Sonderwettbewerb Soziale Natur

Essbare Stadt Andernach

Zunehmend werden die Themen der Verlust an Biodiversität, oder auch das Insektensterben in den Medien thematisiert. Doch wo kann eine Kommune auf lokaler Ebene hier Lösungsmöglichkeiten anbieten ?

Bereits seit 10 Jahren geht die Stadt Andernach einen neuen Weg in der Grünraumplanung. Wesentliches Element ist hierbei die Integration von Aspekten der urbanen Landwirtschaft. Zentral ist dabei die Anpflanzung von Gemüse und Obst in öffentlichen Beeten, die nicht nur jedermann zugänglich sind, sondern auch von allen Bürgern beerntet werden können.

Neben der attraktiven Gestaltung der Grünflächen sollen diese gleichzeitig im Sinne einer Multifunktionalität ökologische, ökonomische und auch ästhetische Funktionen gleichermaßen unterstützen. Neben Tomaten wurden weitere Gemüsesorten, Obstsorten und Küchenkräuter angebaut. Statt „Betreten verboten“ heißt es nun „Pflücken erlaubt“ - ein neuer Wahrnehmungsraum entsteht. Die Möglichkeiten der Gestaltung mit Pflanzen wurden enorm ausgeweitet. Hierbei ist es auch Ziel, auf kleineren Flächen die Artenvielfalt zu demonstrieren und Biodiversität im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar zu machen: hier wird Biodiversität erlebbar, kann geschmeckt und gefühlt werden.
Dabei gilt es im Konzept der „Essbaren Stadt“, diese als „Lebens-“mittelpunkt wieder mit „Lebens“-mittel erlebbar zu machen. Durch die Pflege der Flächen von Langzeitarbeitslosen sind auch soziale Aspekte in dieses nun mit verschiedenen Preisen ausgezeichnete Projekt integriert.

Die Stadt Andernach möchte sich langfristig als grüne und nachhaltige Stadt lebendig und vielgestaltig entwickeln. Unter der Kampagne „Essbare Stadt Andernach“ stehen hierbei vor allem Aspekte der Nachhaltigkeit, der biologischen Vielfalt und der urbanen Landwirtschaft im Mittelpunkt.
Neben der attraktiven Gestaltung der öffentlichen Grünflächen sollen diese gleichzeitig im Sinne einer Multifunktionalität ökologische, ökonomische und auch ästhetische Funktionen unterstützen. Dabei gilt es im Konzept der „Essbaren Stadt“, diese als „Lebens-“mittelpunkt wieder mit „Lebens“-mitteln erlebbar zu machen. Ein neuer Ansatz, dem öffentlichen Grünräumen neue Funktionen zukommen zu lassen, liegt in der kreativen Umsetzung von Konzepten der urbanen Landwirtschaft. Aufbauend auf einer historischen Recherche der lokalen landwirtschaftlichen Situation wurden kreative Konzepte entwickelt, um mit „Nutzpflanzen“ solche Flächen für Bürger wieder erlebbarer zu gestalten.

Pflanzengenetische Ressourcen für jedermann
Im Mittelpunkt dieser Ideen stand zu Beginn der Kampagne 2010 der Schlossgraben im Stadtzentrum. Um im „Jahr der Biodiversität“ 2010 nicht nur auf die Bedeutung von Wildarten hinzuweisen, sondern auch die Generosion traditioneller Nutzpflanzen zu demonstrieren, wurde unmittelbar an eine alte Mauer ein Tomatensortenprojekt angelegt. Mit über 400 Sorten stellt die Tomate ein interessantes Anschauungsobjekt für die Biodiversität im Bereich der pflanzengenetischen Ressourcen von Nutzpflanzen dar. 101 Sorten wurden hierbei 2010 in Andernach angebaut und beschildert. Die Akzeptanz wurde dadurch gesteigert, dass alle Bürger in diesem entstandenen Bürgergarten eigenverantwortlich ernten dürfen. Statt „Betreten verboten“ heißt es plötzlich „Pflücken erlaubt“ und ein neuer Wahrnehmungsraum entsteht.

Mit der Neugestaltung der Grünanlagen wird in der Stadt der Wechsel der Jahreszeiten wieder bewusster erlebt, ebenso wie das Säen, Wachsen und Ernten. Solche Formen der Wahrnehmung fehlen häufig in Städten und weichen hinter pflegeleichten Standard-Beständen von Kirschlorbeer, Mahonie oder Berberitze zurück.

An den Schlossgraben angrenzende Flächen wurden in einen Weinberg umgewandelt. Sehr spannend war die Entwicklung zu beobachten, als das Gemüse reif wurde. Nach anfänglichem Zögern, ob nun wirklich pflücken erlaubt sei, stellte sich ein selbstregulierendes Erntesystem ein. An den Flächen wurde diskutiert, Rezepte ausgetauscht – die Gemüseflächen entwickelten sich als Begegnungsstätten von Menschen verschiedenster Altersklasse und Kulturen. Das Projekt erwies sich als ausgesprochen kommunikativ.

Gemüse des Jahres
Jedes Jahr wird eine Gemüseart in den Mittelpunkt gestellt und so die Bedeutung der Agrobiodiversität betont. Die Möglichkeiten der Gestaltung des öffentlichen Raums mit Pflanzen wurden enorm ausgeweitet. Hier ist es auch Ziel, auf kleineren Flächen temporär die Artenvielfalt zu demonstrieren und Biodiversität im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ zu machen: hier kann Biodiversität angefasst, gerochen, gefühlt und geschmeckt werden.

2012 wurde die „Essbare Stadtmauer“ als neue Installation ins Leben gerufen: an eine südexponierten historischen Mauer wurden submediterrane Fruchtgehölze, wie Kaki, Knackmandel, Feige und Bitterorange gepflanzt. Die Anpflanzungen zeigen auf, dass die „Essbare Stadt“ als nachhaltiges und langfristiges Projekt gesehen wird. Auch in Vergessenheit geratene Fruchtgehölze, wie Quitte, Mispel und Kornelkirsche wurden gepflanzt. Insbesondere wird hiermit auch die mikroklimatische Bedeutung einer Stadtbegrünung unter dem Aspekt eines Klimawandels unterstrichen.

Die „Essbare Stadt“ als „Soziale Stadt“
Gepflegt werden die Flächen durch die Perspektive gGmbH, der örtlichen Langzeitarbeitslosen Beschäftigung- und Qualifizierungsgesellschaft. Hierbei arbeiten Arbeitslose unter Anleitung ausgebildeter Gärtner. Zunehmend ist es Ziel auch Bürger mit in die Verantwortung zu ziehen. Basierend auf bürgerschaftlichem Engagement lassen sich Vereine, Senioren, Schüler etc. in die Pflege „ihrer“ Flächen einbinden.

In den Grundschulen werden derzeit wieder Schulgärten mit modernen Elementen installiert und durch einen fahrbaren Schulgarten ergänzt; auch urbane Imkerei wurde eingeführt. Insbesondere stark verdichtete Räume konnten mit einer Vielzahl von mobilen Hochbeeten aufgelockert werden. Hierbei hat sich eine abwechslungsreiche Bepflanzung mit Duft-, Gewürz- und Heilkräutern inklusive einer Beschilderung als wertvolle Bereicherung der Innenstadt und als Publikumsmagnet herausgestellt. Hierzu wurde durch eine thematische Bepflanzung (z.B. Heilkräuter vor einer Apotheke) auch der örtliche Einzelhandel in die Unterhaltung der Hochbeete integriert.

Über das hier grob angerissene Modell wurde intensiv in den Medien berichtet; zudem werden jährlich ca. 150 Exkursionen durchgeführt, um die Erfahrungen mit interessierten Bürgern und Kommunen zu teilen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Wesentlicher Inhalt der Essbaren Stadt ist es biologische Vielfalt auf eine lebendige Art den Bürgern nahe zu bringen. Hierbei wird bewusst die Agrobiodiversität in den Mittelpunkt gestellt, weil Pflanzen als Lebensmittel jeden Menschen unmittelbar betreffen. Statt seltene Arten abgelegener Gegenden in Flyern zu beschreiben, wird in Andernach die Bedeutung der Biodiversität unmittelbar durch essbare Pflanzen für jeden erlebbar dargestellt. Insbesondere der „positive“ ökopädagogische Ansatz ist hier von Bedeutung: Vielfalt wird für jeden Bürger unmittelbar als Bereicherung des Alltages in der Stadt wahrgenommen. Ebenso wird ein besonderer Schwerpunkt auf regionale und alte Sorten gelegt. Insbesondere in Zusammenhang mit der am Stadtrand gelegenen Permakulturfläche, welche als „Keimzelle“ der „Essbaren Stadt“ angesehen werden kann. Diese ökologische Anlage von ca. 14 ha ist im städtischen Besitz wird von der Perspektive gGmbH als ökologischer Produktions- und Erlebnisraum im Sinne der Permakultur bewirtschaftet. Bereichert durch seltene Nutztierrassen wurde ein ökologischer Erlebnisraum geschaffen, der sich zunehmend als ökologischer Bildungsraum mit Seminaren und Workshops herausstellt.
Durch das durchgängige biodiverse und ökohumane Konzept werden alte Denkstrukturen aufgehoben und die Stadt und Ihre Bürger bekommen eine neue Wahrnehmung von der Ästhetik und Wertschöpfung durch Biodiversität im städtischen Raum.

Video:
https://www.youtube.com/watch?v=CSI3ckG5Y9g&t=46s https://www.youtube.com/watch?v=avSwBEJJXEE&t=3045s https://www.youtube.com/watch?v=HOEwTl4kM4c https://www.youtube.com/watch?v=gUivd8nSNgI&t=58s


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Dokumente

Vortrag zur Essbaren Stadt: Entstehung - Entwicklung - Perspektiven

Flyer zur Essbaren Stadt für Besucher

 

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Stadt Andernach

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56626 Andernach

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