Natur.Vielfalt.Isental

Gemeinsam Lebensräume schaffen und die Artenvielfalt erhalten - das ist das vorrangige Ziel des BayernNetzNatur-Projektes „Natur.Vielfalt.Isental“. In sechs Schwerpunktgebieten im Isental im Südosten Oberbayerns werden auf einer Gesamtfläche von ca. 1.150 ha biotopverbessernde Maßnahmen durchgeführt, um bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Die Prinzipien Kooperation, Freiwilligkeit und Umweltbildung stehen dabei im Vordergrund.

Das seit 2016 laufende Projekt zielt darauf ab, den Lebensraum im Isental wieder vielfältiger und attraktiver für ehemals typische Flora und Fauna zu gestalten. In der naturschutzfachlich sehr wertvollen Region finden sich Niedermoorreste, wie etwa das Thalhamer oder Dorfener Moos. Durch die früher übliche kleinbäuerliche Nutzung entstand in diesen Gebieten ein vielfältiger Lebensraum. Artenreiche Streu- und Feuchtwiesen boten Insekten, Amphibien und Wiesenbrütern ideale Habitate. Durch den schnell voranschreitenden Landnutzungswandel sind diese Lebensräume und die damit einhergehende biologische Vielfalt allerdings stark bedroht – dem möchte das Projekt nachhaltig entgegenwirken.

Flächensicherung durch Ankauf oder Pacht verspricht langfristige Biotopverbesserung mittels landschaftspflegerischer und naturschutzfachlicher Maßnahmen. Aber auch über die Einverständniserklärung von Eigentümern z.B. brachgefallener Wiesen können wir solche Bereiche wiederherstellen und im Idealfall über das Vertragsnaturschutzprogramm einer dauerhaften extensiven Pflege unterziehen. Die Anlage von Flachmulden, sog. Seigen, schafft Habitate für die stark gefährdete Sumpf-Heidelibelle und den Teichmolch und locken Kiebitz und Bekassine an. Grabenaufweitungen verwandeln rein funktionelle Strukturen in einen strukturreichen, feuchten Lebensraum. Durch Gehölzpflege an geeigneten Stellen und ein extensives Mahdregime werden wieder Streu- und Feuchtwiesen etabliert und somit das Leitbild der Region erhalten. Die dort typische Pflanzenvielfalt mit Kuckucks-Lichtnelke, Schlangen-Knöterich, Teufelsabbiss und Co. kann sich wieder voll entfalten und bietet die Lebensgrundlage für Insekten, wie Langflüglige Schwertschrecke, Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Sumpf-Heidelibelle und Mädesüß-Perlmuttfalter. Insgesamt konnten solche Maßnahmen auf bisher knapp 18 Hektar umgesetzt werden. Um die Entwicklungen der Flora und Fauna objektiv zu beurteilen, wurden zu Projektbeginn Kartierungen durchgeführt und können mit den Daten, die in der diesjährig geplanten Erfolgskontrolle gesammelt werden, verglichen werden.

Für all diese Arbeiten ist uns eine enge Zusammenarbeit mit den Landnutzern überaus wichtig. Unser Prinzip ist es, nicht in Konkurrenz zu den verschiedenen Interessensgruppen wie Landwirten oder Jägern zu treten, sondern miteinander nachhaltigen Naturschutz im Isental zu etablieren. Das Prinzip der Freiwilligkeit steht bei uns an oberster Stelle. Durch eine hohe Präsenz in der Öffentlichkeit und durch gute und regelmäßige Kommunikation mit den Landnutzern kommen mittlerweile Flächeneigentümer vertrauensvoll auf uns zu mit der Frage, was man zusammen für die Natur tun könne. Dass enge Zusammenarbeit auf allen Ebenen höchst zielführend ist, beweist zudem ein Kooperationsprojekt zwischen uns, Landesbund für Vogelschutz, Landschaftspflegeverband und Bayerischem Bauernverband, mit dem wir flächendeckenden und koordinierten Gelegeschutz für den Kiebitz im Landkreis Mühldorf gewährleisten können. Auch bei unseren anderen Arbeiten stehen wir mit den Verbänden und der Unteren Naturschutzbehörde in engstem Kontakt.

Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung sind wichtige Bestandteile unseres Erfolgsrezeptes. Regelmäßige Infoabende, Flyer und Broschüren geben der Bevölkerung anschaulich und attraktiv wichtige Infos zu sensiblen Themen in unserem Projekt. In unseren Exkursionen, VHS-Kursen und Projekttagen mit Kindergärten und Schulen sind Kinder wie Erwachsene hoch interessiert und meist erstaunt, welch große Biodiversität es vor unserer Haustüre zu erhalten gilt. Beim Bau eines Insektenhotels oder gemeinsamen Pflanzaktionen erleben die Kinder die Natur hautnah und lernen, welche Verantwortung wir alle für die biologische Vielfalt innehaben. Bei Exkursionen in unsere Schwerpunktgebiete, bei denen interessantes und wertvolles Wissen über Flora und Fauna im Gebiet weiter gegeben wird oder bei einem naturkundlichen Fotoworkshop, bei dem das eben Gelernte vor die Linse gebracht werden kann, behalten die Teilnehmer das Erzählte lange in Erinnerung und sehen die heimische Natur oft mit anderen Augen.

Das Projekt Natur.Vielfalt.Isental wird durch eine Trägergemeinschaft, bestehend aus der Wildland-Stiftung und fünf Gemeinden, getragen. Zwei Projektmanager in Teilzeit betreuen die Aufgabenfelder und Tätigkeiten vor Ort. Anfangs auf fünf Jahre ausgelegt, wird nun – nach vier Jahren – deutlich, dass eine Verlängerung notwendig ist. Die intensive Öffentlichkeitsarbeit und die vorbildhaften Naturschutzmaßnahmen von Natur.Vielfalt.Isental haben die Kooperationsbereitschaft der Landnutzer stark erhöht und das Projekt nimmt von dieser Seite mehr und mehr an Fahrt auf. Ein Verlängerungsantrag für weitere drei Jahre wurde daher zu unserer großen Freude vom Bayerischen Naturschutzfonds genehmigt. Somit ist es den Projektmanagern möglich, noch viele weitere wichtige Maßnahmen für die langfristige Sicherung der biologischen Vielfalt umzusetzen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Ökosystem- und Artenvielfalt stehen in unserem Projekt im Fokus. Indem wir selten gewordene Lebensräume und belebte Ökosysteme gemeinsam wiederherstellen und langfristig sichern, möchten wir einen essentiellen Beitrag zur Etablierung des Biotopverbundes und somit zur Sicherung der Artenvielfalt leisten.
Dass unsere extensiv bewirtschafteten Wiesen mit ihren angelegten Seigen im Isental ein wahres Paradies der Artenvielfalt sind, können die stiftungseigenen Flächen beweisen. Allein 20 Libellenarten konnten dort nachgewiesen werden, fünf davon werden derzeit auf der Roten Liste Bayern geführt. Aber nicht nur für Kleine Pechlibelle, Torf-Mosaikjungfer, Gefleckte Smaragd-Libelle, Südlicher Blaupfeil und die vom Aussterben bedrohte Sumpf-Heidelibelle konnten wir ideale Habitate nachhaltig etablieren und sichern, auch 18 Schmetterlingsarten fühlen sich auf den Flächen wohl. Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Mädesüß-Perlmuttfalter sowie Kurzschwänziger Bläuling sind besonders hervorzuheben. Solch vielfältige Ökosysteme locken auch Wiesenbrüter wie Kiebitz und Bekassine an. Unser Ziel ist es, diese Systeme nachhaltig wieder in ein stabiles Gleichgewicht zu überführen. Das Projekt wirkt dem heutigen intensiven Druck auf Lebensräume selten gewordener Flora und Fauna entgegen und sensibilisiert die Öffentlichkeit für die Biodiversität als Lebensgrundlage des Menschen und unsere Verantwortung für den Erhalt der biologischen Vielfalt.


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Wildland-Stiftung Außenstelle Dorfen - Christoph Schwitzke und Barbara Scholz

Unterer Marktplatz 15
84405 Dorfen

Öffnungszeiten: Mo bis Do, 9 - 15 Uhr

Herr Christoph Schwitzke
Tel.:08081 - 95 33 600
christoph.schwitzke@wildland-bayern.de
https://www.wildland-bayern.de/projekte/natur-vielfalt-isental/

 

Weitere Infos

Wildland-Stiftung Bayern (Trägergemeinschaft mit fünf Gemeinden - Lengdorf, Dorfen, Schwindegg, Obertaufkirchen, Rattenkirchen)
Dorfen

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