Sonderwettbewerb Soziale Natur

Miteinander engagiert im Drömling

Vielfalt in der Natur, Vielfalt bei den Menschen: Jung und Alt, Groß und Klein, Menschen mit und ohne Behinderung – es sind viele, die sich im Biosphärenreservat Drömling für den Schutz der biologischen Vielfalt engagieren. Sie tun es sehr oft gemeinsam, pflegen Biotope, pflanzen heimische Gehölze, sie imkern sogar zusammen. Hauptamtliche Mitarbeiter*innen der Schutzgebietsverwaltung und ihre ehrenamtlichen Helfer*innen arbeiten nicht nur miteinander – sie erkunden auch die biologische Vielfalt im Drömling, lernen von- und miteinander, feiern gemeinsam. Menschen mit Behinderung sind immer mittendrin und mit dabei. Das ist inzwischen für alle eine große Selbstverständlichkeit.

Inklusives Miteinander gedeiht seit nunmehr 15 Jahren. Die Verwaltung des Naturparks (seit 2019 Biosphärenreservat) begann im Jahr 2005 eine Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe "Altmark West" gGmbH, damit auch Naturinteressierte mit Behinderung mitanpacken konnten. Übers Jahr gibt es vielfältige Einsätze und Aktionen der Schutzgebietsverwaltung, an denen sich Freiwillige beteiligen können – Erwachsene ebenso wie Kinder und Jugendliche im Junior-Ranger-Programm. So kam es sehr bald auch zu Begegnungen mit den Aktiven der Lebenshilfe, zu gemeinschaftlichen Aktionen und ersten Ideen gemeinsamer Projekte.
Immer wieder in diesen 15 Jahren entstanden kleinere (Teil-)Projekte im großen Projekt der Inklusion. Mit dem Ziel, die biologische Vielfalt im Drömling zu schützen, ist jede helfende Hand in verschiedenen Bereichen willkommen. Gleichzeitig ist dies auch Bildung für nachhaltige Entwicklung: Exkursionen, Schulungen, Camps und Ausflüge zu verschiedenen Umweltthemen flankieren die ‚handfeste‘ Naturschutzarbeit. Niemand wird ausgeschlossen, auch Menschen mit geistiger Behinderung wollen und können lernen. Sie brauchen vielleicht etwas mehr Zeit und einfachere Erklärungen, etwas mehr Ruhe dazu und die Möglichkeit, ihre vielen Fragen loszuwerden. Doch dieses offene, herzliche Miteinander tut allen Seiten gut. Und wenn dazu noch gemeinsam gefeiert, gekocht, gebacken, gesungen, getanzt wird, ist der Zusammenhalt besonders intensiv spürbar. Perfekte Stunden für neue Ideen und gemeinsame Pläne.
Eine dieser Ideen kam von Engagierten der Lebenshilfe und wirkte sofort ansteckend: „Mal etwas über Bienen erfahren“, so hieß der Wunsch zunächst. An einem Informations- und Aktionstag nahmen 52 Interessierte teil, Kinder und Eltern, andere Erwachsene. Ob dabei jemand eine Behinderung hat oder nicht, das spielt für die Biosphärenreservatsverwaltung im Prinzip keine Rolle mehr. Alles ist darauf angelegt, dass es inklusiv durchgeführt werden kann. So auch in diesem Projekt: Wer darauf brannte, noch mehr zu erfahren über Aufzucht, Pflege und Nutzen von Honigbienen, erhielt die Chance dazu. 18 Interessierte, Groß und Klein, machten das Thema in den folgenden Monaten zur intensiven Freizeitbeschäftigung: Ein Imkermeister konnte gewonnen werden, der auf sehr anschauliche und leicht verständliche Weise in einem Lehrgang sein Wissen weitergab. Die 18 ehrenamtlichen „Lehrlinge“ blieben mit sichtlicher Freude, Wissbegier und Ausdauer am Ball: Fast ein Jahr dauerte der Lehrgang insgesamt. Nicht nur die neuen Kenntnisse und Fähigkeiten waren Lohn dafür, sondern – gerade auch bei den Teilnehmern mit geistiger Behinderung – ein spürbarer Zuwachs an Selbstvertrauen. Gespannt warten alle gemeinsam auf das neue Bienenjahr und bereits jetzt beschäftigen sich alle gemeinsam auch damit, wie früher geimkert wurde. Mit Bienenkorb, Klotzbeuten und modernen Beuten von heute will die Gruppe jetzt herausfinden, welche Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten es für die Bienen und die Imker gibt. Hier kommen auch wieder handwerkliche Tätigkeiten mit ins Spiel: Bienenkörbe reparieren, Baumstämme aushöhlen usw. Und auch hier findet jeder seine Fähigkeiten, Fertigkeiten und vor allem Spaß, gemeinsam etwas zu schaffen.

Wie geht es weiter? Die Ideen für ein naturschutzengagiertes Miteinander werden nicht ausgehen. Neue Partner kommen hinzu, wie seit 2018 die Lebenshilfe Wolfsburg und die evangelische Stiftung Neinstedt. Auch überregional werden Partnerschaften gebildet und Netzwerke genutzt. So besteht seit sehr vielen Jahren eine intensive Zusammenarbeit mit dem Dachverband der Nationalen Naturlandschaften, zu denen das Biosphärenreservat Drömling gehört. Die Freiwilligenaktionen und -projekte im Drömling, an denen Menschen mit Behinderung beteiligt sind, stehen unter dem Motto „Ungehindert engagiert“, mit dem der Nationale Naturlandschaften e.V. (bis 2019 EUROPARC Deutschland e.V.) inklusives Naturschutzengagement in Biosphärenreservaten, National- und Naturparks bundesweit unterstützt und damit selbst auch zu den ausgezeichneten UN-Dekadeprojekten mit dem Schwerpunkt „Soziale Natur“ gehört.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Eine Vielzahl an gefährdeten Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten kann durch menschlichen Einsatz, insbesondere durch Mithilfe zahlreicher Freiwilliger, geschützt werden. Interessierte Menschen, auch wenn sie kognitive Beeinträchtigungen haben, sind sehr gut in der Lage mitzuhelfen. Ihre Begeisterung kann sehr ansteckend sein: Damit werden sie auch zu Multiplikator*innen und Botschafter*innen für die biologische Vielfalt.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

 

Besuchen Sie uns

Biosphärenreservatsverwaltung Drömling

Bahnhofstr. 32
39646 Oebisfelde

Öffnungszeiten: nach Absprache

Frau Sabine Wieter
Tel.:039002-85011
sabine.wieter@droemling.mule.sachsen-anhalt.de
http://.biosphaerenreservat-droemling.de

 

Weitere Infos

Biosphärenreservatsverwaltung Drömling Sachsen-Anhalt
Oebisfelde

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld