Sonderwettbewerb Soziale Natur

„UnserGarten Bruck“ – vom „hässlichen Entlein“ zum grünen Paradies in der Stadt

Auf einer Brachfläche rund um die Soziokulturelle Stadtteileinrichtung „Kulturpunkt Bruck“ ist innerhalb von 5 Jahren ein facettenreiches Gartenprojekt gewachsen. Neben Gemüseanbauflächen – sowohl ebenerdig als auch in Hochbeeten – gibt es unterschiedlichste Gartenbereiche, um Fauna, Flora und Mensch in einen vielfältigen grünen Lebens- und Erlebnisraum inmitten der Stadt einzuladen. Der Garten ist jederzeit für alle Menschen offen zugänglich. Gemeinsam wird gegärtnert, gebaut, experimentiert, gekocht, Kunst und Kultur gemacht. Wer nicht selbst aktiv werden will, findet in dem Garten einen Ort der Erholung, wo es immer wieder Neues zu entdecken gibt und sich jede Menge Anregungen und Informationen finden lassen. Neben dem Anbau von Gemüse, Obst und Beeren ist ein Schwerpunkt des Projekts das Schaffen von Lebensräumen. So finden sich auf dem Gelände Benjeshecke, Sandarium, Wassergarten, Schattenbereich, Wildstaudenbeet, Totholzhaufen, Kompostsystem, Steintürme, bienenfreundliche Stauden-, Rosenbeete, Blumenwiesen und Wil-dobsthecken. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Gartengemeinschaft wieder, in der es allen möglich ist, sich mit eigenen Ideen – auch wenn kein gärtnerisches Wissen vorhanden ist – einzubringen. Auf die Gartengemeinschaft wird sehr viel wert gelegt, um ein neues, soziales Miteinander und Solidarität zu leben. Eine gleichbedeutend große Rolle spielt das Verständnis, dass nachhaltig, ressourcenschonend und ausschließlich biologisch gegärtnert wird.

2015 bekam das hauptamtliche Team des Kulturpunkt Bruck die Erlaubnis, das Freigelände rund um die Einrichtung in einen urbanen Garten zu verwandeln. In einem Team aus garten- und naturbegeisterten Menschen und einer hauptamtlichen Mitarbeiterin aus der Soziokultur wurde gemeinsam ein Konzept entwickelt. Entstanden ist ein Gartenplan, der auf engstem Raum eine große Vielfalt an unterschiedlichsten Gartenbereichen zusammenbringt. Neben Bereichen für Erholung (Liege-, Kul-turwiese), Gartenküche, Liegebänken, schattierender Weinpergola, ist das Gelände zu einem kleinen Schaugarten für naturnahes Gärtnern gewachsen. Rundum wurden die Hecken mit Wildobstgehölzen (Schlehen, Sanddorn, Kornelkirschen, Felsenbirnen etc.) aufgeforstet, außerdem wurde auf dem sehr sonnigen Gelände nach städtischem Heckenrückschnitt ein Schattengarten geschaffen. Hier gibt es nun Raum für schattenliebende Wildkräuter (Bärlauch, Waldmeister), Stauden und Sträucher. Im Randbereich des Schattengartens steht das „Internationale Lehrbienenhaus“, das vom Imkerverein Erlangen Höchstadt betreut und durch Imkerkurse mit Leben gefüllt wird. Das Gelände wird umrahmt von zwei Gemüsebeetanlagen, die mit einem schützenden Staketenzaun eingefasst sind. Historische Gemüsesorten, Saatgutgewinnung, regionale Gemüse und ressourcenschonendes Gärtnern bilden die Basis des Gemüseanbaus. Wasser wird über einen Wassertank gesammelt, es wird gemulcht, gehackt, in Mischkultur angebaut und Gartentagebuch geführt (Kulturfolge, Fruchtwechsel). Die Beete werden nach Verantwortlichkeiten aufgeteilt gemeinschaftlich gepflegt, Schädlinge werden ausschließlich natürlich bekämpft (z.B. Insektenhäuser im Beetbereich), Pflanzen gestärkt (Ackerschachtelhalm), es wird mit Pflanzenjauche und eigenem Kompost gedüngt. Rund um die Gemüsebeete sind Staudenbeete mit bienenfreundlichen Stauden entstanden, die über den Winter stehen bleiben dürfen und erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden. Auf einem Teil der Wiese wurden viele verschiedene Obstbäume gepflanzt, so vor allen Dingen historische und regionale Sorten, wie z.B. Mispel, Quitte, alte Apfelsorten etc. Beerenhecken laden zum Naschen ein und untertei-len das Gelände. In Hochbeeten, die oft aus alten Materialien gebaut – upgecyclet – worden sind, werden Gemüse, Kräuter, aber auch unterschiedlichste Stauden kultiviert. In Zusammenarbeit mit dem Arche Bauernhof Erlangen Stadt und Land e.V. werden alte und speziell regionale Gemüsesorten rekultiviert und angebaut. Schwerpunkt des Gemüseanbaus liegt auf historischen, samenfesten Sorten, um Besucher*innen die große Sortenvielfalt und längst vergessenes Gemüse wieder näher zu bringen. In einem weiteren beschilderten Bereich ist in Zusammenarbeit mit der „Grünen Liga Berlin“ ein Wildstaudenbeet entstanden, das heimische Stauden vorstellt und demonstriert, wie schön und pflegeleicht naturnaher Blütenreichtum sein kann. Aus dem Garten kommt nichts mehr heraus, alles wird innerhalb verwertet und verwendet. Was nicht auf dem Kompost landen kann, wird auf die große Benjeshecke gestapelt, auch mehrere Totholzhaufen finden sich in allen Gartenecken. Aus Fundsteinen sind Insektentürme und eine Sandsteinmauer entstanden, die ein Sandarium und den kleinen Wassergarten beherbergen. Blätterhaufen, Insektenhäuser, Nistkästen, Hummelhäuser bieten vielen Tieren Unterschlupf. Nach fünf Jahren Gartenprojekt ist viel Leben eingezogen, so finden sich inzwischen regelmäßig Gartenrotschwanz, Stare, Spechte, Rotkehlchen, Zaunkönig, Kernbeiser, Kleiber, Stieglitz u.v.m. im Garten ein. Während einer sommerlichen Gartenrunde lassen sich nun auch Wiesenbläuling, Holzbienen, Schwalbenschwanz, Schwebfliegen und unterschiedlichste Wildbienen entdecken, die sich gerne an dem reichhaltigen Blumenangebot laben. Im letzten Jahr haben sich in der Nähe der Komposthaufen Blindschleichen eingenistet, die nun helfen, die Schneckenpopulation in den Griff zu bekommen. Dank des ehrenamtlichen Engagements ist ein Gartenkräuterbuch entstanden, das sehr aufschlussreich zu den einzelnen (Wild)Kräutern im Garten informiert. Viele Pflanzen sind beschildert und informieren mit dem aushängenden Buch Besucher*innen über ihren unermesslichen Wert für Natur und Mensch. An diese Idee wird aktuell angeknüpft, weiterführend ist ein ergänzender Kräuterpfad mit QR-Codes in Arbeit, der es auch digitalbegeisterten Menschen leicht macht, Garten auf ganz andere Weise zu erkunden. So wird Verständnis geweckt, dass ein Garten, der manch einem vielleicht an einigen Ecken unordentlich oder ungepflegt erschei-nen mag, durchaus mit Bedacht so angelegt ist. So sind zum Beispiel Brennnesselinseln wertvolle Insektenweiden, aber auch Gaumenfreuden in der Frühjahrsküche und später im Jahr wertvolle Dünge- und Pflanzenschutzpflanzen. Auf der einstigen Brache ist buntes Treiben eingekehrt, das von vielen Besucher*innen gerne immer wieder angesteuert wird, da es jedes Mal und zu jeder Zeit Neues zu entdecken gibt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Wichtigster Konsens des Gartenplenums war von Anfang an, ein sehr vielfältiges Gelände zu schaffen, in dem unterschiedlichste Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Insekten entstehen sollten. Ein Basisgedanke des Projektes ist, möglichst vielen Menschen Naturerleben ganz niedrigschwellig näher zu bringen. Inzwischen leitet ein Lehrpfad mit kleinen, immer wieder wechselnden Rätseln durch den gesamten Garten. Spieltrieb und Neugier ermöglichen so, Verständnis für einen naturnahen Garten zu wecken und zu lernen, wie einfach es ist, selbst mehr für die Artenvielfalt beizusteuern. Unbegleitet können Besucher*innen auf Entdeckungstour gehen und fast nebenher vieles über Zu-sammenhänge Mensch und Natur erfahren. Auch in Kursen werden inzwischen im Garten wertvolle Inhalte weitergegeben, z.B. „Wildbienen im Garten“, Nistkastenbau, Wildkräuter entdecken, etc. Für Schulklassen und Kindergärten besteht seit kurzem die Möglichkeit, aus einer große Angebotspalette naturpädagogischer Inhalte zu wählen und eine erlebnisreiche Zeit im Garten zu verbringen. Im Garten sind bewusst viele Wildkräuter für Mensch und Tier angesiedelt, mit denen phantasievoll garteneigene Produkte zubereitet werden. Auf diese Weise lässt sich altüberliefertes Wissen geschmackvoll und erlebnisintensiv transportieren. Wissen wird auch durch gute Vernetzung mit anderen Initiativen angereichert und so ermöglicht es das Projekt ganz leicht, einen anderen, neuen Zugang zum Gärtnern für die Artenvielfalt zu finden.

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Besuchen Sie uns

Interkultureller Gemeinschaftsgarten "UnserGarten Bruck"

Fröbelstraße 6
91058 Erlangen

Öffnungszeiten: Garten hat keine Schließzeiten

Frau Ursula Kern
Tel.:09131303664
ursula.kern@stadt.erlangen.de
http://www.kulturpunkt-bruck.de

 

Weitere Infos

Stadt Erlangen, Kulturpunkt Bruck
Erlangen

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