Sonderwettbewerb Soziale Natur

Schulgarten im Quartier

Wie können Schulgärten als grüne Oasen der Vielfalt und als erlebbare Lern- und Freiräumen im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu Orten der Begegnung und Beteiligung im Quartier aufblühen? Diesen Fragen geht die Stadt Münster mit dem Projekt „Schulgarten im Quartier“ nach. Dabei werden neue Wege der Schulgartenentwicklung- und –pflege und der pädagogischen Einbindung in den Schulalltag ebenso erprobt wie eine Öffnung der Projekte für ehrenamtliches Engagement im Quartier. „Schulgarten im Quartier“ ist ein zentrales Projekt der Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030, insbesondere da es die Ziele der Sozialen Teilhabe, Biodiversität und Bildungsgerechtigkeit verknüpft.
In drei Schulen wird das Projekt seit Sommer 2019 umgesetzt. In den Schulen werden durch die Verbindung von Sozialem und Natur sowohl die ganz unterschiedlichen Schulgärten als Lebensraum für Fauna und Flora aufgewertet, als auch die Gärten als Raum für Begegnung und Beteiligung erlebbar gemacht. Dabei wird explizit auch die Nachbarschaft in den Schulgarten eingebunden. Synergien von Schulstruktur und nachbarschaftlichem Engagement werden in den Schulen entwickelt und Quartiersvernetzung gelebt. Die gesammelten Erfahrungen fließen in ein Konzept für die Entwicklung weiterer Schulgärten in Münster ein.
Das Projekt wird durch die Preisgelder des deutschen Nachhaltigkeitspreises von der Allianz-Umweltstiftung finanziert und vom BNE-Regionalzentrum begleitet, welches mit dem NABU Münsterland kooperiert.

Das Engagement für Schulgärten in Münster ist groß, in zahlreichen Schulen in Münster gibt es größere und kleinere Gärten. Der Stadt Münster ist es ein besonderes Anliegen, vorhandene Strukturen auszubauen und neue schulische Gartennutzungen zu erschließen und zu fördern. Mit dem Projekt „Schulgarten im Quartier“ richtet die Stadt ihren Fokus sowohl darauf, eine durchgängige Nutzung und Pflege der Gärten sicher zu stellen, als auch auf den innovativen Ansatz, Schulgärten als Raum für „Urban Gardening“ und als Lern- und Freiraum für die Quartiersvernetzung zu erschließen. Im Projekt werden durch die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ Synergien von Quartier und Schule genutzt, um sowohl die biologische Vielfalt als auch soziales Lernen und Miteinander zu fördern. Ziel des Projektes ist es, die gewonnen Erfahrungen zu dokumentieren und auszuwerten, um daraus ein Konzept für die Förderung weiterer Schulgärten in Münster zu entwickeln.

Aktuell wird der Ansatz an drei Schulen in Münster erprobt, die in einem zweistufigen Bewerbungsverfahren ermittelt wurden. Insgesamt 22 Schulen bekundeten mit der Einreichung eines Fragebogens ihr Interesse. Sechs Schulen wurden anschließend besucht und deren Potentiale für Quartiereinbindung analysiert. Um möglichst diverse Erfahrungen für das zu entwickelnde Konzept zu sammeln, wurden zwei Grundschulen und ein Gymnasium aus unterschiedlichen Quartieren ausgewählt. Alle nicht berücksichtigten Schulen werden durch Schulgartenberatungen durch den NABU und kleine finanzielle Zuwendungen unterstützt, um auch hier eigene Ideen und Projekte zur Förderung der biologischer Vielfalt und Einbindung in den Schulalltag umzusetzen.

Zu Beginn wurden durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Münster im jeweiligen Schulumfeld Einrichtungen kontaktiert und die Nachbarschaft durch Aushänge und Pressearbeit über das Projekt informiert. Bei gemeinsamen Austauschtreffen wurden Garten und sich gegenseitig kennengelernt und Ideen gesammelt, die nun stückweise umgesetzt werden.

Die Eichendorffschule im Stadtteil Angelmodde hat einen circa 420 m²-großen Atriumgarten mit verschiedenen Staudenbeeten, Kartoffelacker, Wildbienenhotel und Blumenwiesen. Ein Weiden-tunnel und eine kleine Matschgrube laden zum Verstecken und Spielen ein. Der Garten der Schule, die in der stark migrantisch geprägten Osthuesheide liegt, ist im Schulalltag fest eingebunden. Alle Schülerinnen und Schüler (SuS) gehen während eines Schuljahres wöchentlich in Kleingruppen in den Garten und lernen so Gartenarbeit und biologische Vielfalt kennen. Abseits des Regel-unterrichts haben die SuS dort aber auch eine Lernsituation, in der andere Fähigkeiten gefordert und gefördert werden. Durch das Projekt wurden interessierte Akteure aus der Nachbarschaft gesucht. Mittlerweile engagiert sich eine Rentnerin im Schulgarten und eine Kooperation mit der benachbarten Alexianer-Tischlerei ist entstanden. In gemeinsamer Zusammenarbeit zwischen SuS und Menschen mit Behinderungen wird das alte Gartenhaus abgerissen und neu gebaut.

Das Steingymnasium im Stadtteil Gievenbeck hat einen 2400 m²-großen Garten, der eine hohe biologische Vielfalt aufweist. Besonders ist hier eine große extensiv genutzte Wiese mit unter-schiedlichen Trockenheitsgraden und Artenzusammensetzung. Auch gibt es einen Honigbienenstand mit mehreren Bienenvölkern. Die Greenkeeper Naturschutz-AG ist hauptsächlich für den Garten zuständig. Zudem wird der Garten im Biologie-Unterricht und den 5ten Klassen genutzt. Im Rahmen des Projektes wurde von SuS und zwei Familien aus der Nachbarschaft ein Hühnerstall konzipiert und gebaut. Im Frühjahr werden Hühner einziehen und dann von den Familien, der Schule und einem in der Nachbarschaft ansässigen muslimischen Kinder- und Jugendverein betreut. Zudem werden Hochbeete im Schulgarten gebaut, die mit Gemüse und Kräutern aus verschiedenen Kulturen bepflanzt werden sollen. Unter Beteiligung aus dem Quartier soll im weiteren Verlauf des Projektes das Honigbienenprojekt ausgebaut werden.

In der Bodelschwinghschule gibt es, mitten im innerstädtischen Wohngebiet, einen 280 m²-großen Schulgarten. Neben einem kleinen Gartenteich, gibt es Obststräucher, Gemüsebeete und viele kleine Highlights wie z. B. ein holzumrandetes, nicht gemähtes Wiesenstück, an dem die natürliche Sukzession beobachten werden kann. Genutzt wird der Garten vor allem vom Offenen Ganztag und der Garten-AG. Diese werden nun regelmäßig bei der Gartenarbeit von zwei Rentnerinnen, die aus der Schul-Nachbarschaft gewonnen wurden, unterstützt. Zudem engagieren sich zwei Familien außerhalb der Schulzeiten im Garten, zum Beispiel wird in den Ferien gegossen und auch geerntet. Mit dem benachbarten Anna-Krückmann-Haus wurde eine Kooperation für eine Ferien-Gartenfreizeit geknüpft. Und bald soll mit Hilfe der Westfalenfleiß-Behindertenwerkstatt ein „grünes Klassenzimmer“ im Garten entstehen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Im Projekt „Schulgärten im Quartier“ ist der Bezug zur biologischen Vielfalt zweifach vorhanden. Die ausgewählten Schulgärten sind alle im städtischen Raum verortet. Städtische Räume weisen einen hohen Grad der Zersiedlung und Versieglung auf. Dadurch ist unter anderem der Lebensraum für Tiere und Pflanzen sehr begrenzt und regulierende Ökosystemleistungen, wie die Grundwasserneubildung oder der Einfluss auf das Mikroklima sind gefährdet. Schulgärten bilden für Fauna und Flora kleine Trittsteine in der Stadt und erfüllen verschiedene Ökosystemdienstleitungen. Das Projekt fördert insbesondere ökologisch wertvolle Gärten.
Mit der Vermittlung von Bildung über biologische Vielfalt ist der zweite Bezug vorhanden. Gerade Kinder aus der Stadt sind zum Teil nur noch sehr wenig in der Natur unterwegs und haben oftmals zuhause und in der Nachbarschaft keinen Garten. Im Schulgarten können Kinder die Bedeutung von biologischer Vielfalt, wie zum Beispiel das Vorhandensein von Blütenpflanzen für Bestäuber wie Wildbienen, lernen. Dazu gehört auch, dass Kinder in Berührung mit verschiedenen Gemüsesorten und -formen kommen, die es im örtlichen Supermarkt nicht zu kaufen gibt, wie krumme Möhren, gelbe Tomaten oder essbare Wildpflanzen. In dem Projekt wird über den BNE-Ansatz unter anderem auch die Beziehung Mensch – Natur gefördert.


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