Schaf schafft Landschaft

Mit dem durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderten Projekt „Schaf schafft Landschaft“ widmen sich die Universität Kassel, der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land und der Werra-Meißner-Kreis zusammen mit weiteren regionalen Partnern dem langfristigen Erhalt der biologischen Vielfalt in der einzigartigen Kulturlandschaft der Hotspotregion „Werratal mit Hohem Meißner und Kaufunger Wald“. In unserem Projekt wollen wir durch biotoplenkende Maßnahmen und einen gezielten Flächenverbund die naturschutzfachlichen Qualitäten der Hotspotlandschaft verbessern und zur Absicherung einer dauerhaften Landschaftspflege durch extensive Schafbeweidung beitragen. Besondere Profiteure der qualitativen Verbesserung und sukzessiven Vergrößerung ihrer Lebensräume sind die Artengemeinschaften der offenen und halboffenen Mittelgebirgslandschaften, speziell auch Insekten wie Schmetterlinge, Bienen, Spinnen, Heuschrecken, Wanzen, Zikaden und Laufkäfer. Mithilfe einer Vielzahl öffentlicher Veranstaltungen und Umweltbildungsangeboten fördern wir das Bewusstsein für diese Artenvielfalt und für ihren Beitrag zur Erhaltung unserer Ökosysteme und Lebensgrundlagen. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts bereitet die Ergebnisse und Erfahrungen für zukünftige Projekte auf. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz tragen wir wesentlich zum Erhalt des hohen Naturschutz- und Erlebniswerts der Hotspotregion bei und bedienen gleichzeitig die Ziele der Nationalen Strategie für biologische Vielfalt.

Als einer von 30 in Deutschland ausgewiesenen „Hotspots der biologischen Vielfalt“ zeichnet sich die Region „Werratal mit Hohem Meißner und Kaufunger Wald“ (Hotspot 17) durch ihre geologische und landschaftliche Vielfalt aus. Diese Voraussetzungen und traditionelle Landnutzungen haben dort zur Entstehung kulturhistorisch geprägter Lebensräume und einer ausgesprochen hohen Artenvielfalt geführt. Um diese zu sichern und weiter zu verbessern, setzt das Projekt „Schaf schafft Landschaft“ auf die Förderung der Schafbeweidung und hier insbesondere auf die Hüteschafbeweidung. Diese Beweidungsform weist in der Region eine lange Tradition auf und hat maßgeblich zur Prägung der Landschaft beigetragen. Die Sicherung und Aufwertung von Flächen für die Schäferei und damit zugleich für den Naturschutz sind zentrale Anliegen des Projekts.
Alle biotoplenkenden Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen im Projekt sind gezielt auf die langfristige Erhaltung selten gewordener Lebensräume einer nachhaltig bewirtschafteten Kulturlandschaft ausgelegt und somit per se als Grundlage für die Förderung einer hohen Biodiversität zu sehen. Dabei werden wertvolle Bereiche außerhalb der Schutzgebiete, wie magere Wiesen, Weiden, Streuobstbestände und Wegränder, in gleichem Maße bedacht, wie Magerrasen und Wacholderheiden als Schatzkästen der Artenvielfalt. Die Integration der durch Initialmaßnahmen vorbereiteten Flächen in die Beweidungskonzepte der ansässigen Schäfereien und die Wanderungen der Schafe von Weidefläche zu Weidefläche helfen bei der Vernetzung dieser Standorte.
Durch Vergrößerung bestehender Habitate und durch strukturelle Diversifizierung verbessern sich die Lebensbedingungen für Artengemeinschaften der (halb-)offenen Mittelgebirgslandschaften maßgeblich. Profiteure finden sich unter den Insekten, die in ihren Lebensraum- und Nahrungsansprüchen oft stark spezialisiert und deswegen auf die Erhaltung dieser selten gewordenen Kulturlandschaftsbiotope angewiesen sind. Beispiele aus der Projektregion sind der Quendel-Ameisenbläuling (Maculinea arion), das Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) und der Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia). Zentrales Ziel ist es, die biologische Vielfalt des Hotspots 17 flächendeckend (und nicht nur in isoliert liegenden Schutzgebieten) zu fördern.
Synergien zwischen Naturschutz, Agrarökonomie und Regionalentwicklung gestalten die initiierten Maßnahmen für die Region, aber vor allem auch für die Bewirtschaftenden tragbar – und das über die Projektlaufzeit hinaus! Dafür arbeitet das Projekt von Anfang an Hand in Hand mit den ansässigen Schäfereibetrieben, zuständigen Behörden, Verbänden, Vereinen, Flächennutzern und mit den Bewohnern des Hotspots. Durch die länderübergreifende Zusammenarbeit entstehen neue Kooperationen, die auch nach Projektende Bestand haben und neue Projekte anregen. Spezifische erlebnisorientierte Bildungsangebote stärken die Identifikation der Hotspot-Bewohner und Hotspot-Besucher mit den einzigartigen Naturschätzen dieser Region und sensibilisieren für den Zusammenhang zwischen nachhaltiger Landnutzung, biologischer Vielfalt und der davon abhängigen Funktionstüchtigkeit unserer Ökosysteme.
Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts durch die Universität Kassel verknüpft naturschutzfachliche und betriebswirtschaftliche Aspekte der Schafbeweidung und ermöglicht es, die Maßnahmen auf Erfolg zu kontrollieren, zu optimieren und die Ergebnisse und Erfahrungen nutzbringend aufzubereiten. Ein wichtiges Anliegen des Projekts ist das Schaffen von nachhaltigen Strukturen, die sich nach Projektende selbst weitertragen. Dafür ist es essenziell, die Akteure, die die Maßnahmen umsetzen und auch langfristig tragen müssen, frühzeitig in Entscheidungsprozesse einzubinden. Der ganzheitliche Ansatz des Projekts aus aktiver Landschaftspflege und Biotopvernetzung, öffentlichen Aktionen und nachhaltiger Umweltbildung, Förderung der regionalen Entwicklung, der engen kooperativen und partizipativen Vernetzung regionaler Akteure und die Umsetzung neuer Ideen unterstreicht den innovativen Kerngedanken des Projektes.
Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert und widmet sich während seiner sechsjährigen Laufzeit (Okt. 2019 – Sept. 2025) dem langfristigen Erhalt und Schutz der biologischen Vielfalt in der einzigartigen Kulturlandschaft der Hotspotregion „Werratal mit Hohem Meißner und Kaufunger Wald“. Die Projektleitung und die wissenschaftliche Begleitung übernehmen die Universität Kassel mit den Fachgebieten Landschafts- und Vegetationsökologie und Betriebswirtschaft. Projektpartner sind der Werra-Meißner-Kreis und der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land. Zur Durchführung des Projekts stellen das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit durch das Bundesamt für Naturschutz gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und der Heinz Sielmann Stiftung rund 5,7 Millionen Euro bereit.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Mit dem Schutz der biologischen Vielfalt, ihrer nachhaltigen Nutzung und der Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins für biologische Vielfalt unterstreicht unser Projekt maßgeblich die Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS).
So leistet unser Projekt einen Beitrag zum Aufbau des länderübergreifenden Systems vernetzter Biotope, zum einen durch den geschaffenen Flächenverbund und zum anderen durch den Einsatz ziehender Schafe als „Taxis der Artenvielfalt“. Durch die Förderung der Schafbeweidung wird der Flächenanteil wertvoller Agrarökosysteme als Lebensraum zahlreicher Offen- und Halboffenlandarten erhöht, darunter extensives Grünland und Streuobstwiesen.
Unser integrativer Ansatz bringt wirtschaftlichen Nutzen mit dem Schutz der Biodiversität in Einklang. Zudem fördern die aus der naturverträglichen Wirtschaftsweise der Schäferei gewonnenen und öffentlichkeitswirksam vermarkteten Produkte den nachhaltigen Konsum. Die naturnahe Erholung profitiert von der Wiederbelebung des qualitativ hochwertigen Bilds einer kleinteilig strukturierten Kulturlandschaft. Neben dem Ausbau von Konzepten zur naturverträglichen Freizeitgestaltung, sind Umweltbildungs-, Informations- und Mitmachangebote wichtige Eckpfeiler des Projekts. Gemeinsam sind diese Angebote geeignet, das gesellschaftliche Bewusstsein und die Wertschätzung für die regionaltypische biologische Vielfalt und damit auch das eigenverantwortliche Handeln zu stärken.


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Zentrale Anlaufstelle "SchafLAND17"

Niederhoner Str. 54
37269 Werra-Meißner-Kreis, Eschwege

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag zwischen 9 und 14 Uhr

Herr Christian Bringmann
Tel.:05651/992336
Info@SchafLAND17.de
http://www.SchafLAND17.de

 

Weitere Infos

Projektleitung: Universität Kassel, Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie, Prof. Dr. Gert Rosenthal, Anya Wichelhaus, Anne Hopf | Verbundpartner: FG Betriebswirtschaft (Uni Kassel), Geo-Naturpark Frau-Holle-Land, Werra-Meißner-Kreis
Werra-Meißner-Kreis, Eschwege

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