Ein Juwel - Über Jahrhunderte gewachsen

Der Mittenwalder Buchenwald ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Jahrhundertelange Waldweide in Kombination mit Streunutzung erzeugte lichte Buchen-Weidewälder mit artenreicher Krautschicht. Der örtlich bekannte und geschätzte Buchenwald besitzt hohe naturschutzfachliche Qualitäten und großen Erholungswert. Mit Rückgang des Heimweidebetriebs in den 1970er Jahren reduzierte sich der Weidedruck, worunter auch die Artenvielfalt litt. Eine Kooperation zwischen den Bayerischen Staatsforsten, der Weidegenossenschaft Mittenwald und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim konnte diese historische Waldnutzung im Jahr 2015 wiederbeleben. Die Mittenwalder Weidegenossenschaft treibt ca. 500 Schafe zur Beweidung auf die Fläche. Im Zentrum steht einerseits die Wiederaufnahme der historischen Waldweide andererseits ist das Projekt wesentlich umfassender. Die Bewirtschaftung der Weide erfolgt so, dass die Biodiversität möglichst effektiv gefördert wird. Die Kombination aus Beweidung sowie Maßnahmen zum Erhalt der Waldverjüngung sollen den einzigartigen Zustand nachhaltig erhalten und fördern. Der Forstbetrieb betreibt viel Öffentlichkeitsarbeit, um die historische Bewirtschaftung der Bevölkerung näher zu bringen. Es entstanden Informationstafeln, Zeitungsartikel, etc. Neben der einzigartigen Biodiversität erfreut der Ausblick auf das Karwendel viele Besucher.

Nahe der Gemeinde Mittenwald liegt auf ca. 1000 m Höhe ein einzigartiger 20 ha großer, lichter Buchenwald. Diese Flächen wurden seit der Besiedelung bis in die 70er Jahres des 20. Jahrhunderts als Heimweideflächen genutzt. Es entstand ein lichter Buchenwald, in dem jede einzelne Buche einem Solitärbaum mit ausladender, breiter Krone gleicht. Der Mittenwalder Buchenwald repräsentiert eine in Deutschland nur noch selten vorkommende Waldform, ein Hutewald unter Buchen. Das Augenmerk bei dieser historischen Waldform liegt nicht auf der Produktion von Nutzholz, sondern vor allem auf der Beweidung des Waldes. Die Bedeutung der Hutewaldbewirtschaftung ging mit dem Beginn der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert verloren. Heutzutage sind nur noch Bruchteile dieser Wälder erhalten und der Biotoptyp Hutewald steht in der Regel unter Naturschutz.
Das genaue Alter des Mittenwalder Buchenwaldes ist nicht bekannt, jedoch findet er bereits in Karten aus dem 19. Jahrhundert Erwähnung. Insgesamt war der Heimweidebetrieb in Mittenwald sehr verbreitet. Das Vieh lebte mit den Menschen unter einem Dach und wurde auf die Wiesen und in die Wälder in direkter Nähe getrieben. Am Abend holte man das Vieh wieder nach Hause, um es zu melken. Zusätzlich war das Buchenlaub im Herbst besonders gefragt und begehrt. Jedes Anwesen bekam einen Bereich für die intensive Gewinnung des Herbstlaubes zur Streunutzung zugewiesen. Die Kombination aus intensiver Beweidung und Streunutzung führte zu einem erheblichen Nährstoffentzug und damit zu einer Mineralstoffunterversorgung des Bodens. Durch die Lage am Rand zum Mittenwalder Trogtal ist der Föhneinfluss erheblich. Gemeinsam mit der Besonnung sorgt der Föhn bereits im Vorfrühling für ein Ausapern der Südhänge. Durch die jahrhundertelange Entnahme von Fichtenholz, vor allem zur überwiegenden Brennholznutzung, wurde die Ausbreitung der damit entstehenden Freiflächen begünstigt und die Artenvielfalt erhöht.
In den 1970er Jahren wurde der Heimweidebetrieb eingestellt. Als Folge der nicht mehr ständigen Beweidung begann der Buchenwald sukzessive zu verkrauten und zu verbuschen. Vor allem Fichtenverjüngung breitete sich aus, verdunkelte die Flächen und verdrängte die vielfältige Vegetation. Eine im Anschluss extensive Beweidung mit Schafen konnte diesen Prozess nicht aufhalten. Bereits zu Beginn der 1990er Jahre erkannte man, dass dieses Kleinod und damit seine biologische Vielfalt zu verschwinden droht. Man begann die Fichten auf großer Fläche zu entnehmen. Das Ziel war die Wiedergewinnung der ehemaligen Weideflächen. Trotz der Entnahme blieb die flächige Beweidung aus, weil die dominierende Schneeheide (Erica carnea) sämtliche Weidegräser verdrängt hatte und die Futterqualität selbst für die Schafe zu gering war. Schnell wurde klar, dass der Erhalt dieses einzigartigen Lebensraums nur durch gezielte Maßnahmen möglich sei.
2015 konnte der Forstbetrieb Bad Tölz der Bayerischen Staatsforsten, gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim i. Ob. und der Weidegenossenschaft Mittenwald, dieses Beweidungsprojekt realisieren. Mittels intensivierter Beweidung, welche über Koppelhaltung gesteuert wird, konnte seither der Lebensraum Waldweide erhalten werden.
Im Fokus stehen hierbei sowohl Naturschutzzielsetzungen wie biologische Vielfalt, landschaftliche Diversität und der Erhalt bzw. die Schaffung von Übergangsstadien zwischen Gehölzen und dem Offenland. Gleichzeitig soll eine kulturhistorisch bedingte Landnutzungsform erhalten und gefördert werden. Möglich gemacht wird dieses Projekt erst auf Grund der guten Zusammenarbeit mit der Mittenwalder Weidegenossenschaft. Diese treibt jährlich ca. 500 Schafe in die Flächen. Mittels acht temporärer Koppeln wird, durch die gesteuerte kleinflächig intensivere Beweidung, das Heidekraut und flächige Fichtenverjüngung zurückgedrängt. Die Bodenvegetation verschiebt sich mit der Intensität des Weidegangs hin zu einem kräuterreichen Artenspektrum.
In Bereichen, wo die Beweidung nicht ausreicht, versucht der Forstbetrieb, mosaikartig die Heideflächen und die Naturverjüngung nach Bedarf maschinell zu beseitigen.
Das hohe Alter der Buchen lässt bereits erste Bäume absterben. Um den Fortbestand der Buchen zu garantieren, muss die vorhandene weitständige Laubholz- und Kiefernnaturverjüngung vor Verbiss durch die Schafe und heimische Wildtiere geschützt werden. Hierfür werden Dreickszäune um die kleinen Pflänzchen gebaut.
Über das Gelände des Buchenwaldes verlaufen mehrere Wanderwege. Besucher können so einen schönen Einblick in das Gelände bekommen und gleichzeitig einen einzigartigen Ausblick auf das Karwendel genießen. Besonders im Frühling ist das Gebiet Anlaufpunkt für viele Erholungssuchende, um das Blütenmeer im Buchenwald zu erleben. Eine zentral errichtete Informationstafel klärt hierbei über das Projekt auf.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Alle Maßnahmen finden unter der Prämisse der Maximierung der biologischen Vielfalt statt. Die Mischung aus beweideten Flächen, Magerrasen über subalpine Kalkrasen bis hin zu Trockenrasen in Kombination mit dem lichten Waldbestand bildet ein besonderes Biotop. Diese Faktoren führen dazu, dass auf den Flächen ein großes Spektrum an Lebensräumen für viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten vorzufinden ist. Durch die Anwesenheit der Schafe profitieren zusätzlich viele dungliebende, als auch blutsaugende Insekten. Mittlerweile findet man wieder Lilien-, Orchideen- und verschiedene Enziangewächse, welche neben der Silberwurz und der Kugelblume entsprechend ihrer Blütezeiten anzutreffen sind. In den knorrigen Buchen sind zahlreiche Höhlen zu finden. Hiervon profitiert z.B. der im Buchenwald häufig vorzufindende Grünspecht. Insgesamt konnten über 160 unterschiedliche Arten nachgewiesen werden. Hiervon stehen ca. 10 % auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Beispiele dieser Arten sind das Gewöhnliche Katzenpfötchen und das Gefleckte Knabenkraut. Neben vielfältigen Blühpflanzen sind auch seltene Straucharten, wie die Europäische Stechpalme anzutreffen. Durch die Bewirtschaftung profitieren viele weitere Arten, die hier nicht allesamt genannt werden können. In Summe ist der Standort Hutewald ein magerer Standort, der durch seine Nutzung jedoch Lebensräume für viele spezialisierte Arten bietet.


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Dokumente

Infoflyer aus dem Jahr 1998

 

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