfasst neun Gemeinden von Hartmannsdorf-Reichenau bis Bad Gottleuba und von Obercarsdorf und Müglitztal bis zur tschechischen Grenze.

Die landschaftsästhetisch attraktive Mittelgebirgsregion ist als Kulturlandschaft durch historische Landnutzung entstanden und durch einen sehr hohen Grünlandanteil mit artenreichen Bergwiesen und einzigartigen Steinrückenlandschaften bis in ihre Hochlagen geprägt. Sie zählt daher aus floristischer und faunistischer Sicht zu den wertvollsten Gebieten Sachsens. Die Sicherung wesentlicher Teile des Projektgebietes als Schutzgebiete nach verschiedenen Kategorien des Bundesnaturschutzgesetzes bzw. nach EU-Recht, die Existenz zahlreicher bundes- und sachsenweiter seltener und gefährdeter Arten sowie das Vorkommen von schutzwürdigen Teilen von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung unterstreichen den herausragenden naturschutzfachlichen Wert.
Die Bergwiesen des Osterzgebirges entstanden im Mittelalter, doch erst im Zuge der Heunutzung Anfang/Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Bergwiesen, wie wir sie heute kennen. Eine ackerbauliche Nutzung war aufgrund der geringen Bodenfruchtbarkeit nur bedingt möglich. Lange Brachezeiten zwischen den Nutzungsphasen wurden insbesondere durch die Beweidung mit Schafen und Ziegen überbrückt. Die Wiesen und Weiden waren zunächst auf feuchte Täler und steile Hänge beschränkt, die nicht beackert werden konnten; heute finden sich an solchen Standorten besonders arten- und blütenreiche Wiesen. Die Grünlandnutzung erfolgte bis etwa 1960 extensiv und bildete die Grundlage für artenreiche Feucht- und Bergwiesen. Aufgrund früh einsetzender Schutzbemühungen durch den Landesverein Sächsischer Heimatschutz und anderer Naturfreunde konnten viele wertvolle, sehr artenreiche Wiesen vor einer ab 1960 einsetzenden landwirtschaftlichen Intensivierung bewahrt werden. Unter heutigen agrarstrukturellen Bedingungen sind diese naturschutzfachlich wertvollen Flächen jedoch zum Teil landwirtschaftlich schwer zu bewirtschaften.
Zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt bedarf es eines umfassenden, naturschutzgerechten Flächenmanagements, insbesondere des artenreichen Grünlandes. Zusätzlich ist die Schaffung von Vermarktungsperspektiven notwendig, um die regionalen Produkte aus der naturschutzbedeutsamen Wiesenpflege wie Bergwiesen-Heu, Bergwiesen-Milch und -Fleisch in der Region besser zu vermarkten.
Aus diesem Grund stellt das geplante Vorhaben nach Förderrichtlinie Natürliches Erbe (Fördergegenstand C.3 der Richtlinie NE/2014) eine einmalige Chance dar, regionale Akteure für den Schutz dieser Biodiversität zusammenzubringen, um eine möglichst gebietsumfassende und naturschutzbedeutsame Flächenbewirtschaftung zu erreichen. Im Mittelpunkt stehen Ziele und Maßnahmen für eine schonende Inwertsetzung des Naturkapitals auf der Basis einer möglichst breiten Akzeptanz, Wertschätzung und Wertschöpfung durch die Landnutzer und Akteure der Region. Mittels eines gemeinsamen Netzwerkes sollen zukunftsfähige, ökologisch und ökonomisch nachhaltige und sozialverträgliche Vorhabenstrategien entwickelt werden. Um dieses sicherzustellen, müssen die wesentlichen naturschutzfachlich hochwertigen Räume identifiziert und die hier arbeitenden Landnutzer, Kommunen und Naturschutzvereine aktiv mit einbezogen werden.
Daher liegt der Schwerpunkt des Teilvorhabens I in der Vernetzung von verschiedenen Akteuren aus Landwirtschaftsbetrieben, Verbänden, Vereinen, Verarbeitungsgewerbe, Gastronomie, Handel und Regionaltourismus, um ein Vermarktungssystem für regionale Produkte – vorrangig die Produkte Heu/Grünmasse, Fleisch und Milch – aus naturschutzkonformer Flächenbewirtschaftung zu schaffen. Vermarktungsstrategien, wie eine datenbankbasierte Online-Plattform „Heubörse“ oder die Schaffung einer Dachmarke bzw. eines Siegels für regionale Lebensmittel und die begleitende Öffentlichkeitsarbeit beziehen sich vorrangig auf naturschutzbedeutsame Flächen, die einer gezielten naturschutzgerechten Bewirtschaftung oder Biotoppflege unterliegen.
Das Teilvorhaben II fokussiert sich auf die Vernetzung von Akteuren, die den Erhalt und die Pflege von naturschutzbedeutsamen Offenlandflächen gewährleisten sollen, um gemeinsam den Schutz der biologischen Vielfalt voranzutreiben. Dabei zielt das Netzwerk vor allem auf Flächen ab, die bisher nicht regelmäßig gepflegt werden. Dies beinhaltet unter anderem Flächen mit geringer Flächengröße/Splitterflächen und Flächen mit erhöhtem Bewirtschaftungsaufwand, z.B. durch Hanglage, vielfältige Landschaftselemente und Nass- bzw. Zwischenmoorstandorte. Sowohl die Sicherung, Verbesserung und Wiederherstellung brachgefallener Ziel-Lebensraumtypen und Ziel-Biotope als auch von Arthabitaten der Ziel-Arten soll Gegenstand des Teilvorhabens sein.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Osterzgebirge zeichnet sich vor allem durch den Wechsel von artenreichem Grünland mit Steinrückenlandschaften, Hangwäldern, lichten Mittelwäldern, Zwergstrauchheiden, unverbauten Bachläufen, Mooren und Feuchtgebieten im Offenland aus. Herausragend ist die biologische Vielfalt in den extensiv genutzten Grünlandbereichen. Hier sind „Berg-Mähwiesen“ (6520), „Flachland-Mähwiesen“ (6510) und „Artenreiche Borstgrasrasen“ (6230), Feuchtwiesen, Sümpfe sowie Nieder- und Zwischenmoore in einem kleinteiligen Mosaik ausgebildet. Allein im Projektgebiet befinden sich 1.176 ha an Berg- und Frischwiesen. Davon liegen 845 ha innerhalb von 15 FFH-Gebieten und sind somit Teil des Schutzgebietssystems „Natura 2000“. Die Bewirtschaftungsverfahren sollen daher den Schutz dieser Biotope und Lebensraumtypen (LRT 6230, 6410, 6430, 6510, 6520, 7140, 7230) gewährleisten und den Schutz und Erhalt überregional bedeutsamer Pflanzenarten wie Arnika und Knabenkräuter, Kugelige Teufelskralle und Trollblume sicherstellen. Auch die Entomofauna der Wiesen und Steinrücken ist mit etwa 50 Tagfalterarten, u.a. Wiesenknopf-Ameisenbläulinge, Lilagold-Feuerfalter und Großer Perlmutterfalter, zahlreichen Spezialisten unter den Laufkäfern, Spinnen und Heuschrecken – zu nennen sind hier Plumpschrecke und Warzenbeißer –und gefährdeten Vertreter der Zikaden reich ausgestattet. Auch die Vorkommen von, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Neuntöter und Dorngrasmücke zeugen vom vielfältigen Artenreichtum dieses Naturraumes..


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