Brockenrenaturierung

Als im Dezember 1989 der Brocken wieder zugänglich war bot sich dem Betrachter ein erschreckendes Bild. Der höchste Berg im Mittelgebirge Harz glich einer militärischen Festung. Er war großflächig versiegelt und von einer 3,5 m hohen Betonmauer umgeben.

Dennoch war von Beginn an geplant, die Flächen des waldfreien Bergplateaus mit in den Nationalpark Hochharz zu integrieren. Daher stand fest, dass es zur vorgesehenen Renaturierung der devastierten Brockenkuppe keine Alternative geben kann.

Mit der Gründung des Nationalparks Hochharz wurde trotz massiver Nutzungsansprüche die Grundlage für den Rückbau überflüssig gewordener Gebäude sowie versiegelter und völlig devastierter Flächen geschaffen (vgl. KARSTE & SCHUBERT 1997).
So wurde bereits 1990 mit der Umsetzung der geplanten großflächigen Renaturierung begonnen. Es wurde die Brockenmauer abgebaut und der Kalkschotter entfernt. Gleichzeitig wurden 1990 Versuchsflächen angelegt um zu zeigen, dass sich nach Entsiegelung, auf ehemals betonierten Flächen, eine Bodenvegetation spontan entwickeln kann.
Nachdem die russischen Streitkräfte den Brocken 1994 verließen, konnten wir dann mit dem Abriss des Militärcamps, der Radome, alter Garagen und diverser Grenzbefestigungsanlagen beginnen (vgl. KARSTE et al 2001).
Von 53.000 m2 bebauter und versiegelter Fläche sind 2014 nur noch etwa 10.000 m2 bebaut und versiegelt.

1. Die Umsetzung des Projektes „Brockenrenaturierung“ begann 1990 und wird heute noch kontinuierlich fortgesetzt.
Es musste u.a. die Frage beantwortet werden wie kann man auf einer u.a. mit Beton versiegelte Fläche (ehemaliges Militärcamp 35 000 m2 groß) eine geschlossen Krautschicht entwickeln. Gegenüber der hier ehemals versiegelten Fläche erhöhte sich auf dem sanierten Untergrund die Artenvielfalt beträchtlich.

2. Dauerflächenuntersuchungen zeigten, dass nach Sanierung von ausgewählten Betonflächen auf der Brockenkuppe, diese innerhalb von drei Jahren zu ca. 50% mit einer Krautschicht bedeckt sein können. Immerhin 16 Pflanzenarten stellten sich spontan ein.

3. Hohe niederschlagsbedingte Nährstoffeinträge führen zur Eutrophierung eines ursprünglich oligotrophen Gebietes. Dies hat zur Folge, dass wüchsige Arten wie das Wollige Reitgras (Calamagrostis villosa) oder auch die Rasenschmiele (Deschampsia cespitosa) typische Arten der Brockenkuppe wie Calluna vulgaris oder auch Deschampsia flexuosa und die vielen Arten die sich in den Zwergstrauchheiden aufhalten zunehmend verdrängen. Die Brockenkuppe wird somit im Zuge dieser Eutrophierung artenärmer.
Dem wird durch kontinuierlichen Biomasseentzug entgegengewirkt.

4. Der Biomasseentzug erfolgt durch Mahd und Abtransport des Mähgutes, durch Beweidung mit den Roten Harzer Höhenvieh und durch Abplaggen.

5. Träger der Maßnahme ist von Beginn an der Nationalpark Harz, Partner sind der NABU/KVHZ und nicht organisierte Naturschutzfreunde, der Landschaftspflegeverband Harz e.V. und der private Brockenbauer Thieleke. Harzer aller Altersklassen sind somit an der Umsetzung beteiligt.


6. Das Brockenplateau mitten im Nationalpark Harz wurde als so genannte Managementzone ausgewiesen in der klassische Biotoppflege nicht nur gestattet, sondern laut Nationalparkplan gefordert ist. Diese Maßnahmen sind aber nur dann zielführend wenn die vielen Brockenbesucher die vegetationsbedeckten Flächen nicht betreten. Das vorhandene Wegenetz schafft den Gästen Einblicke. Dies und die Aufklärung des Publikums entlang des Weges tragen dazu bei, dass die naturschutzrelevanten Flächen nicht betreten werden.

7. Die durchgeführten Maßnahmen werden im Rahmen von regelmäßigen Brockenführungen, im Brockenfaltblatt und auf Tafeln dem Publikum erläutert. Ausgehend von etwa 750 000 Brockenbesuchern im Jahr (nicht jeder nimmt allerdings die Maßnahmen wahr) ist die Multiplikatorenwirkung dennoch sehr groß.


8. Die Biotoppflegemaßnahmen finden auf der gesamten Brockenkuppe (ca.5 ha) statt und werden durchgeführt, um über Lebensraumerhalt Arten wie die Brockenanemone (Pulsatilla alpina ssp.alba), das Brockenhabichtskraut (Hieracium nigrescens ssp. bructerum), die Starre Segge (Carex bigelowii) oder auch die Scheiden Segge (Carex vaginata) vor dem Aussterben zu bewahren. Dies ist bisher gelungen.

9. Voraussetzung für den weiteren Erfolg (Erhalt und Erhöhung der biologischen Vielfalt) ist die kontinuierliche Umsetzung der Biotoppflegemaßnahmen.

Literatur

KARSTE, G. (1997): Beobachtungen zur Populationsdynamik von Pulsatilla alba RCHB. auf der Brockenkuppe im Harz – Hercynia N. F. (Halle) 30: 273–283.

KARSTE, G. & SCHUBERT, R. (1997): Sukzessionsuntersuchungen zur Renaturierung subalpiner Mattenvegetation auf der Brockenkuppe (Nationalpark Hochharz). – Arch. Naturschutz Landschaftsforsch. (Amsterdam) 39: 103–138.

KARSTE, G.; SCHUBERT, R. & WEGENER, U. (2001): Vegetationsentwicklung nach Sanierung des Militärgeländes auf der Brockenkuppe im Nationalpark Hochharz. – Arch. Naturschutz Landschaftsforsch. 40: 29–57.

KARSTE, G.; SCHUBERT, R.; KISON, H.-U. & WEGENER, U. (2011): Die Pflanzengesellschaften des Nationalpark Harz (Sachsen-Anhalt). Eine kommentierte Vegetationskarte. – Forschungsbericht aus dem Wissenschaftsbereich des Nationalparks, Nationalpark Harz, Wernigerode, 59 S.

KARSTE, G. (2014): Die Entwicklung der Vegetation auf dem Brocken innerhalb der ehemaligen Brockenmauer von 1993 bis 20134. Mitteilungen zur floristischen Kartierung in Sachsen-Anhalt 19: 11-17.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Brockengarten widmet sich dem Erhalt der biologischen Vielfalt des waldfreien Bergplateaus des Hochharz.


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