Bunte Gärten und Balkone - damit Tiere nicht nur Zaungäste bleiben

Gärten machen bundesweit ca. 2 % der Fläche aus. Aufgrund diverser Flächennutzungskonkurrenzen im öffentlichen Raum sind sie im Siedlungsbereich daher zunehmend wichtige Lebens- und Rückzugsräume für unsere heimischen Arten. Bei naturnaher Gestaltung werden sie für Igel, Spatz, Wildbiene und Co und damit für die biologische Vielfalt insgesamt schnell zu wichtigen Refugien. Als unversiegelte Flächen bewirken sie zusätzlich eine Verbesserung des Kleinklimas und tragen damit zu unserem Wohlbefinden bei. In Zeiten von Artensterben und Klimawandel leiten sich hieraus genügend Gründe ab, die Gestaltung des Grüns im Wohnbereich einmal unter den genannten Aspekten zu betrachten. Momentan werden leider viele dieser Flächen nicht nur intensiv gepflegt, sondern aufgrund von Arbeitsersparnis zunehmend auch versiegelt. Um dem entgegenzusteuern, informieren wir im Rahmen des Projektes „Bunte Gärten und Balkone“ darüber, aus welchen Gründen naturnahe Gärten wichtig sind und welche verschiedenen Möglichkeiten der ökologischen Gestaltung bestehen. Zusätzlich soll ein speziell als Schaugarten konzipierter Naturgarten die Umsetzung von Naturelementen über die direkte Anschauung erleichtern. Zukünftig sollen besonders naturnahe Gärten mit einer Plakette ausgezeichnet werden. Ziel ist es, ein Umdenken in der Gartengestaltung zu erzielen, damit lebensfeindliche Schottergärten wieder naturnahen Oasen weichen.

Infolge der zunehmenden Klimaerwärmung und dem Rückgang der Biodiversität stehen wir vor einer großen Herausforderung, die es gilt mit möglichst vielseitigen Ansätzen gemeinsam zu bewältigen. Dazu ist es wichtig, wieder mehr Natur in die Stadt zurückzuholen. Hier sollte nicht nur das öffentliche Grün neu gedacht werden, aufgrund von Flächennutzungskonkurrenzen gewinnt auch das private Grün zunehmend an Bedeutung. Insbesondere die Gärten rücken gegenwärtig in den Fokus. Denn mit über 17 Millionen Anlagen in Deutschland und einem Flächenanteil, der der Fläche der Naturschutzgebiete entspricht, weisen sie in hohes Potential auf. Hinzu kommen Balkone, Dächer und Fassaden. Dieses hausnahe Grün kann zwar keine Schutzgebiete ersetzen, bei entsprechender Gestaltung bietet es aber wichtige Rückzugsräume und trägt zum Insektenschutz bei. Da das Grün im Siedlungsbereich zusätzlich eine Verbesserung des Kleinklimas bewirkt und Naturerleben vor Ort wieder möglich macht, verbessert es auch unser Wohlbefinden. Leider werden immer häufiger vormals grüne Vorgärten "pflegeleicht" zu sogenannten „Schottergärten“ umgestaltet. Um dem entgegenzusteuern wurde in Köln das Projekt „.Bunte Gärten und Balkone - damit Tiere nicht nur Zaungäste bleiben“ gestartet. Es soll motivieren und befähigen, durch naturnahe Gestaltung des eigenen Stückchen Grüns einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu leisten.
Als Partner konnte der Kleingärtnerverein „Flora e.V.“ gewonnen werden.
Insgesamt wurden bislang folgende Aktionen gestartet:
Informieren:
Vielfach ist der Wert von naturnahen Strukturen im Garten kaum mehr bekannt. Um hier mehr Bewusstsein zu schaffen, ist es erforderlich, zunächst umfassend zu informieren. Dazu wurde als Basis des Projektes eine umfangreiche Internetseite zum Nutzen und zur Umsetzung von Naturelementen im wohnungsnahen Grün gestaltet (www.stadt-koeln.de/naturgarten). Ein kleines 1X1 des Naturgärtnerns führt durch die wichtigsten Maßnahmen und ihre Umsetzung. Dabei werden auch kleine, leicht umzusetzende Elemente in den Fokus gestellt und verdeutlicht, dass mehr Natur nicht unbedingt eine komplette Umgestaltung des privaten Grüns bedeuten muss. Eine begleitende Broschüre (Fertigstellung Sommer 2020) bietet auch ohne Internetzugang eine entsprechende Anleitung. Diverse Vorträge zum Thema ergänzen das Informationsangebot.
Motivieren:
Mit dem Fotowettbewerb “Tiere im Garten“ wollen wir die Bewohner der Stadt auf Spurensuche nach den heimischen Arten schicken und sie die Vielfalt in Gärten erleben lassen. Der daraus entwickelte Kalender wird diese Erlebnisse über das Jahr 2021 präsent halten. Über die Faszination bei der Beobachtung sollen möglichst viele Menschen motiviert werden, der Natur im eigenen Umfeld wieder mehr Raum zu geben.
Ab Sommer 2020 ist außerdem geplant, besonders naturnahe Gärten auszuzeichnen. Dazu wird eine Plakette entwickelt. Ziel dieser Anerkennung ist es, zum einen der Umgestaltung der Vorgärten zu naturfernen Schotterwüsten entgegenzuwirken. Zum anderen soll die Auszeichnung helfen, Akzeptanz bei den Nachbarn zu schaffen.
Anschauung bieten:
Bei der Umgestaltung des eigenen Gartens sind Anschauungsbeispiele eine große Hilfe.. Sie verdeutlichen nicht nur, welche Garten-Elemente sinnvoll sind, sondern auch, welche optische Wirkung sie haben. Daher wird zurzeit in Zusammenarbeit mit dem Kleingärtnerverein Flora e. V. in der Anlage an der Krüthstraße in Köln-Nippes ein Naturschaugarten angelegt. Dieser zeigt auf rund 200 Quadratmetern, wie man einen Garten naturnah gestalten kann und soll dazu anregen, die präsentierten Ideen auch in die eigene Gartenplanung einfließen zu lassen. Bei der Auswahl der Strukturen wurde Wert darauf gelegt, dass sie leicht umzusetzen sind, optisch eine gute Wirkung erzielen, keinen allzu großen Pflegeaufwand bedeuten, aber dennoch wichtige ökologische Strukturen bieten. Neben Obstbäumen, Wildwiese und heimischen Gehölzen werden unter anderem auch Staudenbeet, Kräuterbeet, Trockenmauer und Teich präsentiert. Mit einer Bepflanzung von Blumentöpfen und -kübeln wird zusätzlich demonstriert, wie Natur auch auf kleinem Raum und auf bereits versiegelten Flächen realisiert werden kann. Der Garten steht interessierten Besuchern während der Öffnungszeiten der Kleingartenanlage offen. Bei vorheriger Anmeldung ist auch eine Beratung vor Ort möglich.
Beraten:
Über verschiedene Veranstaltung und im Naturschaugarten erfolgt eine umfassende Beratung.
Insgesamt soll das Projekt verdeutlichen, dass jeder etwas zum Erhalt der Artenvielfalt und damit auch zur Sicherung der Ökosystemdienstleistungen beitragen kann.
Gemeinschaft
Durch die gemeinsame Anlage, die Einbindung einer Vielzahl von Personen (Vereinsmitglieder, interessierte Anwohner, Schulklassen und Kindergartengruppen) und die Durchführung von Kursen trägt insbesondere der Gemeinschaftsgarten in besonderer Weise dazu bei, den Zusammenhalt im Veedel und die Vernetzung mit dem direkten Umfeld zu erhöhen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch umfangreiche Informationen zu Naturgärten soll wieder mehr Bewusstsein für den Wert des privaten Grüns zum Erhalt der Biodiversität geschaffen und verdeutlicht werden, dass sich hierbei schon mit relativ einfachen Maßnahmen Erfolge erzielen lassen. Die Auszeichnung besonders wirkungsvoller Anlagen schafft Anerkennung und Motivation. Mitmachelemente wie der Fotowettbewerb sollen darüber hinaus dazu dienen, durch das unmittelbare Erleben die Faszination für die heimische Natur zu wecken. Die Anlage eines Naturschaugartens bietet darüber hinaus unmittelbare Anschauung und stellt gleichzeitig wichtigen Lebensraum dar. Über verschiedenen Informationskampagnen und einen Internetauftritt werden die Bürgerinnen und Bürger weiterhin für die wichtige Funktion der Gärten in Bezug auf den Erhalt der Artenvielfalt und damit auch der Sicherung der Ökosystemdienstleistungen sensibilisiert.



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Besuchen Sie uns

Kleingärtenverein Flora e.V.

Krüthstraße
50733 Köln

Öffnungszeiten: nach Absprache

Herr Daniel Grothe
fachberatung@klgv-flora.de
https://klgv-flora.de/projekte/gemeinschaftsgarten/

 

Weitere Infos

Stadt Köln Umwelt und Verbraucherschutzamt Betina Küchenhoff
Köln

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