Sonderwettbewerb Soziale Natur

Freiluga – Arbeiten und Lernen in der Natur

Die Freiluga ist mit ihren 95 Jahren eine der ältesten Einrichtungen der Umweltbildung in Köln und bietet Naturerlebnisse vor der städtischen Haustür. Unter Trägerschaft der Stadt wird das 4,7 Hektar große Gelände vom Jugendhilfe Köln e.V. und der Stadt Köln in enger Zusammenarbeit mit dem Schulbiologischen Zentrum betreut und bewirtschaftet.
Das Gelände bietet sozial benachteiligten Bürgern*innen sinnstiftende Arbeit in der Natur. Es wird gärtnerisches Fachwissen vermittelt und für das Thema Natur- und Umweltschutz sensibilisiert.
Im Herzen der Anlage befindet sich das Schulbiologische Zentrum. Hier erhalten die Schüler*innen bis zur 10. Klasse Einblicke in Themenfelder Biodiversität, Gärtnern, Vollwerternährung, Natur- und Klimaschutz und vieles mehr. Das Gelände, das vielfältigen Biotopen einen Raum bietet, ist selbst Gegenstand des Lernens: ob Wiese, Wald, Teiche oder Garten, Insekten, Kleinstlebewesen oder Bienenvölker. Die Leitlinie BNE, die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung sowie Naturerfahrungen mit allen Sinnen stehen im Vordergrund des integrativen Gesamtkonzeptes.
Vor allem in Großstädten geht der Bezug zur Natur oft verloren. Daher werden die Projektteilnehmenden und die Schüler*innen motiviert, sich für den Natur- und Umweltschutz einzusetzen. Durch die Vermittlung konkreter ökologischer, aber auch kultureller und sozialer Erfahrungen in gemeinsamen Projekten werden sie in die Lage versetzt, ein Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit zu entwickeln.

Inmitten der großen Anlage arbeiten Fachkräfte gemeinsam mit Menschen, die Unterstützung beim Wiedereinstieg in den Beruf benötigen. Nicht selten sind die Projektteilnehmenden des Jugendhilfe Köln e.V. – mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit – sozial isoliert und haben das Vertrauen in ihre Fähigkeiten verloren. Die gemeinsame Arbeit in und mit der Natur bietet Raum für Begegnungen und soziales Miteinander. Gesellschaftliche Grenzen können überwunden, soziale Anbindung geschaffen und durch die Verantwortung für Pflanzen und Tiere die Arbeitstugenden wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit gestärkt werden. Über einen geregelten und strukturierten Arbeitsalltag, gemeinsame Projekte und den sozialen Austausch mit anderen wird für sie der Weg zurück in die Arbeitswelt und Gesellschaft geebnet. So gelingt es den Teilnehmenden nicht selten im Anschluss oder im Rahmen ihrer Arbeit – auch in „grünen Berufen“ – auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.

Durch die vielschichtige Arbeit und der verschiedenen Lebensräume in der großen Gartenanlage erwerben die Projektteilnehmenden eine breite Palette fachpraktischer Kenntnisse im Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenbau sowie im Gartenlandschaftsbau und werden für die Themen Klima-, Umwelt- und Naturschutz sensibilisiert. Sie übernehmen auf dem Gelände – angeleitet durch eine Fachkraft – die Garten- und Tierpflege. Das beinhaltet das Anlegen und die Pflege von Gemüsegärten und Themenbeeten (wie z.B. Kräuter-, Heilpflanzen-, Gift-, Stauden- und wildbienenfreundlichen Beeten). Dazu gehört auch die Anzucht und Einsaat von Pflanzen, die Tierpflege, kleinere Reparaturen, die auf dem Gelände anfallen (z.B. Zäune und Werkzeuge instand setzen, Reparaturen an Nistkästen, Tiergehegen, etc.), das Anlegen von Totholzhecken und die Kompostwirtschaft. All diese Tätigkeiten bilden die Grundlage für die Unterrichtung der Schulklassen in der Freiluga.

Die Schüler*innen werden von abgeordneten Biologielehrkräften in der Freiluga themenspezifisch unterrichtet, wobei die Themen sich an die Lehrpläne unterschiedlicher Schulstufen orientieren und nach Abstimmung mit den Lehrkräften ausgerichtet werden. Aufgrund der individuellen Ausgestaltung des Unterrichts werden Schulbesuche stets terminlich und inhaltlich abgestimmt. Für das Experimentieren und Mikroskopieren stehen auf dem Gelände zwei Unterrichtsräume zur Verfügung. Die Schüler*innen beobachten, erforschen und untersuchen auf dem Gelände die verschiedenen Lebensräume (z.B. Wald, Wiesen und Teiche). Sie mikroskopieren Wassertiere, beobachten Tiere und Insekten, erforschen, wie Honig entsteht oder untersuchen Kompost. Saisonbedingt ernten sie im Erntegarten und von den Bäumen Obst und Gemüse und lernen Kräuter und Heilpflanzen kennen. Dabei werden möglichst viele Sinne angesprochen. Es wird geschmeckt, gelauscht, gefühlt, beobachtet und gerochen.

Die in der Freiluga tätigen Fachkräfte arbeiten eng vernetzt zusammen. Sie profitieren voneinander und setzten sich entsprechend der Zielgruppe (Projektteilnehmende, Schüler*innen und andere Lehrkräfte) auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Thema Natur und Umweltschutz auseinander. Durch gemeinsame Arbeitsgruppen (z.B. Arbeitsgruppe Wildbienen), Projekt- und Aktionstage (Tag der offenen Tür, Stadtranderholung, Wildbienenschutz), Vorträge wie z.B. „Bedrohte Insekten – Was können wir für die Artenvielfalt tun?“ und gemeinsame Fortbildungen zu aktuellen Umweltfragen – die auch die Projektteilnehmenden wahrnehmen können – werden Synergien erzeugt und Wissen gebündelt. Die Projektteilnehmenden unterstützen die Fachkräfte bei den geplanten Projekten und Aktionen und werden im Sinne des integrativen Ansatzes aktiv, nach ihren individuellen Möglichkeiten, in Projekte eingebunden.

Sowohl für die Projektteilnehmenden als auch für die Schüler*innen schärft die Arbeit mit Tieren und Pflanzen und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensräumen das Bewusstsein für Umwelt und Natur. Besonders in Zeiten des Klimawandels möchte die Freiluga Aufklärung leisten und dazu beitragen, den Kreislauf der Natur und dessen Zusammenhänge besser zu verstehen und die Bedeutung des Erhalts der Insekten- und Pflanzenwelt zu begreifen. So sind die Leitgedanken Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Erhalt der Biodiversität, Nachhaltigkeit bewusste Ernährung und artgerechte Tierhaltung für die Arbeit hier handlungsleitend und von permanenter Präsenz. Damit ist die Freiluga ein wichtiger Ort der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und Umweltschutz.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Bei der Bepflanzung und Bewirtschaftung der Anlage werden zunehmend regionale Pflanzen und (Wild-)Kräuter (z.B. gewöhnliche Schafgarbe, wilde Malve oder Kuckucks-Lichtnelke) angepflanzt, die für die hiesigen Insekten Lebensräume und Futterquelle zugleich bieten.

Darüber hinaus werden bei allen Arbeiten auf dem Gelände regionale Materialien wie Hölzer und Steine verwendet, um das Klima zu schonen und die heimische Flora und Fauna zu fördern. Auf dem gesamten Gelände werden keine chemischen Gifte oder Düngemittel eingesetzt, stattdessen wird Kompostwirtschaft betrieben und Benjes-Hecken werden angelegt. Durch die langsame Zersetzung des toten Materials ist die Hecke Sichtschutz, Ökosystem und Nährstofflieferant in einem und bietet Insekten, Vögeln und Säugetieren neuen Lebensraum.

Die Kompostierung bietet ebenfalls ein natürliches Düngemittel für Beete. Die wertvolle Komposterde ist reich an Nährstoffen und gibt Pflanzen alles, was sie zum Gedeihen benötigen. Mit der Anlage von Komposthaufen werden in der Freiluga natürliche Ressourcen genutzt. Gleichzeitig stellt er vielen Lebewesen und Bodenorganismen neuen Lebensraum zur Verfügung.

Im Rahmen des naturnahen Gärtnerns werden Stauden erst sehr spät zurückgeschnitten, damit Käfer und andere Insekten die eingetrockneten Stängel zum Überwintern nutzen können. Die Samen in den Blütenköpfen werden über den Winter von Vögeln gefressen und bieten damit zusätzliche Nahrung.


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Besuchen Sie uns

Städtische Freiluft- und Gartenarbeitsschule

Belvederestraße 159
50933 Köln, Müngersdorf

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 7:30 - 14:00 Uhr

Frau Carmen Schmidt und Herr Nikolas Wiese
Tel.:0163984821 (JHK) 02215109610 (Schulbio)
c.schmidt@jugendhilfe-koeln.de freiluga-schulbio@stadt-koeln.de
http://www.jugendhilfe-koeln.de www.schulbio-freiluga.de www.stadt-koeln.de/artikel/05240/index.html

 

Weitere Infos

Jugendhilfe Köln e.V., Stadt Köln, Schulbiologisches Zentrum
Köln, Müngersdorf

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