Deutsche Artenschutzforschung - Iberischer Luchs

„Deutsche Artenschutzforschung - Iberischer Luchs“
Der Iberische Luchs droht als erste Raubkatze seit prähistorischen Zeiten auszusterben. Er wird damit die erste Katzenart sein, die seit dem Säbelzahntiger ausstirbt.
Um den unumkehrbaren Verlust der biologischen Vielfalt zu verhindern, erforscht das Bund und Land geförderte Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) seit 2011 reproduktionsbiologische Prozesse beim Iberischen Luchs. Ziel ist, es die Reproduktionsraten in Zuchtprogrammen zu steigern.
Unter der Leitung von Prof. Katarina Jewgenow, Leiterin der Leibniz-IZW Abteilung Reproduktionsbiologie, wurden mehre reproduktionsbiologische Mechanismen erstbeschrieben. Die Umsetzung des Forschungswissens in die Praxis führte zu praktischen Maßnahmen, die das spanische und protugisische Erhaltungszuchtprogramm „Iberian Lynx Ex situ Conservation Programme“ nachhaltig unterstütz hat und zu einer Stabilisierung der Population des Iberischen Luchses geführt hat, dokumentiert durch die Herabstufung des Gefährdungsstatus in der von der Weltnaturschutzoranisation IUCN herausgegebenen „roten Liste“ der bedrohten Tierarten.
Die Ergebnisse dieses „Best Practice“-Projektes wurden auf vielfältige Weise im deutschen und englisch sprachigen Raum wissenschaftlich und medial veröffentlicht. Unsere Erkenntnisse sind für das Management des Eurasischen Luchses in Zentraleuropa und Deutschland von großem Nutzen.

Es war bereits fünf vor zwölf für den Iberischen Luchs! Wenn nicht Maßnahmen für das Überleben dieser Art ergriffen worden wären, dann wäre der Iberische Luchs wahrscheinlich bereits für immer von unserem Planeten verschwunden. Unwiederbringlich. Und damit wäre der Iberische Luchs, auch Pardelluchs genannt, 10.000 Jahre nach dem Säbelzahntiger die nächste Katzenart geworden, deren Aussterben eine traurige Leerstelle in der Welt der Tiere hinterlassen hätte. Im Jahre 2002 lebten noch rund 200 Iberische Luchse in Spanien. In Portugal hingegen galt die Tierart bereits als ausgestorben. Doch es war noch nicht zu spät!
Seit 2005 ist das Leibniz-IZW wissenschaftlicher Partner des „Iberian Lynx Ex-situ Conservation Programme“ (früher Iberian Lynx Conservation Breeding Programme). Das Hauptanliegen des Erhaltungszuchtprogramms ist die Auswilderung von Jungtieren zur kontinuierlichen Aufstockung der Wildpopulation. Hier konnten die Wissenschaftler*innen des Forschungsprojektes „Deutsche Artenschutzforschung - Iberischer Luchs“ vom Leibniz-IZW mit ihrer Grundlagenforschung in Berlin entscheidend zum Erkenntnisfortschritt und zu den Zuchterfolgen beitragen.
Aufgrund der engen Verwandtschaft zwischen Iberischen und Eurasischen Luchsen können die reproduktionsbiologischen Untersuchungen auch an dem weniger bedrohten Eurasischen Luchs durchgeführt werden. Hier arbeiten die Wissenschaftler*innen mit unterschiedlichen Partnern aus dem Bayerischen Wald, oder dem Turkish Ministery of Forestry and Water Affairs zusammen, um unter anderem die genetische Diversität des Eurasischen Luchses in den unterschiedlichsten Bereichen Europas und Asiens zu bestimmen.
Seit 2005 führen die Wissenschaftler*innen der Leibniz-IZW Abteilungen Reproduktionsbiologie und Reproduktionsmanagement jährlich Gesundheits- und Schwangerschaftsuntersuchungen an Iberischen Luchsen durch. Die in Berlin stattfindenden Leibniz-IZW Forschungsarbeiten an Luchsen zeigen, dass sich sowohl der Iberische Luchs als auch seine Geschwisterart, der Eurasische Luchs, durch reproduktionsbiologische Besonderheiten auszeichnen. Weibliche Luchse bilden nach der Verpaarung persistierende (stehende) Gelbkörper, die auch nach der Geburt und Laktation aktiv sind. Die Existenz dieser hormonellen Drüsen verhindert eine erneute Trächtigkeit innerhalb des laufenden Jahres. Für Zuchtprogramme ist das ein Hindernis, da so der Nachwuchs nur einmal im Jahr erfolgen kann. Die gewonnenen Forschungserkerkenntnisse werden direkt für die Artenerhaltung des Iberischen und Eurasischen Luchses eingesetzt.
Die Forscher*innen des Leibniz-IZW untersuchen seit Jahren in Berlin die hormonelle Regulation der Fortpflanzung bei Luchsen und arbeiten an der Etablierung von Verfahren der assistierten Reproduktion wie die künstliche Besamung und Gefrierkonservierung von Keimzellen. Bereits 2013 wurden in Berlin die ersten Eizellen und Embryonen von weiblichen Iberischen Luchsen von Wissenschaftler*innen des Leibniz-IZW gefrierkonserviert, um genetische Proben für die Zukunft zu erhalten. Im März 2020 entwickelten die Wissenschaftler*innen in ihrem Berliner Reproduktionslabor eine Methode zur Isolierung von Hodenzellen und deren Gefrierkonservierung. Ziel ist es, die Methode zur Erhaltung von Zellen des männlichen Reproduktionstraktes von bedrohten oder gefährdeten Katzenarten zu nutzen.
Im nationalen und internationalen Luchs-Artenschutzprogramm arbeitet das Leibniz-IZW mit deutschen Partnern und internationalen Kooperationspartnern zusammen. Dabei wurden die Grundlagen für eine nicht-invasive Trächtigkeitsdiagnose anhand von Hormonen aus dem Urin oder Kot entwickelt und die Fortpflanzungsaktivität von männlichen und weiblichen Luchsen im Jahresverlauf beschrieben. Wissenschaftler*innen des Leibniz-IZW nehmen an Fangaktionen von freilebenden Luchsen teil. Während der Besenderung mit GPS-Halsbändern wurden u. a. Ultraschalluntersuchungen und Blutentnahmen an freilebenden Tieren durchgeführt. Die neuen Erkenntnisse die das Projekt daraus schließen konnte sind für die Forschung von sehr großer Bedeutung. Das Leibniz-IZW nutzt Probenmaterial von bejagten, in Unfällen verstorbenen und in Deutschland illegal getöteten Luchsen. Das Probenmaterial wird für molekulare und histologische Fragestellungen herangezogen, um einen tieferen Einblick in zelluläre Vorgänge und Verwandtschaftsverhältnisse von Luchsen zu bekommen. Weitere Kooperationspartner sind die Universität Freiburg, Bayrischer Wald, KORA Raubtierökologie und Wildtiermanagement, Swedish National Veterinary Institute, Hedmark University of Applied Sciences, Nationalpark Junta de Andalucía (Regionalregierung von Andalusien), Norwegian Institute for Nature Research (NINA) und die Russian Academy of Science.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch die internationale Zusammenarbeit und den deutschen Beitrag der Forscher*innen des Leibniz-IZW für das „Iberian Lynx Ex-situ Conservation Programme“ konnten in den Jahren 2011 bis 2019 jährlich zwischen 20 und 40 Iberische Luchse, sowohl in Andalusien als auch in kleinen Teilen von Portugal ausgewildert werden. So waren es im Jahr 2016 ganze 483 freilebende Tiere! Zehn Jahre nach dem ersten Zuchterfolg ließ sich resümieren, dass insgesamt 274 Jungtiere geboren wurden bei einer Fortpflanzungsrate von 78 %. Insgesamt wurden bis Ende 2018 ganze 290 Luchse ausgewildert.
So wird der Iberische Luchs in der Roten Liste der IUCN (Stand: April 2014) nun nicht mehr als vom Aussterben bedroht geführt, sondern nur noch als stark gefährdet. Dies kann als wichtiger Etappensieg für das Forschungsprojekt „Iberischer Luchs“ und seine Kooperationspartner gewertet werden. Für die Zukunft ist es bedeutend, dass die Anzahl der Iberischen Luchse weiter zunimmt und neue Rückzugsorte für den Iberischen Luchs geboten werden. Dies wird nur durch das Zusammenwirken der Arbeit im Feld, der Kommunikation mit Stakeholdern, Datenanalyse, Arbeit im Labor, Biobanking, die Integrierung junger Wissenschaftler*innen und durch einen Informationsaustausch mit der allgemeinen Bevölkerung gelingen.

Projektwebseiten:
http://www.izw-berlin.de/de/reproduktionsbiologie-von-luchsen-grundlagen-fuer-die-erhaltungszucht-des-iberischen-luchses.html

http://www.izw-berlin.de/luchs/index.php/das-luchsprojekt.html



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Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW)

Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin

Öffnungszeiten: 7-17 Uhr

Frau Prof Katarina Jewgenow
jewnenow@izw-berlin.de
http://www.izw-berlin.de

 

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Berlin

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