Bunte Biomasse - Ressource für Artenschutz und Landwirtschaft

Im Jahr 2018 wurden deutschlandweit knapp 1 Mio. Hektar Mais für die Produktion von Biogas angebaut. Mais ist jedoch nur für einen sehr kleinen Teil der biologischen Vielfalt ein geeigneter Lebensraum. Im Frühjahr 2019 starteten die Veolia Stiftung, der Deutsche Jagdverband e.V. und die Deutsche Wildtier Stiftung daher das Projekt „Bunte Biomasse - Ressource für Artenschutz und Landwirtschaft“. Dadurch sollen deutschlandweit bis 2024 mindestens 500 Hektar Mais durch ertragreiche, mehrjährige Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion ersetzt werden.
Durch seine Mehrjährigkeit bietet Bunte Biomasse vielen Bodenbrütern und Insekten Nistmöglichkeiten und Nahrung. Nach der Ernte des Aufwuchses ab Ende Juli bilden die Kulturen aus bis zu 25 verschiedenen Wildpflanzenarten einen Bewuchs, der für Erosionsschutz im Winter und Nahrungs- und Deckungshabitat für Wintergäste und Niederwild sorgt. Das hohe Potential der mehrjährigen Bestände, den Stickstoffaustrag ins Grundwasser zu vermindern, macht das Anbausystem nicht nur in Wasserschutzgebieten interessant.
Die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte erhalten aus Projektmitteln und mit Hilfe regionaler Kofinanzierer einen Ausgleich in Höhe von 250 € pro Hektar und Jahr und werden kostenlos beim Anbau der Bestände und der Ernte des Aufwuchses beraten. Bereits im ersten Projektjahr konnten dadurch rund 120 Hektar Wildpflanzen in sechs Bundesländern in Zusammenarbeit mit 39 Landwirten angesät werden.

Das Projekt „Bunte Biomasse - Ressource für Artenschutz und Landwirtschaft“ soll einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die biologische Vielfalt stärker in die Betriebsabläufe bei der landwirtschaftlichen Biomasseproduktion zu integrieren. Das Verbundvorhaben der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbandes e. V. und der Deutschen Wildtier Stiftung startete im Frühjahr 2019 und fördert bis 2024 deutschlandweit den Anbau mehrjähriger, heimischer Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion. Dafür werden Landwirte gesucht, die bereit sind, einen Teil ihrer Maisanbaufläche durch mehrjährige Wildpflanzenkulturen zu ersetzen. Die Etablierung und mindestens dreijährige Nutzung der ertragreichen Wildpflanzenmischungen wird aus Projektmitteln und mithilfe regionaler Kofinanzierer mit 250 € pro Hektar und Jahr honoriert, um den Minderertrag gegenüber Mais auszugleichen. Denn die Wildpflanzen liefern zwar ordentlich Trockenmasse - Erträge zwischen 10 und 14 t/ha - kommen aber bei der Vergärung in der Biogasanlage lediglich auf 60 - 75 % des Methanertrags von Mais. Die teilnehmenden Landwirtinnen und Landwirte werden kostenfrei zu allen praktischen Fragen von der Ansaat bis zur Verwertung in der Biogasanlage von erfahrenen Experten beraten. Insgesamt sollen so über 500 ha Wildpflanzenflächen in mindestens acht Bundesländern etabliert werden.
Anders als ausschließliche Blühflächen, die vom Landwirt aus der Nutzung genommen werden müssen und daher eine hohe Ausgleichszahlung im Rahmen der Agrarförderung benötigen, können die Wildpflanzenmischungen ökonomisch verwertet werden. Gleichzeitig sind die ökologischen Vorteile der Wildpflanzenkulturen, die bis zu fünf Jahre beerntet werden können, vielfältig: Die Saatmischungen aus bis zu 25 heimischen Arten bieten im Sommer wie im Winter Nahrung und Deckung für Wildtiere. Besonders in der vegetationsarmen Periode nutzen Feldhasen, Rehe, Singvögel und Wintergäste die Wildpflanzenflächen als Rückzugsort. Durch die späte Ernte ab Ende Juli wird die Gefahr von Mähverlusten für Bodenbrüter und Jungtiere stark verringert.
Daneben lockt das langanhaltende und vielfältige Blühangebot zahlreiche Insekten an. So wurde bereits nachgewiesen, dass Menge und Vielfalt von Wildbienen, Tagfaltern, Laufkäfern und anderen Insektengruppen in Kulturen mehrjähriger Wildpflanzen deutlich höher als in Monokulturen wie Mais ist. Davon profitieren nicht nur zahlreiche Vögel, sondern auch Fledermäuse, die Insekten als Nahrung benötigen.
Durch die mehrjährige Bodenruhe und Bodenbedeckung können sich zahlreiche auf und im Boden lebende Insekten und Kleinstlebewesen etablieren. Auch wird dadurch die Humusbilanz verbessert und der Erosion durch Wind und Wasser entgegengewirkt. In Veredelungsregionen mit hoher Viehdichte könnte das große Potential der Wildpflanzen zur Bindung von mineralisiertem Stickstoff für den Gewässerschutz zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auf chemische Pflanzenschutzmittel kann beim Anbau weitgehend verzichtet werden.
Neben den Vorteilen für Wildtiere und Umwelt werten die Blühmischungen das Landschaftsbild auf und bieten einen bedeutenden Imagegewinn für die Landwirtschaft. Daher wurden im Rahmen des Projektes hochwertige Praxisflächenschilder entworfen, die stark nachgefragt werden und von den Landwirten an den angesäten Wildpflanzenflächen aufgestellt werden können.
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung im Juli 2019 erklärten sich nach Besichtigung mehrerer bestehender Wildpflanzenbestände einige Landwirte bereit, eigene Flächen anzusäen. Durch Vorträge, Pressemitteilungen und Nutzung weiterer Kanäle konnte die Projektidee erfolgreich in die Öffentlichkeit getragen werden. Die daraus resultierende Nachfrage unter Landwirten, Naturschützern, Imkern und Jägerschaft ist groß. So konnten bereits im ersten Projektjahr rund 120 ha mehrjährige Wildpflanzen in sechs Bundesländern angesät werden.
Daneben konnten zahlreiche erfolgreiche Kooperationen mit lokalen Akteuren gestartet werden. Neben Stiftungen und Vereinen beteiligen sich auch Gemeinden hier als Partner und unterstützen das Vorhaben finanziell, damit die Fläche blühender Wildpflanzen weiter vergrößert werden kann.
Auch durch die enge Verbindung mit dem „Netzwerk Lebensraum Feldflur“, welches seit 2013 die Idee der „Energie aus Wildpflanzen“ vorantreibt, ist das Projekt bestens vernetzt. Durch dieses deutschlandweite Netzwerk verschiedenster Akteure soll das Projekt Bunte Biomasse über seine Laufzeit hinaus wirken und langfristig die biologische Vielfalt in der Kulturlandschaft bewahren.
Das Projekt will dabei auch auf politische Entscheidungsträger einwirken, um eine langfristige Förderung der Wildpflanzen, etwa im Rahmen der Vertragsnaturschutzprogramme der Länder, zu ermöglichen. Denn durch die Nutzung der Wildpflanzen kann nicht nur Biomasse, sondern auch Biodiversität auf ein und derselben Fläche „produziert“ werden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. In Sachen biologische Vielfalt ist die Landwirtschaft daher ein zentraler Akteur. Während der letzten Jahrzehnte hat sich in der Agrarlandschaft ein rasanter Artenschwund vollzogen, der gestoppt werden muss (Stichwort „Insektensterben“). Und genau hier setzt Bunte Biomasse an: gemeinsam mit Landwirten und regionalen Partnern wird eine ökologisch wertvolle Kultur auf die Fläche gebracht, die zum Erhalt der Biodiversität beiträgt und gleichzeitig auch ökonomisch genutzt werden kann.
Denn die mehrjährigen Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion bieten Wildtieren zu allen Jahreszeiten Nahrung und Deckung und das langanhaltende und vielfältige Blütenangebot verbessert die Nahrungsressourcen für Wildbienen und Schmetterlinge, wovon wiederum viele Vogel- und Fledermausarten profitieren. Viele Bodenbrüter wie das bedrohte Rebhuhn und der Fasan finden insbesondere während der Jungenaufzucht Deckungsmöglichkeiten und ihre Küken tierisches Eiweiß in Form von Ameisen, Laufkäfern und Spinnen. Und daneben schützen die mehrjährigen Wildpflanzenflächen auch den Boden und das Grundwasser.
Das Projekt Bunte Biomasse soll mehrjährige, ertragreiche Wildpflanzenmischungen als ökologisch dringend benötigte und ökonomisch sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Biomassekulturen wie Mais in die landwirtschaftliche Praxis integrieren.


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Dokumente

Zwischenbericht des ersten Projektjahres 2019

Projektskizze Bunte Biomasse

 

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Tel.:+49 30 2062 956 70
sylke.freudenthal@veolia.com
http://www.BunteBiomasse.de

 

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