Sonderwettbewerb Soziale Natur

Ein Nationalpark für alle

Der Nationalpark Berchtesgaden ist der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands. Zahlreiche unterschiedlichste Lebensraumtypen befinden sich auf einer Gesamtfläche von 21.000 ha und sind eng miteinander verzahnt. Nach den Grundsätzen eines Nationalparks darf sich die Natur auf 75 % der Fläche in der sogenannten Kernzone über Raum und Zeit ohne Zutun des Menschen und ohne definierten Ziel- und Endzustand entwickeln. Damit steht der Nationalpark für einen besonderen, in die Zukunft gerichteten Ansatz im Naturschutz, der eine hohe Biodiversität fördert. Gleichzeitig ist der Nationalpark ein wichtiges Rückzugsgebiet für Arten, eine Eigenschaft, die im Zuge des Klimawandels noch zunehmen wird. Deshalb hat es sich der Nationalpark Berchtesgaden zum Ziel gesetzt, nicht nur die einzigartige biologische Vielfalt des Schutzgebiets zu erhalten, sondern auch deren Bedeutung für die Gesellschaft aktiv zu vermitteln. Im Sinne von Barrierefreiheit und Inklusion soll das Erleben dieser Vielfalt trotz der oft schwer zugänglichen Berglandschaft auch für Menschen mit Beeinträchtigung ermöglicht werden. Interaktive, barrierefreie Ausstellungen und Bildungsprogramme informieren vor Ort anhand anschaulicher Beispiele über den Wert der Vielfalt für die Natur und den Menschen. Sie machen diese Vielfalt erlebbar und motivieren die Teilnehmer zum Einsatz für deren Schutz.

Mit dem Modell-Managementplan zum Thema „Barrierefreiheit“ von 2006 hat die Nationalparkverwaltung damit begonnen, das Schutzgebiet für Menschen mit Beeinträchtigung zugänglich zu machen. Bis heute arbeitet die Verwaltung zielstrebig daran, allen Besuchern die Möglichkeit zu geben, die faszinierende biologische Vielfalt des einzigen deutschen Alpen-Nationalparks erleben zu können, damit diese wiederum deren Wert für die Natur und die Gesellschaft verstehen lernen und sich aktiv für deren Schutz einsetzen. Dabei mussten in dem schwer zugänglichen Berggebiet viele Hürden genommen und alternative Möglichkeiten des Erlebens eröffnet werden. So setzt die Nationalparkverwaltung heute nicht nur auf ihre biologische Vielfalt, sondern auch auf eine Vielfalt von Bildungsformen für Menschen mit Beeinträchtigung. Im nachfolgenden werden diese Formen näher beschrieben.
Das Haus der Berge, das 2013 eröffnete Bildungs- und Informationszentrum, versteht sich als „Tor zum Nationalpark Berchtesgaden“ und bietet damit hervorragende Gelegenheiten zur Vor- oder Nachbereitung eines Besuchs im einzigen alpinen Nationalpark Deutschlands. Bei der Planung und Umsetzung des Gebäudes war es stets zentrale Zielsetzung, es für alle Menschen erlebbar zu machen. Mit einem Leitsystem für Sehbehinderte können sich diese eigenständig durch die Ausstellung bewegen und mithilfe speziellen - in Kooperation mit Sehbehinderten entwickelten - Audioguides zusätzliche Informationen erhalten. Hörschleifen im Kino und im Foyer machen für Schwerhörige Filmpräsentationen bzw. persönlich betreute Einführungen zur Ausstellung leichter verständlich. Selbstverständlich wurden bei der baulichen Umsetzung alle Kriterien der Barrierefreiheit berücksichtigt. Auf diese Weise können sich Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen im Haus der Berge auf eine virtuelle Wanderung vom Grunde des Königssees bis zum Gipfel des Watzmanns begeben. Dort lernen sie auf moderne und interaktive Weise die vier Hauptlebensräume des Nationalparks kennen und erfahren mehr über deren einzigartige Artenausstattung. Um auch eine emotionale Beziehung zu einzelnen Arten aufzubauen, ist es den Besuchern gestattet, die zahlreichen Tierpräparate anzufassen und zu ertasten.
Das Bildungszentrum am Haus der Berge bietet individuelle Angebote für Gruppen und ist wie das Informationszentrum barrierefrei gestaltet. Die für die Umweltbildung typische Bildungsarbeit mit allen Sinnen ermöglicht ein individuelles Eingehen auf unterschiedliche Beeinträchtigungen der einzelnen Teilnehmer. Im Foyer des Bildungszentrums präsentiert ein vier mal vier Meter großes Holzrelief die Vielfalt des Nationalparks. 85 Einzelelemente wurden in einem bunten Wimmelbild zusammengestellt und zeigen wichtige Charakterarten und Lebensräume. Dieses dreidimensionale Relief kann auch ertastet werden und ermöglicht damit eine sinnliche Wahrnehmung für Sehbehinderte. In vier Funktionsräumen werden Bildungsprogramme für Menschen mit Beeinträchtigung individuell gestaltet. Im Rahmen unterschiedlicher Bildungsprogramme, wie z.B. „Wasserwerkstatt“ oder „Der Boden – ein kostbares Gut“, lernen die Teilnehmer Lebensräume mit ihren typischen Arten kennen und unterscheiden. Dabei erfahren sie mehr über deren Anpassungsstrategien und Gefährdungen.
Das Klausbachtal im Westen des Nationalparks weist eine Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen auf. Von den Almflächen an der Bindalm, über Bergwälder bis hin zu Lawinen, Windwurf- und Felssturzflächen hat dieses Tal einiges zu bieten. Damit Menschen mit Beeinträchtigung die vielfältige Natur direkt im Nationalpark Berchtesgaden erleben können, wurde für sie das Klausbachtal so weit als möglich zugänglich gemacht. Mithilfe des Alm-Erlebnisbusses können gehbehinderte Menschen bis zur österreichischen Landesgrenze am Hirschbichlpass fahren und dazwischen barrierearme Strecken selbst zurücklegen. Dabei bestehen flexible Besichtigungsorte über fünf barrierefreie Bushaltestellen. Im vorderen sehr flachen Bereich des Tales finden eine Vielzahl an Bildungsprogrammen und Exkursionen statt, darunter Führungen zum Thema Steinadler, zur Pflanzenvielfalt oder sogar ein eigenes Biodiversitätsprogramm mit dem Titel „Vielfalt - unsere bunte Natur“. Diese Angebote können auf Nachfrage, wie auch alle anderen Programme, für Menschen mit Beeinträchtigung individuell durchgeführt werden. Darüber hinaus gibt es an der Wildfütterung im Klausbachtal für nahezu alle Zielgruppen die Möglichkeit, zur besseren Wildbeobachtung eine Aussichtsplattform mit Hilfe einer sanft ansteigenden Rampe zu erreichen. Zusätzlich zu den Angeboten im Klausbachtal wurde auf der Halbinsel St. Bartholomä ein Rundweg barrierefrei gestaltet und streckenweise mit Hilfen für Sehbehinderte ausgestattet.
Mit oben genannten Ansätzen werden auf diese Weise Menschen mit Beeinträchtigung interaktiv an das Thema biologische Vielfalt in der einzigartigen Gebirgslandschaft des Nationalparks Berchtesgaden herangeführt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die biologische Vielfalt und deren Bedeutung für Natur und Gesellschaft bildet ein Schwerpunktthema in der Bildungsarbeit des Nationalparks. So finden sich Aspekte dieses Überbegriffs in fast allen Angeboten wieder. Das breite Bildungsprogramm mit unterschiedlichen Informationsstellen im Gelände, dem zentralen Informationszentrum „Haus der Berge“ in Berchtesgaden und zahlreichen Fachexkursionen sowie interaktiven Programmen steht allen Besuchern zur Verfügung. Unterschiedliche Themen wie die Vielfalt der Pflanzen, winzige Wiesenwesen und viele Führungen zu Einzelarten wie z.B. dem Steinadler, dem Murmeltier oder den Fledermäusen beschäftigen sich intensiv mit dem Thema biologische Vielfalt und können sowohl von Gruppen als auch von Individualbesuchern wahrgenommen werden. Neben wichtigen Managementmaßnahmen versucht die Nationalparkverwaltung auch mithilfe der Bildungsarbeit, die einzigartige biologische Vielfalt des Schutzgebietes zu erhalten.

Video:
https://www.youtube.com/watch?v=oS68ONb0jsM https://www.youtube.com/watch?v=YJleMQV8q5Y


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Dokumente

Kurzbeschreibung des Nationalparks Berchtesgadens

Kurzbeschreibung des Nationalparkzentrums ´Haus der Berge´

 

Besuchen Sie uns

Nationalpark-Informationszentrum Haus der Berge

Hanielstr. 7
83471 Berchtesgaden

Öffnungszeiten: ganzjährig 09:00 - 17:00

Frau Andrea Heiß
Tel.:+49 (0)8652 979060-0
hausderberge@npv-bgd.bayern.de
http://www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de

 

Weitere Infos

Nationalparkverwaltung Berchtesgaden
Berchtesgaden

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