LANDSCHAFT ANPACKEN

Was können Metzgermeister, Bankkaufleute, Krankenschwestern oder Archäologen gemeinsam haben? Das Interesse an Natur und Landschaft und die Lust sich hierfür einzusetzen. Als der Landschaftspflegeverband Mittelfranken 2018 das erste Mal unter dem Titel „Landschaft anpacken“ eine Weiterbildung zur Handarbeit in der Landschaftspflege anbot, war die Nachfrage sehr groß. Teilnehmer*innen von der Studentin bis zum Rentner aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen trafen sich an sechs Tagen um sich den Lebensräumen Magerrasen, Feuchtwiese, Streuobstwiese und Hecke und deren Pflege zu widmen. Maschinenkunde, Arbeitssicherheit und steuerrechtliche Themen standen ebenso auf dem Plan. Partner des Landschaftspflegeverbands sind hierbei die Landmaschinenschule Triesdorf und landschaftspflegeerfahrene Landwirt*innen. Auch 2019 war der Kurs wieder mit 20 Plätzen ausgebucht. Ziel der Fortbildung ist, neue Arbeitskräfte für die Pflege wertvoller Biotopflächen (z.B. Magerrasen, Orchideenwiesen, Flachmoore) zu finden und diese entsprechend zu qualifizieren. Darüber hinaus wirken die Teilnehmer*innen als Multiplikatoren der Anliegen von Natur, Landschaft, Arten- und Insektenschutz und dienen damit dem Erhalt der Biologischen Vielfalt. Der aktuelle Kurs (September 2020 bis Juni 2021) ist bereits ausgebucht. Zusätzlich zu dem bisherigen Angebot werden 2021 Vertiefungskurse für die Absolventen zu den Themen Artenreiche Wiesen, Hecken und Säume sowie Ansaat angeboten.

Die Handarbeit in der Landschaftspflege wurde traditionell von örtlichen Landwirten, Dorfgemeinschaften, Jagdgenossenschaften und Rechtlern im Dorf durchgeführt. Sie umfasst insbesondere Tätigkeiten auf Extremstandorten, die zu steil, zu nass, zu steinig, zu uneben für die maschinelle Bearbeitung sind und gleichzeitig zu den artenreichsten und schützenswertesten Lebensräumen und Lebensgemeinschaften des Bezirks Mittelfranken zählen. Als Beispiele seien hier Nachentbuschungen auf den Steilhängen der Schafhutungen, Wachholderheiden und Magerrasen im Altmühltal oder auf der Frankenhöhe genannt sowie die Mahd und Mähgutabtransport von Nasswiesen, Orchideenstandorten und Flachmooren. Zu den typischen Handarbeiten zählen auch die Aufstellung und Pflege von Infotafeln und Lehrpfaden, die Pflanzung von Streuobstbäumen sowie die Heckenpflege. Vielen dieser Arbeiten ist gemein, dass sie körperliche Fitness und Ausdauer sowie viel Zeit in Anspruch nehmen. In den letzten 10 Jahren ist folgender Trend festzustellen: Die Anzahl der Arbeitskräfte in der Landschaftspflege, die bereit sind, zeitlich und körperlich aufwändige Handarbeit durchzuführen, hat aus diversen Gründen stark abgenommen und nimmt weiterhin ab. Momentan stehen die Handarbeiten in der Landschaftspflege an einem kritischen Punkt – noch sind Wissen und Ortskenntnis der Älteren vorhanden, allerdings fehlt in vielen Dörfern und Gemeinden der Nachwuchs, der sich dieser Tätigkeiten annimmt. Für die Pflege der ökologisch hochwertigsten und sensiblen Lebensräume und somit dem Erhalt der biologischen Vielfalt ist Handarbeit unverzichtbar.
2018 startete das Projekt „Landschaft anpacken“, gefördert über den Bayerischen Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der GlücksSpirale. Die Förderung über die Bayerische Landschaftspflege- und Naturpakrichtlinie ermöglichte 2019 den Beginn einer Pilotphase. Dank dieser Projekte war es dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken (LPV) erstmalig möglich, wieder Menschen für die Handarbeit in der Landschaftspflege zu gewinnen. An insgesamt sechs Tagen lernten die Teilnehmer*innen die Lebensräume Magerrasen, Wiesen und Weiden, Streuobstwiesen und Hecken mit ihren charakteristischen Bewohnern und deren Pflege in Theorie und Praxis kennen. Die Fortbildung fand in Zusammenarbeit mit der Landmaschinenschule Triesdorf und fachkundigen Landwirt*innen statt. Das Teilnehmerspektrum reichte vom Metzgermeister, über die Bankkauffrau, den Marketingspezialisten, bis zur Krankenschwester und dem Archäologen.
Ziele von „LANDSCHAFT ANPACKEN“ sind
• den Erhalt der biologischen Vielfalt und die Pflege arten- und insektenreicher Lebensräume und Sonderstandorte sicherzustellen, die auf Landschaftspflege von Hand angewiesen sind. Hierzu zählen insbesondere auch geschützte Lebensräume in NATURA 2000 Gebieten und Naturschutzgebieten.
• die Pflege von Hand auf Dauer durch die Gewinnung und Qualifizierung von Bürgern und Bürgerinnen allen Alters zu gewährleisten und sie mit fachlichem Grundwissen zu den Lebensräumen, der biologischen Vielfalt, den Arten und dem Ökosystem auszustatten.
• Arbeitskräfte zu qualifizieren, die zur Neuschaffung von Biotopen der heimischen Insekten, Tier- und Pflanzenarten z.B. durch die Neuanlage von Streuobstwiesen, Heckenpflanzungen, beitragen. Die wertvollen Biotopverbundelemente sichern den Blüten- und Insektenreichtum unserer Landschaft und damit auch die Bestäubung unserer Nutzpflanzen.
• landwirtschaftliche Betriebe zu fördern, die sich mit der Landschaftspflege ein zweites Standbein und Zusatzeinkommen erwirtschaften können.
• dauerhaft das lokale und regionale Wissen, Arbeitstechniken, Geschichte und Bedeutung der Lebensräume zu bewahren und unsere traditionell gewachsenen Landschaftsbilder und Kulturlandschaften zu erhalten.
• Wertschätzung und Begeisterung für die geschützten Lebensräume und schützenswerten Arten sowie die Arbeiten in der Landschaftspflege zu erhöhen, und hierdurch einen Beitrag zum Erhalt dieser zu leisten.
• die Artenkenntnis der Teilnehmer*innen zu erweitern

Mit Hilfe der im Rahmen dieses Projektes weitergebildeten Landschaftspfleger*innen kann zum einen die bestehende Pflege arten- und insektenreicher, heimischer Biotope und der Erhalt der biologischen Vielfalt dieser geschützten Lebensräume gesichert werden. Hierbei handelt es sich häufig um die wertvollsten und artenreichsten Lebensräume, die gleichzeitig Rückzugsgebiete für hoch spezialisierte Arten darstellen. Diese sind auch potentielle Spenderflächen, wenn es um die Wiederherstellung blüten- und artenreicher, heimischer Flächen geht.
Die weitergebildeten Landschaftspfleger*innen verfügen über das notwendige Fachwissen. Gerade bei Maßnahmen zum Erhalt besonders gefährdeter Insektenarten (wie z.B. Berghexe, Libellen-Schmetterlingshaft) ist eine großflächig maschinelle Pflege kontraproduktiv. Mit Handarbeit können kleinräumig wichtige Habitatstrukturen ausgespart und die Fortpflanzungsstadien Eigelege und Raupen geschützt werden.



Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch die Qualifizierung von mittlerweile 40 engagierten Personen unterschiedlicher beruflicher Herkunft konnten über Mittelfranken verteilt tatkräftige Unterstützer*innen der Landschaftspflege und des praktischen Natur- und Artenschutzes gewonnen werden. Sie tragen den Gedanken der Biologischen Vielfalt in ihre Familien, Dorfgemeinschaften und ihr Arbeitsumfeld weiter.
Konkret setzten die Absolvent*innen der Weiterbildung LANDSCHAFT ANPACKEN zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken in den Jahren 2018 und 2019 rund 20 Landschaftspflegemaßnahmen um. Sie pflanzten Streuobstwiesen und Hecken, pflegten Magerrasen, entbuschten ehemalige Schafweiden, entfernten Jakobskreuzkraut und pflegten fachgerecht Hecken. Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt standen bei den vielfältigen Maßnahmen in den NATURA-2000 Schutzgebieten, Naturschutzgebieten, geschützten Biotopen sowie auf den sonstigen artenreichen und schützenswerten Landschaftsbestandteilen im Vordergrund. Um Weiterhin den Erhalt der biologischen Vielfalt zu unterstützen ist eine Fortführung der Weiterbildung über 2021 hinaus wird angestrebt.


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Dokumente

Landschaft_anpacken_2019_Faltblatt_zum_Versenden.pdf

 

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