"Rettungsnetz für die Wildkatze"

Weiterentwicklung:

Das „Rettungsnetz Wildkatze“ ist gewachsen und in den Bereichen Naturverknüpfung, Naturerleben und Umweltbildung über den deutschsprachigen Raum hinaus zum Modell geworden. Ein Dreh- und Angelpunkt ist das Wildkatzendorf Hütscheroda. Hier können die Ausstellung, Vorträge und Exkursionen besucht und die scheuen Waldbewohner live erlebt werden. Als größtes Einzelprojekt innerhalb des Rettungsnetzes setzt sich das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Projekt „Wildkatzensprung“ für biologische Vielfalt durch die Wiedervernetzung von Wäldern ein. Seit 2011 wird an dem langfristigen Ziel eines Waldverbundes von insgesamt 20.000 km Länge gearbeitet. Dazu werden derzeit in sechs Bundesländern Korridore gepflanzt. Zusätzlich werden in zehn Bundesländern genetische Daten erhoben, die Aussagen über Verbreitung und Wanderverhalten der Wildkatzen erlauben. Auch international hat das „Rettungsnetz“ seine Spuren hinterlassen: Es ist Vorbild für Projekte in Schottland und den USA geworden.

Ursprüngliche Bewerbung:

Das Rettungsnetz für die Wildkatze ist eines der größten Projekte des BUND und des Naturschutzes in Deutschland sowie Mitteleuropas insgesamt. Es ist zudem international im immer wichtiger werdenden Bereich der Biotopvernetzung wegweisend. Die Biotopvernetzung - also die Verbindung von Lebensräumen - wird von der Fachwelt einheitlich als einer der wesentlichen Schritte bei der Erhaltung der Biodiversität angesehen und ist auch im europäischen und deutschen Recht verankert (u.a. Natura 2000).

Wegweisendes erstes Beispiel für diese neue Art des Naturschutzes war der Verbindungskorridor zwischen dem Hainich und dem Thüringer Wald. Dieser basiert auf dem Wildkatzenwegeplan, einem 20.000 km umfassenden Waldbiotopvernetzungskonzept für Deutschland. Der Wildkatzenwegeplan entstand, als man - basierenden auf radiotelemetrischen Analysen des Wildkatzenverhaltens - das Verfahren der Cost-Distance-Analyse angewendet hat auf das potentielle Wanderverhalten von Wildkatzen zwischen deren bestehenden aktuellen und potentiellen Lebensräumen. Das Ergebnis war ein Biotopnetz, das nun deutschlandweit durch den BUND und dessen Partner umgesetzt wird.

Das Schicksal der Wildkatzen steht stellvertretend für viele andere Tierarten in unseren Wäldern: Noch vor 150 Jahren waren Wildkatzen in Deutschland weit verbreitet. Seitdem haben die Bestände kontinuierlich abgenommen. Heute leben deutschlandweit nur noch ca. 5000 Wildkatzen in teilweise stark voneinander isolierten Vorkommen. Die Wildkatze ist ein Waldbewohner, der die ausgeräumte Landschaft meidet und sehr sensibel auf die Fragmentierung von Waldlebensräumen reagiert. Doch ihr ursprünglicher Lebensraum verschwindet langsam. Große naturnahe, strukturreiche Laubmischwälder, die nicht durch Straßen oder Landwirtschaft zerschnitten sind, werden weniger und dadurch schwindet auch der Lebensraum der Wildkatze. Deshalb ist sie inzwischen vom Aussterben bedroht. Dies ist eine Bedrohung, die auch andere, eng an den Wald gebundene Arten erfahren. Eine Vernetzung der noch vorhandenen Waldlebensräume würde den dort lebenden Arten eine Chance wieder geben zwischen ihren typischen Lebensräumen zu wandern. Durch die Umsetzung des bundesweiten Wildkatzenwegeplanes soll Stück für Stück ein länderübergreifender Biotopverbund entstehen. Bereits besiedelte Gebiete und bestehende Wildkatzenpopulationen, sowie geeignete aber noch unbesiedelte Gebiete sollen miteinander vernetzt werden. Hier setzt der BUND an.

Durch Genanalysen die auf Lockstockuntersuchungen basieren kann man Wildkatzenvorkommen nachweisen. Im Rahmen des „Rettungsnetz für die Wildkatze“werden parallel zu den entstehenden Biotopkorridoren Lockstöcke zur Evaluierung des Erfolgs – d.h. der Annahme der Korridore durch Wildkatzen – gesetzt und die erhaltenen Haare im Labor genetisch untersucht. In den letzten Jahren wurden in Deutschland immer wieder einzelne Wildkatzen in Gebieten nachgewiesen, die früher als unbesiedelt eingestuft wurden. Diese ersten Ergebnisse deuten auf eine natürliche Wiederausbreitungsdynamik der Wildkatze hin.
Als einer der ersten Wildkatzenkorridore entstand ein Biotopverbund zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Thüringer Wald mit einer Länge von 20 km. Er wurde mit Flächen, welche durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zur Verfügung standen und durch Flurneuordnungsverfahren realisiert.
Auch andere Korridorprojekte wurden bereits umgesetzt: In Niedersachsen, Baden-Würtemberg und Rheinland-Pfalz. Weitere sind in Planung.
Den Erfolg unseres Projektes messen wir an 2 Indikatoren: Der voranschreitenden Umsetzung des Wildkatzenwegeplans in konkrete Biotopverbundkorridore und dem genetischen Nachweis von Wanderbewegungen von Wildkatzen entlang dieser Korridore. Perspektivisch können mit den dadurch gewonnenen Daten Populationsanalysen für ganz Deutschland erfolgen.

Beitrag zu biologischen Vielfalt
Ausgangspunkt des Wegeplans ist die Wildkatze, wobei das Projekt noch viel mehr beinhaltet. Das Vorkommen der Zielart Wildkatze ist ein Indikator für naturnahe Waldlebensräume. Diese Lebensräume haben eine hohe Bedeutung auch für andere Tierarten wie Rotwild, Dachs, Schwarzstorch und Fledermaus. Die Wildkatze ist damit nur eine von vielen Arten die durch die Vernetzung der Wälder in ihrem Fortbestand unterstützt wird.
Ziel des BUND-Projektes „Ein Rettungsnetz für die Wildkatze“ ist, ein durchgängiges Waldsystem von 20.000 Kilometern Länge zu schaffen und dadurch den vom Bundesnaturschutzgesetz geforderten Biotopverbund auf 10 Prozent der Gesamtfläche zu verwirklichen.

Das Thema biologische Vielfalt steht in diesem Projekt an zentraler Stelle. Durch Broschüren, unsere Internetseiten www.wildkatze.info, http://www.bund.net/themen_und_projekte/wildkatze_netze_des_lebens/ und durch Umweltbildungsveranstaltungen lenken wir das Augenmerk auf die Bedrohung, der sich Waldarten in einer intensiv genutzten und stark zerschnittenen Landschaft wie Deutschland gegenüber sehen.

Das Projekt wurde bis 10/2017 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

s.o.


Bild 1
Bild 2

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Bild 4

Dokumente

Wildkatzenfamilie copyright:Thomas Stephan

Antrag ausführlich

 

Besuchen Sie uns

Wildkatzendorf Hütscheroda

Schlosstraße 4
99820 Hütscheroda

Öffnungszeiten: Hauptsaison (30.03.-31.10.) täglich 09.00 - 18.00 Uhr Nebensaison (01.11.-29.03.) Sa, So und Feiertage 10.00 - 16.00 Uhr

Frau Claudia Wilhelm
Tel.:036254 / 86 51 80
info@wildkatzendorf.de
http://www.wildkatzendorf.de

 

Weitere Infos

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Hütscheroda

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