Buchenborn- Im Wald der Baumriesen und Wildkatzen

Das UN-Dekadeprojekt „Buchenborn – Im Wald der Baumriesen und Wildkatzen“ zeigt, wie durch naturnahe forstliche Bewirtschaftung die Biodiversität in einem ehemaligen militärischen Übungsgebiet deutlich gesteigert werden kann. Buchenborn unterscheidet sich von sonstigen, „normal“ bewirtschafteten Wäldern z.B. durch stark aufgelichtete Altholzbestände und ausgeprägte lineare Waldrandstrukturen. Viele Altbäume werden bis zum natürlichen Zerfall im Wald belassen. Monitoring-Projekte widmen sich einzelnen Arten. Hinzu kommt eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit, die die Erfolge und die gewonnenen Erkenntnisse bekannt machen soll. Bei alledem muss nicht auf die Erzeugung des umweltfreundlichen Rohstoffes Holz verzichtet werden. Die Folge der naturnahen Bewirtschaftung ist ein Mosaik aus unterschiedlichen Strukturen und Lebensräumen, von dem viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten profitieren. Letztlich kommt das der Biodiversität zugute. In Zukunft werden noch weitere Projekte initialisiert. Damit bildet Buchenborn einen „Hot Spot“ der Biodiversität im Rhein-Main-Gebiet.

Wo einst Panzer übten…
An der Taunus-Ostabdachung, unweit der Stadt Friedberg, liegt die rund 550 Hektar große Liegenschaft Buchenborn. Wo einst amerikanische Panzer den Ernstfall übten, beginnt sich die Natur zu regenerieren und steht nun wieder der erholungssuchenden Bevölkerung zur Verfügung. Aber nicht nur die Bevölkerung hat sich das durch alte Laubwälder geprägte Waldareal zurückerobert, auch viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten fühlen sich unterdessen wieder heimisch.
…wurde eine Idee geboren
In Buchenborn blieben aufgrund der militärischen Nutzung, der standörtlichen Gegebenheiten sowie des jahrzehntelangen, naturverträglichen Geländemanagements durch den Bundesforstbetrieb Schwarzenborn strukturreiche Laubholzmischbestände unterschiedlichen Alters bis heute erhalten. Der Bundesforstbetrieb erkannte sehr schnell den ökologischen Wert dieser Waldfläche als „Hot Spot“ der Biodiversität für die Region. Schon früh wurde daher begonnen, den Natur- und Artenschutz bei der forstlichen Bewirtschaftung besonders zu berücksichtigen. Seit 2016 wird diese Zielsetzung durch eine langfristige Kooperation mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank und mit deren finanzieller Unterstützung weiter ausgebaut. Neben der generell nach strengen ökologischen Grundsätzen ausgerichteten Waldbewirtschaftung werden jedes Jahr zwei bis drei zusätzliche Projekte zum Schutz und Erhalt seltener Arten und Biotopstrukturen initialisiert. In Anlehnung an historische Waldnutzungsformen oder durch besondere Biotopgestaltungsmaßnahmen werden so weitere wertvolle Strukturen geschaffen und dauerhaft erhalten:
Im Wald von Caspar David Friedrich
Als Beispiel möge der sogenannte „Hinterwald“ dienen. Bei diesem Projekt ging es um die bewusste Auflichtung eines Laub-Altholzes zur Schaffung eines lichten Bestands aus alten Eichen und Buchen, um geeigneten Lebensraum für licht- und wärmeliebende Insekten zu schaffen. Das Ergebnis lässt den Besucher an einen Hutewald oder an ein Gemälde des Romantik-Malers Caspar David Friedrich denken. In einem normalen Wirtschaftswald stünde derweilen die Verjüngung und anschließende Nutzung der Bäume und ihres Holzes im Fokus des forstlichen Handelns. Stattdessen werden die Altbäume nun ihrer natürlichen Entwicklung überlassen. Die auflaufende Verjüngung wird regelmäßig zurückgenommen, um die offenen Strukturen nachhaltig zu erhalten. Durch den erhöhten Lichteinfall sollen sich sowohl am Waldboden als auch an den bis zum natürlichen Zerfall verbleibenden Altbäumen besonders günstige Lebensbedingungen für Insekten und Fledermäuse entwickeln.
Lichtachsen im Buchenwald
Entlang der „Grimmelschneise“, einem etwa einen Kilometer langen Waldweg, wurde beidseitig der Wald großflächig zurückgenommen. Lediglich einzelne Altbäume wurden belassen. Solche lichten Waldränder erhöhen aufgrund ihrer spezifischen Licht- und Wärmeverhältnisse in ansonsten geschlossenen Waldgebieten die Biodiversität und Biotopvernetzung deutlich. Der Wechsel aus Licht und Schatten sowie Übergangseffekte zwischen Baum-, Strauch- und Krautschicht bieten neue ökologische Nischen für spezielle Tier- und Pflanzenarten. Er ermöglicht zugleich Offenlandarten die Wanderung durch geschlossene Waldgebiete von einem Offenlandbiotop zum nächsten.
Baumriesen – Methusaleme im Wald
Ein weiteres Projekt mit Namen „Baumriesen“ klingt wie ein Märchen aber anders als die meisten Märchen ist dieses Projekt Realität geworden. Wie der Name erahnen lässt, stehen große, alte Bäume im Fokus. Ihnen wird die natürliche Entwicklung bis in die Zerfallsphase gestattet. Während in herkömmlichen Wirtschaftswäldern nach 100-180 Jahren die Nutzung ansteht, dürfen diese Altbäume hier bis an ihr biologisches Lebensende stehen. Die ältesten Exemplare haben heute schon ein stolzes Alter von bis zu 200 Jahren. Mit zunehmendem Alter steigt die Anreicherung von Totästen sowie Baumhöhlen und –spalten. Letztere dienen Vögeln und Fledermäusen als Unterschlupf und Brutquartier. Neben allen in der Region heimischen Spechtarten, werden dadurch ebenfalls alle übrigen Bewohner von alten Bäumen mit Höhlen und Spalten, wie z.B. der Trauerschnäpper, und die Hohltaube aber auch baumbewohnende Fledermausarten profitieren. Auch auf Totholz angewiesene Spezialisten, wie der Hirschkäfer werden dadurch begünstigt.
Auf leisen Pfoten
Ein weiteres Projekt zeigt, dass die oben genannten Lebensraumverbesserungen bereits greifen. „Auf leisen Pfoten“ ist Teil eines landesweiten Monitorings der europäischen Wildkatze. Mit Fotofallen und Lockstäben konnte anhand einiger Haarproben zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass sich die Wildkatze in Buchenborn wieder heimisch fühlt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Tue Gutes und sprich darüber
Um diese Erfolge und Fortschritte in Sachen Biodiversität auch weiterzutragen, werden regelmäßig „Waldtage“ angeboten. Bei diesen durch die Landwirtschaftliche Rentenbank organisierten Waldspaziergängen werden kleinen Gruppen von Interessierten die unterschiedlichen Projekte gezeigt sowie die entsprechenden Maßnahmen und ihre Wirkungen erklärt. Die Gruppen werden von fachlich versierten Beschäftigten des Bundesforstbetriebs geführt. Außerdem werden die Besonderheiten, Ziele und Maßnahmen der einzelnen Projekte in verschiedenen Flyern vorgestellt



Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

 

Besuchen Sie uns

Ockstädter Brücke

Usinger Straße
61169 Friedberg

Öffnungszeiten: täglich 0-24 Uhr

Herr Christoph Goebel

 

Weitere Infos

Das Projekt wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben / Bundesforstbetrieb Schwarzenborn in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank umgesetzt.
Friedberg

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld