Biodiversität und Klimawandel in der Stadt

Der Verlust der globalen Artenvielfalt und die Klimakrise beunruhigen weite Teile der Münchner Bevölkerung zunehmend. Gleichzeitig herrscht oft Ratlosigkeit, wie man als Einzelperson im eigenen Lebensumfeld wirksam gegensteuern kann. Das Projekt Biodiversität und Klimawandel will jede und jeden ermächtigen, lokal einen positiven Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Schutz des Klimas zu leisten. Dabei konzentrieren wir uns auf drei Handlungsfelder: Die Stärkung des Biotopverbunds und die Pflege von Biotopflächen, den Erhalt stadttypischer, gebäudebewohnender Tierarten, und die Förderung der Artenvielfalt im privaten Grün, also im Garten und auf dem Balkon. Für die Stärkung des Biotopverbunds arbeiten wir, unterstützt von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, eng mit den Behörden und Flächeneignern zusammen. Für den Schutz der Gebäudebrüter haben wir ein umfassendes Beratungsangebot für Bauherren und Architekten, das zeigt, wie Klimaschutz durch moderne Baustandards mit dem Schutz gebäudebewohnender Tierarten in Einklang gebracht werden kann. Für die Aufwertung von Privatflächen entwickeln wir Handreichungen und Broschüren für naturnahes Gärtnern, die einfach auch auf kleinem Raum realisiert werden können. Einige dieser Naturgarten-Bausteine setzen wir ge-meinsam mit interessierten Akteuren, z.B. Schulen oder Kindertagesstätten praktisch um. All diese Aktivitäten dienen dem Erhalt der urbanen Artenvielfalt und dem Schutz des Klimas und sind zum Nachahmen geeignet.

Das Projekt ‚Biodiversität und Klimawandel‘ wird seit 2014 von der Landeshauptstadt München gefördert und adressiert mit wechselndem Schwerpunkt die Themenfelder Biotopschutz und Biotopverbund in der Stadt, Artenschutz am Gebäude und biologische Vielfalt im privaten Grünraum (Garten, Balkon). Die einzelnen Module bauen dabei auf die Tätigkeiten der vorangegangenen Durchführungsjahre auf. Für 2020 wurden drei Schwerpunktfelder definiert:
Wildblumenwiesen
München ist mit 49 Einwohnern pro ha Stadtfläche die derzeit am dichtesten besiedelte Großstadt Deutschlands. Grünflächen stehen unter einem sich stetig verstärkenden Nutzungsdruck und ge-winnen gleichzeitig an Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität. Die Umgestaltung von Rasenflächen zu Wildblumenwiesen hat dabei ein hohes Potential, die urbane Artenvielfalt zu fördern. Eigentümer von Grünflächen schrecken jedoch oft vor der Anlage einer Wildblumenwiese zurück, sei es aus Unwissenheit über das ökologische Potential, sei es aus Mangel an Kenntnis über die richtige Praxis bei Anlage und Pflege, und über die Bezugsquellen von Saatgut. In einer Fachtagung stellen wir Eigentümern und Verwaltern von Wohnbaugesellschaften und -genossenschaften die Thematik praxisnah vor. Als Tagungsband wird eine emotional ansprechende Broschüre entwickelt, die zugleich als Handlungsleitfaden für die Anlage, Pflege und Betreuung von Wildblumenwiesen dienen, sowie Vorschläge zur Akzeptanzförderung in der Nachbarschaft machen wird. Für kleinere Flächen in Privatgärten wird die Serie unserer „Naturgarten-Bausteine“ um eine weitere Handreichung erweitert, die Anlage und Pflege einer Wildblumenwiese auf die Belange von Gartenbesitzern abgestimmt in kompakter Form darstellt.
Ökologisches Gärtnern
Privaten Grünflächen, ebenso wie begrünten Balkonen, Terrassen, Fensterbänken und Flachdächern kommt im hochverdichteten München eine zunehmend wichtige ökologische Funktion zu: Sie fungieren als grüne Inseln, die nunmehr einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der städtischen Artenvielfalt leisten müssen. Ein Schwerpunkt dieses Projekts ist daher von Beginn an die ökologi-sche Aufwertung von privatem Grünraum und die Vermittlung von nachhaltigen Gartenpraktiken: Die Themen Gärtnern ohne Torf, aber auch insektenfreundliche Bepflanzungen, Nisthilfen für Vögel und Wildbienen, Quartiere für Fledermäuse, Igel und andere Tiere stoßen auf großes Interesse, und der Beratungsbedarf ist nach wie vor hoch. Gleichzeitig ist vielen Menschen nicht bewusst, dass ökologische Gartenpraktiken durch einen reduzierten Pflege- und Stoffeinsatz (Dünger, Pflanzenschutz, Treibstoff) ressourcensparender als eine vergleichbare Rasenfläche ist und Potenzial zur Einsparung von CO2-Emissionen hat. Auf verschiedenen Veranstaltungen und in verschiedenen Formaten vermitteln wir Informationen hierzu und geben Anregungen zur Umsetzung eigener Projekte. Kindertagesstätten, Schulen und ähnliche Einrichtungen unterstützen wir mit Tipps, Beratung oder Hilfe bei der aktiven Umsetzung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen.
Artenschutz an Gebäuden
Gebäude haben einen wesentlichen Anteil am Gesamtenergiebedarf und an den Treibhausgasemissionen in Deutschland. Energetische Sanierungen im Altbaubestand gelten als ein Schlüsselelement bei der Reduktion von CO2- Emissionen im Gebäudesektor. Nistplätze von Gebäudebrütern fallen dabei oft dem Klimaschutz zum Opfer. Dieser Konflikt zwischen Artenschutz und Klimaschutz ist jedoch vermeidbar. Deshalb beraten wir Bauherren und Architekten, wie spezielle Quartiersteine in die Fassaden oder Ersatzquartiere in den Dachbereich integriert werden können. So tragen auch energetisch modernisierte Gebäude dazu bei, den Lebensraum für Gebäudebrüter und Fledermäuse und damit die Artenvielfalt in der Stadt zu erhalten. Beratungen für vollgedämmte Neubauten sind ebenso wichtig, denn auch hier sollen Brutplätze für Gebäudebrüter integriert werden. Dieser Projektteil wird bereits mit guten Erfolgen seit 2014 durchgeführt und bleibt aufgrund der weiterhin hohen Bau- und Sanierungstätigkeiten hochaktuell. Der Beratungsbedarf ist nach wie vor hoch und das Thema bei den Bauherren und Planern meist noch nicht sehr präsent. Gleichzeitig genießen die betroffenen Vogelarten wie Mauersegler und Haussperling hohe Sympa-thiewerte und transportieren das Anliegen, auch im urbanen Raum die biologische Vielfalt zu erhalten in besonders wirksamer Weise.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Artenvielfalt erwarten die meisten Menschen in entlegenen Weltgegenden. Der Schutz der biologischen Vielfalt wird daher oft nicht mit Maßnahmen im eigenen Lebensumfeld in Verbindung ge-bracht. Auch die Auswirkungen des Klimawandels werden meist in entfernten Weltgegenden erwartet und nicht im eigenen Umfeld. Unser Projekt zeigt die enge Verknüpfung zwischen dem Schutz der biologischen Vielfalt und dem Klimawandel auf. Am Beispiel Gärtnern ohne Torf wird deutlich, wie die einfache Umstellung unserer Gartenpraxis Moore als Lebensraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten schützt und gleichzeitig ein Beitrag zum Klimaschutz ist, da im Torfkörper große Mengen CO2 gebunden sind. Der Artenschutz an Gebäuden zeigt, dass technischer Klima-schutz durch moderne Gebäudestandards nicht zulasten der biologischen Vielfalt gehen muss, da mit geeigneten Methoden auch energetisch effiziente Gebäude als Lebensraum für Tiere erhalten werden können. Unser Projekt zeigt auf, dass auch im großstädtischen Bereich eine große Artenvielfalt existiert und vor Ort erhalten werden muss. Hierfür geben wir Tipps und Ideen an die Hand, die jede und jeder in seinem Lebensumfeld verwirklichen kann.


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