Biodiversitäts-Hotspot Gaßlalm

Ziel dieses Projektes ist es, die kleinräumigen Pflanzengesellschaften und seltenen Tierarten auf der Gaßlalm zu erhalten und durch ein angepasstes Pflegeregime langfristig zu fördern.

Der Pflanzen- und Tierreichtum dieses Landschaftsjuwels mit atemberaubendem Alpenpanorama liegt in der Nähe des „Bergwald-Erlebnispfades Inzell“ und soll durch eine Informationstafel auf diesen Biodiversitäts-Hotspot aufmerksam machen.

Nur was man kennt und versteht, wird man auch schützen und erhalten.

Seit den 1930er Jahren befindet sich die Gaßlalm im Besitz der Bayerischen Staatsforsten. Die Almfläche liegt nördlich des Frillensees, der als einer der kältesten Seen Mitteleuropas gilt. Die Alm, die zum Teil aus alten Verlandungszonen und Moorflächen des Frillensees besteht, wurde bis in die 1980er Jahre beweidet und unregelmäßig gemäht.

Durch die Beweidung entstanden über die Jahre lokale Trittschäden und zum Teil Nährstoffanreicherungen in den Standbereichen der Weide. Die unregelmäßige Mahd nach Beendigung der Beweidung, führte zu Verbrachung und Verbuschung auf der ehemaligen Almfläche.

Im Jahr 1997 fand im Rahmen einer Diplomarbeit von Siegfried Mehler (LMU München) eine Vegetationsanalyse statt, die in ein Pflegekonzept der Gaßlaml mündete. Bei der Vegetationsaufnahme wurden Teile als Pfeifgraswiese, Kleinseggenried, Großseggenried, Feucht- und Nasswiese, Fettwiese, Wiese, Übergangsmoor, Moorvegetation mit Trittschäden, Moorwald und Moor beschrieben und auf der Almfläche ausgewiesen.

Seitdem wird die Gaßlalm, mit Blick auf die biologische Vielfalt, Erhalt und Verbesserung der wertvollen Lebensräume, in der Regel einmal jährlich im Herbst gemäht und das Mähgut abtransportiert.
Im Jahr 2018 gab es eine Wiederholungsaufnahme der Vegetation auf der Gaßlalm durch Gaby Müggenburg, bei der 75 Arten bestimmt wurden. Das Ergebnis dieser Untersuchungen ist, dass es seit 1997 eine Zunahme der Rote-Liste-Arten von 14 auf 20 Arten gibt und die Anzahl wertgebender Arten sich von 6 auf 8 erhöhte. Im selben Zeitraum nahmen die Stickstoffzeiger von 19 auf 12 Arten ab. Das Mahdregime führte zu einer optimalen Entwicklung der Streu- und Feuchtwiesen und verhindert gleichzeitig die Verbuschung der Fläche weil:

• spätblühende und -fruchtende Arten können durch den späten Mahdzeitpunkt ihren Entwicklungszyklus abschließen wie z.B. Schwalbenwurz-Enzian
• durch die Mahd werden regelmäßig Nährstoffe entzogen, es kommt zu keiner Auteutrophierung, wie es in Brachestadien der Fall wäre, welche zur Förderung weniger, schnellwüchsiger Arten führt
• lichtliebende und schwachwüchsige Arten können sich ohne Streuauflage aus Brachstadien optimal entwickeln
• Verbuschungen werden unterbunden

Diese positiven Effekte zeigen sich am Beispiel der Mehl-Primel. Im Gegensatz zu 1997 zeigt sich die Mehl-Primel individuenreich und hat deutlich zugenommen. Als niedrigwüchsige Rosettenpflanze profitiert sie besonders von der regelmäßigen Pflege. In Brachestadien brechen ihre Bestände durch Lichtmangel und Konkurrenzdruck rasch ein.

Die jahrelange Pflege der Gaßlalm lohnt sich für die biologische Vielfalt und den Erhalt von seltenen Lebensräumen auf kleinsten Raum. Dieses Mosaik aus verschiedensten Pflanzengesellschaften führt zu einer hohen Artenzahl auf kleinstem Raum = Biodiversitäts-Hotspot.

Neben den zahlreichen Pflanzenarten kommt z.B. auch der seltene Dukatenfalter auf der Gaßlalm vor. Dieser hellorangene Tagfalter aus der Familie der Bläulinge steht auf der Roten-Liste Deutschlands unter der Kategorie 3 (gefährdet). Die Larven dieses Falters entwickeln sich ausschließlich auf dem kleinen Sauerampfer als Futterpflanze.

Der Pflanzen- und Tierreichtum dieses Landschaftsjuwels mit atemberaubendem Alpenpanorama liegt direkt am „Bergwald-Erlebnispfades Inzell“. Die Nähe dieser Naherholungseinrichtung soll genutzt werden, um durch eine Informationstafel auf diesen Biodiversitäts-Hotspot in unmittelbarer Nähe aufmerksam machen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt unterstützt den Erhalt der biologischen Vielfalt auf engstem Raum, indem es den Lebensraum für viele seltene und spezialisierte Tier- und Pflanzenarten aktiv schütz, dauerhaft sichert und langfristig verbessert.

Neben der Pflanzenvielfalt wird der Zusammenhang in der Natur zwischen Pflanzen und Tieren in einem der schönsten Naturräume erlebbar. Die biologische Vielfalt an Pflanzen und Tieren bedingen sich und können schwer isoliert geschützt und bewahrt werden.

Nur was man kennt und versteht, wird man auch schützen und erhalten.


Bild 1
Bild 2

Bild 3

Dokumente

Flyer des Bergwald-Erlebnispfades

Pflanzenliste der Gaßlalm 2018

 

Besuchen Sie uns

Gaßlalm

Am Brandholz 2 1/2
83471 Berchtesgaden

Öffnungszeiten: Die Gaßlalm ist immer zu erreichen

Herr Dr Daniel Müller
Tel.:08652/9589-0
Info-berchtesgaden@baysf.de
https://www.baysf.de/de/ueber-uns/standorte/forstbetriebe/berchtesgaden.html

 

Weitere Infos

Bayerische Staatsforsten AöR
Berchtesgaden

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