Sonderwettbewerb Soziale Natur

Naturgarten Bunter Hügel

Um insektenfreundliche Gartenstrukturen aufzuzeigen, haben wir einen großen Naturgarten in Bayreuth angelegt. Auf 10.000 m² der ehemaligen Landesgartenschau in der Wilhelminenaue entsteht seit 2019 ein Beispiel-Naturgarten. Die Fläche soll dazu einladen Natur und biologische Vielfalt in der Stadt zu erleben und BesucherInnen dazu inspirieren ihren eigenen Garten insektenfreundlich zu gestalten. Gleichzeitig ist es ein Gemeinschaftsprojekt, das mit den vielen Mitmachaktionen unterschiedliche Menschen zusammenbringt und verdeutlicht: Naturschutz ist nur gemeinsam möglich!

Angesichts des wissenschaftlich belegten, globalen Biodiversitätsrückgangs und Artensterbens wollten die VereinsgründerInnen von Die Summer e.V. (ehemals Summer in der City e.V.) nicht länger tatenlos zusehen. Das wichtigste Ziel war und ist, für alle BürgerInnen Möglichkeiten zu schaffen selbst etwas vor Ort verändern zu können und zu zeigen, wie Naturschutz vor der eigenen Haustüre aussehen kann. So kam im Herbst 2018 die Idee auf, einen großen Naturgarten in Bayreuth anzulegen, der mehr als nur ein Garten ist. Zum einen soll er aufzeigen, wie urbane Gärten insektenfreundlich gestaltet werden können. Zum anderen soll er den BesucherInnen echte Naturerfahrungen ermöglichen und Raum für Erholung und Lernen schaffen.
Nach einigen Monaten erster Planungen konnten wir innerhalb von sechs Wochen im März und April 2019 etwa 45.000 € Spendengelder durch ein Crowdfunding sammeln und so das Projekt finanzieren. Mit dem Spatenstich am 10. Mai 2019 ging es dann richtig los: wöchentlich wurde auf der Fläche gearbeitet und verschiedene Strukturen wurden gestaltet. So konnten viele verschiedene Lebensräume verwirklicht werden, wie zum Beispiel Sandterassen, Lesesteinhaufen, Totholzhecken, Tümpel und Teiche, Blühwiesen, eine Streuobstwiese und Hügel- und Strauchlandschaften. Mit einem Versammlungsort, mehreren Sitzbänken und kreativen Wegen laden wir die BesucherInnen des Gartens ein, sich selbst ein Bild von der möglichen Vielfalt zu machen und im Garten zu verweilen.
Von großer Bedeutung ist auch die gemeinschaftliche Komponente des Projekts. Alle Veränderungen werden bei den Vereinstreffen geplant und diskutiert, sodass am Ende jeder miteinbezogen wurde und mit dem Ergebnis zufrieden ist. Entscheidungen werden, wenn möglich immer, mit einer vereinfachten Form des Konsensierens getroffen, dem systematischen Konsensieren. Diese Abstimmungstechnik wird auch direkt bei den Mitmachaktionen für Detailfragen angewandt. So können sogar Personen integriert werden, die zum ersten Mal mitarbeiten. Das Ergebnis all dieser gemeinschaftlichen Entscheidungen ist das jetzige Erscheinungsbild des Naturgartens und definitiv sehenswert!
Die Strukturen im Bunten Hügel:
Sandmagerterrassen bieten Nistmöglichkeiten für Wildbienen, Grabwespen und viele weitere heimische Insektenarten. Der lockere Sand unterschiedlicher Körnung und Zusammensetzung bietet ideale Bedingungen für den Bau von Bruthöhlen und -röhren. Auch die vielen vertikalen Abbruchkanten bieten im Boden nistenden Insekten einen idealen Lebensraum, da sie lange trocken, warm und praktisch vegetationsfrei bleiben. Durch den nährstoffarmen, sandigen Untergrund werden zudem seltene und wertvolle Pflanzenarten gefördert.
Benjeshecken bzw. Totholzhecken haben viele Vorteile sowohl für den Naturschutz als auch den Menschen. Als natürlicher Windbrecher bieten sie (auch in Kleingärten) Schutz vor kalten Winden und fangen die Samen vieler Pflanzenarten ein. Des Weiteren bieten sie einer Vielzahl heimischer Vogelarten ideale Nistmöglichkeiten und dienen als Unterschlupf für Igel und Co. Jede Art von Hecke - auch die Totholzhecke - ist besonders wertvoll auf landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen, da sie Biotope verknüpfen und Biotopverbünde erweitern können.
Sonnengewärmte Lesesteinhaufen sind ein Lebensraum für die unterschiedlichsten Insekten, Reptilien und Amphibien. In diesem Miniaturlebensraum kann man sowohl Zaun- und Waldeidechse als auch Kreuzotter und Blindschleiche entdecken, die in den zahlreichen Lücken der Steinhaufen Versteckmöglichkeiten und ein reiches Nahrungsangebot finden. Im Naturgarten bestehen die Lesesteinhaufen aus Sandstein, Kalkstein und basaltischem Gestein.
Tümpel und Teiche gehören zu den artenreichsten Kleinbiotopen unserer Landschaften. Sie versorgen nicht nur allerhand Säugetiere ganzjährig mit Trinkwasser, sondern bieten auch Lebensraum für viele Insekten und inzwischen rar gewordene wasserabhängige Arten, wie die Gelbbauchunke, die Ringelnatter oder den Teichmolch. Außerdem verlanden Tümpel in ihrer natürlichen Entwicklung durch die Ablagerung organischer Stoffe und tragen damit wesentlich zur Bindung von Kohlenstoffdioxid bei.
Bunte Blühwiesen oder Blumenwiesen sind nicht nur eine optische Bereicherung für den Menschen, sondern haben auch einen großen ökologischen Nutzen. Das reiche Blütenangebot bietet einer Vielzahl von Insektenarten Nahrung und Balzplätze. Da viele Insekten auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert sind, tragen artenreiche Wiesen maßgeblich zur Biodiversität bei. Des Weiteren finden Bodenbrüter, wie das Rebhuhn, zwischen den hohen Grashalmen passende Nistmöglichkeiten.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Allein schon die große Fläche des Naturgartens bietet mit der Zeit immer mehr bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Das große Ziel ist es einen Biotopverbund zu erschaffen oder zumindest einige naturnahe Trittsteine im urbanen Raum der Städte und Dörfer zu etablieren. Dies soll der zunehmenden Zerstörung von Lebensräumen durch z.B. Flächen-Versiegelung entgegenwirken und neue Rückzugsräume für Arten schaffen, die in der intensivierten Agrar-Landschaft verdrängt werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der psychologische Aspekt dieses Projekts. Um das Bewusstsein für biologische Vielfalt und Natur im Allgemeinen zu erhöhen, muss man es der Bevölkerung ermöglichen echte Naturerfahrungen zu machen und Biodiversität zu erleben. Nur so kann das zurzeit vorherrschende Schönheitsideal von Gärten - mit kurzgemähtem Rasen, Schotter und penibler Ordnung - verändert werden. Das ästhetische Empfinden der Menschen in Bezug auf ökologisch wertvolle Wildnis muss sich wandeln, denn wir brauchen buntere, grünere und wildere Ecken in unseren Städten und Dörfern. So schaffen wir Erholungs-, Entdeckungs- und Lernorte für eine lebhafte und zukunftsorientierte Gesellschaft. Erst wenn wir die Natur wieder richtig wahrnehmen und ihren Wert erkennen, sind wir dazu bereit die Verantwortung für ihren Schutz zu übernehmen. Der Bunte Hügel in Bayreuth ist dahingehend ein erster Schritt in die richtige Richtung und zeigt, dass Alternativen existieren, die sowohl dem Menschen als auch der Na

Video:


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Dokumente

Der Plan des Naturgartens zeigt im Überblick welche Abteilungen und Strukturen, wo zu finden sind.

 

Besuchen Sie uns

Der Bunte Hügel/ Naturgarten Bayreuth

Äußere Badstraße
95448 Bayreuth

Öffnungszeiten: ganztägig

Frau Stefanie Propp
mail@diesummer.de
http://www.diesummer.de

 

Weitere Infos

Die Summer e.V.
Bayreuth

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