Blühende Wiesen und Magerrasen – ein Eldorado für Insekten

Seit fast 40 Jahren pflegt die BUND-Kreisgruppe Braunschweig ehrenamtlich u. a. 15 Feuchtwiesen, Kalk- und Sandmagerrasen sowie einen Salzgraben in der Region Braunschweig. Die Flächen sind z. T. im öffentlichen Besitz, z. T. in Privateigentum. Einige Flächen hat der BUND gepachtet. Durch jährliche Mahd und Abtragen des Mähguts im Herbst bzw. Winter wird langfristig die Blütenvielfalt nachhaltig gefördert und somit für eine Nahrungsgrundlage für Insekten gesorgt. In der Regel werden die Flächen mit einem Balkenmäher oder in Hanglagen mit Freischneidern schonend gemäht. Um eine Bodenverdichtung durch Befahren zu vermeiden, wird das Mähgut per Hand mit Harken und Forken abgetragen. Insgesamt werden so ca. 28 ha von Ehrenamtlichen gepflegt. Zwei der Flächen werden aufgrund ihrer Größe in Kooperation mit einer Landwirtin gemäht. Um auch hier einen optimalen Nährstoffentzug zu gewährleisten, wird zusätzlich noch Restmähgut per Hand abgetragen. In einigen Biotopen werden gezielt Maßnahmen zur Förderung von Wildbienen durchgeführt, z. B. indem Abbruchkanten erhalten werden. Weitere Kooperationspartner sind der Heimat- und Verkehrsverein Asse, FEMO und die Braunschweiger Bürgerstiftung. Die Stadt Braunschweig sowie die Landkreise Wolfenbüttel und Peine fördern die Tätigkeit des BUND Braunschweig. Durch Exkursionen, aber auch durch gemeinsame Pflegeeinsätze mit Firmen, werden die Betreuungsflächen der Öffentlichkeit vorgestellt und neue Zielgruppen aktiv eingebunden.

Der BUND Braunschweig betreut in Braunschweig und den benachbarten Landkreisen Wolfenbüttel, Peine und Helmstedt insgesamt 20 Biotope, darunter 15 Orchideen-Feuchtwiesen und Kalk- bzw. Sandmagerrasen. Diese Biotoptypen zeichnen sich durch ihre in der Region einzigartig hohe Artenvielfalt an Pflanzen, aber auch Insekten aus. Um die biologische Vielfalt auf diesen Flächen zu erhalten, führt der BUND wöchentlich Pflegemaßnahmen mit bis zu 20 Ehrenamtlichen durch. In der Vegetationsperiode werden die Biotope darüber hinaus regelmäßig aufgesucht, beobachtet und an einigen Standorten die Orchideenzahlen erfasst. Für all diese Biotope ist es von entscheidender Wichtigkeit, Nährstoffe durch die Pflege zu entziehen, um die oft konkurrenzschwächeren und seltenen Pflanzenarten zu erhalten und zu fördern.
Einer der wichtigsten Biotope, die der BUND seit 1980- betreut, ist die Sandbeekswiese bei Schapen. Diese über die Region hinaus bekannte Wiese ist Teil eines FFH-Gebiets und wurde in einem aktuellen Gutachten (Kaiser, 2018) in den Erhaltungszustand A eingestuft. Auf dieser Pfeifengraswiese wachsen etwa 35 Rote-Liste-Pflanzenarten (neben 5 Orchideenarten Teufelsabbiss, Hain-Wachtelweizen, Nordisches Labkraut, Kümmelblatt-Silge...), zudem wurden 17 Tagfalterarten kartiert. Die Pflegetätigkeiten des BUND umfassen, die Wiese für die Mahd vorzubereiten, d. h. um die Weidenbüsche herum zu mähen, nach der Heuernte per Hand nachzuharken, um die Aushagerung zu optimieren, sowie zusätzliche Pflegemaßnahmen zur Förderung spezieller Pflanzen wie der Sumpfwurz außerdem der umfangreiche Rückschnitt der Weidenbüsche und Waldränder. Insgesamt werden jährlich etwa 1500 Ehrenamtsstunden aufgewendet. Zur Orchideenblüte findet jedes Jahr eine öffentliche Exkursion statt, auch um für den Schutz von artenreichen Wiese zu werben.
Ein weiteres Beispiel für die Pflege einer Orchideen-Feuchtwiese ist die Beberwiese in Braunschweig-Wenden. Seitdem die BUND-Kreisgruppe 1985 die Pflege übernommen hat, wurde das dort wachsende Breitblättrige Knabenkraut als Indikator für den Zustand der Wiese fast jedes Jahr zur Blütezeit gezählt. Von 14 Exemplaren in 1985 stieg die Zahl bis zum Jahr 2009 auf 2500 an und schwankt jetzt um diesen Wert. Diese Wiese wird mit einem Balkenmäher gemäht und das Mähgut abgeharkt. Ein Landwirt verwendet das Mähgut als Zufutter für seine Heckrinder
Ein besonderer Sandmagerrasen im Norden Braunschweigs ist die Silbergrasflur. Die Pflegemaßnahmen des BUND umfassen neben der jährlichen Herbst- bzw. Wintermahd auch das Grubbern von Teilflächen. Durch das Grubbern wird der Pioniercharakter des Sandmagerrasen aufrechterhalten. Um zu vermeiden, dass sich das Landreitgras ausbreitet, wird es durch Jäten zurückgedrängt. Ein Pflegeerfolg des BUND ist hier z. B. die erneute Ausbreitung der Sand-Strohblume, die zu Beginn der Tätigkeit des BUND auf nur noch einem m² wuchs. Inzwischen hat sie sich wieder über die gesamte Fläche ausgebreitet. Hervorzuheben sind neben diversen seltenen Pflanzenarten auch das Vorkommen von Blauflügeligen Ödlandschrecken, Dünen-Sandlaufkäfern und vielen Falterarten (Bläulinge, Grünwidderchen...). Von besonderer Bedeutung für die biologische Vielfalt sind hier auch seltene Pilzarten wie zwei Erdzungenarten und der Stielbovist. Um auf anderen Sandmagerrasenflächen in Braunschweig die Artenvielfalt zu fördern, wurde auf der Silbergrasflur durch den BUND bereits mehrfach Saatgut z. B. von Silbergras, Grasnelke und Berg-Sandglöckchen sowie Mähgut für die Mähgutaussaat gewonnen und in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde der Stadt Braunschweig auf anderen Flächen ausgebracht. In den letzten Jahren wurden mehrere öffentliche Exkursionen zur Silbergrasflur durchgeführt, um für die Besonderheiten des doch eher kargen , aber für seine Biodiversität wertvollen Biotops, zu begeistern.
Als letztes Beispiel sei der Kalkmagerrasen am Ösel genannt. Die BUND-Biotoppflegegruppe ist hier etwa 10 Mal im Jahr tätig. Auch hier steht die Herbst- bzw. Wintermahd im Vordergrund. Daneben werden in den Sommermonaten Stockausschläge entfernt, um ein Verbuschen zu verhindern. Zusätzlich wurden für Wildbienen Abbruchkanten als Nistmöglichkeit angelegt, die jedes Jahr gepflegt werden, um ein erneutes Zuwachsen zu verhindern. In der Vegetationszeit steht dann auch bei jedem Pflegeeinsatz eine kleine Exkursion an, sei es zur flächenhaften Salbeiblüte, zur Spargelbohne, die hier einen der letzten 3 Standorte in Niedersachsen hat, oder zur Beobachtung der zahlreichen Schmetterlinge, beispielsweise dem Schwalbenschwanz und dem Blutströpfchen, oder Käfer wie Rüssel- oder Ölkäfer.
Seit 2013 kommen jedes Jahr Firmen auf den BUND Braunschweig zu, die mit ihrer Belegschaft einen Ehrenamtstag verbringen wollen. Diese Gruppen begleitet der BUND in seine Biotope und führt nach einer einführenden Exkursion gemeinsam Pflegemaßnahmen durch. Damit werden zwei Ziele erreicht: die Umweltbildung und die Förderung der biologischen Vielfalt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch die Pflegemaßnahmen, die die BUND Braunschweig seit fast 40 Jahren ehrenamtlich durchführt, konnte die biologische Vielfalt in vielen Biotopen gefördert werden. Ein Beispiel ist das Vorkommen des Breitblättrigen Knabenkrauts auf der Beberwiese, das zu Beginn der Tätigkeit fast verschwunden war. Diese Orchidee wird hier auch stellvertretend für andere Arten (wie der Sumpf-Dotterblume und dem Kleiner Baldrian) genannt. Auf anderen Flächen sind es die Spargelbohne oder die Sandstrohblume, die in stabilen Beständen über viele Jahre erhalten und gefördert wurden. Auf allen Flächen, die der BUND betreut, können neben seltenen Pflanzen als Grundlage für eine hohe biologische Vielfalt diverse Insektenarten beobachtet werden.
Darüber hinaus wirbt der BUND unter anderem bei seinen Exkursionen für die Förderung der biologischen Vielfalt, die jeder letztlich auch in seinem Garten oder sogar auf seinem Balkon in kleinem Maßstab durchführen kann.


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