Sonderwettbewerb Soziale Natur

„Gemeinsam Gärtnern unter Nachbarn“

Mehr Natur im Stadtteil erleben können, einen Ort zum Durchatmen, Verweilen, Kennenlernen und Beisammensein zu haben und darüber eigene Erfahrungen mit der Natur in der Großstadt zu machen – das ist das Ziel des Quartiersgartens.
Durch den Abriss verwahrloster, ehemaliger Wohngebäude im Stadterneuerungsgebiet Gelsenkirchen Schalke konnte im dicht bebauten Stadtteil eine neue, grüne Freifläche zur Nutzung für die Nachbarschaft geschaffen werden. Gerade im Programm Soziale Stadt Schalke ist aktive Teilhabe über soziale Grenzen hinweg ein zentrales Ziel.
Das besondere Augenmerk lag dabei auf der frühzeitigen und engen Einbindung zukünftiger Nutzergruppen mit dem Ziel von Selbstbestimmung und hoher Eigenverantwortlichkeit bei der Nutzung und der Pflege der grünen Freifläche. Auf der Basis gemeinsamer Tätigkeiten im Freien und in der Natur wächst nachbarschaftliches Miteinander und Teilhabe an der Gestaltung der eigenen Stadt wird gelebt. Die Beziehung zur Vielfältigkeit der Natur wird auch im dicht bebauten, städtischen Gefüge erlebbar.
Über mehrere Jahre wurde mit interessierten Anwohner*innen und Einrichtungen aus der unmittelbaren Nachbarschaft ein Projekt mit Pilotcharakter entwickelt.

An der Münchener Straße im stark verdichteten Stadtteil Schalke wurde am 29.09.2014 der „Quartiersgarten Münchener Straße“ eingeweiht. Unter dem Motto „Gemeinsam Gärtnern unter Nachbarn“ sind seitdem interessierte Anwohner*innen aus der unmittelbaren Nachbarschaft sowie eine Schülergruppe der Antonius-Schule auf der neu geschaffenen, städtischen Freifläche dabei zu pflanzen, zu ernten und beisammen zu sein. Sie alle waren bereits in den breit angelegten, mehrjährigen Planungsprozess intensiv eingebunden. Auf ihren Gestaltungsvorschlägen und Wünschen basiert der heutige Quartiersgarten.

Voraussetzung für die Schaffung dieser neuen, grünen Freifläche war der Erwerb der ehemaligen Wohngebäude Münchener Str. 44 und 46 in 2012 sowie ihr Abriss 2013 durch die Stadt Gelsenkirchen. Seit langer Zeit standen die Gebäude leer, verwahrlosten zunehmend und prägten negativ die Nachbarschaft.

Neben der Beseitigung städtebaulicher Missstände, war ein besonderes Ziel im Rahmen des Programms Soziale Stadt Gelsenkirchen Schalke eine freiraumorientierte Nachnutzung der Flächen – nicht Neubau nach Abriss, sondern mehr grüner, gemeinsam mit der Anwohnerschaft gestalteter und genutzter Freiraum im hoch verdichteten Stadtteil Schalke.

Um dies zu ermöglichen fand eine sehr frühzeitige, engmaschige Einbindung der Nachbarschaft und naher Einrichtungen statt. Das Stadtteilbüro Schalke lud interessierte Anwohnerinnen und Anwohner, Eigentümer*innen sowie Akteure ein am Planungsprozess teilzunehmen. Dies nutzen außer Schulen und Kitas vor allem Familien aus der Nachbarschaft.

Am 21. März 2013 fand sich die Gruppe zukünftiger Nutzer*innen das erste Mal zusammen, um Ideen und Wünsche zu entwickeln. Ziel war es eine Fläche zu gestalten, die für alle Menschen aus dem Quartier als grüner Aufenthaltsort offen ist, als Garten in seiner biologischen Vielfalt erlebbar ist und gleichzeitig für interessierte Anwohner*innen die Möglichkeit bietet gemeinsam aktiv zu gärtnern. Das beauftragte Planungsbüro BASTA, Dortmund goss anschließend die Ideen der Nachbarschaft in einen Plan für die Gestaltung des Quartiersgartens, der mit Mitteln aus dem Städtebauförderprogramm Soziale Stadt Schalke gebaut und am 29. September 2014 eingeweiht wurde.

Der so entstandene, ca. 344qm große Quartiersgarten Münchener Straße verfügt heute über einerseits Flächen und Pflanzen für alle Menschen des Quartiers mit Rasenflächen und Spielgerät für Kleinkinder, Obstbäumen und –sträuchern, Kräuterpflanzen, Sitzmöglichkeiten und einer multifunktionalen Fläche z.B. zum Boule spielen sowie andererseits Flächen für die aktiven Gärtner*innen mit zwei Hochbeeten, um auch älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung das Gärtnern zu ermöglichen und weiteren ebenerdigen Beeten zum Pflanzen von Gemüse. Im Gerätehäuschen ist eine Grundausstattung zum Gärtnern und zur Pflege des gesamten Gartens vorhanden.

Seit 2014 engagieren sich nun gemeinsam 6 Gärtnerfamilien. Außerdem ist der Quartiersgarten Treffpunkt für Menschen aus der Nachbarschaft, jung und alt, mit oder ohne Zuwanderungs-geschichte. Denn der Quartiersgarten ist für jede Bürgerin und jeden Bürger grundsätzlich offen.
Im Quartiersgarten werden Antworten auf einfache Fragen gefunden: Wofür brauchen wir Insekten und Bienen? Woher kommt mein Obst und Gemüse? Was passiert, wenn es weniger regnet und sich die Hitze auf unseren städtischen Flächen staut? All dies ist direkt für jeden nachvollziebar. So können Eltern mit ihren Kindern beispielsweise die im Spätsommer reifen Äpfel pflücken und damit einen Kuchen backen.

Ein Schild mit gemeinsam entwickelten Verhaltensregeln gibt Orientierung bei der Nutzung des Gartens, denn die Gemüsebeete sind den aktiven Gärtnern vorbehalten, die dort selbst anpflanzen und auch ernten. Sie sind es auch, die außerdem ein Auge auf den Quartiersgarten haben, die sich bereit erklärt haben das Tor morgens auf und abends abzuschließen, den Rasen zu mähen und ein wenig für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen.

Für das Stadterneuerungsprogramm Gelsenkirchen Schalke hat diese Maßnahme Pilotcharakter und entwickelte sich im Rahmen des Themas „urban gardening“ als stadtweit gutes Beispiel städtischen Gärtnerns.
Das Projekt trägt in hohem Maße zur sozialen Stabilisierung im Kleinquartier bei. Anwohner*innen übernehmen Verantwortung nicht nur für eine öffentlich nutzbare Fläche, sondern füreinander. Gemeinsam wird das Gartenjahr geplant, organisiert und gelebt. Auch wenn der Großteil der aktiven Nachbarn von Beginn an dabei ist, müssen stets auch neue Mitstreiter*innen ins gemeinsame Projekt integriert werden. Nicht nur schöne Stunden werden geteilt, sondern es müssen auch Konflikte ausgetragen und Kompromisse gefunden werden.

Im Sommer 2019 wurde gemeinsam das 5-jährige Bestehen des Quartiersgartens gefeiert und der Garten bekam noch ein von der Gelsenkirchener Künstlerin Claudia Lüke gestaltetes Einganszeichen, finanziert aus Mitteln des Quartiersfonds Schalke – auf Initiative der Gärtnerfamilien.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Mit dem Projekt Quartiersgarten Münchener Straße ist es gelungen, dass wieder ein neues Stück gestalteter Natur in den dicht bebauten und versiegelten Stadtteil eingezogen ist.
Die aktive Teilhabe an der naturnahen Pflege und Gestaltung des Gartens ermöglicht es trotz aller Urbanität in Gelsenkirchen Schalke, dass die Natur vor der Haustür erlebbar ist.
Die Ursprünge unserer Nahrung, das Entstehen von Leben im Kleinen sowie die Zusammenhänge in der Natur werden unmittelbar nachvollziehbar.
Der Quartiersgarten als grüne Insel mit biologischer Vielfalt ist außerdem im urbanen Stadtteil Gelsenkirchen Schalke ein kleiner Baustein für mehr Klimaresilienz.


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Besuchen Sie uns

Gelsenkirchen Schalke, Quartiersgarten Münchener Straße 48

Luitpoldstr. 50
45881 Gelsenkirchen

Öffnungszeiten: Dienstag 10-12 Uhr, Donnerstag 16-18 Uhr, nach Vereinbarung

Frau Gisela Sichelschmidt
Tel.:0209 / 40 85 87 66
gisela.sichelschmidt@gelsenkirchen.de
https://www.gelsenkirchen.de/de/infrastruktur/stadtplanung/stadterneuerung_gelsenkirchen/

 

Weitere Infos

Stadt Gelsenkirchen, Stadtteilbüro Schalke
Gelsenkirchen

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