Biologische Vielfalt und Klimaschutz durch Agroforstsysteme

Agroforstwirtschaft integriert gezielt Gehölze/Bäume in die landwirtschaftliche Nutzfläche (Acker/Weideland). Je naturnäher diese Systeme gestaltet werden, desto stärker sinkt der externe Regulationsaufwand (industrielle Dünger und Pestizide, Energie, CO2-Ausstoß). Dies führt zu einer Aufwertung der Flächen und zahlreichen ökologischen und auch ökonomischen Vorteilen, wie zum Beispiel
• Förderung der biologischen Vielfalt durch Landschaftsstrukturen und durch den Charakter einer offenen Parklandschaft ähnlich eines Ökosystemübergangs (Wald/Offenland),
• Klimaschutz durch Kohlenstoffbindung im Gehölzkörper sowie durch verstärkten Humusaufbau (Bindungs- und Substitutionspotenzial),
• Anpassung an den Klimawandel durch Windbremse mit Feuchtigkeits- und Bodenschutz,
• Gewässer- und Grundwasserschutz durch verstärkte Nährstoffaufnahme der Baumwurzeln,
• ökonomische Diversifizierung des Betriebes durch höhere Produktvielfalt,
• Ertragserhöhung bis zu 120 % der Monokultur,
• ästhetische Aufwertung der Landschaft.

Im Projekt werden
1. interessierte Landwirte kostenfrei beraten und bei der Einrichtung von Agroforstflächen begleitet. Eine Liste von Interessenbekundungen liegt vor, wurde priorisiert und nun abgearbeitet.
2. erste Länderministerien für das Thema sensibilisiert mit dem Ziel, die Kofinanzierung der bereits seit 2006 vorhandenen EU-Förderung zu aktivieren.
3. Information und Öffentlichkeitsarbeit zu diesem noch neuen Thema geleistet.

Das Ziel des hier beantragten Vorhabens ist das Durchbrechen des Zirkelschlusses "keine Förderung => keine Flächen => keine Förderung":

1. Einrichtung von Agroforstflächen: Dazu werden innovationsbereite Landwirte bei der Anlage erster Agroforstflächen durch den erfahrenen, freiberuflich tätigen Agroforstberater Burkhard Kayser beraten. Gemeinsam werden individuelle, Standort angepasste Systeme entwickelt und umgesetzt. Der Schwerpunkt der Beratung liegt dabei auf einheimischen Gehölzen unter Beachtung vorhandener, landschaftlicher Strukturen. Hierfür werden Personalmittel beantragt, damit der Berater einige Tage pro Monat wirken kann. Diese Beratungsarbeit benötigt Zeit, denn Anbausysteme werden über einen längeren Zeitraum geplant. Daher wurde die Projektlaufzeit in diesem Antrag auf drei Jahre festgelegt. Währenddessen sollen mindestens acht Agroforstflächen, je größer als zwei Hektar, in drei Bundesländern angelegt werden. Dazu sind die Landwirte zu beraten und zu motivieren. (Eine Auflistung der Betriebe, die hierfür bereits Absichtserklärungen unterzeichnet haben, kann nachgereicht werden.)
Ablauf: Gemeinsam mit den Landwirten werden Wünsche, Möglichkeiten und Erwartungen geprüft. Dann erfolgt eine Beratung und Planung für die ausgewählten Flächen. Danach geht es an die Umsetzung und Begleitung: Landwirte müssen dabei zur Pflege und späteren Aufrechterhaltung der Agroforstsysteme (zum Beispiel Aufastung) qualifiziert werden, insbesondere wenn sie keinen Wald besitzen. Und sie müssen lernen, woher sich die gewünschten Gehölze in geeigneter Qualität beziehen lassen. Hierzu wiederum sind Gespräche mit Baumschulen nötig, die umgekehrt selten über Informationen zu den spezifischen Anforderungen an Gehölze für Agroforstsysteme verfügen. Internetrecherchen runden das Vorhaben ab. Diese Beratungs- und Begleitungsarbeit hat meist einen mehr oder weniger langen Vorlauf, da zum Beispiel Gehölze in der Regel im Herbst gepflanzt werden. Startet die Beratung im Spätherbst oder Winter, so kann vor allem bei Frühjahrstrockenheit erst ein ganzes Jahr später mit der Einrichtung der Fläche begonnen werden.

2. Agrarpolitische Informations- und Lobbyarbeit: Ein Agroforstberater wird sich mit Unterstützung der VRD Stiftung an ausgewählte Landwirtschaftsministerien in den Bundesländern wenden, um dort für die Aktivierung der durch die EU empfohlene Fördermaßnahme für Agroforstsysteme zu werben. Wenn erste Bundesländer dieser Empfehlung nachkommen, ist mit einer Sogwirkung zu rechnen. In Brandenburg ist die BTU Cottbus bereits mit dem Landwirtschaftsministerium in Verhandlung: Es geht darum, wie Agroforstsysteme verwaltungstechnisch definiert werden und die Flächen später entsprechend kontrolliert und eingestuft werden können (Fernerkundung, Luftbildaufnahmen). Im Rahmen des hier beantragten Projektes werden vorrangig die Landwirtschaftsministerien von Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen angesprochen; Mindestens eines bis fünf dieser Ministerien sollen überzeugt werden, möglichst ebenso das Bundeslandwirtschaftsministerium. Dabei werden vorhandene Kontakte aus früheren Aktivitäten in die Agrarpolitik hinein genutzt.

3. Gleichzeitig ist Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit zu leisten: Bezogen auf Agroforstsysteme befindet sich Deutschland in einer Pioniersituation. In Analogie zur Energiewende befindet man sich noch lange vor dem damaligen „1000-Dächer-Programm“. Entsprechend ist Vieles gleichzeitig zu tun, wie zum Beispiel eine vorhandene Website zu modernisieren, Vorträge zu halten und Schulungen für Landwirte wie auch die staatliche Agrarberatung auszurichten.

4. Weitere interessierte Partner werden gerne in das Netzwerk der Akteure und Förderer aufgenommen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Agroforstsysteme schaffen linienförmige Strukturen bis hin zu offenen Parklandschaften, welche die Artenvielfalt unterstützen und erhöhen: Simuliert wird ein Ökosystemübergang zwischen Wald und Offenlandschaft, indem die Arten beider Systeme zu finden sind. In Anbetracht wachsender roter Listen der gefährdeten und ausgestorbenen Pflanzen- und Tierarten und speziell des Insekten- und Bienensterbens ist auch auf diesem Gebiet dringendes Handeln geboten.
Moderne Agroforstsysteme unterscheiden sich durch ihre Vielgestaltigkeit in ihrem äußeren Erscheinungsbild. Während KUP-ähnliche Energieholzsysteme eher wie größere Heckenstreifen auf den Flächen erscheinen, lassen Wertholzsysteme die Agrarflächen durch solitär stehende Bäume in Reihen wie eine offene Parklandschaft erscheinen (vgl. beiliegende Fotomontage einer Landschaft im Kraichgau bei Heidelberg). Im Gegensatz zu den ausgeräumten Agrarlandschaften, wie wir sie kennen, wird dies als ästhetischer wahrgenommen, was die Attraktivität einer Landschaft steigert und dem Tourismus zugutekommen kann.


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Dokumente

Vorteile von Agroforstsystemen

 

Besuchen Sie uns

Neu angelegte Agroforstflächen im Bundesgebiet, bitte bei VRD Stiftung erfragen

Heinrich-Fuchs-Str. 94
69126 Heidelberg

Öffnungszeiten: nach Absprache

Herr Dr Georg Eysel-Zahl
Tel.:06221-39539-07
gez@vrd-stiftung.org
http://www.vrd-stiftung.org

 

Weitere Infos

VRD Stiftung für Erneuerbare Energien, Heidelberg; Veolia Stiftung, Berlin
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